HIV Medikamente für Afrika in Deutschland verkauft? (akt 6)


Mehrere Staatsanwaltschaften und das Bundeskriminalamt sind nach Recherchen von NDR Info einem bundesweiten Millionenbetrug mit gefälschten HIV-Medikamenten auf der Spur. Die Fahnder ermitteln gegen verschiedene Pharmagroßhändler. Sie sollen unter anderem für Patienten in Afrika vorgesehene, subventionierte Präparate in großen Mengen umverpackt, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit extrem hohen Gewinnen verkauft haben. Quelle NDR

Schon im Juni 2009 „wandte“ sich eine Apotheke mit einem „pharmazeutischen Problem“ an den Hersteller, in diesem Fall GlaxoSmithKline sowie an die zustandige Aufsichtsbehörde. Ein HIV Positiver reklamierte damals, das eine Packung seiner HIV Medikamente Combivir „einen versiegelten Blister ohne Tabletten enthielt“. Der Medikamentenhersteller GlaxoSmithKline bestätigte anhand der Chargennummer R343741 das es sich um ein von ihm hergestelltes HIV Medikament handelte und ließ die komplette Charge vom Markt nehmen.

Auf Grund von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden in mehreren Apotheken in Norddeutschland weitere gefälschte Packungen mit Inhalt sichergestellt. In Untersuchungen wurden dann festgestellt, „dass die Tabletten mit den Originalprodukten von GSK identisch sind“. Quelle Medizinnet.de

Der Verdacht der Ermittler, dass es sich um illegale Reimporte von subventionierten Produkte für den afrikanischen Markt handeln könne, scheint sich, darf man der Meldung Glauben schenken, bewahrheitet zu haben.

Wie es sich jetzt heraussgestellt hat geht es dabei um mehr als nur „einige Packungen Combivir“.

Der finanzielle Schaden liegt nach Schätzungen mindestens im zweistelligen Millionenbereich. Quelle ndr.de

Combivir und Epivir dürfte Bestandteil einer 3 er Kombi von vielen HIV Positiven in Deutschland sein. Insofern ist ein finanzieller Schaden in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages eine Dimension, wo eine Zurückhaltung mehr als nur in Frage gestellt ist. Hier ist Handlungsbedarf angesagt und Transparenz gefragt.

Die Rolle von GSK in 2009 zu diesem Thema war sehr „zurückhaltend“ um es vorsichtig zu formulieren.

Glaxo schweigt und wartet ab

Der Hersteller GSK wollte zu den Vorkommnissen keine Stellung nehmen. Man warte vorerst die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Auch besorgten Apothekern gegenüber legt das Unternehmen nach PZ-Informationen eine etwas undurchsichtige Informationspolitik an den Tag. Quelle pharmazeutische Zeitung

Zum einen gehören solche „Vorkomnisse“ auf die Tagesordnung des neu konstituierten Nationalen Aids Beirat „würden“ diesem Beirat Menschen die HIV positiv sind aus der organisierten Selbsthilfe angehören.

Zum Anderen ist genau das eine Situation wo „organisierte Selbsthilfe“ in Aktion treten muß . . . . gäbe es sie.

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Update 1 – 24/02

Dies war wie gesagt der Sachverhalt im Juni 2009. Am 3. November 2009 wurden die HIV Bereiche der Pharma-Konzerne Glaxo und Pfizer zusammengelegt. ViiV Healthcare heißt das neue Unternehmen, kündigten die Unternehmen nun an. Leider gibt es die Webseite des neuen Unternehmens ViiV Healthcare nur auf Englisch.

ViiV Healthcare zu den Meldungen von heute 24. Februar 2011 :

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist ViiV Healthcare nicht in der Lage den inhaltlichen Sachverhalt wie es in den Medien

. . . HIV-Medikamente, die für Patienten in Afrika bestimmt waren, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit großem Gewinn verkauft haben. Quelle AFP

heute kommuniziert wurde zu kommentieren, da man von dem Sachverhalt auch erst durch die Medien erfahren habe. Auf meine Frage ob man auf der Webseite von ViiV Healthcare oder von GSK kommunizieren wird das man sich der Thematik annehmen wird, sagte man mir das man diese Anregung aufnehmen wird.

Das man informieren wird steht außer Frage. Welches der geeignetste Weg sein wird, ob durch eine Presseerklärung, über die Webseite von GSK oder ob man über die Aids Hilfen gehen wird, das muß geklärt werden.

Zudem, so scheint es sich immer mehr herauszukristallisieren, handelt es sich um HIV Medikamente verschiedener Hersteller.

Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte am Donnerstag die Ermittlungen gegen mehrere Pharmagroßhändler. Federführend seien die Staatsanwaltschaften Trier, Lübeck und Flensburg, sagte eine BKA-Sprecherin am Donnerstag in Wiesbaden der dpa.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt nach eigenen Angaben gegen die Geschäftsführer eines Pharmagroßhändlers aus Trittau wegen gefälschter Medikamente gegen das Aidsvirus. Oberstaatsanwalt Günter Möller bestätigte damit entsprechende Berichte des Radiosenders NDR Info vom Donnerstag, wonach subventionierte HIV-Medikamente für Afrika illegal in Deutschland verkauft worden sein sollen.

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Update 2-24/02

Stellungnahme – Pressemeldung der DAH

„Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) verurteilt diese illegalen Geschäfte aufs Schärfste“, sagt Winfried Holz vom DAH-Vorstand. „Wenn tatsächlich Medikamente aus dem südlichen Afrika auf den deutschen Markt gelangt sind, zeugt das von hoher krimineller Energie der Täter. Es muss nun darum gehen, den Schaden für die Versorgung von Menschen mit HIV so gering wie möglich zu halten!“

Die Medikamente wurden Menschen mit HIV, die sie dringend benötigen, vorenthalten. Daraus ist möglicherweise eine Gefahr für ihre Gesundheit und ihr Leben erwachsen. Menschen mit HIV in Deutschland, die  neu verpackte, reimportierte Medikamente eingenommen haben könnten, werden durch den Betrug verunsichert.

Hinzu kommt: Pharmaunternehmen haben die Möglichkeit illegaler Reimporte in den letzten Jahren immer wieder als Argument gegen die verbilligte Abgabe ihrer Präparate für ärmere Länder genutzt. Es besteht nun die Gefahr, dass die Vorbehalte wieder wachsen. Die Versorgung von HIV-Positiven mit Medikamenten könnte dadurch noch schlechter werden.

DAH-Vorstand Winfried Holz weiter: „Aus dem Skandal lässt sich etwas lernen: Wenn Pharmafirmen ihre Präparate für die Produktion von Generika freigeben, sind illegale Reimporte dieser Medikamente nicht möglich. Das gleiche gilt, wenn die Firmen in ärmeren Ländern ihr Produkt selbst unter anderem Namen und mit anderem Design auf den Markt bringen. Von diesen Möglichkeiten sollten Pharmafirmen noch stärker Gebrauch machen! Außerdem: Es ist kein Zufall, dass die Medikamente in Deutschland auf den Markt gebracht wurden. Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Medikamentenpreisen weltweit. Die völlig überzogenen Preise bedeuten für die Betrüger besonders hohe Gewinne. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert eine Senkung der Preise für HIV-Medikamente in Deutschland. Das würde auch den Betrug mit Rückimporten unattraktiver machen.“

Das Ziel muss weiterhin sein, dass alle Menschen mit HIV weltweit, die Medikamente benötigen, sie auch bekommen. Bislang erhält nur etwa ein Drittel der Therapiebedürftigen weltweit eine entsprechende Medikation. (Im Jahr 2009 waren es nach Angaben von UNAIDS 5,25 Millionen Menschen, wobei 14,6 Millionen eine Therapie benötigt hätten.)

Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen mit HIV in Deutschland besteht durch den vorliegenden Betrug nach Einschätzung der Deutschen AIDS-Hilfe wahrscheinlich nicht. So lange tatsächlich Originalpräparate in den Verkauf gekommen sind, dürften sie unvermindert wirksam sein. (Eine Ausnahme könnte theoretisch das Medikament Norvir®/Ritonavir bilden, sollte die Kühlkette unterbrochen worden sein.)

Wer befürchtet, entsprechende Medikamente erhalten zu haben, sollte seinen Apotheker auf diesen Verdacht ansprechen.

Quelle:DAH HIV Medikamente: Hoher Schaden durch betrügerische Importe

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Update 3-24/02

Pressemeldung: Stellungnahme GSK „Pharmaziegroßhändler im Fokus der Ermittler“

Der Bericht von NDR Info enthält die Vermutung, dass die betroffenen HIV-Medikamente aus dem Hause GlaxoSmithKline für das Ausland bestimmt waren und dass durch einen Reimport angeblich extrem hohe Gewinnmargen erreicht wurden. Bei den Darstellungen in dem Bericht handelt es sich um reine Spekulationen. An diesen werden wir uns nicht beteiligen, solange es keine konkreten Hinweise darauf gibt, auf welchem illegalen Weg die Tabletten nach Deutschland gekommen sind. GlaxoSmithKline (GSK) hat ein großes Interesse an der Aufklärung des dargestellten Sachverhalts, da Arzneimittelfälschungen schwerwiegende Folgen haben können. Daher stehen wir in engem Austausch und kooperieren mit den zuständigen Ermittlungsbehörden.

Wir möchten Sie an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass sämtliche Zulassungsrechte der auf dem Markt befindlichen HIV-Medikamente im Oktober 2010 von den bisherigen Eignern GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer auf ViiV Healthcare übertragen wurden. Quelle

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Fazit: Tag 1

Wenn ich diesen Tag respektive Meldungen des heutigen Tages rekapituliere (wobei ich weit davon entfernt bin alle ergoggelte Informationen 224000 Ergebnisse in 0,26 Sekunden gelesen zu haben), dann kommen mir unweigerlich zwei Begriffe in den Sinn die zu mehr Fragen als Antworten führen.

1. Drama als Oberbegriff für ein „Stück oder Scenario“ mit verteilten Rollen

2. Spekulation

Die erste Meldung heute morgen kam vom NDR. Meine Wahrnehmung war, das muß ich zugeben sehr selektiv. Was ich wahrgenommen und aufgenommen habe war die Aussage,

. . . das für Patienten in Afrika vorgesehene, subventionierte Präparate (HIV Medikamente) in großen Mengen umverpackt, illegal nach Deutschland gebracht und hier mit extrem hohen Gewinnen verkauft worden sein sollen

Das kleine aber einen entscheidenden Unterschied machende Wort

Mehrere Staatsanwaltschaften und das Bundeskriminalamt sind nach Recherchen von NDR Info einem bundesweiten Millionenbetrug mit gefälschten HIV-Medikamenten auf der Spur.

ist mir völlig entgangen. Diese erste Meldung zog sich über den Tag durch sämtliche Meldungen. Ob von der Presseagentur DPA oder dem BKA, in vielen Meldungen wurden die Begriffe gefälschte und subventionierte umverpackte Präparate/HIVMedikamente aufgegriffen.

Selbst in der Presseerklärung von GSK/ViiV Healtcare wird u.a. wieder einmal von Arnezmittelfälschung gesprochen.

Ein weiter Punkt ist das es sich laut Medienberichten zufolge um subventionierte HIV Medikamenten handelt . . .

Von wem wurden die für Afrika bestimmten HIV Medikamenten subventioniert? Von der Bundesregierung? Von der EU?  Das könnte bedeuten das ein erheblicher Betrag pro Packung an die Pharmahersteller gezahlt wurde. Wäre das der Fall so war es natürlich den Pharmaunternehmen möglich “HIV Medikamente” billig – für einen erschwinglichen Preis Ländern in Afrika zur Verfügung zu stellen. Unter dem Strich würden so die Pharmaunternehmen den vollen Preis (subventioniert um auf 100 % des Preis zu dem die Medikamente z.b. in Deutschland verkauft werden? zu kommen) erhalten haben. Insofern hätten die Pharmahersteller auch keinen finanziellen Verlust gehabt.

Seit dem 28. April finden in Brüssel hinter verschlossenen Türen Verhandlungen zu dem EU-Indien Freihandelsabkommen statt. Es geht um die Ausweitung der geistigen Eigentumsrechte im pharmazeutischen Bereich, die über die Regelungen des TRIPS-Abkommens (Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) hinaus gehen. Die treibenden Kräfte hinter den politischen Verhandlungsführern in Brüssel sind Pharmakonzerne die Wirtschaftszeitungen und Regierungen instrumentalisieren um ihre Interessen durchzusetzen.

Indien spielt bei der Produktion und Bereitstellung von bezahlbaren, lebensnotwendigen Generika-Produkten für ärmere Länder eine zentrale Rolle. Ohne diese in Indien hergestellten Generika wären im Laufe des letzten Jahrzehnts Millionen Menschen gestorben.

Um dieses Ziel zu erreichen scheute man sich nicht die in Indien hergestellten Generika als FAKE Medikamente zu diffamieren.

Quelle alivenkickn Patienten vor Profit anstelle Profit vor Patienten (akt)

Vor diesem Hintergrund drängen sich mir unwillkürlich einige Fragen auf, die „natürlich so spekulativ“ sind wie die eine oder andere Meldung die heute medial verbreitet wurde.

Wurde eine Fährte gelegt, Meldungen lanciert von denen man wußte das sie begierig aufgegriffen wird?

Wer profitiert davon – Wem zum Vorteil – Cui bono?

In den nächsten Jahren geht es um auslaufende Medikamenten Patente in MilliardenHöhe. Gelder die wenn diese Patente auslaufen eine empfindliche Lücke auf den Konten von den großen federführendeen Pharmaunternehmen hinterlassen. Milliarden, derer man sich sicher sein kann wenn das EU – Indien FTA dieses Jahr unterzeichnet wird, da man (die Pharmaindustrie) ihrer eigenen patentrechtlichen ausgelaufenen Medikamente als „Generika“ produzieren, ausgeben und verkaufen darf .

Meldungen über „gefälschte Medikamente“ sind ein Grund das EU – Indien Freihandelsabkommen zu verifizieren. Nur die anerkannt bekannten Pharmaunternehmen sind die Gewähr für eine einwandfreie „Generika Produktion ihrer in den nächsten Jahren patentrechtlich abgelaufenen HIV und anderer Medikamente“. Natürlich zu „relativ“ günstigen Preisen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Veranstaltung des CFR, Council on Foreign Relations, eine sogenannte unabhängige Organisation für globale Beziehungen die sich als unabhängige, unparteiische Mitglieder Organisation, als „Think Tank“ DenkFabrik, expertenkommission bezeichnet. The Council on Foreign Relations (CFR) is an independent, nonpartisan membership organization, think tank, and publisher.

Ein Vortrag der auf dieser Veanstaltung gehalten wurde, bschäftigte sich mit dem Thema: „Lebensmittel und Arzeneisicherheit“ (Wie) Kann Sicherheit in einer Zeit der zunehmenden Globalisierung sichergestellt werden?

Food and Drug Safety: Potential Solutions
„Food And Drugs: Can Safety Be Ensured In A Time Of Increased Globalization?“

Der Inhalt wie auch die SprecherListe dieser „Diskussion“ ist äußerst Interessant um nicht zu sagen aufschlußreich:

Speakers: Aline Plançon, Head Of Interpol-Impact Project, And Head Of Medical Products Counterfeiting And Pharmaceutical Crime Unit, Interpol, France
Michael Robach, Vice President, Corporate Food Safety And Regulatory Affairs, Cargill, Inc.
Greg Simon, Senior Vice President, Worldwide Policy, Pfizer, Inc.

Das man gegen „gefälschte Medikamente“ vorgehen muß das steht außer Frage. Besonders wenn man weiß das dieser Markt – die Produktion von „gefälschten Medikamenten“ sehr einträglich ist , um es vorsichtig auszudrücken. Aber auch das könnte man minimieren wenn die Pharmahersteller sich großzügiger bzgl der Generikaproduktion von patentrechlichen abgelaufenen Medikamenten gegenüber Ländern wie Indien und Brasilien verhalten/zeigen würden.

Alles ist natürlich rein „spekulativ“.

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Update 5. März 2011: Dazu Jakob Hösl in einem Kommentar zu dem Artikel von ondamaris „Millionen-Betrug mit Aids-Medikamenten? (akt.7)

Mich interessiert an diesem Vorgang weniger der Umstand, dass Geschäftsleute mit allen Mitteln, die ihnen einfallen, Gewinnmaximierung betreiben und dass sie auch nicht vor strafbaren Handlungen zur Erreichung dieses Ziels zurückschrecken. Das scheint mir heutzutage fast schon gesellschaftsfähig zu sein.

Was ich an diesem Vorgang wirklich menschenverachtend und unglaublich finde ist, dass durch diese Reimporte die Gesundheit von Menschen gefährdet und unter Umständen lebensbedrohlich beschädigt wird, da naturgemäß Medikamente, die aus Südafrika nach Europa reimportiert wurden, dort nicht vorhanden sind. Das heißt, dass Menschen mit HIV und Aids in Südafrika oder anderen armen Ländern Afrikas Behandlungsmöglichkeiten fehlen. Patienten werden dort nicht oder jedenfalls weniger mit Medikamenten versorgt, wenn die Medikamente dort nicht ankommen, weil sie reimportiert werden. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Skandal. Medizinisch meine ich, dass die Vorenthaltung von den Patienten eigentlich zustehenden und auch für sie vorgesehenen HIV Medikamenten beziehungsweise das Entziehen von HIV Medikamenten mit lebensbedrohlichen Gesundheitsverschlechterungen einhergehen kann. Wenn sich also dieser Verdacht erhärtet und tatsächlich nachgewiesen werden kann, dass solche Reimporte geschehen sind, muss man auch daran denken, dass einer unbestimmten Anzahl von Menschen in Südafrika beziehungsweise anderen armen Ländern in Afrika durch die Vorenthaltung beziehungsweise Entziehung von HIV Medikamenten erhebliche Gesundheitsschäden mit gegebenenfalls lebensbedrohlichen Auswirkungen zugefügt wurden.

Da jemand, der Pharmazeut ist, die Wirkungsweise der Medikamente und die Bedeutung für die Behandlung von HIV kennt und andererseits Voraussetzung für das Betreiben eines Pharmagroßhandels ist, dass dort in gesetzlich vorgeschriebener Anzahl Pharmazeuten tätig sind, ist den Firmen beziehungsweise den Verantwortlichen dieser Umstand der gegebenenfalls lebensbedrohlichen Gefährdung von Menschen zuzurechnen. Neben dem Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz oder dem Verdacht des Betrugs muss aus meiner Sicht auch geprüft werden, ob hier strafbarer Handlungen gegen die körperliche Unversehrtheit und möglicherweise sogar gegen das Leben in Betracht kommen. Wer HIV Medikamente entzieht muss aufgrund seiner fachlichen Kenntnis damit rechnen, dass dies lebensbedrohliche Folgen für den Patienten haben kann. Es kann hier auch nicht darauf ankommen, ob den Pharmazeuten nicht jeder einzelne Patient in Südafrika oder irgendeinem anderen Land in Afrika persönlich bekannt sind, sondern der generelle Umstand muss jedem klar sein, der so etwas tut. Dieser Skandal geht aus meiner Sicht über die rein wirtschaftliche Betrachtung und über die Betrachtung der Arzneimittelsicherheit hinaus.

Diese Sichtweise sollte man den zuständigen Ermittlern vielleicht näher bringen.

Jacob Hösl, Köln

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Update 10.11.2011

Die Staatsanwaltschaft Flensburg und das Bundeskriminalamt teilen mit: Erfolgreicher Schlag im Kampf gegen den internationalen Handel mit gefälschten Medikamenten

Wiesbaden (ots) – Im Zusammenhang mit zwei Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Flensburg wegen Verdachts des Betruges, des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz sowie des Verstoßes gegen das Markengesetz hat das Bundeskriminalamt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Flensburg am 09.11.2011 Wohnungen und Geschäftsräume auf Sylt und Hamburg durchsucht. Dabei wurden umfangreiche Beweismittel (Papierunterlagen, Datenträger und Arzneimittel) sichergestellt.

Dem 68-jährigen Beschuldigten wird vorgeworfen, in den Jahren 2008 und 2009 packungsgefälschte HIV-Arzneimittel aus Südafrika über die Schweiz und Belgien nach Deutschland eingeführt und hier an Pharmagroßhändler weiterverkauft zu haben. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die ursprünglich nicht für den deutschen Markt hergestellten Originalarzneimittel neu verpackt und zum höheren europäischen Marktpreis verkauft. Einem Einkaufspreis von 3 Millionen Euro stand dadurch ein Verkaufspreis von 6 Millionen Euro gegenüber.

Darüber hinaus steht er im Verdacht, gewerbsmäßig Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport in Verkehr gebracht zu haben.

Zeitgleich zu den Maßnahmen in Deutschland haben Beamte des South Afrikan Police Service (SAPS) Durchsuchungen in Kapstadt und Johannisburg durchgeführt, die zur Festnahme eines Pharmahändlers führten. Es handelt sich um die erste konzertierte Operation deutscher und südafrikanischer Ermittler in diesem Kriminalitätsbereich.

BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Die Festnahme ist das Resultat der intensiven Kooperation zwischen Beamten des Bundeskriminalamtes und südafrikanischen Ermittlern. Sie unterstreicht die Notwendigkeit von grenzüberschreitenden Strafverfolgungsmaßnahmen bei der Bekämpfung der Arzneimittelkriminalität.“

Die Auswertung der Beweismittel dauert an. Weitergehende Auskünfte können zum jetzigen Zeitpunkt nicht erteilt werden.

Quelle: Pressemappe BKA

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Auf das Statement von ViiV Healthcare darf man gespannt sein.

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Eine Antwort zu HIV Medikamente für Afrika in Deutschland verkauft? (akt 6)

  1. Ernst schreibt:

    Jo, jetzt weiß ich was Du so fleißig geschrieben hast – ganz unter uns, selbst in einer so kleinen Stadt, wo ich lebe, sagt das medizinische Personal: „Na in diese Apotheke würd ich nicht gehen, die sind nicht ganz sauber….“, und ich „???“ nix Ahnung wie die das meinen. Jetzt bekommt man langsam den Durchblick.
    Es gibt also in Deutschland Leute, die mit billigem Reimport für HIV/AIDS-Patienten Schotter machen – interessant.
    „Die Medikamente waren von Hilfsorganisationen für die Behandlung von HIV-Patienten in Südafrika vorgesehen.“ (- ich zitier mal ordendlich vom NDR)

    Leute wacht auf – wir sind die Doofen, die Patienten, die Opfer und andere lassen Sektkorken knallen, weil wir zu feige und zu ängstlich sind eine ECHTE SELBSTHILFEVERTRETUNG aufzubauen. Es ist die Hilfe für HIV-Positive Menschen mit der hier Schotter gemacht wird, da werden Villen gebaut, in die Malediven gejettet und die Kreuzfahrt geordert – und wir? Wir verstecken uns aus Scham – wofür eigentlich? Daß wir um zum Weiterleben Medikamente benötigen?
    Da sind Kinder dabei, Bluter – ach ist doch wurscht, keiner muß sich da irgendwie rechtfertigen. Die, die diesen Deal gedreht haben, die haben sich zu rechtfertigen.
    Es gibt offiziell über 60.000 Menschen in Deutschland, die HIV-positiv sind – weltweit 33 Millionen – aber das sind nur Zahlen – darum geht es nicht, es geht darum, daß wir aufwachen und uns zusammentun, miteinander reden und soweit Freunde werden, daß kein Betrüger und kein Krimineller seine Machenschaften treiben kann und das kann er nur, weil wir Angst haben, nichts fordern und uns verstecken.
    Wer das liest und betroffen ist, der soll darauf hinarbeiten, das es eine ECHTE EIGENSTÄNDIGE SELBSTHILFE GIBT. Ein Anfang ist, daß in diesen Beirat offiziell HIV-Positve Menschen berufen werden.
    Und redet mit hier im Internet – erhebt Euere Stimme, schreibt den ersten Text, sagt wie es Euch geht. Fangt an.

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