Die Forderung „Freispruch für Nadja Benaissa“ . . .


. . . war in meinen Augen eine Katastrophe. Das dies der Fall ist, spiegeln ungeachtet der dadurch ausgelösten sehr zu  begrüßenden Debatte die Inhalte vieler Kommentare wieder.

Ließt man sich die Kommentare auf dem Blog der DAH durch, so kann kaum einer diese Forderung nachvollziehen bzw verstehen. Ob ihr, die DAH, damit einen Beitrag zur Entstigmatisierung, entdiskriminierung und entkriminalisierung von Menschen mit HIV/AIDS geleistet hat wage ich zu bezweifeln. Ihr habt Euch da ein klassisches Eigentor geschossen. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“. Die Wahrscheinlichkeit das es auch Andere als die KommentatorenInnen auf eurem Blog nicht verstehen und nachvollziehen können, das Euch als Reaktionen darauf Sponsoren abspringen was die Arbeit um einiges schwerer machen wird, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein.

Vor zwei Tagen hatte ich mit Silke Klumb ein kurzes Gespräch. Ich hätte mir oder besser gesagt ich würde es mir wünschen, wenn die Forderung, so wie wir uns darüber unterhalten haben und auf einen Nenner kamen, derart erklärt worden wäre. So jedoch glich die vorgetragene Forderung mehr einem hingeworfenen Knochen nach dem Motto „Friß oder Stirb“. Wie abgehoben sind wir die „COMMUNITY“ ?

Den Freispruch darauf zu begründen, das in der Gesellschaft, bei Richtern und bei Staatsanwälten die Erkenntnis verinnerlicht sei, das jeder der Sex hat für sich selbst, seine eigene Gesundheit verantwortlich und für seinen eigenen Schutz selbst verantwortlich ist, das ist eine Illusion und eine Fehleinschätzung. Das Urteil und vor allen Dingen die Reaktionen in den Kommentaren zu Eurer Forderung stellen dies unter Beweis.

Die Kommentare sind die Reaktionen aus der Zivilgesellschaft, die zeigen das Erklärungs und vor allen Dingen Diskussionsbedarf besteht. So wie die Art und Weise der Kommunikation zwischen DAH und der Gesellschaf auf der Ebene des WEB 2.0 zur Zeit sattfindet, gleicht sie mehr einer „Einbahnstrasse“. Es ist eine einseitige Kommunikation. Es findet kein interaktiver Austausch, kein interaktiver Dialog statt. Rede und Gegenrede, miteinander kommunizieren ist mit Sicherheit anstrengend aber auf Dauer nachhaltiger. Die DAH muß auf die Gesellschaft zugehen, sie dort abholen wo sie steht. Und wo die Gesellschaft steht, das wird in den Kommentaren gezeigt. Geht auf sie zu, treten in Kommunikation mit ihnen. Vor allen Dingen nutzt und erkennt die Möglichkeiten des WEB 2.0. Eine neu gestylte Homepage ist kein Ausdruck dafür.

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Nachtrag

Da ich am Sonntag abend fix und fertig gewesen war hab ich den letzten Satz “Die Aidshilfe wird sich dieser Aufgabe stellen” übersehen. Sowas passiert hin und wieder. Da ließt man nur was man will und überließt das was man nicht lesen will.  Da ich Carsten Schatz öffentlich angemacht habe entschuldige ich mich hiermit auch auf meinem Blog öffentlich da ich ja den Link zu dem entsprechenden Artikel auf der Webseite der DAH hier ebenfalls gesetzt habe.

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2 Antworten zu Die Forderung „Freispruch für Nadja Benaissa“ . . .

  1. michèle meyer schreibt:

    was hätte die dah denn zu deiner zufriedenheit verlauten lassen sollen?

  2. alivenkickn schreibt:

    Es geht nicht um meine Zufriedenheit . . . . das kommt dem schon näher. http://www.ondamaris.de/?p=21370

    Wer bewußt seine Infizierung verschweigt und ohne Kondom vögelt . . . da soll das Strafrecht angwendet werden. Das Argument das der Andere sich ja schützen könne . . nun ja „Wenn der Schwanz steht, dann steht der Verstand still“. Der Spruch ist schon fast so alt wie die Menschheit. Zu sagen Pech gehabt ist bei allem Unverständnis die gleiche falsche Reaktion.

    Wär das gleiche wie, das wer an der CopaCabana bei Nacht oder in bestimmten Favelas in Rio alleine spazieren geht und sich dann wundert wenn er überfallen wird. Zu sagen „Na ja haste eben Pech gehabt – hättest ja nicht dorthingen sollen – weißt ja das es/wie gefährlich es ist“ . . . und das der „Täter“ falls man ihn fasst deswegen frei gesprochen wird würde ich in einem solchen Fall auch als zynisch empfinden. Das sind zwei Sachverhalte die man einfach trennen muß. Gleichberechtigte Verantwortung heißt auch das es MEIN Verhalten und das des Anderen gibt. Es heißt aber nicht das man das eine Verhalten mit dem Anderen gegeneinander aufrechnen muß. Gegeneinander aufrechnen ist im Strafrecht nicht vorgesehen. Würde es darum gehen müßte man das Strafrecht unter genau diesem Gesichtspunkt neu definieren – überarbeiten. Dann hätte es nur noch wenig mit Recht zu tun weil die Kriterien je nach politischer Konstellation völlig anderes bewertet werden würden.

    Das Verhalten liegt einzig und alleine in der eigenen Verantwortung jedes Einzelnen von beiden. Und bewertet wird immern nur das eine Verhalten. Das es besondere Umstände gibt liegt ebenfalls auf der Hand. Und diese müssen mit einbezogen werden.

    Sind die Umstände so wie sie sich in diesem Fall dargestellt haben, wo das Umfeld wie in diesem Fall dahingehend Einfluß genommen hat „Sag es bloß nicht dann geht die Band den Bach hinunter“ sodas der Druck derart groß war, dann muß man dies viel stärker mit einbeziehen. Ganz besonders auch deshalb weil man sich schon 1987 hier in Deutschland darüber im klaren war, das sehr Viele die mit der Diagnose „Sie sind HIV +“ konfrontiert wurden, therapeutischen Beistand genauso notwendig haben würden wie eine medizinische Versorgung so wie wir sie heute kennen. Doch das war den „Experten“ damals schon klar: Auf Grund von fehlenden Ressourcen damals wie heute wird dies nicht in dem notwendigen Maß möglich sein. Wartezeiten von 1 – 2 Jahren bei guten Therapeuten sind auch heute noch keine Seltenheit. Einige aus meinem Umfeld aus der damaligen Zeit haben nach der Diagnose „Sie sind HIV +“ ihrem Leben ein Ende gesetzt. Das hat man eben mal so bis heute unter den Tisch gekehrt.

    Im Grunde genommen sehe ich es schon das es um geteilte Verantwortung geht – um Verhalten geht. Doch bis das angekommen ist – die Reaktionen – Kommentare zeigen ja das es eben nicht der Fall ist, das es bis dahin noch ein weiter Weg ist. „Bridging the Gap“ Genf 1998 . . . . die Lücke ist bis heute noch nicht annähernd geschlossen. Wer das glaubt unterliegt einem fatalen Irrtum.

    Kritik an einer Sache zu üben ist nicht gleichbedeutend damit das ich die Arbeit der DAH bzw. die DAH generell in Frage stelle. Auch eine Organisation darf und muß man wenn es notwendig erscheint kritisieren dürfen. Wenn Kritik aus den eigenen Reihen kommt dann mit Sicherheit nicht weil ich „Der DAH ans Bein pinkeln will“. Schade das/wenn man es so verstehn will.

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