Hiermit tun wir Euch allen zu Kund und zu Wissen


All Jene die sich des sozialen Netzwerks hier bedienen!
So Ihr auf dieser Seite von uns weilet,
Und dieses ist der DAH Will und Meinung:

Der Seite soll gleiche Ehre wie uns selbst geschehn
Man soll nur mit gebeugtem Haupt und mit
respektvoller Spreche hier verweilen dürfen.
Nicht schmähen uns, noch sei Kritik Euch hier erlaubt
Daran wolln wir, die DAH die Gehorsamen erkennen.
Löschen werden wir jedwedes schändlich Tun und Treiben,
so Ihr nicht tut wie wir Euch hier geheißen.

Quelle: In Abwandlung von Friedrich Schiller / Wilhelm Tell

* * *

It´s the same ol´Story. In dem Moment wo Kritik geübt wird werden flugs die Scheuklappen aufgesetzt und man greift zu dem üblichen Scenario der Empörung „Beleidigung, Beleidigung“ um das Entfernen des Unliebsamen zu rechtfertigen. Das ein aus dem Zusammenhang gerissener Text mehrere Interpretationen zuläßt, dies liegt nicht nur auf der Hand, das nimmt man gerne in Kauf. Besonders dann wenn es einen an einer Diskussion Beteiligten in schlechtem Licht dastehen läßt. Hier darf man sich schon fragen ob da wohl persönliche Animositäten mit eine Rolle spielen. Professionelles Verhalten ist etwas anderes.

Ausgang einer Diskussion auf dem FacebookAuftritt der DAH war ein Interview mit Stephan Jäkel „Kariere mit HIV“ auf dem Blog der DAH. Der Inhalt des Interview wie auch die Tatsache das Stephan Jäkel selbst positiv ist (was mir beim ersten Durchlesen entgangen ist) stehen außer Frage. In den Bemühungen immer wieder darauf hinzuweisen das

„Die meisten HIV-Positiven Nachteile beürchten, wenn sie offen über ihre Infektion sprechen. Und eine HIV-Infektion ist mit Sicherheit stärker stigmatisiert als zum Beispiel eine Diabetes-Erkrankung.Eine HIV-Infektion stärker stigmatisiert ist als Diabetes“

darf man nicht nachlassen. Das HIV Positive Nachteile befürchten wenn sie offen über ihre Infektion sprechen, das ist nicht erst seit Gestern bekannt.  Auf diese Wunden, die uns die Gesellschaft zugefügt hat bzw weiterhin zufügt, muß man immer wieder die Finger drauf legen. Solange bis man uns keine neuen Verletzungen mehr zufügt, solange bis die alten Wunden verheilt sind.

Gleichwohl muß man zweierlei feststellen. Zum einen muß man zwischen Stephan Jäkel in seiner Funktion als Mitarbeiter, eines Experten der er auf Grund seiner langjährigen Erfahrung nun mal ist und in einer Organisation hier der Schwulenberatung arbeitet,  unterscheiden und dem Stephan Jäkel als Privatperson unterscheiden. Vorweg muß man wissen das die Schwulenberatung

Seit über 30 Jahren in  Berlin psycho-soziale Hilfe für die schwule Szene der Stadt  leistet. Unsere Mitarbeiter kennen die schwule Lebenswelt aus eigener Erfahrung. Bei ihnen finden schwule und bisexuelle Männer Orientierung, Begleitung und hilfreiche Informationen. Quelle

Die Arbeit der Schwulenberatung ist in der Scene und weit über die Scene  hinaus bekannt, anerkannt und sehr geschätzt. Von solch einer Akzeptanz und vor allen Dingen ihren Projekten wie dieses hier kann man nur träumen. Und auch das muß und darf gesagt werden: viele AIDS Hilfen können sich eine Scheibe abschneiden. Soviel Kritik muß eine AIDS Hilfe, müssen die Mitarbeiter einer AIDS Hilfe aushalten können.

Über die Jahre die ich in Foren unterwges bin sind mir viele Menschen die HIV + sind, begegnet die die Hilfe von AIDS Hilfen i.e. von Mitarbeitern von AIDS Hilfen in Anspruch genommen haben, und immer wieder entäuscht worden sind. Sätze wie „Zu einer AIDS Hilfe gehe ich nicht“, „Da war ich einmal – nie wieder“ oder „Ich fühle mich, meine Bedürfnisse von der AIDS Hilfe in meiner Stadt nicht wahrgenommen“ werden bzw wurden zu oft geäußert als das man sie als Ausnahmen von der Regel hinnehmen könnte. Sie haben die Hilfe von „Experten“ in Anspruch nehmen wollen und sind jedesmal enttäuscht worde. Wenn es sich bei solchen „Erfahrungen“ um „Einzelfälle“ handelt, dann ist dies eine Sache. Werden solche Erfahrungen von Vielen gemacht und kommuniziert, dann stellt sich ein anderer Sachverhalt dar.

Die Rede von Olaf Lonczewski, Vorstandsmitglied der AIDS-Hilfe NRW, forderte in seiner Rede zur Eröffnung der Positiven Begegnungen den Diskurs darüber zu führen, wie sich HIV-positive Menschen zukünftig einbringen wollen und wie sie Strukturen mit gestalten. Das läßt sich nicht so einfach mal „löschen“.

Was ist, wenn die von uns selbst geschaffenen Strukturen sich verselbstständigt haben? Was ist, wenn uns diese Strukturen in unserer Bewegung wie ein Korsett hindern? Immer weniger HIV-Positive engagieren sich in diesen Strukturen und diskutieren auf Augenhöhe mit denen, die ihre Interessen als hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umsetzen sollen? So wird nur noch verwaltet, aber bestimmt nichts mehr im Sinne von HIV-Positiven Menschen gestaltet. Quelle AH NRW

Ein Diskurs kann nur dann stattfinden wenn man sich auch der Kritik stellt und auf kritische Fragen eingeht bzw sich zumindest bemüht dies zu tun. Leider ist dies viel zu selten der Fall. Eine Seite wie die Facebook Seite der DAH ist da eine große Chance. Wenn dann getreu nach dem Satz „Es kann nicht sein was nicht sein darf“ im Verlauf einer Diskussion gelöscht und gemaßregelt wird, und die an einer Disksussion Beteiligten wie kleine Kinder im Kindergarten behandelt, erstickt man jede Diskussion im Keim.

Wenn man weiß das Kritik nicht erwünscht ist, wird man sich auf Diskussionen in der Zukunft nicht mehr einlassen. Genauso wie Menschen die von AIDS Hilfen enttäuscht worden sind, in den seltesten Fällen die Hilfe einer AIDS Hilfe erneut in Anspruch nehmen werden. Zu fordern das sie doch ihre „ihre Sicht der Welt neben der Sichtweise der Welt so wie die DAH sie sieht“ auf eine wie in diesem Fall neu erstellte Seite in einem sozialen Netzwerk zu stellen, ist mit Verlaub gesagt schlicht und einfach realitätsfremd.

Bestehende Gräben zwischen der Gesellschaft und Menschen die HIV + sind zu überbrücken, ist aufreibend, zeitaufwendig und kostet viel Energie. Was es am allerwenigsten benötigt sind bestehende Gräben zwischen uns, den Menschen mit HIV und einem Verband bzw. dem des Verbandes angeschlossenen AIDS Hilfen zu vertiefen. Un das es diese Gräben gibt, das steht außer Frage. Dies trifft nicht auf alle AIDS Hilfen zu, aber es sind zu viele als das man sich dieses Tenors wie sie durch Menschen mit HIV zum Ausdruck gebracht werden entziehen könnte.

* * * *

weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Arbeit und Recht, Gesundheit, HIV im Alltag, HIV/AIDS, Inland abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s