Gero von Boehm begegnet Christoph Schlingensief


Christoph Schlingensief – Über die Krankheit zurück ins Leben, zur Liebe gefunden

Im Januar 2008 wurde bei dem Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wurde entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgten. Seinen bis heute anhaltenden Kampf gegen den Krebs stellt Schlingensief seitdem ins Zentrum seiner Kunst.

Von einem Moment auf den anderen fühlte sich der damals 47jährige vom normalen Leben ausgeschlossen. Er, der von sich und anderen immer Einsatz bis zum Rande der Möglichkeiten fordert, musste lernen „auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.“

„Seit meiner Krebserkrankung habe ich morgens beim Aufwachen ein großes Stoppschild vor den Augen und denke nicht mehr :“Wer holt jetzt die Brötchen“ , sondern ich denke : „Wenn ich jetzt gehen muss, ist ja nichts besprochen“. Und ich will nicht gehen, ich will bleiben. Es kann ja gar nichts besseres geben als dieses Leben. Ich liebe dieses Leben und das habe ich vorher nicht gewußt.“

Mit 16 sagte man mir: Du wirst nie in der Lage sein, einen anderen Menschen zu lieben. Das hat mich tief geprägt. Jetzt weiß ich, dass es nicht stimmt.

Beim Sterben will ich nur eines trainieren : Nicht böse zu werden, und herumzuschreien. Ich suche jetzt die leisen Töne, den Ausklang.

Ich habe auch den Tod meines Vaters inszeniert, indem ich „Großer Gott wir loben Dich“ auflegte als er starb. Aber als die Musik zu ende war, war er noch nicht tot und ich dachte: Was bin ich für ein Dilettant.

Mit dem Oratorium „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ kehrte Schlingensief Monate nach seiner Operation auf die Bühne zurück. Es folgte „Der Zwischenstand der Dinge“ und „Mea Culpa“, der letzte und optimistischste Teil einer Trilogie, in der er sich mit seiner Krebserkrankung auseinandersetzt. Während dieser Arbeit, sagt er, habe er seit seiner Operation wieder angefangen zu lachen.

„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ heißt das Tagebuch seiner Krebserkrankung. Eine eindringliche Suche nach sich selbst, nach Gott, nach der Liebe zum Leben.

Eine der großartigsten und bewegensten Begegnungen.

Manchmal begegnet man Menschen die hinterlassen Spuren. Dabei spielt es keine Rolle ob man Ihnen On oder Offline, im realen oder im virtuellen Raum begegnet – der Mensch dem man begegnet ist immer der gleiche.

* * *

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von 3Sat

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Eine Antwort zu Gero von Boehm begegnet Christoph Schlingensief

  1. ondamaris schreibt:

    ich habs auch gesehen – einfach grossartig und bewundernswert, wie dieser mensch mit seinem leben und seiner erkrankung umgeht …

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