Achtsamkeit


1997 habe ich mich auf das Angebot i.e. die Hilfe von Fachleuten in der psychosomatischen Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel eingelassen was mir bis zum heutigen Tag überaus gut getan hat bzw immer noch gut tut. Das „immer noch“ bezieht sich in diesem Fall nicht nur auf den Aspekt der Einsicht und des „Erkenne Dich selbst“ sondern ganz besonders auf den 2. Teil des „Erkenne Dich selbst“ „Arsch hoch“ In diesem Fall auf div. Werkzeuge die ich auf meinem weiteren Weg mitbekommen habe die zur Anwendung des 2. Teil dienen. Der Meisten wurde ich mir allerdings erst in den Jahren nach meinem Aufenthalt in Kassel bewußt.

Obwohl der Tag sehr strukturiert und mit div Anwendungen und Therapien angefüllt war, blieb mir genügend Zeit um die Dinge zu tun die mir Spaß machten. Das ging von der allabendlichen kostenlosen Benutzung der angeschlossenen Kurhessentherme über nachmittägliche Sitzungen mit Freunden bei biodynamisch kreativen ökologisch wertvollen köstlichen Torten im hauseigenen Kaffee bis hin zu langen Spaziergängen im nahegelegenen Park des Schloß Wilhelmshöhe.

In diesen Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem „engagierten Buddhismus wie ihn Thich Nhat Hanh prägte auseinandergesetzt. Neudeutsch würde man schlicht und einfach sagen „ Practise what you preach“ oder “ Spiritualität hat nur dann einen Sinn wenn man sie im Alltag umsetzen, praktizieren kann“. Erst in der Begegnung mit sich selbst und den Menschen erkennt man wo man steht, wie die Realität tatsächlich ausschaut.

Innere Unruhe zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden. Und ich habe die Befürchtung das auf der Rolle auf die der rote Faden aufgewickelt ist noch einige Meter dieses Fadens vorhanden sind.

Bedingt durch die Polyneuropathie in beiden Füßen und obwohl sie dank Gabapentin in erheblichem Maß zurückgegangen ist, bewege ich mich dennoch recht vorsichtig und langsam mit zu Boden gerichtetem Blick vorwärts. Dies deshalb um ein Stolpern, das einen Sturz nach sich ziehen würde zu vermeiden. Zusätzlich zu der PolyN haben sich über die Jahre meine Muskeln aus den Beinen und Armen verabschiedet, sodaß ich im Falle eines Sturzes nicht in der Lage wäre den Aufprall durch muskelanspannende Reflexe zu mildern. Ich würde wie ein rohes Ei ungebremst auf den Boden aufprallen.

Da ich mir dessen bewußt bin, bewege ich mich also langsam vorwärts . . . eigentlich. Wenn da nur nicht die Gewohnheit und dieser innere rote Faden wäre. In gesundem Zustand bewegt man sich relativ zügig voran. Man hat über die Jahre hinweg eine Routine, einen Automatismus verinnerlicht der alle Gegebenheiten wenn man sich vorwärtsbewegt, registriert. Automatisch und entsprechend eines inneren abgespeicherten Programmes werden dann die notwendigen Schritte ausgeführt bzw abgearbeitet.

Wenn man ein Progamm schreibt dann gibt es in der Programmierung bestimmte Anweisungen und Befehle die entspechend einer Situation dann ausgeführt werden. „Wenn dieses oder jedes passiert (Wenn stolpern Dann reflexartiges ausbalancieren ((Unterprogramm wie diese Reflexe dann en detaill aufgerufen/abgearbeitet/umgesetzt werden))) dann tritt dieses oder jenes Programmteil in Aktion“ mit dem Ergebnis das man – auf s Laufen bezogen – nicht auf die Schnauze fällt, oder durch entsprechende Reflexreaktionen der Arme den Sturz/Aufprall mildert.
Das funktioniert idr solange man fit, wachsam und gesund ist. Mit der Zeit wird dieses Programm Routine, zur Gewohnheit, zu einem Automatismus.

Diese Gewohnheit, dieser Automatismus bedingt es das ich schneller laufe als ich im Grunde genommen in meiner momentanen Situation zu Laufen in der Lage bin. Meine Unsicherheit wird dadurch wieder größer und nach einer Weile fühle mich abgehetzt und „außer Atem“. In diesem Moment erst wird mir bewußt das ich schneller laufe als ich dazu in der Lage bin, werde ich mir wieder bewußt, das ich mich von meiner inneren Unruhe habe antreiben lassen. Sie hat wieder mal die Regie über mich übernommen, hat in diesem Moment mich bestimmt das zu tun was sie will.

In dieser Situation fällt mir dann eines der Werkzeuge ein die ich in der Zeit in Kassel kennengelernt habe. Meinen eigenen Rhythmus finden. Der Rhythmus nach dem ich mich bis dahin bewegt habe, ist alles andere nur nicht mein eigener Rhythmus wie er meiner jetzigen Situation entspricht.

In einer Gehmeditation oder wie Thich Nhat Hanh sie bezeichnet „Den Atmen zählen“ empfiehlt er z.b. einen Spaziergang zu machen. Wenn man einatmet, dann solle man sich bewußt sein: Ich atme ein, Eins. Wenn man ausatmet dann solle man sich bewußt sein: Ich atme aus, Eins. Wenn man mit dem zweiten Einatmen beginnt: Ich atme ein, Zwei. Wenn man langsam ausatmet: Ich atme aus, Zwei. In diesem Stil geh es bis 10 weiter. Und wenn man das Zählen vergißt – und das wird man am Anfang – dann fängt man wieder von vorne, bei Eins an. Langsam ein und ausatmend wird man mit der Zeit und Übung seine eigenen (Atem) Rhythmus finden.

Natürlich ist der Rhythmus einer Meditation nicht mit dem Rhythmus des Alltages vergleichbar. Eine Meditation ist nur auf einen selbst gerichtet während der Alltag und der Rhythmus/Geschwindigkeit von äußeren Faktoren bestimmt und beeinflußt wird. Die Meditation ist insofern ein Art Urlaub vom Alltag.

Dennoch gibt es im Alltag Situationen insbesondere bei Krankheit wo das was eine Meditation ausmacht in den persönlichen Alltag integriert werden kann. Um alte Gewohnheiten loszulassen, dazu ist dieses Werkzeug der Meditation ein hilfreiches Werkzeug.

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