Altenheim vs Eigene 4 Wände – Gewohnheiten und Rituale


Intro

Wenn die Rede von einem Altenheim aufkommt dann ist eine der am häufigsten geäußerten Redewendungen: „Es gibt auch gute Heime“, „Das ist ein gutes Heim“.

Dies ist schlicht und ergreifend so falsch wie es auch subjektiv wahr sein kann. Jedoch dürfte letzteres in den seltenste Fällen der Fall sein das ein HeimbewohnerIn ein Heim als ein gutes Heim bezeichnet bzw bewertet.

Allerdings gibt es eine spezielle Spezies die ganz besonders in Talkshows nicht müde wird einem gebetsmühlenartigen Sermon gleich, der Gesellschaft verstehen zu geben das „Ein Heim gut ist“. Es handelt sich hierbei um eine Vereinigung, ja fast ist man geneigt das Wort „Organisation“ zu verwenden“ bestehend aus Altenheim Bau Konzernen, den Herstellern von Hilfsmittel sowie deren Lakaien oder besser gesagt Erfüllungsgehilfen Neudeutsch „Politiker“. Sie haben auf Grund der Alterspyramide unserer Gesellschaft erkannt welches finanzielle Potential – neben dem Vermögen – dem „Alter“ innewohnt.

Das Recht der freien Wahl

Der Umzug eines Menschen im Alter aus seiner gewohnten Umgebung i.e. seiner Wohnung oder seinem Haus in dem er/sie während der letzten Jahrzehnte gelebt hat ist eine einschneidende Veränderung im Leben eines jeden alten Menschen der sich mit solch einer Situation konfrontiert sieht. Es ist eine Erfahrung die der Redewendung „Jemand ins kalte Wasser werfen“ gleich kommt. Sehr viele Menschen sehen sich ohne ausreichende Vorbereitung mit einer neuen, einer schwierigen, inneren oftmals kaum zu bewältigenden Aufgabe konfrontiert. Sich in eine Situation zu fügen ist nicht immer gleichbedeutend damit eine Situation „angenommen“ zu haben. Annehmen beinhaltet den Aspekt das eine Situation ein Teil des eigenen Lebens geworden ist, zu seinem Leben gehört und man dies akzeptiert, annimmt. Ohne inneren Groll, ohne das es einen innerlich „auffrißt“.

Das es Menschen gibt die sich gewahr sind ihren Alltag in naher Zukunft nicht mehr bewältigen zu können, auf Hilfe angewiesen sein werden und sich auf diese Veränderung  vorbereiten, sich dem Thema „Leben in einem SeniorenHeim, -Residenz etc“ zu stellen, sich damit auseinandersetzen und sich innerlich dieser Situation annähern, darauf einstellen das steht außer Frage. Um diesen PersonenKreis, der relativ klein und überschaubar sein dürfte geht es hier nicht. Wobei die Thematik der Veränderung = „Verzicht“ der gleiche ist. Und – es gibt Menschen die zeitlebens in bescheidenen Verhältnissen gelebt haben. Für diesen Personenkreis ist ein Umzug, ein Leben in einem Heim oftmals eine Verbesserung ihrer Lebensituation. Dies will ich nicht verkennen.

Für die Mehrzahl der alten Menschen ist ein Umzug in ein Heim alternativlos. Das heißt „Sie haben keine andere Wahl. Der Umzug in ein Heim basiert in den meisten Fällen nicht auf dem Recht der Entscheidung der freien Wahl.

Die Räumlichkeiten in jedem Heim sind was Ausstattung und Größe betrifft vorgegeben. Sie unterliegen der Funktionalität und der Optimierung eines reibungslosen Tagesablaufes um der Versorgung eines jeden einzelnen BewohnersIn durch das Pflegepersonal gerecht zu werden.

Die individuelle Gestaltung des Wohnraumes, des Zimmers des BewohnersIn ist durch die Größe beschränkt. Da alle Altenheime nach dem Kosten Nutzen Faktor gebaut werden kann die Größe des Zimmers variieren. Je größer ein Zimmer ist umso höher werden die  monatlichen Kosten sein. Die Gestaltung, Einrichtung des Zimmers steht in direkter Abhängigkeit – im Zusammenhang mit den finanziellen Möglichkeiten seiner Bewohner.

Bedürfnislosigkeit

Einer der wesentlichen Aspekte der christlichen Lehre wie auch im Budhhismus und anderer Religionen ist Bedürfnislosigkeit.

Niemand von uns ist Mönch, Buddhist, Nonne oder lebt ein Leben im Geist von Diogenes. Doch wenn man den Umzug aus seiner gewohnten Umgebung in ein Altenheim unter diesem Aspekt für einen Moment Beachtung schenkt, dann wird man nicht umhinkommen festzustellen, das diese neue Lebenssituation von „Verzicht“ geprägt ist.

Bedingt durch die Tatsache das das Leben von dem Moment des Einzuges auf einen Raum beschränkt ist – sein wird, verzichtet man (ohne die Wahl der freien Entscheidung „Ich verzichte“) auf all die liebgewonnenen Dinge die Jeden umgeben der z.B. diesen Text ließt. Der eine sitzt am Fenster, schaut auf die vom niedergegangenen Regen wassergefüllten sich zum Boden neigenden Rosen während aus den Lautsprechern der Stereoanlage Musik erklingt. Andere sitzen vielleicht am Schreibtisch erledigen ihre Arbeit oder begleichen per Onlinebanking eine Rechnung während von irgendwoher verführerischer Kaffeeduft ihre Sinne umschmeichelt und ihnen in Vorfreude beim Gedanken an ErdbeerKuchen mit Schlagsahne schon das Wasser im Munde zusammenläuft.

Es sind die täglichen Gewohnheiten und Rituale die Teil unseres Lebens ausmachen weil wir uns mit Ihnen wohlfühlen. Gewohnheiten und Rituale die einen Teil unserer Lebensqualität ausmachen auf die man mit dem Umzug in ein Altenheim verzichtet. Ohne dies gewählt zu haben, nicht selten ohne sich darauf vorbereitet oder sich damit auseinandergesetzt zu haben.

Einer der unangemessensten  08/15 Sprüche in solch einer Situation ist er Spruch „Leben heißt Veränderung“. Dieser lockig flockig losgelassene Spruch basiert imo mehr auf Ignoranz und Arroganz als auf gelebtem Leben bzw einer daraus gewonnenen Erkenntnis. Von Verständnis will ich gar nicht sprechen. In meinem Leben habe ich mehr als einmal „von Vorne – von Null“ an angefangen. Entweder waren es bewußte Entscheidungen oder es waren Konsequenzen im Kontext von Ursache und Wirkung über die mich mir gewahr war das es passieren könnte. Das Ereignis „Veränderung“ gehörte für mich zu meinem Leben für das ich mich entscheiden hatte das ich gewählt hatte. Insofern haben mich solche „Veränderungen“ nicht unvorbereitet getroffen. Und selbst die Tatsache das ich darin ein wenig „Übung“ habe wird mich nicht von dem Schmerz der irgendwann mit einem Umzug in ein Heim, einer solchen Veränderung einhergehen kann und wird befreien da auch ich auf liebgewonnenes verzichten werde. Es sind diese Dinge an denen das „Herz hängt“ von denen man sich trennen muß. Trennung heißt von dem (Dinge) was man liebt Abschied nehmen. Trennung heißt einen Verlust betrauern. Dies ist die ganz banal praktische Seite des AlltagsBuddhismus. „Leben ist Leiden – leiden“ ist mehr als nur ein philosofisches Konzept. Verhaftet sein an dem was in uns ein Wohlgefühl auslöst und das Bedürfnis dieses Wohlgefühl wieder und wieder zu erfahren. Das ist Leben. Ohne Bewertung.

Über das Alter zu sprechen wird in unserer Gesellschaft zunehmend verdrängt, fast schon tabuisiert. Jeder weiß das er/sie alt wird/werden kann. Jeder weiß das er/sie im Alter krank werden und auf Hilfe angewiesen sein wird/kann. Und jeder weiß das ein Umzug in ein Altenheim notwendig sein kann. Aber es passiert erst mal immer den Anderen . . .

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7 Antworten zu Altenheim vs Eigene 4 Wände – Gewohnheiten und Rituale

  1. karina schreibt:

    Ich stehe momentan genau vor dieser Entscheidung, ob ich meine Mutter ins Heim bringen sollte oder nicht? Ich bin beruflich so eingespannt, dass ich, was ich auch versuche, nicht mehr genügend Zeit aufbringen kann, um eine gute Versorgung für meine Mutter sicher zu stellen. Welche Altenheime in Deutschland sind zu empfehlen und welche Alternativen gibt es? Wäre wirklich dankbar für jede Anregung?
    Danke.

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Karina

    Die Frage ist so einfach wie schwierig zu beantworten. Einfach, wenn Deine Mutter im vollen Besitz ihrer geistigen Fähigkeiten ist, sich selbst und ihre Situation einschätzen kann und z.b. sagt: „Ok mir fällt es zwar zusehens schwerer mich alleine zu versorgen, ich benötige Hilfe und Unterstützung. Aber sonst bin ich ja noch hellwach im Kopf. Finanziell bin ich gut abgesichert. Deshalb möchte ich meine letzten Jahre in einem Altenheim in Bayern, der Nord oder Ostsee verbingen. Ich möchte noch mal etwas neues erfahren, kennenlernen“. Wenn das der Fall, der Wille Deiner Mutter ist, dann wirst Du diese „Kröte“ möglicherweise schlucken müssen. Dies trifft aber auf die wenigsten alten Menschen zu.

    Im anderen Fall kann ich Dir nur aus meiner Erfahrung sagen was für mich wichtig war. Meine Mutter ist nicht mehr in der Lage ihre eigene Situation, sich selbst „realistisch“ einzuschätzen. Aus diesem Grund hat mir das Amtsgericht vor fast 11 Jahren die Betreuung für alle Aufgabengebiete übertragen.

    Ein Kriterium für das Heim war die Nähe zum Ort – Grab meines Vaters und die Nähe zu dem Ort wo ich wohne. In ca 40 Minuten bin ich bei ihr. Und da ich demnächst in die gleiche Stadt in dem das Altenpflegeheim ist umziehen werde ist es für mich dann nur noch ein Klacks mit der U- oder Strassenbahn sie zu besuchen.

    Ein weiteres Kriterium ist das – berühmte „Netzwerk“. Der Besuch Ihrer Freundin und ihrer Bekannten sollte was die Entfernung betrifft „relativ“ einfach und nicht von weiten, langen Anfahrtswegen bzw Zeiten geprägt sein. Das dies nicht immer möglich ist liegt auf der Hand. Viele Familienmitglieder leben u.U. weit voneinander entfernt, haben eine eigenen Familie und sind in den eigenen Alltag eingespannt. In unserem Fall wohnen und leben einige Freunde und Bekannten grad mal um die Ecke wie man so sagt. Der Besuch von Freunden und Bekannten vermittelt einem alten Menschen der in ein Heim umzieht, das ja für sie eine völlig neue und fremde Umgebung darstellt, ein Gefühl von „Vertrautheit und Geborgenheit“.

    Wenn es möglich ist und deine Mutter einen guten Hausarzt, oder Physiotherapeutin hat, dann erkundige Dich ob er/sie bereit wäre deine Mutter auch im Heim weiterhin zu betreuen. Es sollten soviel wie möglich „alte, bekannte Gesichter“ sein die deine Muter im Heim auf-besuchen. Ein Umzug in ein Heim ist immer eine einschneidende und schmerzhafte Erfahrung für einen alten Menschen. Wer was anderes sagt macht sich etwas vor. Alte, bekannte Gesichter lindern diesen anfänglichen Schmerz. Natürlich ist dies nicht immer möglich bzw nur schwer umzusetzen.

    Was sich bei der Wahl eines Heimes für mich als ein wesentliches Kriterium herausgestellt hat, war das berühmte „Bauchgefühl“ und meine sensorische Wahrnehmung des Heimes. Ich habe Heime gesehen da schlug mir beim Betreten eine EssensWolke und Uringestank entgegen, da hat sich bei mir alles verkrampft. Und dann gab es einige Heime da waren die Wände der Räume und Flure in hellen warmen Farben gehalten. Ich hatte sofort ein Gefühl von „Ja so sollte es sein“. Es roch gut und war sehr sauber, kein Essen oder Uringeruch. Die Einrichtung der Zimmer und der div Räume war derart das man sich wohl fühlte. Die Räume waren hell und Tageslichtdurchflutet. Die Angestellten und Pflegekräfte denen ich begegnete waren alle sehr freundlich und entspannt. Kein gezwungenes Lächeln auf den Lippen.
    Was wir – ich war mit einer Freundin meiner Mutter unterwegs – auch machten, wir haben uns die Speisesaäle angeschaut. Ich bin einfach in die Küche rein und hab die Leute – die Köche dort angequatscht. In einigen Heimen gab s im Juli Erbsen aus der Dose. Das ist und war ein absolutes No Go. Das Essen des Heimes in dem meine Mutter jetzt ist, ist sehr lecker. Sie kann Mittags unter 3 Gerichten auswählen. Die Köchin kauft regelmäßig in der Großmarkthalle saisonales Obst und Gemüse aus der Region ein.

    Ein weiteres Auswahlkriterium für mich war was Freunde unserer Familie zu meiner meiner Wahl sagten. Sie alle haben Zustimmung signalisiert.

    Wo Du kompetente Hilfe und viele Tips bekommst ist von der BIVA, „ein unabhängiger Selbsthilfeverband, der sich seit 1974 für die Stärkung der Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner aller Heimarten und Wohnformen einsetzt. Sie ist bis heute die einzige bundesweite Interessenvertretung für Menschen, die Wohn- und Betreuungsangebote im Alter und bei Behinderung in Anspruch nehmen.“ Kann ich jedem nur nahelegen diesem eingetregenen Verein beizutreten. Die machen eine gute Arbeit und stehen Dir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite wenn man Rat benötigt.

    ich wünsche Dir ein gutes Händchen bei der Wahl eines Heimes für Deine Mutter

    Lieben Gruß alivenkickn

  3. karina schreibt:

    Hallo alivenkickn,

    vielen Dank für deine ausführliche und ehrliche Antwort und den mit der BIVA.
    Ich hoffe sehr, dass ich das Richtige tun werde.
    Vielen Dank.
    Liebe Grüße Karina

  4. Sr. Fidelis Ederer schreibt:

    Doch, ich bin Nonne, und ich muss enttäuschen, wir haben auch unsere Bedürfnisse (und einige von uns lieben Schlagsahne zum Erdbeerkuchen genauso, wie eben viele aus der „weltlichen“ Bevölkerung), weil wir Menschen sind.

    Dennoch, ich arbeite selbst in einem Sanatorium mit einer Art „Altenheimbereich“ für pflegebedürftige Alte.
    Und ja, ich würde meinen Arbeitsplatz „gutes Heim“ bezeichnen. Denn ob jemand ein Heim als gut oder schlecht empfindet, ist eben individuelle Ansichtssache/basiert auf dem individuellen Standpunkt und den Erfahrungen des- oder derjenigen.

    Ich gebe der Autorin/dem Autoren insofern recht, dass, gerade in Deutschland, das Thema „Alter“ verdrängt wird und auch viele Heime sich nicht den Alten anpassen, sondern von den Alten die Anpassung an die scheinbare Heimordnung verlangt wird. Trotzdem spielt auch immer die innere Einstellung des zukünftigen Bewohners eine Rolle. Wer von vornherein ein Altenheim als „Ort zum Sterben / letzte Station“ empfindet, der wird es auch so erleben.

    Trotz alledem müssen sich die Heime umstellen und mehr auf die Bedürfnisse der Alten einstellen. Es kann nicht sein, dass die Alten mit Menschen konfrontiert werden, die weder Gefühl für die Pflege im Alter haben, noch für die Alten selbst. UND es kann und darf genausowenig sein, das viele Altenheime, aufgrund von dem Trichter „Wir müssen Geld sparen“ auf examinierte Fachkräfte verzichten, sondern stattdessen lieber haufenweise Pflegehelfer einstellen, die zwar durchaus auch gute Arbeit leisten können, aber bei weitem nicht alles an Pflege dürfen.

    In manchen Heimem fehlt einfach das Gefühl für das Alter. Ich bin selbst in Deutschland großgeworden, habe lange Zeit in der altenfeindlichsten Stadt schlechthin (München) gelebt und auch dort im Altenheim gearbeitet. Jetzt bin ich in Italien, wo es auch sehr viele sachliche Mängel gibt, aber hier bei uns wird Wert darauf gelegt, dass die Pflegekräfte alle Examen haben, dass sie bereit sind sich mit den älteren Menschen zu beschäftigen und natürlich auch, dass sie mit ihnen liebevoll umgehen.
    Natürlich fühlt sich bei uns auch nicht jeder wohl, man kann nie jedem gerecht werden. Dennoch bekomme ich als Feedback von vielen, dass es ihnen bei uns gut geht und sie das Sanatorium/den Heimbereich weiterempfehlen würden.

    Auch muss sich ganz dringend das Bild der Pflege/Altenpflege ändern…der Ruf ist gelinde ausgedrückt grottig; Altenpflege wird nur mit der satt- & sauber-Mentalität assoziiert. Das stimmt einfach so nicht immer.
    Aber wenn niemand bereit dazu ist, alleine steht man auf nahezu verlorenem Posten. Ich liebe meinen Job, der wirklich Passion ist, aber es bräuchte mehr Pflegekräfte, die ausstrahlen: „Es ist meine Berufung!“

    Viele Grüße aus Italien
    Sr. Fidelis

  5. alivenkickn schreibt:

    Hallo Sr Fidelis

    Danke für Ihren ausführlichen Kommentar. Ja alle Menschen haben Bedürfnisse. Ich halte das Konzept der Bedürfnislosigkeit insofern für zweifelhaft, da wir ja schon unseren Körperfunktionen, den Bedürfnissen unseres Körpers gerecht werden müssen. Dies schreibe ich im Gewahrsein der Nicht Bewertung dessen was ist.

    Mit der inneren Einstellung ist das so eine Sache. Früher lebten oftmals mehr ? alte Menschen – ich denke da an den Altenteil – bis zu ihrem Ableben auf dem Hof bei ihren Kindern. Sterben in der Familie war Teil des lebens. Ich habe es selbst erfahren das mein Vater – er starb im Winter 2001 – 2 Tage zu Hausen aufgebahrt liegen konnte. Dieses Zeit um von ihm in seiner ihm und auch uns liebgewordenen Umgebung Abschied zu nehmen war für mich wie auch für meine Mutter sehr wohltuend und segensreich.

    Unsere Innere Haltung ist u.a. auch geprägt von der uns umgebenden äußeren Haltung. Die derzeitige gesellschaftspolitische Haltung, die mangelnden Rahmenbedingen erschweren in zunehmendem Maße das immer mehr Menschen die finanziell nicht in der Lage sind sich ihr Leben im Alter so zu gestalten wie sie es sich vorstellen.

    An dem Sprichwort „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ ist eine Menge wahres dran.

    Mittlerweile lebt meine Mutter seit etwas mehr als 1 Jahr in einem Altenpflegeheim. Sie hat mit ihrer Situatio Frieden geschlossen. Manchmal mehr, manchmal brechen die alten Wunden bei ihr wieder auf. Sie lernt mit ihrer Situation zu leben. Mit 85 Jahren ist das ein schwerer Kampf.

    Der Dienst am Menschen, Pflegekräfte, die ausstrahlen: “Es ist meine Berufung!” da gebe ich Ihnen recht die braucht es mehr. Auch und vor allen Dingen ein Mehr an gesellschaftlicher Anerkennung . . . .

    P.S. Auf der Seite „Leben im Alter“ habe ich den Prozes des Umzuges vom Haus in ein Altenheim meiner Mutter beschrieben.

    LG alivenkickn

  6. Amelie Schmitz schreibt:

    Hallo,

    Ich habe zurzeit zunehmend auch das Problem, dass meine Mutter es schwerer hat alltägliche Erledigungen ohne Hilfe zu bewältigen. Nur erschwert sich das Ganze, weil ich es selbst nicht über mein Herz bringe sie in einem Altenheim unterzubringen. Als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern bin ich selbst aber nicht in der Lage ihr täglich beizustehen und selbst sie hat zu oft angedeuted, sie sei am glücklichsten daheim.. Die Altersheime in der Umgebung machen nun nicht den besten Eindruck und weiß nicht was ich als nächstes tun soll.. Habe mich zum Beispiel auch auf http://pflegeberater.org/ informiert, ob es nicht doch möglich ist, dass sie das Alter zu Hause verbringt mit Beistand einer Pflegeperson. Welche Prioritäten sollte ich setzen? Mir fällt es schwer eine Entscheidung zu fällen, wobei ich sie auch nicht ohne weiteres selbst dort hinbringen kann..

    LG und nur das Beste,
    Amelie S.

  7. alivenkickn schreibt:

    Hallo Amelie

    Im Laufe der Jahre der Betreuung meiner Eltern – jetzt nur noch meiner Mutter da mein Vater verstorben ist – kam es immer wieder aus gesundheitlichen Gründen zu Krankenhausaufenthalten meiner Mutter. Während des Aufnahmeprocederes in den Krankenhäusern traf ich unzählige erwachsene Kinder ihrer Eltern die ähnlich wie Du alleine waren und ihre Eltern pflegten. Viele mit denen ich gesprochen habe waren ausgebrannt nicht nur weil eine intensive Pflege die ja auch Versorgung, Kochen, Einkauf, Wohnung/Wäsche waschen etc pp beinhaltet, alleine waren sondern ja auch noch ihr eigenes Leben – Kinder, Famile etc pp – zu leben hatten.Ganz besonders machte ihnen auch der Umstand zu schaffen das wie Du es auch beschreibst „Deine Mutter zu Hause am glücklichsten ist“. Der Zwiespalt den man dann mit sich herumträgt sind u.a. Schuldgefühle „Ich kann doch meine Mutter nicht in ein Heim geben, sie ist doch zu Hause glücklich“. Sehr oft geschieht es das man dann wenn sich Eltern in einem Heim nicht wohlfühlen die Schuld dafür gibt weil man glaubt versagt zu haben, weil man Erwartungen, seine „Pflicht“ den Eltern gegenüber nicht erfüllt hat. Manche Entscheidungen zu treffen sind sehr schmerzhaft und schwer. Ich kenne das auch von mir selbst.

    Du fragst danach welche Prioritäten Du setzen sollst? Die erste Priorität ist das Wohlergehen Deiner Mutter. Wenn Du nicht einen 6er im Lotto gewonnen hast und Dir eine Haushälterin leisten kannst oder Du in einem großen Familienverband – Geschwister etc pp – lebst wo sich Mehrere in der täglichen Pflege/Hilfe Deiner Mutter abwechseln können, sich gegenseitig unterstützen sodaß die Pflege deiner Mutter auf mehreren Schultern verteilt ist, wirst Du nicht umhinkommen abzuwägen.

    Ich bin wie Du ebenfalls „alleinstehend“ i.e. das einzige Kind meiner Eltern. Was mir bei dieser „Entscheidungsfindung“ geholfen hat waren Gespräche mit unserer damaligen langjährigen Hausärztin und engen Freunden meiner Eltern/Mutter. In jeder Gemeinde, Kommune gibt es in den entsprechenden Rathäuser einer Sozialarbeiterin/pädagoging die ausschließlich für das Thema „Menschen im Alter – Seniorenberatung“ zuständig sind. Als Beispiel stelle ich Dir mal diesen Link pdf Datei hier. Hier wurde ich sehr gute beraten – unterstützt. Solche Stellen kann ich nur weiterempfehlen.

    Ich drücke Dir die Daumen das Du für Deine Mutter und für Dich eine Entscheidung findest die Für Euch Beide stimmig ist.

    Lieber Gruß

    Wolfgang

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