Welt AIDS Tag 2010 Frankfurt/Main – „Taking it to the Streets . . . “


Dieser Songtitel der Doobie Brothers ging mir nicht mehr aus dem Kopf, als ich gegen 18 Uhr in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause war. Schon beim Lesen des Textes, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Zum einen trifft seine Aussage inhaltlich auf die Situation zu wie sie sich besonders in den Ländern südlich der Sahara und Indien im Kontext zu HIV/AIDS darstellt, zum anderen drückt er das aus was am 1. Dezember am Welt AIDS Tag in vielen Ländern – in vielen Städten passiert: „Das Thema HIV/AIDS wird am Welt AIDS Tag wie an kaum einem anderen Tag auf die Strassen unter die Menschen gebracht“. Natürlich lag dem Songtext als er geschrieben wurde eine ganz andere Bedeutung zu Grunde. Doch dieser Song Text ist wie ich finde so genial „offen und unbesetzt – auslegbar“ wie kaum ein anderer. Zumindest kenne ich nicht viele Song Texte die so „neutral – politisch“ sind wie dieser Song der Dobbie Brothers.

* * *

Eiegntlich wollte ich so gegen 14. 00 Uhr in der Jugendkulturkirche Sankt Peter in Frankfurt zu sein, um endlich mal Mirko Reeh seinen Kochlöffel schwingen zu sehen. Aber wie das so ist: Wer zu spät kommt den bestraft das Leben.

Stattdessen schwärmte eine Mitarbeiterin der AH Frankfurt von den köstlichen Suppen Mirkos. Der Restmenge Suppe – 1 von 3!!!  nach zu urteilen, müssen die Suppen wirklich köstlich gewesen sein. Besonders wenn man sich den riesigen Topf anschaut. Und davon hat es 3 – in Worten DREI – gegeben. Wenn man bedenkt das um die Mittagszeit die Suppen weggingen wie die berühmten warmen Semmeln, dann liegt es auf der Hand das die Suppen einfach „göttlich“gewesen sein müssen. Und das nicht nur angesichts der herrschenden kalten Temperaturen auf den Strassen. Des is klar wie Kloßbrieh.

* * *

Während meines Aufenthaltes in der Jugendkulturkirche Sankt Peter von ca 14.45 – 16.00) wurden von den Sammlerinnen und Sammlern verschiedener Schulen in Frankfurt fast 2000 Euro gesammelt.

*

Wenn man sich die Kälte und vor allen Dingen des teilweise eisigen Wind der durch die Strassen pfiff vor Augen hält, so kann man das Engagement der Schülerinnen und Schüler der Schulen die für die AIDS Hilfe Frankfurt Geld gesammelt haben nicht hoch genug wertschätzen.

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Sophie Allison und Ann – Musterschule Frankfurt

Hallo Ihr beiden. Ich würde Euch gerne ein paar Fragen stellen, ne Aufnahme von Euch machen und Euer Foto mit Euren Antworten auf meinen Blog ins Inernet stellen. Habt ihr was dagegen?

Nein da haben wir nichts dagegen.

Wo sammelt ihr?

Wir sammeln in den Strassen um die Konstablerwache, gehen aber vor allen Dingen in die Cafes. In den Cafes sind die Leute sehr entspannt. Bis jetzt hat jeder was gegeben.

Was ich von Anderen, die auf der Strasse sammeln gehört habe ist, das die Menschen öfter an Sammlern einfach „vorbeilaufen“. Habt ihr die Erfahrung auch gemacht?

Ja auf jeden Fall. Die Leute hören einem meistens gar nicht zu und gehen einfach weiter, sagen „Nein Danke“. Es bleiben natürlich auch welche stehen, aber viele gehen weiter.

Im Cafe zu sammeln ist ne coole Idee. Die Leute sitzen im Cafe und können nicht weglaufen. Wer läßt schon Kaffee und Kuchen stehn. Da müssen sie Euch antworten.

Ja genau. Das ist der Vorteil. Vor allen Dingen bekommen das die anderen Gäste auch mit und spenden dann auch etwas.

Von welcher Schule seid ihr?

Von der Musterschule

Zu sammeln, ist das Eure Idee gewesen? Habt ihr Euch in der Klasse mal zusammengesetzt und gesagt habt: „Hey, es is bald Welt Aids Tag. Wollen wir nicht was machen und für die AIDS Hilfe Frankfurt sammeln“?

Unser Klassenlehrer hat Zettel ausgeteilt wo wir gefragt wurden wer am WAT Spenden sammeln will. Da haben wir uns gemeldet. Unsere Schule hat heute auch auf dem Schulgelände einen Stand wo die Schülerschaft spendet. Wir haben dann gesagt das wir dann auf die Strasse gehen und Spenden sammeln wollen.

Darf ich fragen wie alt ihr seid?

Ann: 15 Jahre
Sophie Allison: 16 Jahre

HIV und AIDS ist also kein Thema für Euch. . . . oder

Inwiefern . . .

Also . . . „Nur´n Dummie fickt ohne Gummi“. Mit anderen Worten: Ihr wißt wie ihr Euch schützen könnt, wißt wie man mit Menschen umgeht die HIV positiv sind . . .

Auf jeden Fall. Wir hatten schon AIDS Aufklärung in der Klasse, wurden aufgeklärt. Ich nehme z.b. schon die Pille und wenn ich mit meinem Freund schlafe dann nehme ich auf jeden Fall ein Kondom weil das auf alle Fälle sicherer ist. Ich würde mal sagen, wir beide Ann und ich sind sehr aufgeklärt in dieser Hinsicht.

Das find ich Klasse. Ich hab keine Ahnung wir Internetfit ihr seid, aber was da manchmal die Leuto so von sich geben . . . da kommt mitunter ziemlich viel Chaos rüber. Das zeigt das das Wissen über HIV teilweise noch „sehr mangelhaft“ ist.

Das stimmt schon. Heute ist es in unserer Schule aber schon so, das HIV/AIDS Thema ist. Im Biologieunterricht haben wir z.b den Krankheitsverlauf durchgesprochen usw.

Wie ist das in eurem Freundeskreis. Ist HIV Thema? Sexualität gehört ja zum Leben dazu wie Nudelsuppe essen und Cola trinken.

Wie meinst Du das? Geht Deine Frage dahin ob es in unserem Freundeskreis jemand gibt der HIV positiv ist . .

Ne das meine ich nicht. Sexualität is ja Thema mit 16  . . . . . sag ich jetzt mal. Redet ihr untereinander über Sexualität und HIV?

Wir reden mit meinen Freuden auf alle Fälle darüber weil es für uns etwas „Neues“ ist.

Dann gehen ich auch mal davon aus das ihr keine Angst habt und man z.b. einer Tassen trinken kann wenn ein HIV Positiver daraus getrunken hat.

Wir wurden von der Aidsauflärung von jemand aufgeklärt der selbst AIDS hat. Unsere Klasse hat sich ihm gegenüber völlig normal verhalten.

Also dann hättest Du auch kein Problem n HIV Positiven zu umarmen?

Nein

Ok, dann umarmen wir uns jetzt

Das waren die fantastischen Ladies Sophie Allison und Ann von der Musterschule aus Frankfurt/Main.

* * *

SchülerInnen der BvB Rödelheim –  Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) –  Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V.

. . . wird jetzt das Siegerteam fotografiert?

Welches Siegerteam meinst Du?

Bei uns wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Wer am meisten für die Aids Hilfe Frankfurt sammelt der bekommt einen kleinen Preis.

Wer ist das „bei uns“? Von welcher Schule seid ihr?

Wir sind von der BvB in Rödelheim.

Aus Rödelheim? Ei da muß ich ja uffpasse was ich sach . . .

Ne das mußte nicht, wir sind ganz sanft . . .

Des is gut. Isch bin aach ganz sanft . . . .  Wie seid ihr darauf gekommen am Welt AIDS Tag für die AH Frankfurt zu sammeln?

An unserer Schule war ein Plakat gewesen. Das hab ich mir durchgelesen und bin anschließend zu unserem Lehrer gegangen und hab ihn gefragt ob ich beim Sammeln mitmachen kann. Sich sozial zu engagieren schadet nie.

Ja, da geb ich Dir recht. Ist jemand von der AH Frankfurt mal bei Euch in der Schule gewesen oder wurde über das Thema HIV/AIDS im Unterricht gesprochen?

Bis jetzt noch nicht, aber die AH Frankfurt kommt im Januar zu uns. Da haben wir n Termin.

Wer liegt vorne mit dem Sammeln? Gibts schon n Sieger?

Ja, das sind wir . . . .

. . . das BVB Team aus Rödelheim – Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) –  Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. .

* * *

Danach bin ich zum Stand der AIDS Hilfe Frankfurt an der  Konstablerwache geschliddert.

Bei der Kälte jagd mer kaan Hund vor die Dier . . . die MitararbeiterInnen und HelferInnen der AH hat des aber ned gejuckt . . . .

. . . zusammenrücken Jungs, es is Hundekalt . . .

Auch unter Tage – in der B – Ebene der Hauptwache war die AH Frankfurt präsent

*

Aufnahmen © Wolfgang Kirsch

*

Mein Respekt gilt all den Schülerinnen und Schüler div Schulen Frankfurts, den HelferInnen und Ehrenamtlichen MitarbeiterInnen sowie den MitarbeiterInnen der AH Frankfurt, die der Kälte getrotzt und sich an diesem Tag engagiert haben. In Anbetracht der Tatsache das unser Krankheitsverwaltungsminister Rösler die Ausgaben für HIV/AIDS kürzt und stattdessen Konzerne und Banken fördert, ist das Engagement der Schülerinnen und Schüler aus Frankfurter Schulen nicht hoch genug einzuschätzen.

Das Thema HIV und AIDS auf die Strasse, unter die Menschen, in die Gesellschaft zu bringen ist nach wie vor wichtig. Das HIV heute zu einer chronisch behandelbaren Krankheit gworden ist, ist eine Sache. Das in der Gesellschaft heute nach fast 30 Jahren Menschen mit HIV und AIDS immer noch stigmatisiert und diskrimniert werden, zeigt es das trotz aller Bemühungen noch viel zu tun gibt.

Die unten stehende Passage einer Rede die Harvey Milk auf der Gay Freedom Parade am 25. Juni 1978 in San Francisco gehalte hat, habe ich etwas umformuliert. Sie spiegelt die mediale Gegenwart, die Gesellschaftliche Haltung im Jahr 2010 wieder.

Wie werden es nicht mehr zulassen das man uns weiterhin stigmatisiert, diskriminiert und kriminalisiert. Wir werden es nicht mehr zulassen das die Medien weiterhin unsere Würde mit den Füßen treten. Wir werden es nicht mehr zulassen das die Medien sich zum Sprachrohr derjenigen machen die HIV Positive als Virenschleudern und Bio Waffen bezeichnen. Wir werden es nicht mehr zulassen das die Medien über uns Mythen und Lügen erzählen, das die Medien die Wahrheit verzerren.

Ich bin das Schweigen leid, also werde ich darüber sprechen.

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