Die Seele von RTL – „Die Quote“


Die Seele von RTL – Die Quote

In der Betreuungsarbeit muss ich einen mehrfachen Spagat leisten. Auf der einen Seite bin ich für den Erhalt des Kandidatenwohls angestellt, andererseits aber auch dafür, an einer erfolgreichen Produktion teilzuhaben, weil diese auch im Sinne der Kandidaten ist. Beide Punkte widersprechen sich natürlich manchmal, so dass eine Intervention meinerseits notwendig wird. (Quelle pdf Datei)

Nachdem ich mir die letzten Stunden des Tagebuches vom 9.02.2010, in dem die Gespräche aus dem Lifestream von Sky etc. zwischen den einzelnen Bewohnern im BB Haus von div Usern mitgeschrieben wurden, durchgelesen habe, bin ich zu der Entscheidung gelangt den ursprünglichen Artikel den ich geschrieben habe (9.2.2010) zu löschen.

Das Verhalten das Carlos nachdem Harald ausgezogen war an den Tag legte ist, keine Frage, unfassbar. 24 Stunden später beim Lesen der aufgezeichneten Dialoge und Gespräche die Carlos in den späten Abendstunden des 9.02.2010 mit einigen Bewohnern führte, scheint Carlos sich seines Tuns bewußt zu werden.

Vielleicht sollte RTL seine Position noch einmal überdenken und Carlos aus dem Haus nehmen anstatt ihn der Quote zu opfern. Insbesondere auch wegen des Aspektes den ein Kommentator auf dem Blog der DAH das diese sich von diskriminisierenden Äußerungen bei Big Brother distanziert zum Ausdruck gebracht hat. Der Kommentator Kines schreibt:

Danke für die öffentliche Distanzierung von den diskriminierenden Äußerungen, die in den letzten Tagen durch Carlos und Harald in „Big Brother“ gemacht wurden. Ihre deutliche Distanzierung ist überaus wichtig für eine glaubhafte Öffentlichkeitsarbeit für mehr Toleranz.

Doch dem behinderten Sohn der Kandidatin Iris den Tod sowie eine Verschlimmerung seiner Behinderung zu wünschen, ist mehr als eine vorübergehende Entgleisung, für die man sich mit einem Satz in die Runde entschuldigen kann. „Ich werde solche negativen Sachen nicht mehr sagen, ich sage nochmal Entschuldigung vor Allen, ich bedauere was ich gesagt hab.“ Zumal Carlos dies in der Debatte stets darauf bezieht, dass er Iris „eine aufs Maul“ angedroht hat und es ihm leid tut, dass sie Angst vor ihm haben musste. Schlimm genug, aber dies ist im Eifer der Emotionen bei Big Brother alles schon da gewesen. Dafür kann man sich entschuldigen und es liegt an der, die bedroht wurde, ob sie dies annimmt oder auf Schutz durch Big Brother besteht.

Nicht entschuldigt wurde sich von Carlos für die verächtliche Verunglimpfung behinderter Menschen und deren Familien. Kürzlich hatte das Paar bereits gehetzt, dass Iris es verdient hat, ein behindertes Kind zu bekommen. Das zu lesen, hat Mütter von behinderten Kindern bereits entzürnt, weil es alte Tabus und Vorurteile wieder aufleben lässt, die der Vergangenheit angehören. Da mag ich mir gar nicht vorstellen, wie sich der Sohn von Iris fühlt, der die Verfluchung seines Gesundheitszustandes und seines Lebens gestern mit anhören muss.

Hierfür bedarf es einer direkten Entschuldigung bei Iris, Iris Sohn, der gesamten Familie und behinderten Menschen und deren Familien. Hierfür bedarf es der glaubwürdigen Einsicht von Carlos, dass er mit seinem Verhalten genau so gegen behinderten Menschen und ihre Familien hetzte, wie er es für Homosexuelle Paare und HIV-Infizierte in der Gesellschaft verhindern möchte. Ansonsten verkommt der Spot, mit dem die Deutsche AIDS-Hilfe mit Carlos und den BB-Bewohnern für mehr Toleranz wirbt, zur Farce.

Mit freundlichen Grüßen
Kines

Bzgl der Forderung der DAH nach einer Distanzierung, hier hätte sich die DAH im Vorfeld zu der Entscheidung bzgl der Kooperation mit RTL zu diesem HIV Spot über das Paar besser informieren bzw recherchieren sollen.

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5 Antworten zu Die Seele von RTL – „Die Quote“

  1. michèle meyer schreibt:

    es gibt momente in denen frau sich jeglichen repräsentativen aktivismus auf den mond wünscht…

  2. alivenkickn schreibt:

    Ja, das kann ich nachvollziehen 😉

  3. ondamaris schreibt:

    bei allem entsetzen, allem frust, aller ent-täuschung, c. jetzt in grund und boden zu stampfen, wie es an anderen stellen geschieht, halte ich weder für richtig noch weiterführend

  4. alivenkickn schreibt:

    was ich für völlig unangebracht halte ist diese pseudopsychologische betreuung, haltung die rtl öffentlich in der sendung gestern durch das „gespräch zwischen dem psychologen und carlos/iris“ in der zusammenfassung vermitteln wollte. In einer Mail schreibt RTL dazu:

    Als Reaktion auf sein gestriges Verhalten haben wir umgehend reagiert und auf ein klärendes Gespräch zwischen ihm und Iris unter Mitwirkung eines Psychologen bestanden. In einem zweiten Gespräch arbeiteten Carlos und Iris dann ihren Konflikt im Haus auf. Dieser ist weiterhin verzweifelt über seinen Ausraster, versteht sich selbst nicht und wie er so etwas sagen konnte, wobei er doch selbst so krank ist.

    nicht nur in diesem „spot mit dem psychologen“ konnte man sehen das er über sein verhalten verzweifelt war, das ihm sein verhalten bewußt geworden war. menschen sind keine maschinen die funktionieren wie man es voraussetzt, die das tun was man von ihnen will. menschen sind nicht perfekt. dieses „zweite“ gespräch ist erst auf grund der vielen mails der zuschauer die bei rtl nach der sendung vom montag den 8. februar nach dem auszug des partners von carlos eingegangen sind zustande gekommen.
    das was RTL in diesem „zweiten gespräch“ inszenierte war eine öffentliche Gerichtsverhandlung in der man über ihn zu Gericht saß und hatte nicht das geringste damit zu tun was man unter aufarbeitung einer pers krise versteht. eine krise beinhaltet immer auch eine chance für den menschen. ein therapeut weiß das und arbeitet darauf hin. die gleiche grenzüberschreitung die man carlos vorhält muß sich auch rtl vorhalten lassen. dies gilt ganz besonders für diesen sogenannten psychologen.

    das man – die teilnehmer – sich im vorfeld über das format hätte im klaren sein müssen, . . .hätte hätte hätte liegt im bette

    rtl wäre gut beraten Carlos in dieser Krise mit kompetentem psychologischem Beistand zur Seite zu stehen und ihn zu seinem eigenen schutz aus dem haus zu nehmen anstatt ihn der Quote zu opfern.

  5. michèle meyer schreibt:

    mehr als schade um die verpasste gelegenheit bilder einmal selbst zu bestimmen, an festgefahrenen vorurteilen zu knabbern und sie aufzuweichen, wegzufegen…von mir aus.
    schade. ich denke es war in der anlage der ganzen geschichte schon eine vorahnung.
    mich ärgert es für die bewegung. ich denke, dass ein format wie big brother denkbar ungünstig ist für identity politics. weil es alle fallen und hürden und gratwanderungen noch verstärkt. ohne guten boden und rückhalt schlicht nicht zu prestieren.

    repräsentieren heisst immer auch sich privatsphäre zu wahren, weil du als person zwar inhalte vermittelst/transportierst aber du bist nicht der inhalt. wo kannst du das bei bb?

    hinzu kommt dass die beiden zuwenig übung haben und wenig positionen. das ist wohl etwas, dass ich aus meiner politischen sicht der dinge, ihnen vorwerfe.

    ich weiss wie dünn die luft sein kann, gerade als repräsentanten, aber wenn die position, die ich bis jetzt sehen kann, auch noch verrutscht wie ein zu grossses hemd in aller öffentlichkeit, dann ist das beschämend für diejenigen selbst und spürbar fehl am platz.

    schade um die beiden, eigentlich…

    das thema HIV und AIDS kocht in deutschland heiss und hoch, spätestens seit michael stich. da sind wirksame emphatische bilder notwendig. und das zu tragen und transportieren ist kein kinderspiel.

    ich frage mich : was nun? wie weiter in der community?
    schwierig wenn sich die dah distanziert.
    jedenfalls ist es ganz schlecht, wenn sich menschen mit hiv/aids nicht von c&h vertreten lassen wollen. und da stecken sie jetzt in schwierigkeiten. und „wir“ damit. …

    mir scheint es ist eine knacknuss für die erstarkende bewegung in deutschland, die etwas trennendes nicht gerade gebrauchen konnte.
    was nun?

    (und nein, es geht mir nicht um’s verurteilen. aber genauso wenig mag ich darüber hinweg gehn und c&h nur als opfer sehn.)

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