Warum soviel Getöse um die PrEP . . ?


Heute nachmittag hatte der Blogger Ondamaris einen Beitrag/Link von Eric Saywer aus der POZ mit der Überschrift „What’s All the Noise About PrEP For?“ auf Facebook verlinkt.

Der Auslöser zu dieser Diskussion über die PrEP die sich seit einigen Tagen durch die Community, Blogs und Fachblätter wie ein roter Faden zieht, ist

die iPreEx (Pre-exposure Prophylaxis Initiative) Studie. Sie ist die erste klinische Studie weltweit, die Daten zur Frage der Wirksamkeit von PrEP liefert. Als Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) wird die Einnahme von gegen HIV wirksamen Medikamenten durch HIV-Negative bezeichnet, bevor es zu einem möglichen Kontakt mit HIV kommen kann. Quelle:

oder kurz und knapp auf Neudeutsch:

Statt nem Kondom nimm ne Handvoll Pillen. Dann kannste ne Nummer schieben ohne zu befürchten, das du dich möglicherweise mit HIV infizierst (man weiß ja nie ob die Schnelle Nummer, oder der One Night Stand, HIV + ist oder nicht) Das war die These seit 2009

Näheres und mehr zu diesem Thema u.a. auf dem Blog von Ondamaris, der seine Gedanken dazu auf s virtuelle Papier gebracht hat. (Siehe unten aufgeführte Links).

Doch zurück zu dem Artikel in der POZ, zurück zu Eric Sawyer:

As someone who has been on ARVs since 1987, let me tell you they are not something that you want to take for the rest of your life so you can have bareback sex. Quelle: POZ

Laßt Euch von jemand, der seit 1987 antiretrovirale Medikamente nimmt, sagen das eine PrEP im Sinne von Prävention (Safer Sex) nichts ist, was Du für den Rest deines Lebens nehmen möchtest, nur weil du Bock auf ungeschützten Sex hast.

Und dann zählt Eric all die Nebenwirkungen/Auswirkungen auf, mit denen er während der 23 Jahre seitdem er antiretroviale Medikamente nimmt, konfrontiert wurde, denen er sich gestellt hat. Nebenwirkungen, die seine Lebensqualität während der letzten 23 Jahre erheblich eingeschränkt haben.

Angefangen von „Periphere arteriosklerotische Gefäßerkrankungen, Neuropathie, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Arthitis, künstliches Hüftgelenk auf Grund von Gefäßerkrankungen usw.usf. Alles waren sie das Ergebnis von Langzeitnebenwirkungen der Einnahmen von anitretroviralen Medikamente. Sind/waren diese Erkrankungen „Nebenwirkungen“ wie man sie durch den Gebrauch von sauberen Nadeln oder Kondomen bekommt? Mit Sicherheit nicht.

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte dacht ich so:

Hm . . . das sollte man mal übersetzen und es den PrEPionisten vor die Nase halten, die da meinen das ne ART DIE Lösung im Sinne von Prävention – Safer Sex = Kondome schützen – wär. Warum ließt man sowas – bringen immer nur sowas die Amis? Warum gibts solche Artikel nicht bei uns – von uns?

But than, on second thought, wieso schau ich immer nur auf Amerika? Nicht alles was aus den USA kommt ist das Gelbe vom Ei. Stellte doch das RKI unlängst fest das,

40.000 der in Deutschland mit HIV lebenden Menschen in 2010 eine antiretrovirale Therapie erhalten (Therapiequote 75%). Quelle

Keine Frage, die zur Verfügung stehenden HIV Medikamente – Kombinationen, ermöglichen es das HIV mittlerweile zu einer chronisch behandelbaren Krankheit geworden ist. Viele von uns können dank der Medikamente einer geregelten Arbeit nachgehen und ihre Lebenspläne verwirklichen. Doch wie sieht es aus mit den Nebenwirkungen, besonders von Menschen mit HIV die diese Medikamente schon über Jahre nehmen? Wie ist es um deren Lebensqualität unter einer ART bestellt? Ist mit den Pillen wirklich alles so eitel Sonnenschein, das man unter dem Aspekt der Prävention so locker flockig sagen könnte: „HIV? Da gibts ne PrEP! Das find ich gut“.

Hier kommt ihr, hier kommen jetzt die Menschen ins Spiel die HIV + sind und die HIV Medikamente nehmen UND die Nebenwirkungen haben. Mir geht es nicht darum hier ein Bild des Schreckens aufzuzeigen. Mir geht es um den ganz normalen Alltag von denjenigen unter uns, bei denen eben nicht alles „nice and easy“ ist. Mir geht es um diejenigen unter uns bei denen die HIV Medikamente Spuren hinterlassen haben. Kommentare, Emails mit Euren Nebenwirkungen  . . . schreibt welches Eure Erfahrungen sind. Nicht als „Warnung – oder Drohgebärde“ im Sinn so wie Mutter früher gesagt hat: „Wenn du Deinen Teller nicht leer ißt dann . . . .“

*

Wir sprechen immer vom „Neuen AIDS“. Das „Alte AIDS“, das große Sterben gehört dank der HIV Medikamente die es seit 1996 gibt, der Vergangenheit an. Das „Neue AIDS“ hat vielen von uns Lebenszeit geschenkt, bedingte das Viele von uns wieder Hoffnung schöpfen konnten und Heute ein erfülltes Leben mit HIV leben.

Eine HIV-Infektion heute, mit den Medikamenten wie sie heute vorhanden sind, ist eine schwere und behandlungsbedürftige Krankheit. Menschen mit HIV leben heute dank der HIV Medikamente länger als wir uns jemals vorstellen konnten zu leben. Vielen geht es „gut“. Und so wie es sich heute abzuzeichnen beginnt, die LangzeitNebenwirkungen sind ein Teil des „Neuen AIDS“.  Das sollte man sich klar machen.

Wenn man HIV + ist dann sind HIV Medikamente lebensverlängernd und eine Notwendigkeit. Und Ja, auch mit den Nebenwirkungen lernt man zu leben.

Ne handvoll HIV Medikamente mal so en passent vor nem geilen Fick wie ne Handvoll Smarties einwerfen, sorry . . . auch wenn s schwer fällt  . . . HIV Medikamente und Lebensqualität paßt zusammen wie die Faust auf s Auge. Das geht nur in den wenigsten Fällen. Wer Euch etwas anderes erzählen will, dem geht es um Vieles, nur um Eines nicht: Um Eure Gesundheit, um eure Lebensqualität.

Auf den Kostenaspekt den Eric Swayer in seinem Beitrag ebenfalls angesprochen hat, bin ich bewußt nicht näher eingegangen, da man das amerikanische Gesundheitssystem nicht mit Unserem vergleichen kann.

Even if PrEP works, no one is going to be able to afford it; not unless the price is pennies a day; and what healthy person would want to take ARVs for life with the horrible side effects that now exist from ARVs. Dosing the water supply with ARVs is not the answer – a cure is!! Quelle: POZ

Selbst wenn eine PrEP funktionieren würde, niemand, kein Gesundheitssystem, kein Land würde sich solch eine Prävention leisten können, solange sich die täglichen Kosten für die Medikamente nicht auf  Cents belaufen. Und welcher gesunder Mensch würde für den Rest seines Lebens freiwillig eine ART mit den furchtbaren Nebenwirkungen die sie heute haben, nehmen? Antiretrovirale Medikamente in die städtische Wasserversorgung einzuleiten ist keine Lösung, eine Heilung ist die Lösung.

Doch darauf wird man wohl noch Jahre warten können. Und bis es soweit ist

Use your Head – use Condoms.

* * *

Der Einfachheit halber mache ich mal den Anfang. Mein Alltag mit einer Polyneuropathie. Und dann war da noch das Tiefe Loch der Depression . .

Auf der diesjährigen POBE Bielefeld 2010 – „Wir sprengen den Rahmen“ habe ich einige der Teilnehmer aufs Geratewohl „Nimmst Du HIV Medikamente? Wenn ja – Wie geht es Dir mit ihnen? befragt.

* * *

Nebenwirkungen von Menschen mit HIV die seit Jahren eine ART nehmen:

  • Schlaflosigkeit
  • Bunte, schweißtreibende Träume
  • Schwindel nach dem Aufstehen am Morgen
  • Suizidgedanken, Depressionen, Albträume und Wutausbrüche
  • Osteonekrosen in beiden Femurköpfen (Hüftgelenke) sowie in beiden oberen Kniegelenken.
  • magenwandentzündungen in regelmässigem abstand, mit übelkeit und erbrechen versehen.
  • Muskelkrämpfe, heftige Gelenkschmerzen, Kopfweh, Erbrechen, Schwindel, Durchfall, Schlafstörungen.
  • neurokognitive Störungen

. . . wird ständig erweitert

 

* * * * *

weitere/ähnliche Beitäge zu diesem Thema:

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