Kampagne zum Welt Aids Tag 2010: Positiv zusammen leben? – Aber ja doch . . .


Im Mittelpunkt der Kampagne stehen positive Menschen, die authentisch Einblick in ihr Leben geben und von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. Ziel ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und Aids zu initiieren. Eine derartige nationale Kampagne ist europaweit einmalig. Quelle

Fast 30 Jahre nach dem Auftauchen des HI Virus in Deutschland, nach fast 30 Jahren Arbeit in der Prävention und Aufklärung, nach fast 30 Jahren der Bemühung um Akzeptanz von Menschen mit HIV in der Gesellschaft sollte man glauben das Stigmatisierung und Diskriminierung durch die Gesellschaft gegenüber Menschen mit HIV/AIDS kein Thema mehr sei. Doch weit gefehlt. Die Tatsache dieser Kampagne beweist, das wir „Menschen mit HIV/AIDS“ innerhalb der Gesellschaft noch nicht dort angekommen sind wo wir uns wünschen angekommen zu sein. Daher ist diese Kampagne in dieser Dimension nicht nur ein notwendiger sondern auch ein begrüßenswerter Schritt.

So sehr ich diese Kampagne begrüße und befürworte, entbindet sie mich nicht den einen und anderen Punkt in Frage zu stellen.

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„Seit Beginn der Aidsaufklärung hat sich in Deutschland sehr schnell eine stabile soziale Norm gegen Diskriminierung und Stigmatisierung entwickelt, wie unsere Repräsentativstudie zeigt“, sagte Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Die Aufforderung, sich gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung zu engagieren, spielt seit Beginn der Aidsprävention eine genauso wichtige Rolle wie die Motivation zum Schutzverhalten. Dennoch erleben Betroffene ihre Lebenssituation oft auch heute noch als problematisch, weil sie konkrete Nachteile erfahren. Quelle

Wie die BzgA zu dieser Einschätzung kommt ist mir schleierhaft, sagt der „Alltag mit HIV“ doch das Gegenteil aus. Zwar ist es unbestritten das heute im Gegensatz vor zu fast 30 Jahren Menschen mit HIV/AIDS weniger „Problemen“ ausgesetzt sind, doch wäre ein Leben mit HIV im Alltag „problematisch“ dann könnte man HIV mit „dem Alltag – dem Leben gleichsetzen“, da Probleme oder „problematisches“ in gewissen Grenzen zum Leben dazugehört. Das dies nicht zutrifft, stellt unter anderem die gemeinsame Stellungnahme der DAIG und dagnä zu dem Thema „Die zahnmedizinische Betreuung HIV-infizierter Menschen“ unter Beweis.

HIV-Patienten berichten immer wieder darüber, dass es für sie schwer sei, eine adäquate Behandlung für ihre Zahngesundheit zu erhalten. Das Spektrum der Reaktionen, die sie wahrnehmen, reicht von offener Ablehnung und Diskriminierung über Verweise auf arbeitsintensive Hygienerichtlinien bis hin zu verzögerten Terminvergaben und separaten Behandlungszeiten.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft möchte die DAIG e.V., zusammen mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) e.V. nochmals betonen, dass bei der Behandlung HIV-Infizierter keine über die Standardmaßnahmen hinausgehenden hygienischen Anforderungen gelten bzw. erforderlich sind, um eine HIV-Übertragung zu verhindern.  Stellungnahme der DAIG und dagnä zur zahnmedizinischen Betreuung HIV-infizierter Menschen (PDF, 84 KB) Quelle

Siehe auch der Kommentar des Robert Koch Institut zu dem gleichen Thema: Erschweren Hygienerichtlinien für Zahnarztpraxen eine normale zahnärztliche Versorgung von HIV-Patienten?

Mir ist keine andere Krankheit bekannt, deren Träger/innen in einer derartigen Weise stigmatisiert, diskriminiert und in vielen Ländern der Welt kriminalsiert werden wie Menschen mit HIV/AIDS. Stellvertretend für Deutschland möchte ich nur den 21. Juli 2010 als einen von 4 Thementagen der DAH auf der Welt Aids Konferenz in Wien als Beispiel anführen.

Vier Tage gegen HIV – 21. Juli: Menschenrechte

Wo Menschen diskriminiert und stigmatisiert werden, hat HIV leichtes Spiel. Die Deutsche AIDS-Hilfe zeigt unter anderem mit Beispielen aus dem Arbeitswelt, wie HIV-Positive vor Ausgrenzung geschützt werden können. Insbesondere „HIV ist keine Waffe“ und „10 Gründe gegen die Kriminalisierung der Übertragung von HIV“. Quelle

Alles in allem können wir die wir in Deutschland leben uns glücklich schätzen in Deutschland zu leben. In anderen Ländern ist es um die „körperliche Unversehrtheit“ im Kontext zum gesellschaftlichen und politischen Verständnis von „Menschen mit HIV/AIDS“, wesentlich schlechter bestellt als hier in Deutschland.

Dennoch, die Einschätzung von Prof Dr. Elisabeth Potts das es hier nur „problematisch“ sei erschließt sich mir nicht vollständig. Möglicherweise ist die Ursache in dem Phänomen der „Betriebsblindheit“ zu finden, die mit zunnehmender Dauer im gleichen Maß wie man einen Posten bekleidet zunimmt bzw zunehmen kann.

Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen AIDS-Hilfe:

Die Deutsche AIDS-Hilfe setzt sich im Rahmen der Kampagne besonders für Betroffene ein. „Gerade am Arbeitsplatz ist die Angst vor Mobbing oder einem Karriereende besonders groß. „Dabei zeigt unsere Erfahrung, dass HIV-Positive im Schnitt genauso leistungsfähig sind wie ihre Kolleginnen und Kollegen.

HIV am Arbeitsplatz ist immer noch ein starkes Tabuthema. Dank der Therapien gegen HIV sind die meisten von ihnen gut in der Lage, die Anforderungen ihres Berufes zu erfüllen. Mehr als zwei Drittel der Menschen mit HIV in Deutschland arbeiten. Eine/r von 1000 Beschäftigten ist HIV-positiv. Doch wer kennt eine/n positiven Kollegen/Kollegin? Kaum einer weiß dies, weil sich ein Großteil aus verständlichen Gründen nicht outet. Unternehmen sollten mit klaren Regelungen und der Vorbildfunktion ihres Managements die Diskriminierung von Menschen mit HIV/Aids abbauen und so ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterstützen.“ Probleme ergeben sich aber häufig durch Diskriminierung – bis hin zur rechtswidrigen Kündigung. Viele HIV-positive Arbeitnehmer verschweigen ihre Infektion darum im Job.  (Fakten zum Thema „HIV und Arbeit“). Quelle

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Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung.

Besonders wichtig ist die Unterstützung durch die Familie und den Freundeskreis für jüngere HIV-Positive. Darauf macht die Deutsche AIDS-Stiftung aufmerksam. „Da HIV so stark tabuisiert wird, fällt es vor allem HIV-Positiven oft schwer, mit anderen über ihre Infektion oder Krankheit und ihre Bedürfnisse zu sprechen“, sagt  „Darüber hinaus führt die HIV-Infektion häufig zu materieller Bedürftigkeit, wenn Menschen nicht mehr arbeiten können und gerade als jüngere Menschen nur kleine Renten erhalten.“ Quelle

 

Ulrich Heide von der Deutschen Aids-Stiftung appellierte an Unternehmen, Infizierten den Wiedereinstieg nach der Diagnose zu erleichtern. Gerade die älteren Betroffenen, die durch früher fehlende Therapiemöglichkeiten zunächst nicht arbeitsfähig gewesen seien, hätten hier Probleme und gerieten dadurch in finanzielle Nöte. Besonders von Diskriminierung betroffen sind nach Ansicht Heides heute auch infizierte Mütter – spätestens wenn andere Eltern in der Kindertagesstätte von ihrer Erkrankung erfahren würden. Quelle

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Dr. Philipp Rösler:

„Die differenzierte und nachhaltige Präventionsstrategie in Deutschland hat dazu geführt, dass wir mit jährlich etwa 3.000 HIV-Neuinfektionen eine der niedrigsten Neuinfektionsraten in Europa haben.

Nun, diese Tatsache findet man in den entsprechenden epidemiologischen Bulletins des RKI seit Jahren wieder. Dazu brauchts keinen Gesundheitsminister.

Wir wissen, dass ein offener und diskriminierungsfreier Umgang mit der Thematik HIV und Aids und den Betroffenen die zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Prävention ist. Deshalb wollen wir mit dieser Solidaritätskampagne ermutigen: Ermutigen, über HIV und AIDS zu reden und sich über Risikoverhalten und den notwendigen Schutz auszutauschen. Wir benötigen die Solidarität und Aufmerksamkeit aller, damit es uns gemeinsam gelingen kann, die Zahl der Neuinfektionen in Zukunft zu senken.“

Wer ist dieses „ominöse“ WIR? DIE FDP? . . . mind if I have a laugh.

In meinen Augen ist Herr Rösler Karrierist dem es einzig und alleine nur um zwei Dinge geht. 1. um sich selbst und 2.um eine Position in der Wirtschaft nach being minister.

„Schon vor Jahren, zu Beginn seines steilen politischen Aufstiegs in der FDP, hatte er sich auf diesen Fahrplan festgelegt. Alles hat seine Zeit, sagt der gläubige Katholik. Politiker und Schauspieler haben für ihn eines gemeinsam: Sie sollten gehen, „solange das Publikum noch klatscht“. „Deshalb habe ich mir ein Ziel gesetzt: zehn, 15 Jahre“, sagt er – und dann wolle er etwas anderes machen. Quelle

Herr Rösler ist das was ich als ein „Sandmännchen“ bezeichne.

Das Sandmännchen erscheint in einer Rahmenhandlung vor bzw. nach einem Kurzfilm und streut am Ende jeder Sendung seinen Schlafsand, um den Kindern angenehme Träume zu schenken“. Quelle

Er streut den Menschen – den Wählern Sand in die Augen. Das beste Beispiel ist der Haushaltsentwurf für 2011 den er am 7. Okt dem Bundestag präsentierte. Da besitzt die Chuzpe und erzählt den Abgeordneten das die Koalititon für 2011 40 mio für Aids Prävention ausgeben will.

In diesen 40 Mio Euro sind 25 Mio Euro aufgeführt, die zur Weiterführung der Stiftung Humanitäre Hilfe der Versorgung/Entschädigung für durch Blutprodukte mit HIV/HEP C Infizierte für 2011 zur Verfügung gestellt wurden. Diese 25 Mio Euro haben nichts mit HIV/AIDS Prävention zu tun was aber Herrn Rösler nicht daran hinderte sie als solche auszugeben.

ego te absolvo? Mitnichten Herr Rösler

Diego62 hat sich auf seinem Blog einige bemerkenswerte Gedanken zu „Herrn Rösler“ gemacht, die wie ich finde sich zu lesen lohnen. Gedanken zu Röslers diskriminierungsfreien Umgang mit Aids

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Ein Freund sagte mir einmal „Da wo die Angst ist, da ist mein Weg“. Unter diesem Aspekt ist – muß man die  Gemeinschaftskampagne zum Welt-Aids-Tag die unter dem Motto „Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ steht u.a. verstehen.

Im Mittelpunkt stehen HIV-positive Menschen, die authentisch Einblick in ihr Leben geben und von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. Ziel der Kampagne ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und Aids zu initiieren. Eine derartige nationale Kampagne ist europaweit einmalig.Quelle

Matthias einer der Botschafter das WAT, lebt nach dem Motto „Think positive – stay negative“.

Während meines Aufenthaltes in der Habichtswaldklinik in Kassel in Jahr 1997 hat mir eine gute Freundin ein Buch von O. Carl Simonton (pdf Datei) geschenkt, indem er eine sehr gesunde weil realistische Sichtweise von „Positiv“ in seinem Buch „Auf dem Weg der Besserung“ zum Ausdruck brachte:

Ungesundes/negatives Denken:
Ich kann machen was ich will: In zwei Jahren bin ich tot

Positives Denken:
In zwei Jahren werde ich am leben und gesund sein

Gesundes Denken:
Vielleicht bin ich in zwei Jahren noch am Leben oder auch nicht. Alles was ich tue hat darauf einen wesentlichen Einfluss.

Positives Denken ist zwar besser als negatives Denken, doch das Problem ist nur, das positives Denken nicht unbedingt mit den Tatsachen oder dem wirklichen Leben, der Realität, übereinstimmt. Es geht darum Überzeugungen zu entwickeln die sich auf Tatsachen stützen. Gesundes Denken stimmt mir der Wirklichkeit überein. Quelle

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Die Frage wie man die Inhalte der Kampagne kommunizieren wird und muß, um zu dem gewünschten Erfolg

Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über HIV und Aids zu initiieren

zu kommen, wird eine der spannensten Fragen sein, die es im Laufe der nächsten Jahre zu beantworten gilt. Sie wird mit den zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln stehen und wachsen oder fallen.

Was einen weiteren schalen Beigeschmack bei mir hinterläßt, ist die Tatsache das die „Denver Prinzipen“ wieder einmal außer acht gelassen worden sind.

“Als Menschen mit AIDS und ARC saßen wir auf den Veranstaltungen der “Gay Men´s Health Crisis” GMHC herum und hörten schweigend einer Reihe von Ärzten, Krankenschwestern, Rechtsanwälten und Versicherungsexperten zu, die uns wortreich beschrieben, wie es ist, wenn man AIDS hat. Es dämmerte mehreren zur gleichen Zeit, das mit diesem Bild irgendetwas nicht stimmte. Die “wirklichen Experten”, so stellten wir fest, waren nicht auf dem Podium.

Im Frühjahr 1983 wurde beschlossen, an dem zweiten “National AIDS Forum Denver” teilzunehmen, das von der “Lesbian and Gay Health Education Foundation” gesponsort wurde.

Die Idee traf uns wie ein Blitzschlag. Bis jetzt waren wir einfach nicht drauf gekommen, das wir als Betroffene irgendwie mehr sein könnten als nur die passiven Empfänger aufrichtiger Anteilnahme von jenen, die (noch) nicht diagnostiziert waren. Sobald das Konzept von PWA – also Menschen mit AIDS, die für sich selbst eintreten – einmal auf dem Tisch lag, griff die Idee um sich wie ein Lauffeuer (mit nur wenig Widerstand von Splittergruppen innerhalb der GMHC).”

Hier wurde wieder mal wie sooft nicht „Mit Uns“ sondern „Über unsere Köpfe hinweg“ entschieden.

Der Einbeziehung derjenigen Menschen mit HIV/AIDS – als BotschafterInnen in das Konzept der Kampagne stehe ich aus dem Grund skeptisch gegenüber da Kritik auf dieser Seite der BzgA in der Vergangenheit nicht zugelassen wurde, und div Blogger die auf der Seite Welt-Aids Tag ihre Blogs hatten ohne vorherige Ankündigung gelöscht wurden.

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