Menschen mit HIV haben eine Verantwortung . . .


. . . den PartnerIn vor jedweder sexuellen Aktivität von ihrem Status „Ich bin HIV positiv“ in Kenntnis zu setzen !?

Erklärbärmodus an

Die Überschrift besteht aus einem Satz. Das Satzende ist durch ein Ausrufezeichen bewußt beendet um den Inhalt vermeintlich zu bestätigen gefolgt von einem Fragezeichen der den Inhalt in Frage stellt. Es folgt ein Versuch einer Erklärung woher diese Haltung der Gesellschaft seine Ursache haben könnte, das Menschen mit HIV eine „Besondere Verantwortung “ haben. Das Menschen mit HIV keine besondere Verantwortung haben sondern beide Partner für ihre Gesundheit unabhängig um das Wissen ob der andere ne Krankheit hat oder nicht für den Schutz der eigenen Gesundheit zu gleichen Teilen verantwortlich sind ergibt sich aus dem folgenden. Und zu gleichen Teilen entspricht einer geteilten Verantwortung.

Die DAH drückt es so aus:

Bei sexuellen Begegnungen gilt das Prinzip der geteilten Verantwortung.

HIV-Prävention bedeutet in unserem Verständnis, dass alle Beteiligten lernen müssen, sich nicht auf andere zu verlassen, sondern den Schutz vor HIV in die eigene Hand zu nehmen. Daraus folgt für uns zum Beispiel, dass von Menschen mit HIV bei Gelegenheitskontakten oder am Beginn neuer Beziehungen nicht gefordert werden kann, ihre Infektion offenzulegen – wohl aber, dass sie ihre Verantwortung für den Schutz vor einer HIV-Übertragung wahrnehmen wie ihre Partner/innen auch.

Wir gehen dabei vom Prinzip der geteilten Verantwortung aus.

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Woher kommt dieser Anspruch? Wie kommt man zu dieser Sichtweise? Ich erhebe nicht den Anspruch dass meine Schlussfolgerung der Wahrheit letzter Schluss ist. Was ich versuche ist zu ergründen, welcher Anspruch sich hinter solch einer hohen moralischen Haltung verbirgt. Die einzige Erklärung die ich dafür finden kann ist:

Bilder von AIDS/HIV (vieler Menschen in der Gesellschaft) in Worten „HIV/AIDS ist eine tödliche Krankheit“ und als Bild „Sterbender AIDS Kranker“ wie man ihnen in den 80ger Jahren begegnete, da diese den Alltag bestimmt haben.

Der Tod gehört zum Leben dazu, wie der Tag zu der Nacht. Schon der Gedanke an den Tod ist für viele von uns undenkbar, unerträglich. Unangekündigt reißt er uns nicht selten aus dem Leben. Oftmals unvorbereitet werden Menschen von denjenigen die sie lieben getrennt. Selbst wenn es abzusehen ist, dass ein Mensch den wir lieben sterben wird, dass wir von Menschen die wir lieben in absehbarer Zeit für immer getrennt sein werden, schon der Gedanke daran erfüllt die meisten von uns mit körperlichem und seelischem Unbehagen. Wir wissen, dass Jeder von uns sterben muß, dass wir uns von denjenigen Menschen und den Dingen, die wir lieben trennen müssen und verdrängen es. Jeder weiß es und dennoch verdrängen die meisten von uns diese Tatsache. Der Tod ist etwas Unfaß-bares, Un-bekanntes. Das was wir nicht „fassen oder be-Greifen“ können, das, was wir nicht kennen, was uns fremd ist, das macht uns Angst.

Anfang der 80ger Jahre als HIV/AIDS erstmals in den USA aufgetreten ist, gab es noch keine Medikamente wie wir sie heute kennen. Menschen mit HIV/AIDS starben innerhalb kürzester Zeit an den Folgen von AIDS. Vergleichbares kannte man nur aus der Geschichte, als Menschen an dem Schwarzen Tod, der Pest, starben. Auf Grund der Letalität von HIV Infizierten in den 80ger Jahren lag es nahe, HIV ähnlich wie die Pest als eine tödliche Krankheit zu verstehen. Diese Begrifflichkeit hat sich bis heute ins Bewusstsein eingebrannt. Insofern verwundert es auch nicht das dieses Bild von „HIV und Tod <-> Hiv ist eine tödliche Krankheit“ bis heute existent ist. Insofern ist auch der Anspruch – geboren aus der Angst vor dem unmittelbaren Tod – nachvollziehbar, dass jeder, der mit „HIV, diesem TodesVirus“ infiziert ist, den Anderen sofort von dieser Tatsache in Kenntnis zu setzen bzw  zu informieren hat.

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Das Leben gewährleistet in jeder Situation 100 % Sicherheit. Ist dies nicht der Fall, so hat man auf diesen Umstand sofort und unaufgefordert darauf hinzuweisen.

HIV ist heute keine tödliche Krankheit mehr. HIV ist heute eine nicht-heilbare, chronische Infektion die natürlich das Leben jedes und jeder Infizierten stark beeinflusst. Quelle

Eine der häufigsten Vergleiche, die gerne herangezogen werden sind ähnliche wie der folgende: (Ich bin da auch ganz gut drin)

Kannst Du Dir vorstellen, mit jemandem Sex zu haben in dem Wissen, diesen Jemand in DIESEM MOMENT vielleicht umzubringen? Ich nehme auch niemanden in einem auto mit, von dem ich WEISS, dass es jede Sekunde auseinanderfallen und meinen Mitfahrer töten kann und sage dann hinterher: „Hättest ja nicht einzusteigen brauchen… oder mal fragen müssen!“ Quelle

Wenn man mit einem Menschen mit HIV/AIDS Sex hat, passiert im Grunde genommen das Gleiche, wie wenn man Auto fährt und jemanden mitnimmt. Schon von dem Moment an, wo man sich an das Steuer seines Wagens setzt, nimmt man ein „gesellschaftlich anerkanntes – bekanntes Restrisiko in Kauf“. Das Restrisiko bezieht sich auf die körperliche Unversehrtheit des Fahrers und in dem Fall seines Beifahrers. Es gibt keine 100% Sicherheit, dass beide unversehrt an das Ziel ihrer Fahrt kommen. Weder wird man vom Fahrer verlangen, dass er seinen Beifahrer bezüglich der Möglichkeit eines Unfalles mit körperlichen Schäden – möglicherweise mit tödlichem Ausgang – darauf hinweist, noch wird ein Beifahrer die Frage stellen bzw. vom Fahrer verlangen, dass ein Unfall mit körperlichem Schaden oder gar Todesfolge ausgeschlossen ist.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob ein Auto ne Schrottkiste oder ein Neuwagen ist. Der Trick ist der, dass wir diese „Denke“ und das Akzeptieren, dass das sich-ans-Steuer-eines-Autos-setzen im Fall eines Unfalles mit dem Tod enden kann über die Jahre verinnerlicht haben, und uns dessen in den meisten Fällen nicht mehr bewusst sind. Man ist sich dieses Restrisikos unbewusst bewusst. Gleiches gilt für eine Fahrt mit dem Zug, beim Fliegen, beim Radfahren. Das Restrisiko ist bekannt und jeder hat es stillschweigend in dem Moment akzeptiert wenn er am Strassenverkehr teilnimmt, in ein Flugzeug, ein Schiff oder einen Zug steigt.

Im Gegenteil – wir nehmen es als selbstverständlich hin, dass wir ohne körperliche Schäden ans Ziel kommen. Ein Trugschluss. Insofern ist die Forderung, dass Menschen mit HIV/AIDS eine besonderer Verantwortung haben und ihren PartnerIn informieren müssen, nichts anderes als ein Ausdruck von Doppelmoral. Man gesteht dem einem das zu, was man einem anderen verweigert: Die Tatsache, dass es keine 100% Sicherheit gibt – die Tatsache, dass es ein Restrisiko gibt. Safer Sex, die Benutzung eines Kondom, birgt ein Restrisiko auf einen „Unfall“. Die Wahrscheinlich im Alltag zu verunfallen oder ums Leben zu kommen, ist um ein vielfaches höher als sich bei Sex mit Kondomen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit bzw mit dem HI-Virus zu infizieren.

Erschwerend kommt in Bezug auf HIV dazu, dass unter anderem dank der boulevardesken Berichterstattungen im TV und den Printmedien das Bild, dass HIV immer noch eine tödliche Krankheit sei, aufrechterhalten bleibt. Das ist schlicht und einfach stigmatisierend und diskriminierend.

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HIV ist heute eine nicht-heilbare, chronische Infektion die natürlich das Leben jedes und jeder Infizierten stark beeinflusst. …das nur zur Klärung um was es hier geht. So und meine Frage ist, wo sprechen Sie über die Verantwortung des Sexpartners??? Warum hat er kein Kondom benutzt bzw. auf dessen Benutzung bestanden? Hat sie ihm gesagt, sie sei negativ? – Soviel ich weiß, nein. Hat sie ihn absichtlich betrunken gemacht, um ihn zum ungeschützten Sex-Verkehr zu zwingen? – Soviel ich weiß, nein. War der Sex-Partner generell oder in dem Moment willensschwach? – Nö. Also: Wir haben es mit Sex zwischen zwei erwachsenen Menschen zu tun, die offenbar nicht viel vom andern wussten, geschweige denn dessen HIV-Status kannten. Jeder von beiden hätte also auf Schutz bestehen sollen! Punkt. Nochmal: Warum hat er nicht auf einem Kondom bestanden? Wieso meinte er annehmen zu können, sie hätte keine sexuell übertragbare Infektion? Wieso? Wieso hat er das fälschlicherweise angenommen? Jeder weiß,  dass man HIV niemandem ansieht. Das war ein Fehler, aus meiner Sicht. Ein sehr bedauerlicher Fehler. Gleiches gilt für sie. Aber weil gleiches für beide gilt, möchte ich nicht nur einseitige Schuldzuweisungen sehen. Das Urteil ist aber genau eine solche. Das Urteil beantwortet nicht die Frage, die ich Ihnen hier gestellt habe: Wieso hat er auf das Kondom verzichtet? Wieso? Wieso hat er die wichtigste Verantwortung im Leben, nämlich die Verantwortung für das eigene Leben, die eigene Gesundheit an jemanden anderen abgegeben???? So etwas gibt man nicht ab! Nicht das Wichtigste. Dies sollte meines Erachtens die Botschaft sein. Denn, und da sind wir uns hoffentlich einig, wir wollen so viele Infektionen wie möglich verhindern. Quelle

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Wir haben es mit Sex zwischen zwei erwachsenen Menschen zu tun, die offenbar nicht viel vom andern wissen, geschweige denn dessen HIV-Status. Jeder von beiden hat also auf Schutz zu bestehen. Wenn der Partner nicht auf einem Kondom besteht, wieso nimmt man an, dass der/die PartnerIn frei von einer sexuell übertragbaren Krankheit, frei von HIV ist?  Jeder weiß, HIV sieht man niemandem an. Das gilt für beide. Und weil gleiches für beide gilt, gibt es keine einseitige Schuldzuweisungen.

Warum verzichtet man auf ein Kondom? Wieso gibt man die wichtigste Verantwortung im Leben, nämlich die Verantwortung für das eigene Leben, die eigene Gesundheit an jemanden anderen ab? So etwas gibt man nicht ab! Nicht das Wichtigste. Dies ist die Botschaft um die es geht. Jeder ist für seine eigene Gesundheit bis auf ein Restrisiko auf dass man weder einen Einfluss noch Macht hat (Unfall, Naturkatastrophe) selbst verantwortlich.

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Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, heisst es im Allgemeinen, im Falle eines positiven HIV-Antikörperstatus jedoch ist es genau anders herum. Die Botschaft, die aus diesem Urteil hervorgeht lautet: Lasse Dich nicht testen, denn wenn du positiv getestet wirst, hast du die Arschkarte gezogen, moralisch, wie juristisch. Wer sich dahingegen – trotz erheblicher Risiken – nicht testen lässt, kann sich bei Weitergabe der HIV-Infektion auf seine/ihre Unwissenheit berufen, eine in jeder Hinsicht ungesunde und traurige Realität. Das ist der eigentliche Skandal nicht nur an diesem Urteil, sondern an der gesamten rechtlichen Situation der Menschen mit HIV/Aids in Deutschland. Wenn das die Reaktion auf unsafen Sex ist, dann möchte ich einmal wissen, mit welcher Strafe jemand belegt wird, der mit einer echten Virusinfluenza in einen Bus niest…. Quelle

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