Auf den Magen geschlagen


Nächste Woche wird meine Mutter aus ihrem Haus ausziehen und in ein Heim umziehen, einziehen. Vor einer Woche haben wir meine Mutter über „Du hast Heute einen Termin“ bewegen können sich das Heim vor Ihrem Um/Einzug anzuschauen. Damals war es für sie klar das es nach dem „Termin“ wieder nach Hause, zurück „in ihr zu Hause“ geht.

Dieses würde dieser „Trick“ nicht funktionieren. Ihr zu sagen das sie wieder einen Termin hat, sie in dem Glauben zu lassen das es nach „einem Termin“ ja wieder zurück „nach Hause“ geht, sie zu belügen kommt für mich nicht in Frage.

Während der letzten Tage sagte sie zu einem unserer dienstbaren Geister, so nenne ich die Damen des Sanitätsvereines die täglich zu ihr nach Hause kommen um sie zu duschen, das sie nicht in ein Heim geht. „Ich gehe nicht in ein Heim.“

Insofern, und da kenne ich meine Mutter zu gut, würde „Mutti so schlimm wie es für Dich ist aber heute müssen wir Dich in das Heim fahren“ nur ein „Nein ich fahre nicht mit. Ich werde mein Haus nicht verlassen“ als Reaktion nach sich ziehen. Weder die Fahrer eines Krankentransportes noch sonst jemand können sie dazu zwingen wenn sie „Nein“ sagt. Und selbst wenn es so wäre oder gar auch so sein kann, es ist Würdelos und daher für mich kein Mittel einer Wahl.

Was sage ich meiner Mutter also diesesmal. „Es is ja nur vorübergehend, für kurze Zeit“? Diese Hinterür offenzulassen das sie wieder „jederzeit – nach einer Zeit“ nach in ihr zu Hause zurück geht? Kein Thema für mich.

Ein guter Bekannter der in einem Heim arbeitet und einen tollen Job macht schrieb mir folgendes:

Da bist du leider nicht alleine. 80% (achtzig!!) der neuen Bewohner wurden von den Kindern nicht über einen Heimeinzug informiert. Diese Bewohner wurden es noch immer nicht, schieben dabei dann määäächtig Frust.

Bei Vielen fitten und auch dementen Bewohnern hat es sich bewährt den Neueinzug nicht sofort auszusprechen sondern dies erstmal als Kurzzeitpflege schmackhaft zu machen. Ist zwar auch gelogen, aber evtl klappt das. Ich schaue da immer wieder faszinierend zu wenn demente Bewohner einem erzählen das sie erstmal hier bleiben. „Zu hause sei es schöner, aber man selbst kann es auch nicht mehr reißen alleine zu hause“.

Viele Neubewohner haben einen dicken Hals, sind genervt vom Heim. Das Personal kriegt das dann zu spüren. Aber nach ein paar Tagen merkt Mutter das es doch nicht so schlecht ist. Hier leben noch andere gleichalte Menschen (Gespräche, Freundschaften, tägliche Erlebnisse) . . . . sooo schlecht ist es dann ja wohl doch nicht. Auch wenn das wenige zugeben.

Einmal hat der Sohn die Mutter ´zum spazieren´gefahren und dann bei uns „abgeliefert“. Die Mutter hat das dem Sohn nie verziehen. Oder die Notlüge, du müsstest selber ins Krankenhaus, fährst in den Urlaub, Arbeitgeber hat Termine weiter weg für dich usw etc. Leider liest sich das so als wenn es nicht ohne die Notlüge gehen würde.

Ehrlich gesagt sind es die Wenigsten die sich wie zu hause fühlen. Auch nach Jahren nicht. Aber das wundert mich nicht. Wenn ich 80 Jahre am gleichen Fleck gewohnt habe . . . . .

Viel konnte ich jetzt nicht helfen. Es gibt leider keine Erfolgsformel dafür.

Es bleibt mir nichts anderes überig als mich der Situation wie sie sich an diesem Tag des „Umzuges“ darstellen wird zu stellen. Situationsansatz – situatives Handeln nennt man das in der Kinderpädagogik.

Je näher der Montag der 25. kommt, umso beschixxener fühle ich mich. Mir kommt das alles wie ein Traum vor aus dem ich am liebsten aufwachen möchte.

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BIVA – Interessenvertretung für Menschen, die Wohn- und Betreuungsangebote im Alter und bei Behinderung in Anspruch nehmen.

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