Der kleinste gemeinsame Nenner


Es ist wieder mal eine dieser Nächte in denen ich keinen Schlaf finde. Hingelegt. 3 Stunden geschlafen. Aufgewacht. Aufgestanden. Hingelegt. Im Bett rumgewälzt. Wieder aufgestanden. Kaffee gemacht.

Mir gehn ne Menge Gedanken durch den Kopf, zuvieles das mich keinen Schlaf finden läßt. Für mich ist es immer ein Zeichen das etwas in mir gärt. Es geht wie sooft in meinem Leben um Veränderung. Eine Veränderung deren Ursache HIV ist und die meinen Alltag betrifft. Später wenn ich den Termin bei meinem Doc hab werde ich mehr wissen.

Jetzt sitze ich am PC und stöber in den Blogs der Blogger die ich in meiner Linkliste abgespeichert habe. Dabei bin ich in Uwe´s Blog bei einigen Sätzen hängengeblieben die ich bemerkenswert finde, da ich es genauso sehe.

. . .  Zusammen sind wir stark . . . Ich möchte nur so schreiben, wie ich empfinde. So verfahre ich seit Jahren und denke so ist es auch gut. . . . Wir! kämpfen schon seit Jahren für Toleranz und für ein Miteinander in der Gesellschaft und haben nichts Besseres zu tun als uns gegenseitig zu missachten. Hier läuft was falsch! Es ist völlig in Ordnung, dass man mich als Privatperson nicht mag. Es ist nicht in Ordnung, die Arbeit von mir und meinen Freunden, die im Hintergrund ehrenamtlich ihre Zeit zur Verfügung stellen, komme was wolle zu boykottieren. Es gibt noch viel zu tun, fangen wir in den eigenen Reihen an, bevor man den Heteros Intoleranz vorwirft.

Ok. Uwe ist Schwul, ich bin ne Hete und deshalb muß ich besonders bei diesem Satz grinsen. Ich dacht immer Intoleranz wär ne menschliche Missqualität. Dennoch, Ich zähle mich zu dem „Wir“, fühle mich zu diesem „Wir“ dazugehörig weil ich HIV positiv bin. Uwe ist das was einige verächtlich als „Berufspositiven“ bezeichnen.  Sei s drum. Ohne Menschen wie ihn säh es noch grauer und eintöniger in der HIV gesellschaftspolitischen Scene aus.

Uwe schreibt

Hier möchte ich betonen, dass für mich die Selbstdarstellung Einzelner nicht im Vordergrund steht, sondern die Arbeit des gesamtem Teams.

Auf den CSD bezogen, wie jede andere Veranstaltung auch, den er meinte bezogen stimmt dies. Nur ein Team kann z.b. die PoBe 2010 auf die Beine stellen. Menschen, ein Team das sich trifft um das Programm auszuarbeiten, Menschen, die DAH, ein anderes Team das die Organisation und Finanzierung der PoBe möglich macht, usw.

Gesicht zu zeigen, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, dazu braucht es auch ein bestimmtes Maß an Selbstdarstellung. Möglichweise wäre der Eine oder Andere gerne ein selbstloser Altruist. Doch da hab ich meine Zweifel ob es den tatsächlich gibt. Anerkennung und Bestätigung, ein Lob: „Das hast Du gut gemacht“ das tut jedem Menschen gut, das fühlt sich gut an. Vielleicht erwartet der Eine oder Andere keine Anerkennung, keine Bestätigung oder Lob, doch wenn es ausbleibt, oder der Lohn, was auch eine Form der Anerkennung ist, nicht gezahlt wird spätestens dann wundern man sich. Letztendlich ist es eine Frage der Balance. Andererseits, wenn die Eitelkeit die Triebfeder ist und dadurch außergwöhnliches bewerkstelligt und bewirkt wird . . . . .

JedeR HIV Positive der den Mut hat Gesicht zu zeigen und Farbe zu bekennen, der öffentlich zu sich und zu dem Thema rund HIV Stellung bezieht ist auch ein politischer Mensch. Dabei spielt der Grad der Aktivität im Grunde genommen keine Rolle. Wenn man Maß Stäbe nimmt und diese als ein Messinstrument verwendet, dann wird man bedingt durch die Zahlen auf diesem Stab unweigerlich anfangen zu vergleichen, zu werten.  Jemand der sehr aktiv ist wird bei einer größeren Zahl angesiedelt sein als jemand der „nur“ in einem HIV Forum mit anderen HIV Positiven kommuniziert. Ein Anderer HIV Positiver der im Wartezimmer seines HIV Arztes sitzt und auf seinen Termin bei seinem Doc wartet um die letzten Werte seiner Blutabnahme zu besprechen und ansonsten zurückgezogen, ohne Computer in seinen 4 Wändern lebt, wird auf einer kleineren Zahl angesiedelt sein. Die Crux mit dem Vergleich, dem Bewerten ist das man sich sehr schnell minder – wertig fühlen kann. Dabei zeigt der HIV Positive im Wartezimmer in diesem Moment genauso öffentlich sein Gesicht, bezieht durch sein Da sein Stellung „Ich bin HIV Positiv“ wie die ACT UP Aktivisten in New York, die sich am Geländer zu einem Büro das Heirats Lizensen ausstellt angekettet haben um diese Lizenz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzufordern.

Denkt man diesen Gedanken weiter so kommt man nicht umhin festzustellen das jeder Mensch auch ein politischer Mensch ist. Jede Äußerung, jede Stellungnahme, jeder Standpunkt den der Einzelne vetritt steht idr steht im Kontext zu seiner Umwelt die ihn umgibt, prägt und die er in dem was er sagt zum Ausdruck bringt ist  immer eine politische Aussage. Der Mensch ist ein politisches Wesen.

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