Wer nicht hören will muß fühlen – Knast statt Methadon


Mit befremden konnte man am 17.Februar 2010 in einem mit Angela Waldschmidt, Geschäftsführerin der Drogenhilfe Nordhessen geführten Interview der HNA erfahren, das

der Aufenthalt auf der Krankenstation eines Gefängnis ein probates Mittel zur Entgiftung von Drogen für suchtkranke, drogenabhängige Menschen ist, da viele zum ersten Mal nach längerer Zeit einen klaren Kopf bekommen und beginnen, über ihre Situation zu nachzudenken.

Solche eine Aussage ist umso erstaunlicher da sie nicht wie üblich immer mal wieder von reaktionären Politikern geäußert wurde sondern von der Geschäftsführerin der Drogenhile Nordhessen.

Dazu Dirk Schäffer,  DAH-Referent Drogen und Strafvollzug:

„Wenn Frau Waldschmidt sich für eine ´Zwangsentgiftung im Strafvollzug´ ausspricht und den Vollzug für einen Ort hält, an dem ´viele zum ersten Mal nach längerer Zeit einen klaren Kopf bekommen und beginnen, über ihre Situation zu nachzudenken,´ fragen wir uns als Deutsche AIDS-Hilfe, welche Menschenbilder und Haltungen in der Leitung der Drogenhilfe Hessen vorherrschen. Das sind Rezepte aus der Mottenkiste!“ Quelle

Die Abhängigkeit i.e. Sucht von legalen Drogen wie Alkohol und illegalen Drogen wie Herion ist mitterweile als Krankheitsbild anerkannt worden. Jeder Sozialarbeiter der in der Drogenarbeit arbeitet sollte sich dessen eigentlich bewußt sein. Insbesondere auch der Tatsache das was den Aspekt der Resozialisierung als Vollzugsziel betrifft es sich nach wie vor um eine Absichtserklärung handelt. Von einer praktischen Umsetzung ist man nach wie vor Lichtjahre entfernt.

Insofern mutet eines der Ziele das die Drogenhilfe Nordhessen in ihrem Leitbild zum Ausdruck bringt wie glatter Hohn an.

Als sozialer Dienstleister will die Drogenhilfe Nordhessen e. V Kinder und Jugendliche, Eltern und Familien, suchtgefährdete und suchtmittelabhängige Menschen so umfassend fördern und unterstützen, dass sie in unserer Gesellschaft ein möglichst eigenverantwortliches und auf Selbstachtung basierendes Leben aufbauen und führen können.

Noch unverständlicher und nicht nachvollziehbar ist auch die folgende Aussage besagter Geschäftsführerin.

Der Fokus ist allein auf die Gabe eines Medikaments gelegt worden. Doch die Regelung der Finanzierung für die so wichtige psychosoziale Betreuung bleibt außen vor. Doch allein Methadon zu geben, hilft den Betroffenen nicht. Die Süchtigen werden allein gelassen.

Da kommt mir Robert Lemke in den Sinn der seine Kandidaten vor Beginn der Raterunde immer fragte: Welches Schweinderl hätten´s denn gern? Wenn man sich auf das verläßt was Politiker die nicht selten mehr als nur Realitätsfremd sind verläßt, dann ist man im wahrsten Sinn des Wortes mehr als nur verlassen.

Der Begriff von akzeptierender Drogenarbeit der sich seit Jahren in der Praxis bewährt scheint noch nicht bis zu besagter Drogenhilfe vorgedrungen zu sein.

Drogenkonsumenten haben ein Recht auf Menschenwürde, selbst wenn sie nicht ihren Drogenkonsum aufgeben wollen oder können.

Akzeptanzorientierte Drogenarbeit zielt nicht darauf ab, drogenfreie Hilfsangebote einzuschränken oder abzuschaffen, sondern versteht sich als Erweiterung des Angebotsspektrums, um der Heterogenität des Phänomens Drogenkonsum Rechnung zu tragen. Sie verfolgt das Ziel, zur Minimierung des Leidensdrucks die Lebensbedingungen der Konsumenten unabhängig von Ausstiegs- und Abstinenzmotivation zu normalisieren und zu verbessern. Drogengebrauchern soll, sowohl durch Hilfe zur Selbsthilfe, als auch durch subjektbezogene, bedarfsorientierte Unterstützungsangebote die selbstbestimmte Entwicklung menschenwürdiger Lebensperspektiven ermöglicht werden.

In diesem Zusammenhang ist festzustellen das erst durch das Praktizieren von akzeptierender Drogenarbeit die u.a. von vielen Aids Hilfen initiiert und nach wie vor praktiziert wird wie div Streetworkprojekte, das Einrichten von Druckräumen, die Möglichkeit zum Nadeltausch etc. die Neuinfektionen mit HIV unter iv Drogenuser erheblich zurückgegangen sind somit nachweislich einen Erfolg darstellen. Auch diese Tatsache kann man, so man des Lesens und Verstehens mächtig ist, unschwer den entsprechenden Bulletins des RKI entnehmen.

Es hat seinen Grund, warum unsere (der Drogenhilfe Nordhessen) Mitarbeiter regelmäßig Supervision erhalten. Mit Suchtkranken zu arbeiten, kann sehr belastend sein.

Supervision gehört in vielen Arbeitsbereichen der Sozialarbeit wenn man mit Menschen bzw für Menschen arbeitet dazu. Möglicherweise wäre es nicht nur konsequent sondern im Sinne eines „humanistischen Menschildes“ auf das Sie sich in ihrem Leitbild beziehen sinnvoll wenn man im Fall das man seinem Job nicht mehr gerecht wird einen Berufswechsel in Erwägung zieht.

Die Eckpfeiler unseres Grundverständnisses sind ein humanistisches Menschenbild und die Achtung der Menschenwürde. Die Maxime unserer Arbeit sind Akzeptanz des Selbstbestimmungsrechtes, Ressourcenorientierung, Hilfe zur Selbsthilfe, Aktivierung der Selbstheilungskräfte, Stärkung des Selbstwertgefühles und Selbstbewusstseins. Wir informieren unsere Klienten über Art, Umfang, Möglichkeiten, Rechte und Pflichten im Kontext der verfügbaren Hilfsangebote. Wir arbeiten ganzheitlich und beachten seelische, psychische, politische und gesellschaftliche Aspekte bei unseren Klienten. Wir versuchen zielorientiert und unbürokratisch zu handeln und stehen für Zuverlässigkeit und Kontinuität. Im Bereich Suchthilfe leisten wir akzeptanzorientierte niedrigschwellige Drogenarbeit, bieten darüberhinaus aber auch therapeutische Ausstiegshilfen.

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2 Antworten zu Wer nicht hören will muß fühlen – Knast statt Methadon

  1. Günther Wassenaar schreibt:

    man kann nur immer wieder feststellen, dass Alles was aus Hessen kommt von besonderer Qualität zu sein scheint.
    Augenscheinlich hat die gute Frau keinerlei Kenntnisse über die tatsächlichen Verhältnisse in den deutschen Strafvollzugsanstalten. Ich kann dazu einige Ausagen treffen, da ich Strafgefangene des Offenen Vollzugs betreut habe und auch für eine solche Aufgabe mit Strafgefangenen des Geschlossenen Vollzuges gearbeitet habe. In den Haftanstalten wird keine Entzugsarbeit vollzogen. Die Inhaftierten werden sich selbst überlassen. So habe ich einen Gefangenen erlebt, der hat nicht nur gezittert, sondern wie er später von sich selbst sagte der hat gewunken, als Folge des kalten Alkohol-Entzuges. Vom ersten Tag an habe ich die Gefangenen als Menschen betrachtet und sie auch so behandelt. Ich habe ihne per Handschlag Guten Morgen gewünscht und habe mit ihnen im „DU“-Verhältnis gearbeitet, da es umständlich ist, wenn man nebeneinander arbeitet, den Anderen mit Sie anzusprechen. Mag sein, dass das auch in der DDR so üblich war ud auch zum unkomplizierten Umgang miteinander gehörte. Im Geschlossenen Vollzug, ist mir das auf die Füße gefallen. Der beigeordente Bedienstete redete zwar die Häftlinge mit Russe oder Neger an, betrachte mich jedoch als Sicherheitsrisiko, wegen meines menschlichen Umgangs. Daraufhin wurde mir durch die Gefängnisleitung ohne jede Rücksprache der Zugang verboten. Häftlinghe sind als solche zubehandeln – nicht als Menschen – und was versteht man dann unter Resozialisierung?

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Günther

    Danke für Deinen Kommentar. Auch was die Betreuung durch AIDS Hilfen (nicht wenige haben sich aus der Knastarbeit verabschiedet) bzw. externe Drogenberatungen betrifft die eine Teilnahme an einer Therapie nach § 35 in die Wege leiten sollten, liegt einiges im Argen.

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