Menschen mit HIV und AIDS Hilfen


Außerdem könnte Aufklärung in den Schulen und vor allem auch auf dem Land nicht schaden. Nichts desto trotz werde ich der Aidshilfe keinen Cent spenden, weil ich der Meinung bin, dass Aufklärung nicht alle Probleme löst, sondern nur das Problem verzögert oder lindert. Außerdem verschluckt ein Großteil der Spenden an die Aidshilfe ja bereits der Verwaltungsaufwand, sodass ich lieber direkt dort spende, wo es tatsächlich in die Forschung und Era ausgegeben wird.
Kampagnen wie „Ich weiß was ich tue“ bringen mir als HIV+ jedenfalls nichts mehr. Dafür ist die Zeit einfach vorbei.

Inhaltlich ähnliche Aussagen/Meinungen wie „Die Aidshilfen tun eh nichts für mich, uns  . . . etc pp“ wie diese habe ich im Laufe der Jahre schon zig-fach in div HIV Foren gehört. Sie dienen als Begründung dafür sich weiterhin nicht zu engagieren, weil man der Meinung ist „es habe ja eh keinen Sinn“. Dabei übersieht man das sich mit solch einer Haltung nicht nur nichts zum „Guten“ hin verändert, sonder das sich eine angeprangerte Situation mit solch einer Haltung weiterhin verschlechtert.

Wenn sich der Einzelne nicht bewegt und etwas dafür tut, damit sich etwas verändert, dann wird sich nichts verändern. Weder für ihn geschweigen denn  für Andere. Dabei ist es völlig unerheblich in welchem Rahmen sich das Tun, das Engagement bewegt. Die Hauptsache man nimmt die Dinge in Angriff die einem ein Dorn im Auge sind.

Als ich heute morgen diese Aussage in einem Forum gelesen hab, erinnerte ich mich an Olaf Lonczewski, dem Vorstandsmitglied der AIDS-Hilfe NRW, der in seiner Rede zur Eröffnung der Positiven Begegnungen in Bielefeld forderte, den Diskurs darüber zu führen, wie sich HIV-positive Menschen zukünftig einbringen wollen und wie sie Strukturen mit gestalten.

Obwohl die POBE in Bielefeld schon eine Weile zurückliegt, hat er in vielen Punkten den Finger auf Wunden gelegt, die so fürchte ich noch lange Zeit Bestand haben werden.

* * *

Mitten im Leben den Rahmen sprengen

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde,

ich freue mich, als Vorstandsmitglied der AIDS-Hilfe NRW sie alle ganz herzlich hier auf den Positiven Begegnungen 2010 begrüßen zu dürfen. Die AIDS-Hilfe NRW ist stolz darauf in dem Jahr, in dem sie ihren fünfundzwanzigsten Geburtstag feiert, die Positiven Begegnungen, zu ihrem eigenen zwanzigsten Geburtstag in NRW begrüßen zu dürfen. Das Motto, das wir uns als AIDS-Hilfe NRW für dieses Jubiläum gegeben haben, lautet: „Mitten im Leben.“

Aber was bedeutet es, „Mitten im Leben“ zu sein? Es legt nahe, dass wir angekommen zu sein scheinen. Es erklärt, dass wir mittendrin und nicht nur dabei sein dürfen. Wir haben uns politisch, ökonomisch und gesellschaftlich etabliert. Wir könnten fast dankbar sein.

Es sagt auch, dass wir nach wie vor die Lebensrealitäten anerkennen, sowohl bei Menschen mit, aber auch bei Menschen ohne HIV. „Mitten im Leben“ zeigt uns, wir haben eine Vergangenheit, befinden uns in der Gegenwart, aber wir haben auch eine Zukunft.

Dem aufmerksamen Zuhörer wird der von mir teilweise verwendete Konjunktiv nicht entgangen sein. „Mitten im Leben“. Ist es also anscheinend so oder nur scheinbar? Stimmt also der Anschein, dass wir so sind, oder vermitteln wir nur scheinbar „Mitten im Leben“ zu sein und sind doch ganz woanders?

Ich weiß, für ein unterhaltsames Grußwort ein verdammt anstrengender Stoff.

Die Eröffnungsreden der letzten Positiven Begegnungen in Stuttgart 2009 haben eigentlich schon alles gesagt. Wir bekamen den Stadtschlüssel und durften ins Rathaus. Wir bekamen Spenden, um unsere Arbeit weiter zu machen. Wir bekamen Lob für den Mut, mit dem wir auch heute noch unangenehme Themen angehen. Politik, Ökonomie und Gesellschaft.

Und bei all dem fällt mir zunehmend etwas auf. Wir sind brav geworden. Wir rebellieren nicht mehr laut, sondern setzen unsere Meinung in Diskussionen in Stadtarbeitskreisen und Parlamentarierfrühstücken durch. Kein Die-In mehr in Krankenhäusern, wie zu Zeiten von Act-Up. Unsere Demonstrationen sind angemeldet und laufen gesittet ab. Keine für die Gesellschaft unangenehmen Aktionen vor dem Kölner Dom mehr, keine Mahnwachen vor Gerichtsgebäuden, in denen selbstverliebte und selbstherrliche Staatsanwälte unser Rechtssystem, aber auch erfolgreiche Prävention angreifen. Wir wehren uns gesellschaftlich akzeptiert. Und wir wissen, gerade hier in Bielefeld und auch heute vor dem Hintergrund des Urteils von Darmstadt gibt es einiges, dessen man sich noch erwehren muss.

Und auch ich habe gelernt, brav zu sein, auch wenn viele behaupten würden, dass ich genau das nicht bin.

Mag sein, dass das alles mit unserem erwachsenen Alter zu tun hat, aber es kann auch sein, dass es noch ganz andere Gründe gibt.

Und in dieser Zeit, geben sich die Positiven Begegnungen das Motto: „Wir sprengen den Rahmen.“ und treffen damit aus meiner Sicht und Interpretation des Titels den Nagel auf den Kopf.

Was ist, wenn die von uns selbst geschaffenen Strukturen sich verselbstständigt haben? Was ist, wenn uns diese Strukturen in unserer Bewegung wie ein Korsett hindern? Immer weniger HIV-Positive engagieren sich in diesen Strukturen und diskutieren auf Augenhöhe mit denen, die ihre Interessen als hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umsetzen sollen? So wird nur noch verwaltet, aber bestimmt nichts mehr im Sinne von HIV-Positiven Menschen gestaltet.

Wie mühsam war es, das Thema HIV und Erwerbsleben nicht im Sinne von Wiedereingliederung, sondern im Sinne von Entstigmatisierung und Schaffung von Akzeptanz in unseren eigenen Strukturen zu etablieren? Wie lange wurde das Wissen um die äußerst geringe Infektiösität von HIV-Positiven unter der Nachweisgrenze (Stichwort: EKAF) nicht öffentlich und offen kommuniziert? Wissentlich, dass in der Veröffentlichung enormes Entstigmatisierungspotenzial steckt.

Durch Seilschaften und dem Aufblähen von Strukturen wird es einzelnen Mensch schwer gemacht, etwas zu erreichen, sich selbst als HIV-positiver Mensch einzubringen. Da geht es manchmal mehr um Jobs als um die Sache. Ich sage hier nicht, dass es unmöglich ist, sich einzubringen, sondern ich sage nur, es wird schwer gemacht. Damit wird von der Struktur der Eindruck vermittelt, dass eine Beteiligung eigentlich nicht gewünscht ist. Daran können wir in den nächsten Jahren arbeiten. Und zwar sowohl die hauptamtlichen Strukturvertreter, als auch die in Selbsthilfe engagierten Menschen.

Ich wünsche uns allen, dass wir hier auf den Positiven Begegnungen 2010 in Bielefeld die Möglichkeit haben, den Diskurs auch darüber zu führen, wie wir uns als HIV-positive Menschen zukünftig einbringen wollen und wie wir die Strukturen gestalten, damit wir nicht nur scheinbar „Mitten im Leben“ sind.

Lassen sie uns Mitten im Leben den Rahmen sprengen. Quelle



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2 Antworten zu Menschen mit HIV und AIDS Hilfen

  1. miriam UG schreibt:

    Hmm wie heisst es:

    „The only thing necessary for the triumph of evil is for good men to do nothing.“ -Edmund Burke-

    Nichts-Tuer gibt es mehr als geniug hier, leider! Schaut man in Foren rein, bekommt man das Gefühl, Menschen und Jugendliche sind so unaufgeklärt wie lange nicht. Wann begreift die Welt, das das Vogel Strauss-Prinzip nicht hilfreich ist?!

    lg, miriam

  2. alivenkickn schreibt:

    @Miriam

    Die AIDS Hilfen können nicht das auffangen was die Bildungs Politik versäumt. Wenn zudem die finanziellen Mittel gekürzt werden, wenn sich Staaten ihrer Verantwortung entledigen, dann darf man sich nicht wundern.

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