25 Jahre AIDS Hilfe Frankfurt „Alles bleibt anders“


AIDS-Hilfe Frankfurt antwortet seit 25 Jahren auf neue Herausforderungen – zuletzt mit HIV-Schnelltest

Die AIDS-Hilfe Frankfurt besteht seit nunmehr 25 Jahren. Das bedeutet: ein Vierteljahrhundert ungebrochener Solidarität mit von HIV und AIDS betroffenen Menschen, Beratung, Begleitung und Hilfe vielfältiger Art und eine ebenso produktive wie provokative Präventionsarbeit. In diesem Vierteljahrhundert hat sich das Gesicht von AIDS gewandelt. Die AIDS-Hilfe Frankfurt hat sich diesem Wandlungsprozess gestellt und auf die je neuen Herausforderungen mit je neuen Angeboten zu antworten gewusst. Jüngste Beispiele: Der szene- und zeitnahe HIV-Schnelltest für Männer, die Sex mit Männern haben, und die Planungen für ein Wohnprojekt, das ganz auf die Bedürfnisse von immer mehr älteren und alten Menschen mit HIV und AIDS zugeschnitten sein soll.

Dass AIDS dank der Fortschritte in Medizin und Forschung keine unmittelbare tödliche Bedrohung mehr darstellt, hat sich herumgesprochen. Doch auch hier gilt: Wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist das Thema AIDS in der Öffentlichkeit nur noch selten präsent. Vielen gilt eine Infektion mit HIV als eine chronische, behandel- und kontrollierbare Krankheit. Dabei wird leicht übersehen, dass immer noch Menschen daran sterben: in Frankfurt waren es im vergangenen Jahr
mehr als 50. Außerdem besteht die Tendenz, das Thema AIDS alleine an die Ärzte und die Medikamente zu delegieren, nach dem Motto:

Wer sich an die Rezeptur der Medizin hält und seine Pillen regelmäßig nimmt, drückt seine Viruslast unter die Nachweisgrenze.

Dadurch aber ist er im medizinischen Sinne „negativ“ und muss sich den Fragen verantwortlichen Handelns auch in Sachen Sex und Beziehung nicht mehr stellen. Die AIDS-Hilfe Frankfurt hält jedoch an ihrer Überzeugung fest, dass Eigenverantwortlichkeit und Reflexion auch und gerade zu einer menschlich gelebten, erfüllten Sexualität dazugehören.

Deshalb bietet sie seit April dieses Jahres in Kooperation mit dem Frankfurter Amt für Gesundheit mitten in der schwulen Szene einen anonymen HIVSchnelltest mit Beratung an, der von der Zielgruppe – Männer, die Sex mit Männern haben – sehr gut angenommen worden ist. Nach unserer Auffassung kann nämlich nur derjenige, der um seinen HIV-Status weiß, sich den Fragen stellen, die mit einer Infektion verbunden sind, und so eigenverantwortlich handeln.

AIDS trägt nicht mehr die hässliche Fratze des Todes. Inzwischen hat es viele Gesichter. Eines davon ist eine zunehmende Individualisierung und damit leider auch eine schleichende Entsolidarisierung. Vielen Jüngeren ist AIDS mit seinem Schrecken und der Angst, aber auch der Solidarität und Nähe der ersten Stunde keine konkrete Erfahrung mehr. Deshalb gehen viele ihren Weg mit HIV oder AIDS durch den Alltag auf eigene Faust. Das bedeutet einerseits Freiheit und ein Leben nach eigenen Vorstellungen, bürdet dem Einzelnen aber auch eine große Last auf. Seit sich bei gelingender Medikamentierung gut mit HIV leben lässt, ist die Zahl der Menschen gewachsen, die voll im Berufsleben stehen und zum Teil sehr erfolgreich tätig sind. Wenige in ihrem Umfeld wissen um ihre Infektion, und die Betroffenen tun alles, damit es so bleibt. Denn die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV ist nicht zuletzt in der Arbeitswelt weiterhin Realität. Wie viel an Anpassungsleistung und möglicherweise Verstellung einem Betroffenen abverlangt werden, lässt sich leicht ermessen. Die AIDS-Hilfe Frankfurt sieht es als ihre Aufgabe an, ihnen auf diskrete Weise hilfreich und stützend zur Seite zu stehen.

AIDS trägt zunehmend das Gesicht älterer und alter Menschen. Vielen ist – entgegen ihrer nur allzu berechtigten Angst, an AIDS sterben zu müssen – durch Medizin und Forschung Zukunft und Leben geschenkt worden. Gleichwohl mussten sie wegen ihrer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten und durch die Nebenwirkungen der Medikamente früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Das bedeutet, dass sie häufig mit der Zeit, die ihnen geschenkt wurde, nichts anzufangen wissen. Viele leben isoliert und ohne soziales Netzwerk, manche arm und angewiesen auf Zuwendungen. Die AIDS-Hilfe Frankfurt bildet mit ihren ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in diversen Projekten eine Brücke ins Alltagsleben, begleitet und stützt die älteren Menschen mit AIDS in ihren spezifischen Bedürfnissen. Die Planungen der AIDSHilfe Frankfurt für ein Wohnprojekt, das ganz speziell auf sie zugeschnitten ist, sind bereits in eine konkrete Phase eingetreten.

Immer mehr Menschen leben mit HIV und AIDS, auch in Frankfurt. Damit gewinnt das Thema AIDS ein Stück an Normalität. Doch „normal“ war und ist AIDS nicht und wird es wohl auch nicht sein. Die Verbindung von normbrüchigem Verhalten (als Homosexueller oder Drogengebraucher etwa), Infektiösität, Sexualität und Tod macht das Unverwechselbare, Beunruhigende und häufig Angstauslösende von AIDS aus. Daran ändern auch weitere Erfolge in Medizin und Forschung nichts. Ändern kann das in begrenztem Maße der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, für Lebensweisenakzeptanz, Toleranz und Solidarität, den die AIDS-Hilfe Frankfurt seit nunmehr 25 Jahren führt.

Doch tut sie es nicht verbissen und todernst, sondern fröhlich und lebensbejahend. Dafür steht das Motto, mit dem sie das Vierteljahrhundert ihres Bestehens feiert:

„25 Jahre AIDS-Hilfe, 25 Jahre Popp-Kultur“.
Eine ungebrochen positive Sicht auf Sexualität und Lust,
eine eindeutige Kommunikation über sexuelle Themen,
weder verschroben noch verschämt
– auch das ist die AIDS-Hilfe Frankfurt.

Die AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. informiert, berät und unterstützt
Menschen mit HIV und AIDS. Dabei ist die AIDS-Hilfe auf Spenden angewiesen, um das breite Angebot aufrechterhalten zu können. Weitere Informationen zur AIDS-Hilfe Frankfurt unter AH Frankfurt

Öffentlichkeitsarbeit
Friedberger Anlage 24
60316 Frankfurt
Ihre Ansprechpartnerin:
Stephanie Horn
Tel: (069) 40 58 68-20
Fax: (069) 40 58 68-40
stephanie.horn
@frankfurt.aidshilfe.de
frankfurt.aidshilfe.de

Quelle: Pressemitteilung „Alles bleibt anders“

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