Bundesweites Treffen für HIVpositive heterosexuelle Frauen und Männer in Frankfurt/Main


Der Versuch (m)einer Standortbestimmung. Einer Standortbestimmung deshalb weil man durch die Begegnung mit Menschen andere Sichtweisen, Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnt, die dazu führen seinen Standpunkt/Sichtweise zu überdenken und sich ggf. neu zu positionieren.

Da Frankfurt gerade um die Ecke von dem Ort wo ich wohne liegt, habe ich mich schon frühzeitig bei der DAH für dieses Treffen des „Netzwerkes PositHIV und Hetero“ das in Frankfurt/Main vom Donnerstag den 24. März bis Sonntag 27. stattfindet angemeldet.

Das Thema war Outing – Schwierigkeiten in unterschiedlichen familiären Systemen was aus der Anmeldebestätigung Anfang die ich März erhielt nicht hervorging. Auf die Idee noch einmal die Webseite aufzurufen kam ich warum auch immer nicht.

„Klasse, dachte ich, das ist n Heimspiel für mich. Da fährste vormittags hin und am Abend wieder nach Hause.“ Im eigenen Bett zu schlafen ist für mich genauso wichtig wie ich (m)eine morgendliche Anlaufzeit brauche um in die Gänge zu kommen.

Neugierig auf die Menschen die ich dort treffen werde und ohne Erwartungen – die Frage des Trainers mit welcher Erwartung ich gekommen bin habe ich mit „Keiner“ beantwortet, fuhr ich am Freitag morgen mit dem Taxi zu dem Veranstaltungsort in Frankfurt. Auf einige der Teilnehmer die ich aus dem Internet, aus HIV Foren in denen ich unterwegs bin, kenne habe ich mich besonders gefreut. Für mich ist es immer spannend den Menschen hinter dem „Nickname – neudeutsch Username“  kennenzulernen.

Was die „keine Erwartungen“ betrifft, da mußte ich recht schnell – wieder einmal – die alte Erfahrung frei nach Wilhelm Busch machen: 1. kommt es anders und 2. als ich denk. Nach einer Entspannungsübung stellte ein Trainer zur Einleitung einen „Überblick über die Unterschiedlichen Familiensysteme mit HIV“ vor. Und wie das nun mal in meiner Natur der Sache liegt, hatte ich schon sehr früh meine Grenze von „Keine Erwartung“ erreicht. Mit Leidenschaft und emotionsgeladen habe ich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, das ich mir unter diesem Workshop eigentlich etwas anderes vorgestellt habe. Das dies mehr zur Spannung als zur Entspanung innerhalb der Gruppe beigetragen hat lag auf den Hand.

Nach dieser Einführung des Trainers einerseits und meines Einwurfes andererseits wurden von den Teilnehmenr die nachstehend aufgeführten Themen erstellt, die, mittlerweile Mittag geworden, am nachmittag und Samstag erarbeitet werden würden:

Outing im Kontext zu

  • Familienplanung
  • HIV und Arbeit
  • Outing im Alltag
    Versteckspiel
    Ablehnung durch Ärzte
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Therapie im Ausland
    Auslandsreisen
  • Versicherungen – Zusatzversicherungen

* * *

Diese 2 1/2 Stunden haben mir in vielerlei Hinsicht wieder einmal meine Grenzen aufgezeigt.

Körperlich kam ich an einem Punkt wo meine Batterien leer und ich einige Stunden der Ruhe brauchte um diese wieder aufzutanken. Diese Erfahrung habe ich schon auf der Pobe in Bielefeld gemacht. Die Teilnahme von 2 Workshops an einem Tag – Vormittags und Nachmittags gehen über meine Grenzen. Da ich als Tagungsteilnehmer anwesend und somit kein Zimmer am Tagungsort hatte war dies nicht möglich. Dies war der Grund warum ich nach dem Mittagessen nach Hause gefahren bin.

Ein Satz der mich zum Nachdenken brachte war: „Du kannst nicht nur von Dir ausgehen“. Zum einen sind mir Inhalte der oben aufgeführten Themen bekannt bzw ich weiß wo ich das entspechende Wissen, Informationen bei Bedarf abrufen kann. Zum anderen es sind Themen mit denen ich mich auf meinem Blog schon länger auseinandersetze.

Es war meine erste Teilnahme an einer Veranstaltung eines „Netzwerkes“,  „PositHIV und Hetero“ als eines von vielen Netzwerken.

Netzwerke sind Zusammenschlüsse von Personen, in denen bestimmte Gruppen von Menschen ihre jeweiligen Interessen selber vertreten.

Dies ist eine Erkenntnis die mir auch auf Grund der von mir ausgelösten „Spannung“ bewußt geworden ist. Es sind die Menschen dieser Gruppen die die Inhalte, Gestaltung und den Ablauf ihrer Treffen selbst gestalten.  Mit dieser Erkenntnis/Erfahrung veränderte – entspannte sich auch meine Haltung.

Einige Teilnehmer wie auch ich hatten dem Gefühl Ausdruck verliehen das innerhalb der DAH/AIDS Hilfen die Waagschale mit Themen zu/von/über MSM/Schwule im Verhältnis zu heterosexuellen Menschen mit HIV ungleich nach oben ausschlägt. Der Gedanke der sich mir aufdrängte war der Begriff einer Bringschuld im Kontext von Kampagnen bzw Prävention/Aufklärung für Schwule/MSM. Obwohl ich das Wort Schuld für unangebracht halte, steht der Bringschuld die „Holschuld“ gegenüber. Wenn wir, heterosexuelle Menschen mit HIV unsere Bedürfnisse nicht artikulieren und einfordern, dann dürfen wir uns auch nicht darüber wundern wenn für „andere“ mehr und für uns „weniger“ (subjektiv empfunden) getan wird. Andererseits muß man sich auch klar vor Augen halten, das heterosexuelle Menschen mit HIV im Verhältnis zu MSM einen relativ geringen Teil/Prozentsatz ca 15 % einnehmen.

Die Menschen die ich während dieser kurzen Zeit meiner Teilnahme kennengelernt habe, waren eine Bereicherung für mich und haben einiges „in Gang gesetzt“.

Ursprünglich hatte ich geplant heute wieder nach Frankfurt zu fahren. Mit dieser Absicht habe ich mich gestern, am Freitag nach dem Mittagessen auch von den meisten Teilnehmern verabschiedet. Doch wie das nun mal so ist, die Nacht war eine von den Unruhigen weil mich vieles was in den wenigen Stunden passierte beschäftigte.

Da ich zur Zeit nicht in der Lage bin Treppen zu steigen bzw in einen Zug/Strassenbahn einzusteigen und ich ein Taxi in Anspruch nehmen würde um zu dem Veranstaltungsort zu gelangen, würde dies nicht nur meinen finanziellen Rahmen übersteigen sondern auch für mich in keinem rechten Verhältnis zu der Veranstaltung stehen. Wär ich die Regierung dann wär s egal. Bei den Milliarden Schulden wären 80 Euro weniger als Peanuts.

Eine andere Erkenntnis über die ich mir klar geworden bin, ist das meine Prioritäten, meine Position andere sind. Netzwerke mit Inhalten wie sie zur Zeit vorhanden sind gehören nicht dazu. Meine Prioritäten, bedingt durch meine körperliche Verfassung, meiner schlechten (temporären wie ich hoffe) Mobilität, habe ich mir zur Zeit auf der schriftlichen Ebene gesetzt. Sie betreffen die Auseinandersetzung mit den Themen „Deutschland und der Globale Fond„, das „EU – Indien Freihandelsabkommen“ und dem Thema „Leben im Alter – Wohnen im Alter„. Bei dem letztgenannten geht es konkret darum mit Anderen ein Projekt auf die Füße zu stellen was natürlich Mobiltät voraussetzt und wozu ich bereit bin.

Man mag mein Verhalten bewerten oder auch nicht, darauf habe ich sowieso keinen Einfluß.  Für mich war es eine wichtige Erfahrung und Erkenntnis. „Netzwerk“ war bislang ein Wort unter dem ich mir ne Menge vorgestellt habe. Was es tatsächlich damit auf sich hat habe ich nur über diesen Weg erfahren können. Einige Menschen die ich kennengelernt habe sind eine Bereicherung. Alle haben mir etwas gegeben. Dazu kommt die Erfahrung was meine körperlichen Grenzen betrifft.  Obwohl ich mich nicht über HIV definiere, HIV macht einiges mit mir. HIV oder das Leben – beides ist Eines, beides gehört nun mal zusammen.

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2 Antworten zu Bundesweites Treffen für HIVpositive heterosexuelle Frauen und Männer in Frankfurt/Main

  1. Sheila schreibt:

    Hallo Dennis,

    ganz erstaunt las ich deine Zeilen hier.

    Mit deiner Wahrnehmung stehst du wirklich ganz alleine da.
    Hättest du das Treffen bis zum Ende miterlebt, wüsstest du um die allgemeine positive Bewertung und dass sich sogar die Neuen in jeder Beziehung wohl fühlten und jeder etwas für sich mitnehmen konnte.

    Es ist ok, wenn du deine Meinung schreibst, auch öffentlich. Allerdings solltest du auch dazu schreiben, dass 20 andere Menschen, die von Anfang bis Ende anwesend waren, und nicht nur die ersten 5 Stunden, wie du, eine völlig andere Wahrnehmung hatten. Dann wäre das eine faire Situation.

    Vielleicht magst du ja mal darüber nachdenken.

    Sheila

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Sheila

    Du schreibst:

    „Hättest du das Treffen bis zum Ende miterlebt, wüsstest du um die allgemeine positive Bewertung und dass sich sogar die Neuen in jeder Beziehung wohl fühlten und jeder etwas für sich mitnehmen konnte.“

    „WÄRE“ ich in einer gesundheitlichen besseren Verfassung gewesen dann „WÄRE“ ich auch bis zum Ende des Workshops anwesend gewesen. Du kannst davon ausgehen das meine Wahrnehmung dann eine andere/intensivere gewesen „WÄRE“ und ich dann ausführlicher darüber geschrieben „HÄTTE“ weil in 2 Tagen erfahrungsgemäß mehr passiert als in 5 Stunden. Ich gehe mal davon aus das Ihr eine Abschlußbesprechung hattet. Vorgesehen war es ja auch. Das positive Feed Back der Teilnehmer, so verstehe ich Deine Aussage hätte ich ebenso erwähnt wie meine pers Wahrnehmung bzgl der Atmosphäre wie ich sie während der 2 Tage wahrgenomen hätte. Ich nehme idr nach einer Veranstaltung einen Beobachterstandpunkt ein. Der Fokus meiner Wahrnehmung ist einerseits auf die Situation einer Veranstaltung gerichtet und andererseits auf mich. Wie ist es mir gegangen, was hat die Veranstaltung mit mir gemacht, was habe ich gefühlt, erlebt, erfahren.

    Was Du mit Deinem Kommentar für mich zum Ausdruck bringst ist: Du hast bis zum Ende einer Veranstaltung in der Gruppe dazubleiben, egal wie schlecht es Dir geht.

    Ich habe mir die Freiheit und das Recht herausgenommen solange an dem Workshop teilzunehmen wie es meine gesundheitliche Verfassung zugelassen hat. Zudem habe ich mir erlaubt über MEINE Wahrnehmung zu schreiben die ich während meiner Anwesenheit erfahren habe.

    „Die Menschen die ich während dieser kurzen Zeit meiner Teilnahme kennengelernt habe, waren eine Bereicherung für mich und haben einiges „in Gang gesetzt“. Einige Menschen die ich kennengelernt habe sind eine Bereicherung. Alle haben mir etwas gegeben.“

    Da Du bis zum Ende des Workshop anwesend warst, warum schreibst Du nicht wie es für DICH war, wie es Dir gefallen hat, welchen Eindruck DU von dem Treffen hast, wie es DIR ging?

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