Selbsthilfe


“Selbsthilfe“  ein Wort das innerhalb der Community derzeit in Jedermann´s Munde ist. Bei näherer Betrachtung stimmt das natürlich nur annähernd. Viele die es verwenden verstehen etwas anderes darunter. Das kommt u.a. in den Kommentaren  zu dem Artikel von Ondamaris sehr deutlich zum Ausdruck.

Ondamaris kommt zu der Schlußfolgerung:

Uns verbinden drei Buchstaben: H, I und V.
Und uns verbinden all die Konsequenzen, die aus diesen drei Buchstaben potentiell resultieren, die wir befürchten, mit denen wir uns ob wir wollen oder nicht im Alltag auseinander setzen müssen.
HIV ist eben mehr als “nur diese drei Buchstaben”.
Und wenn wir mit diesen Konsequenzen besser, anders umgehen wollen, wenn wir unsere Situation verbessern wollen, dann hilft nur eins: zusammen arbeiten, gemeinsam handeln. Aus vielen einzelnen ‘ichs’ ein schlagkräftiges und engagiertes ‘wir’ machen.
Und das nennt man Selbsthilfe.

Inhaltlich kann ich mich dieser Aussage anschließen. Dennoch denke ich bedarf es einer Klarstellung des Begriffes der „Selbsthilfe“. Selbsthilfe in ihrem Ursprung bedeutet immer „organisierte Selbst Hilfe“.

Es handelt sich um Menschen die zusammenkommen, sich in einer Gruppe zusammenschließen um Bedürfnisse und Rechte einzufordern die ihnen zustehen um die Lebensqualität von Menschen mit HIV zu verbessern. Selbsthilfe ist immer politisch.

Es ist das was Ondamaris mit den „vielen ich´s“ die sich zu einem bestimmten Zweck  zusammenschließen um zu einem „wir“ zu werden meint. Und dieses „Wir“ steht für eine Gruppe von Menschen.

Insofern ist Selbsthilfe oder besser gesagt sind Selbsthilfegruppen selbstorganisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die ein Problem, Mangel oder eine Notwendigkeit erkennen und gemeinsam etwas dagegen bzw. dafür unternehmen möchten. Quelle Wikipedia

Stellt sich die Frage nach der Teilnahme.

Selbsthilfe (organisierte) hat unabhängig von Organisationen, Verbänden, Firmen und Vereinen zu sein. Selbsthilfe hat keine Verbindungen zu irgendwelchen Firmen, Verbänden oder Organisationen. Selbsthilfe darf in keinem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Es werden keine Aufnahmegebühren, Mitgliedsbeiträge erhoben noch irgendwelche Verpflichtungen unterschrieben oder Versprechen gemacht. Nur so wird der Unabängigkeit und Glaubwürdigkeit der Selbsthilfe Rechnung getragen. Nur auf diesem Weg wird die Unabhänggkeit und Glaubwürdigkeit gewahrt.

Mitmachen könne Alle, ohne Rücksicht auf Alter, Herkunft, Rasse, sexuelle Identität, Glaube, Religion oder fehlende Religionszugehörigkeit.

Dürfen dann auch Menschen mitmachen, die in einer Organisation, einem Verein oder Verband ihre Brötchen verdienen oder dort ehrenamtlich arbeiten?

Jeder der sich dieser Art der Selbsthilfe anschließt kommt als „Mensch“ und nicht als eine Person mit einem „professionellen Status“. Insofern kann sich Jeder ungeachtet seiner beruflichen Tätigkeit in der Selbsthilfe engagieren. Nach meinem Verständnis geht es in der Selbsthilfe darum, das umzusetzen bzw dafür einzutreten was man situativ als Ziel wahrnimmt und entsprechend zum Ausdruck bringt und einzufordern. Das heißt u.U. auch das Menschen die HIV positiv sind und in der Selbsthilfe teilnehmen ggf bereit sein müssen in der Öffentlichkeit „Gesicht zu zeigen“, sich zu ihrem Status „Ich bin HIV positiv“ bekennen müssen.

Jeder der sich in einer solchen Selbsthilfe engagiert muß sich darüber im klaren sein, das er/sie durchaus in einen Interessenkonflikt kommen kann. Dies muß er/sie selbst für sich abwägen. Das heißt aber auch das es ganz klar eine Trennung vom Berufs/Arbeitsalltag zu dem Ziel der Selbsthilfe – einer Aktion geben muß. Und dieses Ziel, eine Aktion muß immer Priorität haben.

So ist das traditionelle Verständnis von der Selbsthilfe. So sollte Selbsthilfe nach meinem Dafürhalten sein.

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Ondamaris:

Die Frage HIV-positiver Interessenvertretung wurde auch konkret diskutiert mit zahlreichen Vorschlägen, welche Inhalte eingebracht werden sollten. So wurden als Themen, die aus Sicht HIV-Positiver Eingang in die Debatten des NAB finden sollten, u.a. genannt

  • Integration von HIV-Positiven in die Gesellschaft
  • Abbau von stigmatisierenden Vorurteilen
  • Kriminalisierung von Menschen mit HIV
  • Überarbeitung und Anpassung des Strafrechts entsprechend gegenwärtigen medizinischen Standards
  • Prävention ohne Angst und Schrecken
  • Leben mit HIV im Alter
  • soziale und ökonomische Situation HIV-Positiver (ALG II / Hartz IV, Rente, Härtefallregelung …)
  • Ökonomisierung vs. Solidargedanke im Gesundheitswesen

Diese „Punkte“ von HIVPositiven in den Nationalen AIDS Beirat, der „relativ betrachtet“ im Grunde genommen eine „geschlossenen Gesellschaft ist“ einzubringen ist nur eine Möglichkeit „sich bemerkbar zu machen“. Sie in die Öffentlichkeit zu transportieren, dazu gibt es nicht nur den Weg „über den Nationalen AIDS Beirat“. Inhalte über öffentlichkeitswirksame Aktionen durch die „organisierte Selbsthilfe“ zu kommunizieren sind ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg die Lebensqualität von Menschen mit HIV zu verbessern. Und das es da einigen „Verbesserungsbedarf“ gibt das steht außer Frage.

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Auf dem Blog von Ondamaris gibt es ein bemerkenswertes Interview mit Michele Meyer zu dem Thema „Solidarität ist Zusammengehörigkeit, ist Mitmenschlichkeit“

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