1 Jahr Villa Anders


Vor ca. 1 Jahr sind die ersten Bewohner in die Villa – Anders in Köln eingezogen.

Für Lisa Weiss, Mitinitiatorin und Vorstandsmitglied des Vereins Schwul-Lesbisches Wohnen e.V., wurde mit dem europaweit einmaligen, integrativen Wohnprojekt für Schwule und Lesben „eine Vision wahr“. (Quelle)

1 Jahr Villa Anders. Was hat sich in diesem Jahr getan? War das Leben in der Villa Anders so wie man es sich erhofft hat? Was war anders?

Wer hier wohnt, weiß: Rücksicht auf andere zu nehmen, gehört zum Konzept. Ebenso die Wünsche und Bedürfnisse seiner Nachbarn zu tolerieren, zu akzeptieren und zu unterstützen. Quelle: Allein unter Feunden

Wenn man das ließt so wird wohl jeder sagen das dies wohl selbstverständlich ist . . . sein sollte. Doch im Alltag zeigt es sich das es ein Ziel und der Weg dorthin mitunter schwer und steinig ist. Anläßlich der Verleihung des 25. Teddy Award sagte einE RednerIn sinngemäß „die Basis für ein Miteinander ist Akzeptanz“. Ein spannender Satz wie ich finde. Stell Dir vor Freunde, Carnivoren, und Du, Hard Core Veganer, sitzen gemeinsam an einem Tisch und essen Abendbrot zusammen. Einer deiner Feunde hat einen frisch geräucherten Aal mitgebracht und packt ihn aus. Weder mißmutig noch mit moralinsaurem Ausdruck auf dem Gesicht neben ihm zu sitzen und eine rohe Gurke mit einem Lächeln im Gesicht zu verspeisen während der frische Räuchergeruch unter deiner Nase vorbeizieht . . . . keine leichte Übung.

Eine Bewohnerin des Hauses:

Die theoretischen Ansprüche, die das Projekt stellt, in die Wirklichkeit umzusetzen, war gar nicht so einfach.  „Wir waren etwas blauäugig. Wir haben gedacht, wir ziehen zusammen und wissen voneinander, was wir wollen.“Quelle: Allein unter Feunden

Lisa Weiß vom Vorstand des Trägervereins der Villa und selbst Mitbewohnerin.

„Die Erwartungen waren hoch, es gab unterschiedliche Wünsche. Die mussten diskutiert und geklärt werden. Jetzt kennt man sich besser, kann mit Eigenheiten umgehen“.

Man mußte sich im wahrsten Sinne des Wortes im Alltag zusammenraufen. Das es zu Nachbarn kaum Kontakte gibt, nun wer will es verdenken. Gewohnheiten und Vorurteile sind über Jahre gewachsen und somit nicht über Nacht abzulegen. Auch wenn es sich bei der Nacht um 1 Jahr handelt. Das tägliche Leben, der Alltag, das Mit und Untereinander der Bewohner der Villa Anders im Kontext zu der Nachbarschaft wird mit der Zeit wachsen und somit alle Vorurteile wiederlegen.

Ich wohne in einem Haus das auf Grund seiner Bewohner in den Köpfen der Nachbarschaft auch mit „Vorurteilen“ beladen war. Eines Tages, so nach 5 oder 6 Jahren während eines Gesprächs mit einer Nachbarin über den Gartenzaun hinweg sagte sie: „In dem Haus wo sie wohnen, das sind ja ganz normale Menschen“. Damals mußt ich innerlich grinsen. Heute hat uns der Alltag eingeholt. Die Schubladen sind leer, das Verhältnis ist freundlich. Und natürlich gibt es die Unverbesserlichen. Das wissen wir seid der Mutter der Nation.

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Wohnprojekte wie die Villa Anders in Köln oder Lebensort Vielfalt in Berlin sind so notwendig wie das Salz in der Suppe. Beide Wohnprojekte sind aus der gewachsenen Selbsthilfe heraus entstanden, haben sich aus der Selbsthilfe entwickelt. Von den Politikern, der Politik ist nichts zu erwarten. Und, das mag die eine oder andere AIDS Hilfe jetzt in Erstaunen setzen, auch mit Ihnen funktioniert es nicht. Die Strukturen und das Denken von vielen Mitarbeitern die 20 und mehr Jahre auf ihren Posten sitzend klammern, sind zu verkrustet um beweglich zu sein. Das Tagesgeschäft hat sehr viele Mitarbeiter zu „Bedenkenträgern“ gemacht. „Bedenkenträger“ verhindern jedes Wohnprojekt wie die „Villa Anders“ und den „Lebensort Vielfalt“. Es braucht mutige und entschlossene Menschen, ein Team das sich allen Widerständen entgegen zu stemmen weiß. Und es braucht auch eine Community die eine klare Ansage macht, die deutliche Signale erkennen läßt, sagt was sie will. Solange dies nicht nicht geschieht, solange jeder in seinem Kämmerlein eingenbrötlerisch vor sich hin wurstelt, werden sich Viele dort wiederfinden wo sie um keinen Preis hinwollen: In einem stinknormalen heteronormativ geführten Altersheim: Dann wird zwar das Geplärre groß und laut sein, aber auch zu spät.

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Eine Antwort zu 1 Jahr Villa Anders

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