Zahl der HIV Neuinfektionen in 2010 gleichbleibend stabil


Warum das RKI den Unterschied in dem epidemiologischen Bulletin 46/2010 zahlenmäßig wie in einigen Jahren zuvor nicht zum Ausdruck gebracht hat, erschließt sich mir nicht. So wird ein völlig falsches Bild kommuniziert, nämlich das sich „im Jahr 2010 3000 Menschen mit dem HIVirus infiziert haben“. Wenn ein Institut wie das Robert Koch Institut nicht in der Lage ist wesentliche und wichtige Informationen klar, eindeutig und für jedermann leicht verständlich zu kommunizieren, dann darf man sich nicht wundern wenn innerhalb der Gesellschaft Mißverständisse bestehen die sich u.U. auf die Lebensqualität im Alltag von Menschen mit HIV/AIDS negativ niederschlagen.

Es wäre ja ungehörig wenn ich sagen würde, das es möglicherweise daran liegen könnte, das der neue Chef sich erst noch in die Materie einarbeiten muß. Auch nur ansatzweise anzunehmen das man keinen Fachmann mit entsprechenden Fachkentnissen als Chef, sei es für ein Institut wie das RKI oder analog ein entsprechendes Fachministerium einsetzen würde, . . . . . . .

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen wird vom RKI geschätzt (mehr zur Methodik siehe Artikel im Epidemiologischen Bulletin). Die Zahl der HIV-Neudiagnosen, die üblicherweise im Jahresbericht veröffentlicht wird, basiert auf Meldungen – sie wird gezählt. Zum Unterschied siehe “HIV-Neuinfektionen – Hintergrund-Informationen“.

Die wenigsten Journalisten/Medien werden sich dieses Unterschiedes zwischen NeuInfektionen – Neudignosen bewußt sein. Die Folge davon wird sein das die Berichte über die Zahlen für 2010 medial einer Katastrophe gleichen werden. Sie werden die Zahlen derart negativ interpretieren und dramatisieren das man eigentlich nur froh sein kann das es den Welt Aids Tag nur einmal im Jahr gibt. Leider hat sich diese Ahnung bestätigt. Stellvertretend für fast alle Medien bis dato – 23.11. – die Headline im Focus: 3000 Neu-Infizierungen pro Jahr

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Zum Welt-AIDS-Tag 2010

Wie jedes Jahr so hat das RKI auch dieses Jahr die neuesten Zahlen/Fakten und Erkenntnisse  zu dem Thema HIV/AIDS in seinem Epidemiologischem Bulletin Nr. 46/2010 schon vorab zum Welt AIDS Tag veröffentlicht.

Dem Bericht für 2010 zufolge leben derzeit etwa 70.000 Menschen in Deutschland mit HIV und Aids, davon 57.000 Männer und 13.000 Frauen sowie ca. 200 Kinder. 42.000 von ihnen gehören der Gruppe ‘Männer die Sex mit Männern haben’ an. 40.000 der in Deutschland mit HIV lebenden Menschen erhalten 2010 eine antiretrovirale Therapie (Therapiequote 75%).

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen für das Jahr 2010 schätzt das RKI auf ca. 3.000 (davon 2.700 Männer, 2.200 ‘Männer die Sex mit Männern haben’). Etwa 760 Menschen erkranken im Jahr 2010 neu an Aids; ca. 550 Personen sterben an den Folgen der HIV-Infektion. Quelle

In Deutschland leben nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 70.000 Menschen mit HIV oder AIDS. Diese Zahl steigt seit Jahren. Dank der wirksamen medikamentösen Behandlung sterben immer weniger Menschen mit einer HIV-Infektion (etwa 550 im Jahr 2010). Die Zahl der Neuinfektionen ist erheblich höher als die Zahl der Todesfälle. Im Jahr 2010 haben sich nach der aktuellen Schätzung 3.000 Menschen neu mit HIV infiziert, ähnlich viele wie in den Vorjahren. „Die nach wie vor hohe Zahl der HIV-Neuinfektionen zeigt, dass Prävention und Forschung unverändert wichtig bleiben“, betont Reinhard Burger, Präsident des RKI.

Die aktuellen Schätzungen sind, ebenso wie eine Analyse der HIV-Epidemie in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten, im Epidemiologischen Bulletin des RKI veröffentlicht (Ausgabe 46, 22.11.2010). Im Internet sind die wichtigsten Schätz-Zahlen auch für jedes Bundesland verfügbar.

Unter den geschätzten 70.000 Menschen, die in Deutschland mit HIV oder AIDS leben, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 42.000 nach wie vor die größte Gruppe dar. Etwa 10.000 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, rund 7.300 kommen aus so genannten Hochprävalenzregionen und infizierten sich überwiegend in ihren Herkunftsländern und dort bei heterosexuellen Kontakten. Etwa 10.000 Personen haben sich über intravenösen Drogengebrauch mit HIV infiziert.

Die Zahl der geschätzten Neuinfektionen stagniert seit Mitte des Jahrzehnts auf hohem Niveau, nachdem sie Anfang des Jahrzehnts deutlich gestiegen war. Einen wichtigen Beitrag zum Anstieg der HIV-Neuinfektionen in der ersten Hälfte des Jahrzehnts leistete die Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erreger, insbesondere der Syphilis. Syphilis-Bakterien und andere sexuell übertragbare Erreger führen über die Förderung von entzündlichen Prozessen dazu, dass Erkrankte sich leichter mit HIV anstecken. HIV infizierte Syphilispatienten geben HIV auch leichter weiter, sind also infektiöser. Die Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen wurde begünstigt durch ein Risikomanagement, das auf der Kenntnis oder Abschätzung des gegenseitigen HIV-Status beruht. Bei mutmaßlich gleichem HIV-Status beider Partner wird dann auf ein Kondom verzichtet. Dieses Verhalten kann somit paradoxerweise auf indirektem Weg zu einer Zunahme der Zahl der HIV-Infektionen führen.

Für den Anstieg der HIV-Zahlen spielen auch Veränderungen beim Therapiebeginn eine Rolle: nach 2000 wurde die Behandlung in vielen Fällen nicht mehr direkt nach Bekanntwerden der Infektion begonnen, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Daher fand in den Folgejahren bei einem größeren Anteil der Patienten, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, keine frühzeitige Reduktion der Infektiosität durch eine antivirale Therapie statt. Basierend auf neuen Erkenntnissen zum individuellen gesundheitlichen Nutzen eines früheren Behandlungsbeginns geht der Trend gegenwärtig dahin, wieder früher mit der Behandlung zu beginnen.

Die HIV-Neuinfektionen sollten jedoch nicht verwechselt werden mit den Neudiagnosen. Die Meldungen der Neudiagnosen erlauben keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt, da HIV-Infektion und -Test zeitlich weit auseinander liegen können. Quelle

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