Geburtstagsgeschichte eines lieben Freundes


Ich empfinde den eigenen Geburtstag irgendwie als seltsamen Tag. Dieser Tag erinnert mich daran, wie schnell die Zeit verrinnt und auch an Menschen, die ich verloren habe und unendlich vermisse.

Als ich im Jänner 1992 von meiner Infektion erfuhr, dachte ich nur mehr wenige Lebensjahre zu haben. Ich begann damals Dinge zu regeln, um die sich eigentlich erst ein alter Mensch kümmert. Letztlich verfügte ich schriftlich, dass sie mir meine Sängerknabenuniform inklusive Schirmkappe auf die große Reise mitgeben müssen. Dass alles anders kam, empfinde ich als unbegreifliches Wunder, obwohl ich an primitive Wundergeschichten a la Kirche gar nicht glaube. Jedenfalls ist mein Überleben ein Wunder, dessen Grund ich nicht begreife und das mir manchmal auch als Last und seltsame Verpflichtung vorkommt.

Den Geburtstag habe ich heute ruhig und angenehm verbracht. Vormittag war ich im Schallplattenladen Arcadia. Der Laden befindet sich in der Staatsoper. In diesen eher kleineren aber exquisiten Laden gehe ich gerne. Die alten Holzstellagen verströmen einen musealen Geruch. Auch laufen ständig schöne Opernplatten und schaffen so eine edle Atmosphäre. Auch die Kundschaft dort ist eher gepflegt, ruhig und interessant. Es gibt dort viele schöne Bücher, CDs und DVDs über die Welt der Musik, insbesondere im Zusammenhang mit der Wiener Staatsoper. Viele Tonträger sind Sängern oder Dirigenten gewidmet, die gegenwärtig an der Oper engagiert sind (z. B. Vivica Genaux) oder während der letzten Jahre dort wirkten.

Aber auch Raritäten sind vorhanden. Als Rarität fand ich eine CD mit Maria Callas in der Rolle der Turandot. Ich mag die Puccini-Musik. Diese CD kaufte ich. Beim Gehen fand ich in der Wühlkiste, die vor dem Geschäft stand, eine noch original verpackte Vinyl-Schallplatte mit Aufnahmen aus der Blume von Hawaii und Viktoria und ihr Husar, Dirigent Heinz Sandauer, zum Schnäppchenpreis von 7 €. Diese Platte nahm ich auch mit. Ich konnte nicht anders. Ich mag den warmen Klang der alten Vinylplatten.

Am Nachmittag war ich bei meinem Laszlo am Grab und gegen Abend machte ich einen Besuch. So habe ich den Tag verbracht. Ganz ohne Torte und Schnick-Schnack.

Mit freundlicher Genehmigung des Geburtstagskindes . . .

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Geschichten vom Leben, von Freunden und der Liebe

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