Aids 2010 „Behandeln – Nicht umkehren!“


Wenige Tage bevor in Wien die Internationale Aids Konferenz beginnt, warnt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) vor den dramatischen Folgen, die das rückgängige Engagement von Geberländern im weltweiten Kampf gegen Aids hat.

Nach einer Dekade wichtiger Fortschritte im Kampf gegen Aids in Entwicklungsländern zeigen sich internationale Geber heute zurückhaltend und kündigen die Reduzierung ihrer finanziellen Zusagen und damit ein Zurückfahren von Behandlungsprogrammen an.
Ärzte ohne Grenzen fordert von den einzelnen Staaten mehr Engagement. Die Mittel im Kampf gegen Aids müssen erhöht werden, damit die Betroffenen überleben können.

Die Erfahrungen in vielen Ländern zeigen deutlich, dass mit einer raschen Ausweitung von HIV/Aids-Behandlungsprogrammen die Zahl der Erkrankungen vermindert und die Verbreitung des Virus eingedämmt werden kann, wodurch unnötige Todesfälle vermieden werden. Trotzdem zeigen sich internationale Geber heute zurückhaltend und kündigen die Reduzierung ihrer finanziellen Zusagen und damit ein Zurückfahren von Behandlungsprogrammen an.

Ärzte ohne Grenzen ist in den Einsatzländern bereits mit den konkreten Auswirkungen dieses Rückzugs der Geber aus dem Kampf gegen Aids konfrontiert. Anlässlich der Aids-Konferenz präsentiert die Hilfsorganisation den Bericht „The Ten Consequences of Aids Treatment Delayed, Deferred or Denied“, der die verheerenden Auswirkungen aufzeigt, die bei dieser Entwicklung zu erwarten sind.

„Wir sind heute an einer Weggabelung angelangt“, sagt Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne ACCESS von Ärzte ohne Grenzen („Campaign for Access to Essential Medicines“): „Entweder Regierungen bringen den politischen Willen und die nötigen finanziellen Ressourcen auf, um Aids in armen Ländern zu behandeln, oder sie lassen die jetzige Finanzierung von Aids-Programmen stagnieren, womit sie die lebensnotwendige Behandlung von Patienten und Patientinnen verzögern und letztlich verweigern. Hier gilt es, eine Entscheidung zu treffen: Wenn uns nicht geholfen wird, Aids zu behandeln, werden mehr Menschen sterben.“ Quelle

Scharfe Kritik übt Ärzte ohne Grenzen diesem Zusammenhang an der österreichischen Bundesregierung, die zur Finanzierung weltweiter Aids-Programme bisher kaum etwas beigetragen hat.

„Österreich entzieht sich im globalen Kampf gegen Aids völlig seiner Verantwortung als eines der reichsten Länder der Welt“, kritisiert Franz Neunteufl, Geschäftsführer der österreichischen Sektion.

Während in Wien die Vorbereitungen für die Internationale Aids Konferenz auf Hochtouren laufen, erteilt Österreich dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria eine klare Abfuhr.

Auf die vom Globalen Fonds geäußerte Anfrage um finanzielle Zusagen anlässlich der dritten Konferenz zur Wiederaufstockung der Mittel im weltweiten Kampf gegen die drei verheerenden Infektionskrankheiten im Oktober in New York („Third Voluntary Replenishment Conference“), reagierte das Außenministerium, wie gestern bekannt geworden ist, mit einer knappen Absage. „Die österreichische Regierung hat weder im aktuellen Budget, noch in den Budgets von 2011 – 2014 Mittel, um den Globalen Fonds zu unterstützen“, heißt es in einem Schreiben von 1. Juli lapidar.

Schon bisher beschränkt sich der österreichische Beitrag zum Globalen Fonds auf eine Einmalzahlung von einer Million US Dollar im Jahr 2001. Zum Vergleich: Irland zahlte bisher 160 Millionen, die Niederlande 519 Millionen US Dollar, sogar Uganda brachte immerhin 1,5  Millionen auf.

„Diese neuerliche Absage ist ein Schlag ins Gesicht der Millionen Betroffenen. Die österreichische Haltung, das fehlende Engagement angesichts dieser weltweiten humanitären Katastrophe mit der hierzulande angespannten Finanzsituation zu begründen, ist schlichtweg zynisch, sagt der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich, Franz Neunteufl. Auch die Unterstützung von Life Ball und Aids Konferenz können eine verantwortungsvolle, solidarische Politik nicht ersetzen.“ Quelle

* * *

Weitere/Ähnliche Beiträge – Links zu diesem Thema:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, HIV im Alltag, HIV/AIDS, International, Menschenrechte/Human Rights, Politik, Prävention/Aufklärung abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s