Hingefallen – aufgestanden – gehadert . . . . Arsch huh


Hingefallen

Letzte Woche hat es mich zweimal gebrettert, wie man umgangsprachlich zu sagen pflegt. Als ich vom Rad absteigen wollte war es mir nicht mehr möglich das Gewicht des Rad mit dem Anspannen von Muskeln in den Beinen – da gabs nix was ich anspannen konnte – auszubalancieren bzw abzufangen. So wie es normal und vor allem Routine ist. Routine deshalb weil man im Alltag sehr vieles macht ohne sich über den Prozess der in diesem Moment stattfindet Gedanken zu machen bzw nachdenkt. Es ist einfach so. Wenn man stolpert dann ist die Reaktion in der Art das man ohne zu denken versucht sein Gewicht im Gleichgewicht zu halten. Dies geschieht unter anderem durch das Anspannen von Muskeln, ausgleichenden Bewegungen die der Erdanziehungskraft entgegenwirken um einen Fall zu vermeiden. Fällt man dennoch so erfolgt eine intuitive Abwehrhaltung indem man mit den Händen versucht den Fall abzumildern – abzufangen. Nicht so bei mir. Ich habe wiederholt „den Boden begrüßt“.

Diese Tatsache sowie der Schock der mir jedesmal wie der Leibhaftige durch Mark und Bein gefahren ist, mein Gewicht und die nicht vorhandene Kraft in den Beinen und Armen die man benötigt um aus eigener Kraft aufzustehen haben mich die letzten Tage in ein Loch fallen lassen.

Aufgestanden

Dieses Loch ist ein mir mittlerweile recht Bekanntes das Sogyal Rinpoche aus „Das Tibetische Buch Vom Leben Und Sterben“ in dem folgenden Gedicht sehr gut zum Ausdruck bringt.

Die Grube im Gehsteig

Ich gehe die Straße entlang.
Im Gehsteig gähnt eine tiefe Grube.
Ich stürze hinein.
Mein Fehler ist das nicht!
Es dauert eine Ewigkeit, bis ich den Ausweg
aus der Grube gefunden habe

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Im Gehsteig eine tiefe Grube.
Ich stürze hinein.
Kaum zu glauben: schon wieder
ich in derselben Lage.
Mein Fehler ist das nicht!
Es dauert einige Zeit, bis ich den Ausweg gefunden habe.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Im Gehsteig eine tiefe Grube.
Ich sehe sie
und stürze trotzdem hinein
einfach weil ich es gewohnt bin.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wohin ich gehe.
Es ist allein mein Fehler!
Im nächsten Augenblick schon bin ich herausgeklettert.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Im Gehsteig eine tiefe Grube.
Ich mache einen Bogen um die Grube.

Ich folge einer anderen Straße.

Das war die Momentaufnahme im Oktber 2009. Und, da ich ein Weltmeister im Erklären und finden von Lösungen bin, lag es auf der Hand das ich mir „bewußt“ war was mit mir geschah und vor allen Dingen „Ich wußte was ich tun müßte, sollte, könnte,  . . . . . eigentlich . . . .

Meine Lösung auf Grund des Verstehens dessen was mir passierte auf der Basis meines Intellektes/des Verstandes war, das ich jeden Tag am Vormittag spazierengehenderweise all das was ich zu erledigen habe per Fuß erledigen werde.

Come Shine come Rain.

Soviel zu der Theorie

Gehadert

Statt dessen verharrte ich im Stadium des Bedauern, haderte mit mir selbst über meinen derzeitigen gesundheitlichen, körperlichen Zustand ohne mir dessen gewahr zu sein das ich mit mir haderte. Anders ausgedrückt ich war gefangen in (m)einem selbst erschaffenen inneren Gefängnis. Ich wußte um die Ursachen meines Zustandes, wußtes was zu tun ist um „wieder auf die Beine zu kommen“. Doch stattdessen verharrte ich im Zustandes der resignativen Erkennnis, verharrte im Zustand des Selbstmitleides, haderte mit mir wegen meines Zustandes. Im Geist sah ich mich schon in 4, 5 Monaten in einem Heim im Rollstuhl sitzen. Ich war das perfekte Opfer der Umstände von HIV.

Arsch huh – Arsch hoch

. . . wie BAP sagen würde. Verschiedene Krankenkassen sind wenn bestimmte Bedingungen seitens eines Fitnessstudios erfüllt worden sind, bereit die Kosten für eine „RehapsortMaßnahme“ zu übernehmen. Nachdem ich ein solches Fitnessstudio ausfindig gemacht habe und meinem Arzt einen Antrag auf Kostenübernahme (durch meine Krankenkasse) für Rehasport zum Ausfüllen zugeschickt habe, habe ich mich letzte Woche in einem Fitness Studio angemeldet. Einen kleinen Beitrag der im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten liegt (ca 31 Euro im Monat all inclusive) habe ich selbst zu tragen. Der Rest wird von der Krankenkasse übernommen.

Heute war es dann endlich soweit. Um 11 Uhr hatte ich einen Termin mit einem Trainer des Studios der die Geräte die ich im Rahmen der Rehamaßnahmen in Angriff zu nehmen habe auf meine Situation entsprechend einstellte. Das Ziel des Trainings ist Ausdauer, Kraft und insbesondere die Stärkung div Muskeln incl der Rückenmuskulatur.

Als erstes ging´s ans Aufwärmen. 20 Minuten Radfahren eingestellt auf den jeweiligen pers MuskelAusdauerZustand. 3 KM in 20 Minuten . . .  das ging schon mal besser. Danach wurden 8 unterschiedliche Geräte für die unterschiedlichsten Übungen zur Stärkung von Rücken, Bauch, Ober, Unterschenkel, Schultermuskulatur eingestellt. Die Übungseinheit an jedem Gerät ist eine Minute mit entsprechend variablem Wiederstand. 1 Minute hört sich nicht viel an. Denkt man . . dacht ich auch. Nach alles in allem 30 Minuten „WorkOut“ hatte ich heute die 1 Runde absolviert. Mit dem Spüren meiner Muskel in meinen Beinen und den Armen schleicherte ich mich mit weichen Beinen aber einem Gefühl von einer Lebendigkeit wie ich sie lange nicht mehr spürte in die Umkleidekabine.

Jetzt nachem ich mich aufgerafft habe und merke wie gut, das es mir gut tut, frage ich mich warum , . . . eigentlich hätte ich . . .

Nein mache ich nicht. Montag, Mittwoch und Freitag sind die Tage für mich, die mir gehören. Alles andere wird auf die übrigen Tage der Woche gelegt.


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