Reality Bites – Voll das Leben


Eigentlich wollte ich als Überschrift „Reality sucks“ wählen . . .

. . . aber eingedenk meiner Erziehung und des ungeschriebenen Gesetzes das Erwartungen erfüllt werden müssen habe ich mich gegen“Die Realität ist Scheisse“ entschieden. Ganz besonders auch deshalb weil das Leben nur manchmal „beißt und schmerzhaft“ ist.

Eigentlich wollte ich gestern am 29. Mai das Strassenfest der AIDS Hilfe Frankfurt in der Alten Gasse besuchen und mit Freunden eine schöne Zeit verbringen . . .

. . . aber da ich weder ein Auto noch das Geld für ein Taxi habe und aus eigener Kraft von den Sitzen, der Bestuhlung in der S-Bahn nicht aufstehen kann, bin ich schweren Herzens zu Hause geblieben.

Eigentlich wollte ich gestern auf dem Strassenfest der AH Frankfurt fotografieren und heute auf meinem Blog etwas daüber schreiben . . .

. . . aber weil es mir schwindlig wird und ich auf Grund meiner Polyneuropathie in beiden Füßen Gleichgewichtsprobleme habe wenn ich z.b durch den Sucher der Kamera schaue, oder ein Hochhaus von unten nach oben fotografieren will oder in die Hocke gehe um z.b die Alte Gasse in ihre ganzen Länge zu fotografieren aus der ich alleine nicht mehr hochkomme, sehe ich mich mit der Tatsache konfrontiert das Fotografieren, die Wahl der Objekte die und wie ich sie aufnehmen will, meiner Situation entsprechend Rechnung zu tragen.

Eigentlich laufe ich gerne durch die Stadt, schaue mir Schaufenster an, watch the Girls go by und Augenflirte mit Ihnen

. . . aber da ich Angst habe zu stolpern und hinzufallen sind meine Augen zu Boden gerichtet wenn ich durch die Stadt laufe.

Eigentlich hätte ich mich schon vor 4 oder 5 Jahren um eine Wohnung, in Frankfurt kümmern sollen, da der Verlauf der Entwicklung einer HIV Erkrankung trotz medikamentöser Behandlung seiner eigenen Dynamik unterliegt und ich/man sie weder ausschließen noch abwenden oder steuern kann . . .

. . . aber wie das nun mal so ist, habe ich darauf gehofft das ich noch das eine oder andere Jahr fit sein werde und so das Projekt „Umzug“ immer wieder vor mir hergeschoben.

Eigentlich sollte meine Mutter, die krank ist und die ich seit 11 Jahren betreue, in ihrem Haus, in der Umgebung in der sie sich wohl und geborgen fühlt, der Umgebung die ihr Sicherheit gibt, nächstes Jahr ihren 85. Geburtstag feiern . . .

. . . aber das Kreditinstitut hat eine Zusage vom letzten Jahr, dieses Jahr am Gründonnerstag am Ende des Telefongespräches mit einem freundlichen „Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage“ zurückgezogen.

Eigentlich war der Umzug in ein Heim für das nächste Jahr im Sommer geplant, sodaß ich genügend Zeit gehabt hätte meine Mutter und auch mich in aller Ruhe und ohne Druck auf diese Situation vorzubereiten . . .

. . . aber jetzt ist alles zusammen gekommen. Einen Heimplatz für meine Mutter zu suchen und ihr den Uzug „relativ“ kurzfristig zu erklären und in die Tat umzusetzen. Den Hausstand aufzulösen und den Mieter der seit 15 Jahren im gleichen Haus wohnt darüber in Kenntnis zu setzen, das er im nächsten Jahr ausziehen muß. Mir selbst eine Wohnung in einer SeniorenWohnAnlage mit der Möglichkeit das Angebot des betreuten Wohnens zu suchen und in Anspruch zu nehmen.

Eigentlich wollte ich all das in Ruhe angehen . . .

. . . aber wie das nun mal so ist: Da machst Du Pläne und stellst wieder einmal oder auf einmal fest, das das Leben seinen eigenen Plan hat.

Eigentlich sollte man wenn man das Gefühl hat das der Himmel über einen zusammenstürzt „Cool, calm und collected“ bleiben . . .

. . . aber statt dessen stelle ich fest das der „Berg der sich da vor mir auftürmt unüberwindbar erscheint“,  . . . . .

Eigentlich sollte ich perfekt sein, höre die Erwartung unüberhörbar leise säuselnd mir ins Ohr flüstern: „Egal was passiert – Unwirsch sein, ein rauher Ton, merk auf mein Sohn, gehört sich nicht“.

. . . aber die Ecken und Kanten, von denen ich hoffte das sie vom Leben etwas runder und weicher geschliffen wurden, sind immer noch scharf und verletzend.

Ich bin der, der ich bin und bis zu meinem letzten Atemzug sein werde: Ein Mensch mit Ecken und Kanten. Ein Mensch, niemals perfekt noch fehlerfrei. Ein Mensch der sich nicht verbiegen läßt nur weil Andere mich gerne so hätten wie sie es sich vorstellen: Ja wenn Du so wirst wie ich es mir vorstelle, ja dann wärst Du ein wertvoller Mensch . . . . .

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