Quo Vadis . . . Medizinischer Dienst


Der MDK Hessen „Mitmenschlich Denken – Konstruktiv Handeln“

Am 10.2. 2011 „Timing ist alles“ wurde mir vom MDK eine Reha abgelehnt, da derzeit keine zwingenden medizinischen Gründe vorliegen, die eine stationäre RehaMaßnahme in einer psychosomatisch ausgerichteten Klinik erforderlich machen.

Ich habe mir lange überlegt ob ich gegen diesen Bescheid Widerspruch einlegen soll und mich aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden. Stattdessen habe ich mich dafür entschieden meinen „Unmut“ über den Weg des Bloggen Ausdruck zu verleihen. Man mag diesen Weg als „ungewöhnlich“ und die sprachlich – stilistische Ausdrucksweise stellenweise als „fragwürdig“ bezeichnen, weil das Stilmittel dessen ich mich bediene nicht der Norm entspricht und es eigentlich in die Schublade “Das gehört sich aber nicht, Das macht man aber nicht“ gehört. Mit Sicherheit ist die Ausdrucksweise mitunter undiplomatisch. Aber Diplomat wollte ich auch nie werden.

Ich empfinde das Gebaren das der MDK praktiziert als einen Angriff auf meine Genesung. Wer mich „angreift“ um mit einer Metapher des Krieges zu sprechen, der darf sich nicht wundern wenn ich mich wehre. Noch weniger darf er sich dann über die Art der Waffen wundern derer ich mich bediene.

Das ich diesen Artikel meiner KK zukommen lassen werde, das versteht sich von selbst.

Nach einem 3 monatigen Aufenthalt in der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel im Jahr 1998 wurde oder sollte ich besser sagen habe ich mich in Übereinstimmung mit meinem damaligen Therapeuten auf den Tag genau i.e. am 3. März 1998 entlassen. Beide waren wir der Auffassung, das mir der Aufenthalt in Kassel gut getan hat und das der Zeitpunkt gekommen sei, „ins Leben zurückzukehren, wieder alleine „zu laufen“. Die Ursache für meinen Aufenthalt war eine Depression als Folge (m)einer HIV Erkrankung. Wie es zu dieser Depression kam, das kann man hier nachlesen.

Diese 12 Wochen in Kassel waren mit das Beste was mir in meinem Leben passierte. Ich verstand und verstehe auch heute noch einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, oder die Inanspruchnahme der Hilfe eines Therapeuten unter bestimmten Voraussetzungen als eine Art Geburtshilfe. Es gibt im Leben eines Menschen Muster die man, manchmal bewußt, oft unbewußt, lebt und als eine Last empfindet. Man erlebt sich „wie man reagiert“, kommt an einen Punkt wo man sich fragt „Warum reagiere ich eigentlich immer so?“ und empfindet sein „Reagieren“ als eine Last. Man würde es gerne ändern, ein anderes Verhaltensmuster leben weiß aber gleichzeitig das man aus diesem Muster alleine, ohne Hilfe nicht herauskommt. Hier kommen für mich die Profis ins Spiel. Wenn die sanitären Einrichtungen, die Leitungen im Bad nicht mehr funktionieren, das Wasser nicht mehr fließt, dann nehme ich die Hilfe eines Fachmannes, eines Installateur in Anspruch. So verstehe und sehe ich Psychotherapeuten. Sie sind Fachleute, Profis, „Geburtshelfer“ die mir helfen Ursachen von Blockaden zu erkennen, mir Möglichkeiten und Wege aufzeigen um Muster die man als Last empfindet loszulassen. Das ich die Arbeit in jedem Fall selbst tun muß, das liegt auf der Hand.

An solch einem Punkt befand ich mich als ich meine KK Anfang September 2010 bat mir einen Antrag für eine stationäre Reha Maßnahme zuzusenden. Es dauerte keine 2 Tage und im Briefkasten hatte ich Post von der KK mit dem berühmten Reha Antrag Muster 60 den ich ausgefüllt und zusammen mit einer Kopie eines Schreibens (m)eines Therapeuten der zum Ausdruck brachte das ich „von einer psychosomatische Rehabilitationsbehandlung“ durchaus profitieren könnte, an die KK schickte.

Laie oder NichtKrankenkassenFachMann der ich nun mal bin, war für mich klar, das die KK diesen Antrag entweder ablehnen oder zustimmen würden. Umso größer war mein Erstaunen als Diese mir mitteilte das sie sich a) mit meinem Therapeuten am 21. September in Verbindung gesetzt hatte (was mich zu diesem Zeitpunkt in Erstaunen versetzte) und mir als Ergebnis die berühmten Formulare „Antrag Muster 61“ der diesmal nur von einem Arzt mit der „Zusatzqualifikation für Leistungen zur medizinischen Rehabilitationsrichtlinien“ ausgefüllt werden durfte und müßte, zuschickte. Da die KK dem Antrag 60 stattgab, so stellte es sich für mich dar, dachte ich “Klasse, die Reha geht über die Bühne“. Insofern habe ich „der NichtKrankenkassenFachMann“ den Antrag nicht wie in dem Schreiben des MDK vom 10.Februar 2011 am 5. November 2010 bei der KK gestellt sondern Anfang schon September 2010.

Und hier sah ich mich nun mit der ersten Hürde in einer Reihe von Hürden zur Verhinderung der Genesung von kranken Menschen konfrontiert. Mein HIV Facharzt verfügt nicht über diese „ Zusatzqualifikation für Leistungen zur medizinischen Rehabilitationsrichtlinien“ die ihn berechtigt den „Antrag Muster 61“ auszufüllen.

Glücklicherweise gehört mein HIV Facharzt dem Infektiologikum Frankfurt- City an wo, man ahnt es schon, einer der Ärzte des Teams über diese Zusatzqualifikation verfügt. Damit war diese Hürde schon mal aus dem Weg geräumt. Glaubte ich zumindest.

Beglückt ob des Erhalts der Formulare des „Antrag Muster 61“ den ich von der KK am 27. September 2010 erhielt, vereinbarte ich mit einem Arzt der dem Infektiologikum angehört und über diese Zusatzqualifikation verfügt, am 5. Oktober 2010 einen Termin.

Das dieser „Antrag Muster 61“ von dem der Infektiologie mit einer Zusatzqualifikation angehörigen Arzt sorgfältig und gewissen ausgefüllt wurde, versteht sich von selbst. Dies schon aus dem Grund da alle Ärzte nicht nur schon seit Jahren zusammenarbeiteten, sondern es finden regelmäßige „Fallbesprechungungen“ im Team statt. Bzgl des Ausfüllens des Anrages wurde dem körperlichen Aspekt von HIV und dessen Aus – Wirkungen „Polyneuropathie in den Füßen, Muskelschwund in den Beinen“ im Kontext auf die Psyche Rechnung getragen. Zudem wurde dies durch zusätzliche Befunde anderer Fachärzte belegt.

Anfang November habe ich die Formulare des „Antrag Muster 61“ zusammen mit allen zur verfügbaren und relevanten Unterlagen und anderer fachärztlichen Befunde bei der KK pers. abgegeben.

Hatte ich angenommen das man den Antrag zügig und in angemessener Zeit „bearbeiten“ würde, so sah ich mich in dieser Annahm allerdings getäuscht. Am 10. November 2010 erhielt ich die Bestätigung über den „Eingang und die Weiterleitung das Antrages zwecks Begutachtung an den MDK“ mit der gleichzeitigen Bitte um „psychiatrische Befunde“.

Wie und vor allen Dingen Woher zum Teufel, so fragte ich mich, soll ich einen „psychiatrischen Befund“ bekommen, wenn ich niemals in einer psychiatrischen Einrichtung Aufenthalt genommen hatte.

Sollten Ihrem behandelnden Arzt keine aktuellen Befundberichte vorliegen sein, so bitten wir um kurze telefonische Nachricht.

Mein behandelnder Arzt? . . . Welchen meinte die KK? Mein HIV Facharzt? Er ist HIV Facharzt und kein Psychiater, Psychologe oder Psychotherapeut. (M)einen Psychiater? Ich habe nie die Hilfe eines Solchen in Anspruch genommen, also gibt es auch keine Befunde. Was ist daran so schwer zu verstehen?

Nach telefonischer Rücksprache mit der KK kamen wir überein, das ich den Therapeuten, dessen Dienste ich in der Zeit von Juni 2007 bis zum Februar 2009 im Rahmen einer ambulanten Therapie in Anspruch genommen habe (seinen Befund habe ich zusammen mit Anderen mit dem ausgefüllten Antrag 61 bei der KK abgegeben) von seiner Schweigepflicht gegenüber den Ärzten des MDK entbinde.

Wie sich herausstellen sollte, erfüllte dieses Gespräch das der MDK mit meinem Therapeuten führte, nicht die Erwartungen die sich der MDK erhoffte. Nach mehreren Telefongesprächen und Emails wo man mich „nebulös“ um irgendwelche Befunde bat, hatte ich am 8. Dezember endgültig die Faxen dicke.

Ich bat die KK mir schriftlich mitzuteilen

„Von welchem Arzt, welcher Fachrichtung, von welchem Datum (ich hätt da noch den Abschlußbericht meines damaligen Arztes der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik Kassel von 1998) die Unterlagen respektive Befunde die der med Dienst bemängelt das sie ihm noch nicht vorliegen bzw bislang nicht vorliegen respektive eingereicht wurden“

zu sein haben.

Die Antwort die ich Mitte Dezember, eine Woche vor Heilig Abend erhielt, war nicht nur in meinen Augen lächerlich sondern eine Steilvorlage für jede TV Trash Comedy Show.

„Aktuelle psychiatrische Befunde, Angaben zu Therapien in den letzten 12 Monaten sowie konkrete Angaben ihres behandelnden Arztes zum Rehabilitationsziel“

Auf all das ist der Arzt des Infektiologikum Frankfurt – City auf Grund seiner „Zusatzqualifikation für Leistungen zur medizinischen Rehabilitationsrichtlinien“ in dem Antrag Muster 61 ausführlich eingegangen und wurde soweit relevant durch entsprechende Befunde belegt.

Der MDK bestand auf einem Befund eines Psychiaters. Da des Menschen Wille bekanntlich sein Himmelreich sein soll, (der Wille ein Himmelreich? Gott bewahre mich vor solch einem Irrsinn) machte ich einen Termin beim nächstbesten Psychiater aus. Nachdem ich ihm am 7. Januar 2011 erklärte was ich wollte, griff er sich bildlich gesprochen an den Kopf:

Ich kenne Sie ja gar nicht, weiß gar nichts über Sie. Einen Befund kann ich nur nach einer Therapie erstellen.

Nachdem wir uns unterhalten haben, stellte er mir einen wie ich finde sehr aufschlussreichen Befund aus, der von Empathie, Wissen und Erfahrung zeugt.

Bekannt ist, das Menschen mit der spezifischen Kombination einer schwerwiegenden körperlichen Erkrankung, im vorliegenden Fall ausgeprägte Polyneuropathie und HIV Infektion, mit der genannten Persönlichkeitsentwicklung besondere Vulnerabilitätsrisiken aufweisen und somit von einer intensivierten psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung etwa im Rahmen eines HV im Sinne einer präventiven Maßnahme profitieren, die somit bei o.g. Patient medizinische sinnvoll ist. Zu empfehlen ist darüberhinaus die Fortsetzung der Psychotherapie.

Jeder halbwegs gesunde Mensch oder sollte ich besser sagen, jeder der nur über einen halbwegs gesunden Menschenverstand verfügt, hätte spätestens hier eine Entscheidung getroffen. Ob im positiven oder abschlägigen Sinn, das spielt keine Rolle. Der MDK jedoch hatte in seinem EntscheidungsFindungsProzeß das Ende seiner Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Am 24, Januar 2011 erreichte mich ein Telefonanruf der KK mit dem Tenor, das man „kurz davor stehe eine abschließende Bewertung“ vorzunehmen. Das Ziel sei in Sicht, man befindet sich sozusagen gewissermaßen im Endspurt. Alles was man jetzt noch benötigt ist die Entbindung der Schweigepflicht meines

HIV Facharztes des Infektiologikums Frankfurt – City gegenüber dem MDK alldieweil besagter MDK gerne mit ihm ein Gespräch führen möchtwürde.

Mittlerweile war mir klar, das der MDK auf Zeit spielte. Mitte Februar 2011 würde es wieder möglich sein, da nach Beendigung meiner letzten ambulanten Therapie die 2 jährige Wartezeit vorbei ist, und ich somit eine ambulante Therapie wieder in Anspruch würde nehmen können.

Am 10. Februar 2011 erhielt ich vom MDK einen abschlägigen Bescheid bzgl meines Antrages auf eine stationäre RehaMaßnahme.

Der Gutachter kam in seiner Beurteilung zum Ergebnis, dass bei mir derzeit keine zwingenden medizinischen Gründe vorliegen, die eine Durchführung einer stationären RehaMaßnahme in einer psychsomatisch ausgerichteten Klinik erforderlich machen.

Ausschlaggebend war letztendlich das Gespräch zwischen meinem HIV Facharzt und dem Gutachter vom MDK.

Mein HIV Facharzt ist was den medizinisch körperlichen Aspekt von HIV betrifft, einer der besten Ärzte. Diesbezüglich bin ich medizinisch bestens versorgt bzw medikamentös eingestellt. Ich nehme mit geringfügiger Abweichung seit 13 Jahren die gleiche Medikamenten Kombination. Und auch was die Polyneuropathie in meinen Füßen betrifft, medikamentös bin ich sehr gut eingestellt. Keine Frage. Nicht ohne Grund begleitet er mich schon seit ca 15 Jahren. Was den psychischen Aspekt von HIV betrifft, HIV unter psychosomatischem Gesichtspunk, das ist schlicht und einfach nicht sein Ding. Und genau hier liegt der Hund begraben. Genau darauf hat sich der MDK bezogen.

Ich war ca 3 Jahre auf der Suche bis ich in Frankfurt/Main im Jahr 2007 einen geeigneten Therapeuten gefunden habe. Beide, Therapeut und Patient müssen „miteinander können“. D.h. neben der fachlichen Qualifikation muß auch die Chemie zwischen Patient und Therapeut stimmen. Zu diesem Zeitpunkt war ich körperlich wesentlich fitter als heute. D.h. das Einsteigen in eine Strassenbahn, diese Stufe zu bewältigen, Treppen steigen war mir noch möglich. Bis zum Jahr 2009 war ich in der Lage mit dem Fahrrad zum Einkaufen zu fahren. Das ist mir heute nicht mehr möglich. Der psychosomatische Aspekt einer stationären RehaMaßnahme machte nur einen Teil aus. Neben den entsprechenden psychischen Aspekt betreffenden Angebote der Habichtswaldklinik in Kassel gibt es noch div Krankengymnastische Angebote, die einen Muskelaufbau in den Beinen förderlich sind. Zudem hat man die Möglichkeit die dem Haus angeschlossenen Kurhessen Therme an 5 Tagen in der Woche unentgeltlich in Anspruch zu nehmen. Die Angebote die man täglich über einen Zeitraum von 4 Wochen in Anspruch nehmen kann sind auf amublantem Weg höchstens in 7 Monaten durchzuführen. Von den Kosten und der Erreichbarkeit ganz zu schweigen.

Subjektiv hat es für mich den Anschein als würde der MDK dem psychischen Aspekt „wenig Bedeutung“ beimessen. Der Rat und die Empfehlung des MDK eine Therapiemöglichkeit in Wohnortnähe in Anspruch zu nehmen sowie die Zusicherung die „Kosten einer ärztlich verordneten ambulanten Maßnahme zu tragen“, ist einfach nur dämlich weil gesetzlich geregelt.

* * *

Nachtrag

Das ich gegen die Ablehnung der REHA durch den Mdk keinen Wiederswpruch eingelegt sollte sich im Nachhinein als sinnvoll erwiesen haben, da im April 2011 eine familiäre Situation eintrat, die mich bis zum Februar 2012 forderte, sodaß ich – hätte man meinem Wiederspruch statt gegeben die REHA hätte entweder nicht antreten können oder ich hätte sie abbrechen müssen.  Siehe oben unter dem Header „Leben im Alter„.

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