Annehmen, Abschied nehmen, Loslassen


Wenn Loslassen so leicht und einfach wäre wie das Schreiben des Wortes „Loslassen“ dann wäre das Leben einfach. Doch das Leben ist weder ein Wunschkonzert noch steht es irgendwo geschrieben das es leicht und einfach ist bzw. zu sein hat.

Leben ist geprägt von Veränderung. Es gibt Veränderungen die wir selbst herbeiführen und beeinflussen können damit sie stattfinden. Auf andere Veränderungen haben wir keinen Einfluß. Sie finden ohne unser Tun und Wollen statt. Ein Mensch der uns nahe steht und den wir lieb gewonnen haben wird krank und/oder stirbt. Fähigkeiten die wir zu besitzen glauben, Fähigkeiten die uns leicht von der Hand gingen und die einen großen Anteil auf unsere Lebensqualität hatten lassen nach oder Alter bzw krankheit versetzt uns in die Lage sie nicht mehr auszuüben. Wir alle sind Veränderung, der Vergänglichkeit ausgesetzt. Ob wir es wollen oder nicht, Ob wir diese Tatsache als „gut“ oder „schlecht“ bewerten. Veränderung findet statt. Von diesem Prozess ist kein Mensch ausgeschlossen.

Oft sind wir uns der Fähigkeiten die uns als Basis für unsere Alltagsaktivitäten dienen nicht gewahr. Viele unserer Aktivitäten tun wir weil wir es müssen um zu über-leben. Manchmal wenn wir Glück haben kommt alles zusammen. So können wir z.b. einen Beruf ausüben mit dem wir im Einklang sind, mit dem wir  uns wohlfühlen, der uns gut tut. Die Grundlage für alles was wir tun basiert auf Fähigkeiten die wir uns angeeignet, gelernt haben. Wir haben unseren Geist und unseren Körper trainiert um das was wir Tun tun zu können. So ist unser Alltag von Routinen bestimmt über die man sich idr keine Gedanken macht. Sie sind zu einer Gewohnheit geworden, sind normal geworden. Das etwas das wir nur weil wir es lange praktizieren, leben und es daher als „normal“ verstanden haben uns nicht mehr möglich sein könnte, ist idr ein intellektuelles Konzept dessen wir uns Kraft unserer Vernunft bewußt sind. Wir wissen das man/wir krank werden können. Wir wissen das Fähigkeiten durch Krankheiten oder durch zunehmendes Alter abnehmen oder verloren gehen können.

Als Folge meiner HIV Infektion habe ich seit einiger Zeit eine Polyneuropathie in beiden Füßen, die durch ein Medikament in Schach gehalten bzw verzögert wird. Was sich nicht verzögern oder gar leugnen läßt ist die Wahrnehmung der Auswirkungen auf Fähigkeiten die ich als Gewohnheit gelebt habe, die meinen Alltag ausmachten.

Ich erfahre mich zur Zeit „wieder einmal“ mit „Annahme, Loslassen und Abschied nehmen konfrontiert. Annehmen das ich mich in meiner Mobilität sehr eingeschränkt fühle, weil meine Fähigkeit zu laufen ausgelöst durch die Poylneuropathie mich einschränkt und ich mich sehr unsicher fühle. Damit verbunden Abschied zu nehmen von dem was mir lieb geworden ist und das einen Teil meines Lebens und Teil meiner Lebensqualität ausmachte. Durch die Stadt zu stromern, fotografieren, schwimmen zu gehen, Rad zu fahren, in den Zug zu steigen und einfach mal in die Stadt zu fahren oder Freunde zu besuchen. Abschied nehmen ist auch immer mit Trauer verbunden. Trauer über den Verlust von dem was ich liebgewonnen habe, das mir gut getan hat, mit dem ich mich wohl gefühlt habe, Trauer darüber weil ich erfahre das Fähigkeiten nachlassen.

Abschied nehmen und Loslassen ist ein schmerzhafter und mit Trauer verbundener Prozeß. Den Gesetzmäßigkeiten von Abschied nehmen und Loslassen ist jeder Mensch unterworfen. Das Annehmen das wir mit zunehmendem Alter oder Krankheit wahrnehmen das unsere körperlichen und geistigen Fähigkeiten nachlassen und wir sie nicht festhalten können, das Gewahrwerdens des Verlustes, dessen was war das mit Abschied nehmen einhergeht ist mit Schmerz und Trauer verbunden.

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