Gutachter/Gutachten vs Gericht/Medien


Im Prozess gegen No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hat ein Gutachter am Mittwoch erklärt, dass sie mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ für die HIV-Infektion ihres Exfreundes verantwortlich ist. Der Virologe Josef Eberle von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität München sagte vor dem Darmstädter Jugendschöffengericht, beide hätten einen sehr seltenen Virus-Typ, der erstmals in Westafrika nachgewiesen worden sei. Quelle FAZ

Dem Inhalt des Gutachtens am nächsten kommend ist die Berichterstattung im Echo. Was die übrigen Medien betrifft, nun ich versuche es mal auf eine Comichaft bildliche Art und Weise darzustellen. Als Dr. Eberle, der vom Gericht beauftragte Gutachter, sagte das die Angeklagte „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Quelle für die Infektion des Nebenklägers sei“, fand (kaum war der letzte Buchstabe des obigen Satzes des Gutachters verhallt) eine explosionsartige kollektive 2/3 JournalistenEntleerung des Zuschauersaales statt. Ich nehme mal an das sich 9/10 aller Journalisten krampfhaft an 3 Worte klammerten um sie bis zum HandyTelefonat mit ihrer Redaktion ausserhalb des Gerichtsaales ja nicht zu vergessen: „Sie ist schuldig“.

Was mich betrifft, das gebe ich unumwunden zu, verfüge ich was die Ausführungen des Gutachters betrifft, nicht über das fachliche Know How um das vorgetragene Gutachten inhaltlich in allen Aspekten entsprechend einzuordnen bzw zu bewerten. Von einem Journalisten bzw einem Vertreter der Medien jedoch erwarte ich das ein Fachjournalist in einem Prozeß wenn ein Gutachten erklärt, vorgetragen und vom Gutachter interpretiert wird, anwesend ist. Daher werde und kann ich mich auf den Inhalt des Gutachtens auch nur auf meine subjektive Wahrnehmung beschränken und sie Stichwortartig wiedergeben.

Geschichte von HIV:

Der Gutachter bezog sich auf die Entstehungstheorie, sagte das ein Virus, das fast identisch mit dem menschlichen HI-Virus ist und SIV genannt wird, in Schimpansen gefunden wurde. Die Übertragung von HIV habe auf dem Weg durch Kontakt mit Blut von Menschenaffen auf den Menschen stattgefunden. In der Folge ging er dann auf die Einteilung und Systematik sowie die div Subtypen ein. Bei seinen Untersuchungen zu diesem Gutachten berief er sich des öfteren auf die HIV Databases der Los Alamos National Laboratory auf die er u.a. zurückgegriffen hat.

Da es sich in diesem Fall bei dem Virustyp um einen bei uns in Deutschland relativ seltenen vorkommenden Virustyp handelt, war in diesem Fall das Ergebnis der Unterschung bzgl der Übereinstimmung i.e. die Zuordnung/Übertragung von der Angeklagten auf den Nebenkläger „mit an  Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ gegeben. (Siehe Echo)  Interessant war in diesem Zusammenhang jedoch die Erwähnung das es in München eine Datenbank mit Blut von HIV positiven Migrantinnen gab, die aus der Gegend Afrikas (Westafrika) dem Gebiet wo der Virus den man bei Nadja B. feststellte zu finden war und die Kinder zur Welt brachten. So hatte man die Möglichkeit anhand der eingefrorenen Blutproben festzustellen ob es eine Ähnlichkeit mit dem Virus des Nebenklägers gibt. Dies konnte jedoch ausgeschlossen werden. Das aber im restbayerischen Deutschland im gleichen Zeitraum HIV positive Migrantinnen aus dem gleichen Gebiet Afrikas hier in Deutschland Kinder zur Welt gebracht haben und in den größeren Städten wie Frankfurt/Berlin auch Datenbanken mit Blutproben vorhanden sind, das man diese auch in Betracht gezogen bzw untersucht hätte – keine Spur.

Eine Aussage des Gutachters die mich sehr erstaunte war, betraf die Medikamente und deren Nebenwirkungen.

Von 10 Menschen die HIV Medikamente nehmen leidet 1 von ihnen an Nebenwirkungen

Ich wußte gar nicht das es so Vielen die HIV Medikamente nehmen so gut geht. Man lernt nie aus.

Leider wurde seitens des Anwaltes hier nicht nachgehakt.

Was mich wütend gemacht hat war der Punkt wie der Gutachter das EKAF Papier abkanzelte. Ich sage bewußt abkanzelte da aus der Art und Weise wie er über den Inhalt und das Institut sprach seine Vorbehalte offen zu Tage getreten sind. Seine vorgetragene Interpretierung gipfelte in drei Aussagen:

  • Leider wurde aus dem EKAF Papier geschlossen (in der Gesellschaft kam man zu diesem Trugschluß so der Gutachter) das wer HIV Medikamente seit mind. 6 Monaten regelmäßig nahm und dessen Viruslast unter der VL sei ungeschützten Sex haben könne.
  • Der Inhalt des EKAF Papier auch keine 100% Garantie bei einer VL unter der Nachweisgrenze für eine nicht infizierung bei Sex ohne Kondom sei da ja im Frankfurter Raum das Gegenteil bewiesen wurde.
  • Letztendlich der Inhalt des EKAF Paipier mehr eine Beruhigung von den Ärzten für ihre Patienten sei.

Kein Wort davon das der Inhalt des Papiers unter Fachärzten schon länger bekannt ist als seit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung von EKAF. Kein Wort davon, das es immer mehr Ergebnisse gibt die den Inhalt bestätigen, das Fachverbände ausserhalb Deutschlands und die Justiz Österreichs in seiner Rechtssprechung dem Inhalt des EKAF Papier Rechnung trägt. So ging er auch nur kurz in einem Nebensatz darauf ein das man frei von STD ´s sein muß und vor allen Dingen das die VL nachweislich über einen längeren Zeitraum als 6 Monate unter der Nachweisgrenze sein muß. Von einer Beratung/Information beider Partner durch den Facharzt wie sie im EKAF Papier ausdrücklich angegeben ist, kein Wort. Auf Grund der Tatsache wie er auf das EKAF Papier eingegangen ist, verwundert es auch nicht, das in den Medien kein Wort darüber verloren wurde.

Der Gutachter brachte auch zur Sprache das Nadja Benaissa in der Zeit von 1999, dem Zeitpunkt von dem sie von ihrer Infektion wußte bis zum Jahr 2004 nicht in ärztlicher Behandlung war bzw dem Gericht nichts bekannt sei. Ab 2004 ist sie in Behandlung mit einer gut funktionierenden ART. Ihre Viruslast ist ab 2004 unter der Nachweisgrenze was aus den beschlagnahmten ärztlichen Unterlagen hervorgeht so der Gutachter.

Der Anwalt von Nadja Benaissa wollte von dem Gutachter wissen ob er sich bewußt sei das es nicht wenige Menschen gibt die HIV und AIDS in Frage stellen. Er spielte u.a. auf die unzähligen Mails der AIDS Leugner an, die er bekommen hatte. Der Gutachter fing den Ball auf und führte als Beispiel den Nobelpreisträger Kary Mullis als Nobelpreisträger an sagte: „Ja auch ich habe einige solcher Mails bekommen“, sagte er. In gleichem Atemzug jedoch hub der Gutacher das Institut Luis Pasteur unter Luc Montagnier und seine Kollegin Françoise Barré-Sinoussi als Entdecker des HIVirus hervor um damit die Aids Leugner ad Absurdum zu führen. Dumm nur das weder der Gutachter noch der Anwalt Ahnung davon hatten das mittlerweile auch Luc Montagnier von allen Guten Geistern verlassen zu sein scheint.

Ich hätte mir gewünscht das von Seiten des Anwaltes der Angeklagten bzgl des Gutachtens, der Nachweismethode mehr an fachlichen Input/Wiederspruch gekommen wär. Da hat es der Anwalt des Nebenkläger durch seine Fragen besser auf den Punkt gebracht. Der Schwerpunkt der Verteidigung wird so vermute ich mal auf dem psychologischen Gutachten liegen das am Nachmittag unter Ausschluß der Öffentlichkeit vorgetragen wird/wurde.

Wie wird es ausgehen: Ich spiel dann mal die Kassandra. Man wird Nadja Benaissa bzgl der Infizierung des Nebenklägers auf Grund des Gutachtens „Das Gericht geht von der Wahrscheinlichkeit aus das . . . .“ für schuldig befinden. Sie wird aber auf Grund der zu ihren Gunsten entlastenden Aussagen der anderen Zeugen zu einer  Bewährungsstrafe verurteilt werden. Ob sie vom Nebenkläger in einem zivilrechtlichen Verfahren auf Schadensersatz verklagt wird . . . .möglich ist es.

Als ich kurz vor 9.00 den Gerichtssaal betrat, war Nadja Benaissa und ihr Anwalt von einem Schwarm TV + Print MedenVertreter umringt. In dieser Situation wie auch während der Zeit als ich anwesend war – bis 11.30 – „Ich bewundere ihre Kontenance, ihre Haltung“.

*

Eine faire und objektive Berichterstattung wie man sie selten ließt

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