HIV im Alltag „Ich bleibe immer Positiv“


Vor Wochen wurde ich auf eine Reportage innerhalb der DokuReihe 37 Grad vom ZDF durch ein Presseportal aufmerksam gemacht, die sich schon durch ihre Ankündigung von den „üblichen“ Sendungen zu dem Thema „Leben mit HIV – HIV im Alltag“ zu unterscheiden schien und sich von der bekannten, unsäglich üblichen boulevardesken TV und Print Medien Berichtestattung abzuheben abzeichnete. Die Sendung versprach, sollte sie das halten was man den div Ankündigungen im Vorfeld entnehmen konnte, sachlich zu werden und ein Bild vom Leben mit HIV aufzeigen, wie es heute fast 30 Jahre nach Bekanntwerden von HIV in Deutschland Alltag für viele Menschen die HIV positiv sind, ist.

Die Dokumentation über/mit den 3 Frauen, die über ihr Leben mit dem HI Virus erzählten war, wie es ein Freund treffend ausdrückte:

Sehr unaufgeregt, sehr intensiv und sehr informativ.

Was mich besonders beeindruckte waren die Aussagen von „Luisa“ spiegelte sie doch genau die Auseinandersetzung wieder, die in vielen Menschen wenn sie von der Diagnose „Sie sind HIV positiv“ erfahren stattfindet bzw wenn sie HIV positiv sind.

„HIV-positiv zu sein, wird als etwas Schmutziges gesehen, etwas, für das man sich schämen muss und an dem man selbst schuld ist“, sagt die fünffache Mutter. Infiziert hat sich Louisa* während einer kurzen Beziehung nach ihrer ersten gescheiterten Ehe. Die Diagnose bekam sie, als sie sich mit ihrem zweiten Ehemann auf ihr erstes gemeinsames Kind freute: „Es war in der sechsten Schwangerschaftswoche. Es war, als würde die Welt stillstehen.“ Quelle

Diese oder ähnliche Gefühle, die sehr viele Menschen die HIV positiv sind über Jahre mit sich „herum tragen“, diese „Selbststigmatisierung“ die als Folge einer Gesellschaftlichen Stigmatisierung gegenüber Menschen mit HIV entstehen können, haben einen erheblichen Einfluß auf die Lebensqualität des Einzelnen. Angst von seinen Freunden, dem PartnerIn, der Familie abgelehnt, ausgegrenzt oder verlassen zu werden. Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, diese Ängste sind für viele Menschen die HIV positiv sind heute immer noch Alltag.

Nicht selten entstehen bei vielen Menschen die HIV + sind, im Laufe der Zeit Depressionen da das Angebot einer psychoszialen – therapeutischen Betreuung nicht in dem Maß vorhanden ist wie es notwendig wäre.

„Als ich von meiner Infektion erfuhr, brach für mich eine Welt zusammen. Ich hatte Angst, dass ich nicht mal 30 werde“, erinnert sich Doreen aus Braunschweig. Mit 17 Jahren steckt sie sich mit der Immunschwächekrankheit HIV an – bei ihrem ersten Freund. Nach dem Schock und der Angst kamen die Depressionen – aber auch die Lügen. Quelle

Wartezeiten bei „guten Psychotherapeuten“  von 1 – 2 Jahren sind keine Seltenheit. Das Angebot auf „Wunsch“ Kliniken mit einer psychosomatischen Abteilung im Rahmen einer Rehamaßnahme zurückzugreifen, ist auf Grund der Inkompetenz der „Gesundheitsminster“ der letzten Regierungen und ihrem Verständnis von „Krankheits bzw. Gesundheitsreform“ unmöglich geworden. Anstelle im Sinne und dem Verständis von Vorsorge Krankheiten zu verhindern werden heute Krankheiten verwaltet. Das dies nicht einer positiven Bewältigungsstrategie in Falle einer ernsthaften Krankheit dienlich ist sondern zum Nachteil der Menschen die von Krankheiten betroffen sind führt, liegt auf der Hand. Die dadurch nachhaltig entstehenden Kosten für die folgenden Generationen für diese Art der „Krankheitsverwaltung“ werden sehr gerne ausgeblendet.

Frau Dr. Annette Haberl, Ärztin im Hivcenter der Uniklink in Frankfurt Main und im Vorstand der Deutschen Aids Gesellschaft- DAIG –  hat es in ihrem Statement u.a. treffend auf den Punkt gebracht:

Hiv positive Frauen brauchen sicherlich eine optimale medizinische Betreuung. Das ist erst mal die Grundvoraussetzung für alles Andere. Aber was sie genauso brauchen ist die psychosoziale Betreuung. Was sie eigentlich brauchen ist eine gesellschaftliche Akzeptanz. Da offen mit der HIV Diagnose leben zu können wo man das wünscht, das wäre eigentlich das was erstrebenswert ist. Niemand läuft mit seiner Erkrankung egal welche Erkrankung es ist, ob es ne chronische oder akute geschichte ist, durch die Welt und möchte das jedem mitteilen. Das ist schon Privatsphäre.

Aber im Bekanntenkreis, im Freundeskreis, in der Familie besteht ja das Bedürfnis sich anzuvertrauen. Wenn man da Angst hat vor Diskriminierung, vor Stigmatisierung, wenn man Angst hat, das die eigenen Kinder ausgegrenzt werden womöglich, dann zieht man sich zurück und lebt mit diesem Familiengeheimnis. Quelle

*

Fast 30 Jahre nach Bekanntwerden von HIV in Deutschland sollte man denken, das HIV „kein Thema“ mehr wäre. Obwohl das Wissen was den Weg einer Übertragung/Infizierung mit dem HI Virus betrifft und wie man sich davor schützen entgegen aller Unkenrufe und medialen sowie von sonstigen Schwarzmalern regelmäßig dramatisert, vorhanden ist, ist HIV nach wie vor noch ein Thema. Deutschland hat im Vergleich zu den Ländern Europas und Weltweit mit die niedrigste Rate von Neuinfizierungen was man in den entsprechenden Bulletins des Robert Koch Institutes, Berlin, sowie den Webseiten/Daten von WHO und UNAIDS nachlesen kann, zum Ausdruck gebracht wird.

Was jedoch die Gesellschaftliche Akzeptanz von HIV betrifft, da hat sich wie es auch Frau Dr. Haberl zum Ausdruck brachte, in den 30 Jahren „relativ“ wenig bewegt.

Bei allen medizinischen Fortschritten der letzten Jahre sind wir was die gesellschaftliche Akzeptanz angeht nach meinem dafürhalten kein Stück weitergekommen. Und daran müßten wir arbeiten. Dafür braucht man Öffentlichkeit. Quelle

*

Sie – HIV positive Frauen – sind eine Minderheit innerhalb der Minderheit: Frauen mit der Immunschwächekrankheit HIV. Die meisten Menschen in Deutschland, die das Virus in sich tragen, sind nach wie vor Männer, vor allem Schwule. Das macht die Erkrankung für die allermeisten betroffenen Frauen zu einer noch größeren Bürde. Schätzungen zufolge bekennen sich nur drei von 100 von ihnen zu ihrer Erkrankung. Zu groß ist die Angst, ausgegrenzt und stigmatisiert zu werden. Quelle

Wir, ich schließe da alle Fachverbände und Organisationen wie Deutsche Aids Hilfe, DAIG, DAGNÄ, Deutsche Aids Stiftung, die AIDS Hilfen und div Netzwerke, BzgA, Hiv and More, engagierte BloggerInnen wie Ondamaris, Konnys Lesbenseite,  all diejenigen die sich u.a. mit dem Thema HIV – andere Lebenskonzepte auseinandersetzen mit ein, sind einerseits relativ recht zahlreich. Doch Thematisch sind wir bei Jakob und Lisa Mustermann, in der Gesellschaft, noch lange nicht da angekommen wo wir es uns wünschen bzw. vorgestellt haben.

Insbesondere was das vielzitierte Internet betrifft. Das Web 2.0 oder sind wir mittlerweile sogar beim Web 4.0, die Internetter lieben ja solche Metaphern, die Möglichkeit die das Intenet bietet hat man bei weitem noch nicht erkannt. So gibt es eine große Zahl von „thematisch Allgemeinen  Foren“ mit bis zu 250.000 Mitgliedern, doch wenn es um Diskussionen zu dem Thema HIV geht, stehen einem, was Statements die letzendlich den gesellschaftlichen Status von Menschen mit HIV wiederspiegeln, teilweise die Haare zu Berge. Leider trifft dies auch auf div. HIV Foren zu.

Selbststigmatisierung unter HIV Positiven ist ein weit verbreitetes Phänomen. Dies ist in vielen Diskussionen immer wieder herauszulesen bzw spiegelt sich in vielen Aussagen Betroffener wieder.

HIV Foren, spezielle Kontaktportale und WebMagazine, kurzum die viel zitierte Community, tut sich mit dem Thema „HIV und Gesellschaftliche Akzeptanz – Leben mit HIV im Alltag“ mitunter recht schwer. Meiner Meinung nach wird dieses Thema sehr „stiefmütterlich“ behandelt. Lifestyle, Wer mit Wem und warum, Sind Ernie oder Bert von der Sesamstrasse nu schwul oder sind sie s nicht . . . . in Sachen Oberflächlichkeit gibt es reichlich Oscar Anwärter.

Gerade Themen wie das der Dokumentation „Ich bleibe immer Positiv – Starke Frauen mit HIV“ sind es die nicht nur „mutmachend sind“ sondern, dies ist die andere Seite der Medaille, legen sie den Finger auf eine Wunde der Notwendigkeit eines Diskurs in der Gesellschaft. Und das nicht nur 4 Wochen vor dem alljährlichen Welt Aids Tag sondern 365 Tage im Jahr.

* * * *

QuellenAngaben – Weitere/ähnliche Beiträge zu diesem Thema:

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2 Antworten zu HIV im Alltag „Ich bleibe immer Positiv“

  1. Daniela alias Louisa schreibt:

    Ich habe für mich, den einzig richitgen Weg eingeschlagen.
    Große Hoffnung macht macht sich breit, dass andere endlich auch soweit sind, den selben Weg zu gehen und offen mit ihrer Infektion zu leben.
    Selbststigmatisierung ist das größte Übel.
    Der Kopf spinnt wilde Geschichten zusammen:

    Doch – die Menschen die mich mögen,
    mögen mich auch jetzt noch.
    Die, die mich nicht leiden konnten,
    mögen mich noch immer nicht!

    Der Öffentliche Auftritt hat nichts für mich und meine Familie verändert. Es geht weiter, …..eigentlich ……….. so wie immer. Nur das ich mich nicht mehr verstecken muss. Ich kann meine Medikamente einfach da stehen lassen, wo ich will. Wenn ich Abends mit Freunden am Tisch sitze kann ich meine Medis nehmen, einfach so.
    Ich kann mit meinen Kindern ganz normal über meine Krankheit sprechen, und – es ist das Normalste der ganzen Welt :O)

    Alles fühlt sich so leicht an- ich bin so frei wie noch nie in meinem Leben!

    P.S. Ja es gibt auch Menschen um mich herum die nicht damit klar kommen und sich lieber das Mundwerk hinter meinem Rücken zerreißen.
    Doch die das PositHIVe überwiegt bei weitem!!!

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Daniela

    Es ist in der Tat eine Befreiung, eine Erleichterung ein „Geheimniss“ nicht länger mehr mit sich herumtragen zu müssen.
    Es freut mich das dein „Outing“ eine gute Bahn genommen hat. Solltest Du mal Fragen zum/um das Thema HIV haben, hier in diesem Forum „wird Dir geholfen“ ;).

    Lieben Gruß alivenkickn

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