Generationenübergreifende Wohnprojekte – Köln, Berlin


Schlüsselübergabe für die „Villa anders“

„Wohnen, Wohlfühlen, Leben“, das wünschen sich die Mieter des Mehrgenerationen- und schwul-lesbischen Wohn-Projekts „Villa anders“. Im Oktober 2008 wurde der Grundstein für die „Villa anders“ in der Helmholtzstraße 104 gelegt, im Dezember 2009 zogen die ersten Mieter ein.

Jetzt fand die symbolische Schlüsselübergabe statt.

Stellvertretend für die GAG Wohnungsbaugesellschaft überreichte Sybille Wegerich dem Bewohnersprecher Sebastian Lavermann den übergroßen Schlüssel. Sebastian Lavermann und seine Freundin wohnen seit Ende letzten Jahres in der „Villa anders“. „Wir haben eine schöne Wohnung in Ehrenfeld gesucht. Dabei war uns ein Umfeld wichtig, in dem noch nachbarschaftliche Hilfe und soziales Miteinander praktiziert werden. Beides haben wir hier gefunden. Wir fühlen uns in dieser Hausgemeinschaft auch als heterosexuelles Paar sehr wohl.“

Für Lisa Weiss, Mitinitiatorin und Vorstandsmitglied des Vereins Schwul-Lesbisches Wohnen e.V., wurde mit dem europaweit einmaligen, integrativen Wohnprojekt für Schwule und Lesben „eine Vision wahr“. Die unteren Appartements wurden barrierefrei gestaltet. Der Gemeinschaftsraum und der große Innenhof stehen allen Bewohnern zur Verfügung.

Alle Wohnungen sind bereits vermietet – an 29 Männer und 14 Frauen aus sechs Nationen in 35 Wohneinheiten.

Vor vier Jahren hatten der Schwul-Lesbisches Wohnen e.V. und die GAG Immobilien AG mit der Planung des Projektes begonnen, das die Idee verfolgte, den künftigen Mietern der „Villa anders“ einen Ort des selbstbestimmten, diskriminierungsfreien und generationenübergreifenden Wohnens zu schaffen. Entstanden ist letztlich eine Wohngemeinschaft, die dem Einzelnen sowohl Raum für Kommunikation als auch die Möglichkeit bietet, sich bei Bedarf zurückzuziehen. Darüber hinaus soll im Veedel auf diesem Weg für mehr Akzeptanz und Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften geworben werden. Quelle: Kölner Wochenspiegel

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Grünes Licht für das „Haus Niebuhrstraße 59-60 – Regenbogenzentrum“ – Bauantrag genehmigt

Am 17. Februar 2010 hat der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf den Bauantrag für unser neues Haus in der Niebuhrstraße 59-60 genehmigt. Der Vorstand der Schwulenberatung Berlin wird am 2. März den Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von 75 Jahren unterzeichnen: Ein weiterer Meilenstein in der langjährigen Projektphase ist somit geschafft! Bis zum 30-jährigen Jubiläum der Schwulenberatung Berlin im Sommer 2011 soll das Haus umgebaut worden sein – im Herbst 2011 können dann die Schwulenberatung Berlin und die Bewohner des Mehrgenerationenhauses einziehen: Es wird ein Lebensort der schwulen Vielfalt in Berlin sein – und ein in Europa einzigartiges Modellprojekt:

  • Generationsübergreifendes Wohnen in 24 Wohnungen, damit ältere schwule Männer ein geschütztes und autonomes Leben gemeinsam mit heterosexuellen Menschen aus verschiedenen Altersgruppen führen können.
  • Eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke, die sie vor der Isolation bewahrt.
  • Das Café/Restaurant „Wilde Oscar“ als Integrationsbetrieb mit viel Platz für öffentliche Veranstaltungen, die das Haus zu einem Kommunikationszentrum für die gesamte Community und für ganz Berlin machen.
  • Der neue Standort der Schwulenberatung Berlin, die mehr Platz benötigt, um noch wirkungsvoller und sichtbarer arbeiten zu können.

Ein Ort der Vielfalt: Leben und Wohnen. Alt und Jung, Mann und Frau. Alle unter einem Dach.

Mit Gründung des „Netzwerks anders Altern“ hat die Schwulenberatung Berlin vor Jahren den Grundstein dafür gelegt, sich in ihrer nahezu 30-jährigen Geschichte auch denen zu öffnen, die als ältere Schwule den Eindruck gewonnen haben, dass sie innerhalb der Community keine Rolle spielen und nahezu unsichtbar sind. Durch die Öffnung der Schwulenberatung Berlin für die Belange älterer Schwuler und Lesben wurden wir ermutigt und darin unterstützt, uns nicht aufs Altenteil zurückzuziehen, sondern weiter eine aktive Rolle zu spielen: So ist aus einer intensiven, wechselvollen und fruchtbaren Zusammenarbeit die Idee eines gemeinsamen Wohnprojekts entstanden, das seitdem den Wandel vom schwulen Altersheim zum Mehrgenerationenhaus vollzogen hat. Das nicht nur älteren und jüngeren schwulen Männern als Lebensort zur aktiven Lebensgestaltung und zum Austausch dienen soll, sondern auch Frauen offen steht und auch sonst niemanden ausschließt. Unabhängig von der sexuellen Orientierung aller derjenigen, die sich mit uns zu identifizieren bereit sind.

Als künftige Bewohner des Wohnprojekts unter dem neuen Dach der Schwulenberatung Berlin sind wir trotz teilweise unterschiedlicher Erwartungen – als nicht homogene, sondern vielfältige Gruppe von Männern und Frauen – zuversichtlich, einen Ausgleich zu schaffen: zwischen dem Bedürfnis nach aktivem Austausch und Kommunikation und dem nach einem Rückzugsort und sicheren Hafen im Alter. Ältere haben ihre Lebenserfahrung zu bieten und die Bereitschaft, Jüngere in ihren Belangen zu unterstützen, wenn es sich darum handelt, sich nicht an den Rand drängen zu lassen, sondern im Zentrum der Gesellschaft zu behaupten. Jüngere haben vielleicht die Entschlossenheit zu bieten, sich nicht mit der Entwicklung zunehmend spürbarer homophober Tendenzen abzufinden. Und Frauen sollen nicht bloß eine Alibi-Funktion erfüllen. Weil sie als Verfechterinnen der Idee der aktiven Gemeinschaft dafür prädestiniert sind, manchen aus seinem Trott zu reißen. Und über allem sollen Lebenslust, die Verwirklichung kultureller Bedürfnisse und die gelebte Vielfalt nicht zu kurz kommen, sondern ebenfalls eine Rolle spielen.

Die Schwulenberatung Berlin wollen wir darin unterstützen, das „Haus Niebuhrstraße 59-60“ zu einem Zentrum für alle zu machen, denen bewusst ist, dass das Angebot noch auf weit mehr Menschen auszudehnen ist, als auf diejenigen, die bislang davon profitieren: Dank des Modellcharakters hoffen wir darauf, Schule zu machen und Vorbild für andere zu werden. Und das Haus zu einem Ort der Kommunikation, Beratung und Integration aller zu machen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Mit der Wahl von Bernd Gaiser als Sprecher und Birgit Witt als Sprecherin der Wohn-AG des „Hauses Niebuhrstraße 59-60“ erwarten wir, nicht nur über eine Stimme zu verfügen, sondern auch Gehör zu finden, um die Belange aller Bewohnerinnen und Bewohner aktiv einzubringen. Egal ob als Alte oder Junge, Männer oder Frauen, Menschen mit HIV oder Transgender. Unter der Voraussetzung, einander bei Bedarf unter die Arme zu greifen und zu unterstützen.

B. Gaiser – Wohn-AG

Fundraising für einen Lebensort der schwulen Vielfalt.

Für den Kauf und den Umbau des Hauses „Niebuhrstraße 59-60“ benötigen wir insgesamt 5. Millionen Euro. 4,5 Millionen Euro sind bereits zugesagt. 500.000 Euro müssen wir durch Spenden und Benefizveranstaltungen (wie z.B. Gabi Decker & Friends – Die Charity Show –  aufbringen). Dies ist eine große Herausforderung die wir nur dann bewältigen können wenn wir viele Unterstützer mobilisieren. Bis zum Herbst 2011 wollen wir 500.000 Euro sammeln. Das Projekt ist kein Selbstläufer. Nur wenn Tausende mithelfen, kommen wir ans Ziel. Unser Fundraising-Konzept steht auf zwei Beinen: Zum Einen werden wir durch eine breit angelegte Kampagne ab Mai 2010 die Öffentlichkeit kontinuierlich ansprechen und zum Spenden auffordern. Die Kampagne wird im nächsten Newsletter vorgestellt.

EINE Tat: Wir suchen Organisatoren des Erfolgs Lebensort

Und zum Andern wollen wir möglichst viele Freundinnen und Freunde zum Mitmachen gewinnen. Der Kerngedanke ist: Unsere Community ist reich an Menschen mit Ideen und mit Verbindungen. Der Erfolg ist dann gesichert, wenn sie sich mit ihren Netzwerken einbringen: durch ein begrenztes Engagement, das für sie selbst stimmig ist und deshalb auch Freude macht.

Mitmach-Möglichkeiten gibt es viele, und keineswegs nur für Schwule und Lesben. Einige Beispiele: Ein Förderer lädt Menschen nach Hause zu einem Charity-Dinner ein oder verzichtet bei einer Feier auf Geschenke; eine Autorin liest zu Gunsten des „Hauses Niebuhrstraße 59-60“; ein Chor veranstaltet ein Benefiz-Konzert; eine Gewerkschaftsgruppe oder eine Belegschaft sammelt; ein Unternehmen spendet Baumaterialien oder verzichtet auf aufwändige Weihnachtsgaben; eine Schulklasse entwickelt für unsere Website einen Beitrag zur Vielfalt; ein Flohmarkt wird organisiert; eine Geschäftsinhaberin stellt eine Sammelbüchse auf; jemand organisiert eine Versteigerung; ein Verein oder eine Kirchengemeinde zeigt sich solidarisch; Freunde versenden mit persönlichen Briefen unsere Materialien; ein Szeneclub teilt den Gewinn eines Abends mit uns; diejenigen, die Zugänge zu Zeitschriften und Newslettern haben, greifen zur Feder; ein Sportverein kickt oder rennt für unser Haus … Unendlich sind die Mitmach-Möglichkeiten, und Jede und Jeder kann mit eigenen Ideen einen eigenständigen Beitrag zum Gelingen des Ganzen leisten. 500.000 Euro sind unser Ziel!
HUNDERT Taten: Unsere Netzwerke bewähren sich.

Was uns vorschwebt: Unsere Vision enthält viele Orte. Denn an den verschiedensten Stellen Berlins engagieren sich bis zum Herbst 2011 HUNDERT kleine und große Netzwerke durch EINE Tat, die Geld schafft. Für öffentliche Wahrnehmung sorgen wir.
Dieses Fundraising-Konzept ist ungewöhnlich, aber es passt zum Haus, das viele Jahre Utopie war und jetzt Wirklichkeit wird. Ohne die Kraft der Community und ihrer Freundinnen und Freunde wären wir so weit niemals gekommen: Es fehlen nur noch 500.000 Euro!
Mit einem solchen Fundraising-Konzept sammeln wir nicht allein Geld, sondern wir beweisen der Öffentlichkeit, dass „Haus Niebuhrstraße 59-60“ tatsächlich unser aller Ort wird. Damit schaffen wir eine Dynamik, die die öffentliche Kampagne unterstützt: Denn wenn HUNDERT Netzwerke sich zu einem Ziel verbünden, ziehen sie TAUSENDE Einzelne mit.

Ein erstes Brainstorming mit Menschen, die sich engagieren wollen, findet am 13. März statt. Wir laden dazu ein! Kontakt: Bernd Wlodarski, Schwulenberatung Berlin: Tel. 030/23369086

Bitte spendet an die Schwulenberatung Berlin: Spenden-Kto.: 332 79 00
Bank für Sozialwirtschaft (BLZ: 100 205 00), Verwendungszweck: Haus Niebuhrstraße

Dr. Kurt Anschütz, Fundraiser
E-Mail: kurt@anschuetz-berlin.eu

Quelle: Newsletter 1/2010 – Mit freundlicher Genehmigung der Schwulenberatung Berlin, Marco Pulver

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