Heilige Kühe schlachtet man nicht, . . .


Seit Anfang Mai nachdem klar war das meine Mutter ihr Leben nicht in ihrem Haus, in dem sie seit 50 Jahren lebt würde vollenden können sondern den Rest ihres Leben in einem Altenpflegeheim würde leben müssen, befinde ich mich in einer Art emotionalem Ausnahmezustand. Ganz besonders hat dieser Zustand während der ersten Wochen nachdem meine Mutter in ein Heim umgezogen war, zugetroffen.

Ein, wenn nicht der wesentlichste Punkt im Leben meiner Mutter wie auch im Leben eines jeden Menschen ist der persönliche Alltag, die Lebensqualität im Alltag. Natürlich bin ich mir der unterschiedlichsten sozialen Verhältnisse bewußt in dem Menschen leben. Seit 10 Jahren betreue ich meine Mutter. Solange sie in ihrem Haus lebte war all das was ihren Alltag lebens und liebenswert macht vorhanden. Natürlich war dies von ihrer subjektiven Wahrnehmung und ihrem pers Wohlbefinden tagesformabhängig. Obwohl ich mir dessen bewußt war das es nicht immer so bleiben könnte, habe ich ihren Alltag, der gleichsam einer Routine verlief als gegeben angenommen. Diese Routine wurde Anfang Mai außer Kraft gesetzt. Insofern ist der emotionale Ausnahmeszustand in dem ich mich als Folge dieser Veränderung befand im Grunde genommen zwingend.

Es fühlte sich an als sei auch mein Leben nicht nur aus den Fugen geraten sondern als sei alles auf den Kopf gestellt. Solche Situationen, solch ein Gefühl das immer mit einer einschneidenden Veränderung einhergeht und mich in der ersten Zeit begleitet, habe ich schon des öfteren durchlebt.

Bildlich gesprochen fühlte es sich an als würde in meinem Innersten ein Orkan herrschen. Gleich einem Orkan der über einem Meer tobt, der das unterste, was auf dem Grund des Meeres liegt nach oben fördert, alles durcheinander wirbelt. Mittlerweile hat sich dieser Sturm wieder gelegt und es ist Ruhe eingekehrt. Das Meer ist wieder ruhig, das Wasser ist klar. Vieles von dem was auf dem Meeresgrund lag wurde, da es überflüssig war nach oben und an den Strand gespült. In mir wurde alles neu sortiert. Zudem nehme ich vieles von dem was um mich herum geschieht, mit anderen Augenwahr, nehme es von einem neuen, anderen Standpunkt wahr. Dazu gehört in erster Linie die Situation wie sie sich zwischen mir und meiner Mutter darstellt.

Das sich meine pers Wahrnehmung im Kontext zu HIV auch ge-verändert hat liegt daher auch auf der Hand. Die Schwierigkeit die zwangsläufig damit einhergeht ist zwischen subjektiver Wahrnehmung, das meine persönliche Situation nicht meine Wahrnehmung zu sehr beeinträchtigt und objektiver Wahrnehmung dessen was außerhalb von mir geschieht zu unterscheiden. Dies gestaltet sich mitunter schwierig da diese Grenze sehr oft fließend ist.

Ungeachtet davon gibt es unzählige Schnittstellen zwischen mir der ich seit 26 Jahren HIV positiv bin und dem Alltag von anderen Menschen die HIV positiv sind. Neu Positionierung der Arbeit und Aufgaben von AH´s sind das zentrale Thema der letzten Jahre. Veränderungen, seien sie kurzfristiger oder langfristiger Art, als Reaktion auf  die Erfahrung von mittlerweile 30 Jahre HIV, neue Erkenntnisse die sich direkt auf den Alltag, die Lebensqualität eines Menschen mit HIV betreffen und auswirken stehen hier im Vordergrund. Was dies erschwert sind gewohnte Routinen, auch mögliche Betriebsblindheit die einem die Sicht versperren um sich neuen Herausforderungen zu stellen, da sie deren beruflicher Alltag sind. Und auch hier ist es schwer das persönliche, Subjektive von einer objektiven Haltung und Wahrnehmung zu trennen. Als Profi der sich in diesem Berufsfeld engagiert, diesem Thema verpflichtet fühlt hat man dies zu leisten. Ein Mittel, eine Möglichkeit ist die Inanspruchnahme von Supervision und Kritik von außen. Doch gerade Kritik auszusprechen dies scheint mir zunehmend schwieriger. Da wird schnell mal die Solidarität angemahnt und eingefordert. Mit Totschlagargumenten wie „Du kannst es gar nicht beurteilen, Du warst nicht anwesend“ ist man dann ganz schnell bei der Hand. Persönliches, die Person vom Inhalt einer Kritik zu trennen, gestaltet sich in vielen Fällen schwierig um nicht zu sagen aussichtslos. Eine heilige Kuh schlachtet man eben nicht.

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Pressemiteilung Deutsche Aids Stiftung „30 Jahre HIV“

Viele HIV-infizierte Menschen leiden bei einer langfristigen Medikamenteneinnahme unter Nebenwirkungen sowie Begleiterkrankungen der Infektion. Sie können nicht mehr arbeiten und sind daher auf staatliche Unterstützung angewiesen. „Kürzungen im Sozialbereich haben dazu geführt, dass Menschen, die von staatlichen Transferleistungen leben, sich selbst elementare Dinge wie Seh- und Hörhilfen, Bekleidung oder Haushaltsgeräte nicht leisten können. Immer häufiger wenden sie sich mit der Bitte um Unterstützung an die Deutsche AIDS-Stiftung“, betonte Dr. Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung, anlässlich der Jahrespressekonferenz der Stiftung in Düsseldorf. Aufgrund zurückgehender Spendeneinnahmen könne die Stiftung allerdings nur in den härtesten Notfällen helfen. Quelle DAS

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„HIV im Monolog ?“ Berlin, August 2011

Workshop Liebe&Pflicht

Es war nur eine Diskussion der Leute auf dem Podium, die Publikumsdiskussionen wurden immer gleich wieder abgewürgt…

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. . . „Dialog“, war ja kein Dialog, nur Monologe von „etablierten“ HIV-Aktivisten . . . . Neues gabs nicht, das ewige Gelaber über so oft schon gesagtes…. Schade, hatte mir mehr mehr erhofft….

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HIV im Dialog….. auch für mich ein Enttäuschung, weil der Dialog fehlte mit den Teilnehmern heisst uns Betroffenen und Besuchern! . . . ich hatte aber auch 2 tolle Dialoge miterlebt….. leider waren diese in der Minderheit….

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Hiv und Arbeit, HIV und Haft, HIV und Migration dies sind um nur einige Themen zu nennen sind wichtige Themen die einen direkten Einfluß auf die Lebensqualität im Alltag von Menschen die HIV sind haben. Sie stehen außer Frage.

Vielen Themen jedoch sind mir zu intellektuell geworden, zu abgehoben. Vor allen Dingen deshalb weil sie zu weit entfernt von den alltäglichen Bedürfnissen von Menschen mit HIV die nicht in Lohn und Arbeit stehen sind. Dieser Diskurs zu HIV ist nicht mein Diskurs.

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