HIV im Alltag – Teil 3 – Arztbesuche (akt 41)


Die hier eingestellten kurzen Texte sind eine Sammlung von Erfahrungen mit Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV/AIDS die sie während ihrer Zahn-/Arzt/Krankenhausbesuche erlebt haben. Da es sich um einen „Ongoing Prozess“ handelt werden solche Erfahrunge mit der Zeit zunehmen. Leider.

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Juli 2014

Wurde Gestern am linken Auge operiert (graue Star) und musste drei Stunden im Wartesaal verbringen. Irgendwann fiel die Schwester keine Ausrede mehr ein und gestand, dass in meinem besonderen Fall, ich als Letzte dran bin (wegen erhöhtem Aufwand). Unabhängig von meinem „Zustand“ , handelt es sich um eine OP ohne Blutkontakt. Ich hoffe doch, dass alle Patient/-en/innen mit der gleichen hygienische Sorgfalt behandelt werden..

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Juni 2013

Ich habe nach meiner Infekktion den Bogen auch wahrheitsgemäß ausgefüllt, worauf mein Zahnarzt für die Ehrlichkeit bedankt hat. Daraufhin habe ich auch den letzten termin des Tages bekommen. Der Grund dafür ist eine Vorschrift die besagt, dass der Behandlungsraum nach einer Behandlung eines HIV- Patienten komplett desinfiziert werden muss. Da die Desinfektion am Ende des Tages sowieso durchgeführt wird, ist es ja durchaus verständlich, dass man als HIV- Patient den letzten Termin bekommt.

Soviel zum Thema Diskriminierung.

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Ich habe auch ungute Erfahrungen gemacht. Bei meinem langjährigen Zahnarzt habe ich von mir aus über meine HIV Infektion erzählt. Ich sehe heute noch das erschreckte Gesicht der Helferin vor mir. Der Zahnarzt hat mich mehr oder weniger aus der Praxis hinauskomplementiert. Ich habe mir einen anderen Zahnarzt gesucht. Meine HIV Infektion habe ich nicht erwähnt, ich werde das auch nie wieder tun.

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Ich habs auch Wahrheitsgemäß bei meinen Zahnarzt angeben, hab ja zum glück selten Zahnprobleme – so hab ich eigentlich keine Probleme, er hatte mich zwar auch gebeten, falls Behandlungen nötig sind wie „richtig blutig sind“ also mehr als Kontrolle oder mal ein löchlein flicken möglichst auch die letzen Termine zu nehmen – aber damit hab ich ehrlich gesagt kein Problem.

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„Wollen Sie uns hier alle anstecken?“ Mit diesen Worten reagierte ein Kieferchirurg aus Potsdam, nachdem ein HIV-positiver Mann in der Praxis einen Hustenanfall bekam. Der Chirurg operierte nicht mehr weiter und sagte seinem Patienten, dass er nicht mehr wiederkommen solle. Ein Ausnahmefall, eine seltene Entgleisung – sollte man denken.

Dass dem nicht so ist, wurde im Workshop „Diskriminierung, Arbeit und Stigma“ deutlich. Vorgestellt wurden Ergebnisse des Projektes „positive stimmen“ und einer weiteren Untersuchung, die von der Deutschen AIDS-Hilfe 2012 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Zahlreiche Befragte haben schon übertriebene Schutzmaßnahmen, wie unübliche Schutzkleidung oder demonstratives Desinfizieren erlebt. Schlimmer noch: Einem Fünftel der Befragten bei „positive stimmen“ wurde schon einmal eine Behandlung verweigert. Besonders oft ist das in Zahnarztpraxen und in Krankenhäusern vorgekommen. Quelle: Hier

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Februar 2013 

Beim Zahnarzt in einem Siegener Stadtteil wurde sie nicht behandelt. Für eine lebensbedrohliche Not-OP wurde Monika Fischer 2007 nach Marburg geflogen, weil kein Siegener Krankenhaus sie aufnehmen wollte. Quelle: DerWesten.de

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Januar 2013

In einer Deutschen Großstadt in einem Krankenhaus. Ein Patient mit erheblichen Durchfallproblemen wird in ein KK eingewiesen. Da er mit seiner HIV Infektion nicht hinter dem Berg hält, weist man ihm ein Zimmer auf einer Isolierstation (unter Quarantäne) zu. Tags darauf nimmt man ihm Blut ab. Der Arzt der ihm das Blut abnimmt erscheint. Kleidung; Schutzbrille, Mundschutz, Handschuhe, OP Schürze.

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ich war am 16.11.12 blutspenden und am 20.11.12 erhielt ich post das ein auffälliger befund in meinen blut festgestellt worden ist. ich bekam auch nen anruf das ich am nächsten tag unbedingt vorsprechen soll. Dies habe ich getan.

ich wurde aufgerufen und begab mich in zi.1.
Ich setzte mich hin und erhielt folgende Nachricht:
Herr….. Sie haben eine Infektion…. Es handelt sich hierbei um HIV und Syph…..
Daher müssen wir nochmal 4-5 röhrchen blut nehmen um auf nummer sicher zu gehen.

Ich brach in tränen aus und die ärztin sagte blöd: Das ist ihnen wohl neu.Haben sie wohl nicht gewusst!
! ich sagte nein das ist mir unerklärlich.

Dann musste ich zettel unterschreiben das ich aufgeklärt wurden bin und sie sagte ich wurde schon ans Gesundheitsamt anonym. gemeldet.

Sie sagte es kann selten auch vorkommen das der Befund nicht zu meinen Blut gehört ist aber unwarscheinlich gering.

Sie ging mit mir möglichkeiten durch woher ich es haben könnte und ich musste ihr sagen das ich weder häufig wechselnde geschlechtspartner etc habe. zumal ich verheiratet und 2kids.

Sie gab mir noch adressen wo ich mich hinwenden soll und am dienstag ruft sich mich an sobald laborergebnisse da. Sie nannte mir aber keine werte nichts.

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Ergebnisübermittlung eines HIV Test . . . Interessanter Ablauf aber auf alle Fälle bis dahin. Ich komme in den Raum, setze mich hin. Die gute Frau lässt sich meine Nummer geben und antwortet direkt „Okay, ihr Ergebnis ist negativ. Haben Sie noch Fragen?“ Ich so: „Ja, können Sie mal nachsehen in den Unterlagen, denn ich hatte einen positiven Heimtest gehabt…“. Gute Frau steht auf, zieht den Ordner vom anderen Schreibtischende rüber, blättert und meint dann „Oh, dann war das ein anderer Test. Schauen wir uns ihr Ergebnis mal zusammen an“. War dann entsprechend – wie von mir erwartet – positiv. Hat mich dann noch bisschen bemitleidet und mir erzählt, dass das nicht das Ende des Lebens ist

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Ein Arzt – ein Internist oder allgemeinmediziner in einer Rehabilitationsklinik meinte, als ich auf die Frage “ Wie geht es Ihnen, mit der Antwort “ gut “ danke antwortete, …….. Herr.xy Ihnen kann es nicht gut gehen – sie sind HIV+ – warum sehen sie das nicht endlich ein – dass sie schwer krank sind…… ( ich brach innerlich zusammen) wo ich mich doch immerhin gut fühle……

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schmerzhaft heute im WVZ Bremen erlebt. weil ich HIV + ( positiv ) bin reinigt sich der Prozess ( „.. der stirbt eh bald ) . …gehen sie doch woanders hin…….wörtlich

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Hatte heute mal wieder nen richtigen BAD DAY. nachdem ich die halbe nacht vor zahnschmerzen an der decke hing, konnte ich glücklicherweise einen nottermin beim arzt ergattern. blöd wie ich anscheinend bin, hab ich den anmeldebogen wahrheitsgetreu ausgefüllt, natürlich meine 10 euro abgedrückt und mich ins wartezimmer gesetzt. kurz danach haben die mich dann aus der praxis geworfen(mitsamt meinen 10 euro) mit der begründung, daß sie „solche“ leute nicht behandeln.
das kann doch echt nicht wahr sein. eine runde heulen auf der straße und weiter zum nächsten. weil das ja so einfach ist, so kurz vor weihnachten^^ nun, immerhin will der mich behandeln….aber erst am abend, als letzte….der hat echt angst, daß ich ihm die praxis verseuche. das sei eben anweisung vom gesundheitsamt. ich hab mir dann verkniffen, ihm zu erklären, wo er sich anständig informieren kann, ich will doch nur diese elenden zahnschmerzen behandelt haben.
also erstmal voller wut das gesundheitsamt angerufen und mich beschwert, das hat den typen echt voll interessiert. hauptsache am 1.12. das rote schleifchen angesteckt…………ahhhh, ich könnt kotzen

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Ich hatte das *Vergnügen* von einem Zahnarzt wegeschickt zu werden. Obwohl er informiert wurde und mich zuerst auch behandelt hat, hat er mitten in der Behandlung gesagt er könnte nicht mehr weitermachen. Angeblich habe sein Labor gefragt ob er denn Lebensemüde wäre in seiner Praxis die nicht für solche Patienten ausgerüstet wäre zu behandeln. Er erklärte er müsste sich anziehen wie ein Marsmensch um sich und seine Helferinnen zu schützen und das wäre in seiner kleinen Praxis nicht möglich. Ich hab geschluckt und als ich aus der Praxis raus war hab ich geheult wie eine Blöde. Dieser Zahnarzt kennt mich seit etlichen Jahren und nun???

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Hallo, ich kann euch auch ähnliches von der Zahnarztpraxis aus Köln berichten, denn dort wurde mir ganz klar und ich habe es auch schriftlich bekommen dass ich nur abends Termine bekommen kann aufgrund meiner Erkrankung !!! Aber dass schlimmste war ich habe den nächsten Termin abgesagt in dieser Praxis weil ich mit einem solchen Drecksladen nichts zu tun haben möchte. Die aber behaupteten ich hätte den Termin nicht abgesagt, obwohl ich persönlich dort war und habe abgesagt und muss jetzt 98 € bezahlen. Die gingen eiskalt vor Gericht und es wurde dann so begründet ich hätte nicht genug bewiesen von meiner Seite her, dass ich den Termin abgesagt hätte.
Wo leben wir eigentlich dass ich mir als positiver selbst auch in einer Stadt wie Köln alles bieten lassen muss. Ich kann gerne jedem der dass möchte die Unterlagen zeigen wo es drin steht dass ich nur abends behandelt werden kann. Ich warne jeden eindringlich vor dem Besuch dieser Praxis in Köln.

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Ich war heute beim Zahnarzt.. nach sehr langer Zeit, 3-4 Jahre war ich schon nicht mehr Ein Grund auch wg. HIV und den Horrorberichten die ich las..

Nachdem ich lange überlegt habe ob ich es den Zahnarzt sage, hab ich mich dafür entschieden. Hab auch hier oder in anderen Foren gelesen, dass Offenheit wichtig ist, man damit normal umgehen soll usw.
aber naja wie soll ich sagen, der Termin lief leider nicht so gut..
Bin in die Praxis gekommen, habe den Ausfüllbogen wahrheitsgemäß ausgefüllt und dann ins Wartezimmer gesetzt..
Der Zahnarzt den ich mir gesucht habe, war nicht wirklich so freundlich, was ansich ja nicht so schlimm ist.. Aber ich habe irgendwie eine Unsicherheit gespürt.. dachte das ist vllt. Einbildung..
letztlich muss einiges gemacht werden.. Ich hab 3 Folgetermine bekommen, aber er hat dann gesagt ich muss die Termine als letztes bekommen, also wenn keine mehr in der Praxis ist..
den ersten Termin habe ich nun, trotz Schmerzen, erst in 4 Wochen!!!
Immer Abends so um 19 Uhr!

Ist das gerecht? Ist das diskrimminierend???
Ich fühle mich wieder total schlecht und ekle mich vor mir selbst..
Oder reagiere ich gar über?? Wie seht ihr das?

Sorry für die verwirrten Worte, bin grad total neben der Spur…

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Letzten Freitag ist mir ein Zahn abgebrochen. Da am Donnerstag Feiertag war, also der Freitag ein „Fenstertag“, musste ich mich an das Zahnambulatorium wenden (in Österreich eine Einrichtung der gesetzl Krankenkasse, die auch für Notfälle, bzw. wenn der eigene Zahnarzt auf Urlaub ist, zuständig ist). Ich also hin zur dortigen Anmeldung. Erstmal: Fragebogen ausfüllen. Dort geht es um etwaige Blutverdünnung, Unverträglichkeiten, Vorgeschichte ect.
Eine Frage lautete: leiden Sie an einer Immunschwäche. Die Frage beantwortete ich wahrheitsgemäß mit „ja“. Nach genauerer Erörtung wurde in dem Bogen nicht gefragt.
Und dann noch „Welche Medikamente nehmen Sie“. Meine Antwort: Truvada, Kaletra.
Nach 1 Std. im Warteraum wurde ich aufgerufen. Ich nahm auf dem Zahnarztstuhl platz, bekam schon das niedliche Lätzchen umgehängt, Arzt und Gehilfin sehr freundlich. Nach meinen Problemen gefragt. Arzt stülpt sich seine Handschuhe über. Dann kommt eine Zwischenfrage der Gehilfin: „Was sind das für Medikamente, die Sie einnehmen?“
„Ich bin HIV positiv. Das Sind HIV- Medikamente“.
Folgendes geschieht:
Der Zahnarzt guckt zur Gehilfin, sie guckt ihn an.
Er: „Na dann“, zieht sich die Handschuhe aus, die im Mülleimer landen.
„Liebe Herr ……. . Es tut mir zwar leid, dass sie jetzt warten mussten. Dennoch muss ich sie bitten, um halb zwölf, also am Ende der Behandlungen, wiederzukommen. In diesem Fall müssen wir nämlich spezielle Vorkehrungen treffen. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, bitte ich sie, dies das nächste Mal gleich bei der Anmedlung bekannt zu geben. Es tut mir wirklich leid. Vielleicht haben Sie ja in der Zwischenzeit etwas zu erledigen. Also dann bis halb zwölf.“
Ich nahm also mein Lätzchen wieder ab und stieg aus dem Folterstuhl.
Verärgert, gedemütigt und wütend verbrachte ich die zwei Stunden erstmal in der Stadt, kippte vor Machtlosigkeit zwei Bierchen. Dann um halb zwölf musste ich dort noch eine halbe Std. warten, wurde dann behandelt. Mit dem einzigen Unterschied, dass sich Arzt und Gehilfin zusätzlich zu dem ohnehin üblichen Mundschutz und Handschuhen OP- Kittel überzogen.
Aber eines: der Arzt hat mir wenigstens jedes Mal die Hand gegeben

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Gerade bei Zahnärzten habe ich da schon ganz üble Erfahrungen gemacht. Mir ist es schon passiert, dass ein Zahnarzt bei mir eine Schmerzbehandlung durchgeführt hat und mir klipp & klar gesagt hat, dass ich mir für die Weiterbehandlung einen anderen Zahnarzt suchen soll, da er nur eine kleine Praxis habe, den Raum dann „ruhen“ lassen müsste und nebenbei auch nicht wolle, dass andere Patienten vergrault würden (nun ja, wenn in dieser Praxis natürlich die Papier-Akten auf dem Tresen liegen gelassen werden, wo ganz fett und mit Textmarker hervorgehoben „HIV+“ drauf steht, kann so etwas natürlich passieren )

Ein anderer Zahnarzt hat mich immer zum Ende der Sprechstunde bestellt und jeder Schmerzpatient, der ohne Termin kam, wurde vor mir behandelt… also mittlerweile habe ich so etwas wie eine Zahnarzt-Allergie.
Mein jetziger hat mich darum gebeten, es nicht publik zu machen, dass er „solche Leute wie mich“ behandelt…

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Patient mit einem äußerlich sichtbaren bereits diagnostizierten NHL unter der Achsel (wohl richtige Beule mit mehreren cm Durchmesser) wird von einem Arzt in der Facharztausbildung (zum Chirug) einen Tag vor der OP noch mal äußerlich (!!!!) in der Achsel abgetastet …. und zwar …. mit doppelten (!!!) Gummihandschuhen! Ist das nicht wunderbar. Soviel Sorge!
All dies und noch viel mehr begründet das Notwehrrecht der Positiven, ihre Infektion nicht offenbaren zu müssen. Sie sind in zahlreichen Situationen geradezu gezwungen, es zu verschwiegen, um überhaupt adäquat medizinisch (und auch anders) versorgt zu werden.

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als letztes dran kommen das kann ich bestätigen. bei meinem kieferchirug und zahnärztin bekomm ich auch immer nur mittwochs oder nach praxsis schluss nen termin. nachdem ich gefragt habe hat man das mir so erklärt das es eben bei hiv patienten anschliesend anderst desinfiziert werden muss wie bei nicht positiven. komische erklärung ist aber so. genau wie die zahnärztin die mit der aidshilfe zusammen arbeitet und mir zb eine zahnentfernung nicht in ihrer praxsis macht weil sie die notwendige hygiene nicht gewährleisten kann. deswegen sollte ich zum kieferchirug in die klinik

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Angst vor uns? Also bleibt uns nur die eine Möglichkeit . . . Unehrlichkeit und Schweigen und Verstecken???

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Wie wenig sogar Ärzte manchmal aufgeklärt sind, zeigt mir das Verhalten meines Zahnarztes. Ich habe ihn darüber informiert, dass ich positiv bin, damit er die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen ergreifen kann – für ihn und für mich. Aber er wollte mich dann nicht mehr behandeln, weil er seine Patienten und seinen Ruf gefährdet sah!

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Termin Proktologie:

Einen Termin hatte ich um 13 Uhr. Fragebogen ausgefüllt. HIV mit ja beantwortet. Wann kam ich dran? Um 16 Uhr. Warum? Weil man mich zuletzt drannehmen musste zwecks Desinfizierung des Raumes.

Termin Augenarzt:

Auch hier den HIV Status mit positiv beantwortet. Ich kam wegen einer vermutlichen Bindehautentzündung. In das Behandlungszimmer rein, erwartete mich ein alter dummer blöder Schnösel, mit doppeltem Mundschutz und bestimmt 5 fach handschuhen. Aus 3 Meter Entfernung leuchtet er mir mit einer Taschenlampe ins Auge und sagte: Ja, ist ne Entzündung der Bindehaut.
Zu guter Letzt, wurde mir beim Verlassen der Praxis von der Sprechstundentante mitgeteilt, dass man mich im Übrigen nicht als Dauerpatient aufnehmen kann, da man absolut ausgelastet sei.

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Letztes Jahr als ich mit den Medis anfing, hatte ich einen Termin bei meiner Hausärztin; sie ist Allgemeinmedizinerin und Internistin. Ich erzählte ihr, dass es mir übel ist mit den Medis (das war die ersten zwei Monate so, jetzt ist es vorbei). Ihre Frage: „Wie lange müssen Sie denn die Medikamente nehmen?“ hat mich fast vom Stuhl gehauen. Habe mittlerweile einen anderen Hausarzt.

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Der Hals-Nasen-Ohrenarzt ruft meinen Namen auf, ich gehe ins Untersuchungszimmer. Er wirkt nett und fragt mich was er für mich tun kann. Ich deute auf meinen Hals und erzähle ihm von meinen Mandeln. Er schaut sie sich an und sagt, dass sie gerötet und vernarbt sind: Ihre Mandeln sehen so aus, als hättest du über Hundert! Mandelentzündungen gehabt! Der Schlag sitzt tief, mein Adrenalinspiegel steigt. Mein Hals kratzt, ich muss husten, Bloß nicht in seine Richtung denke ich mir! Er ahnt nichts von meiner Krankheit, erzählt, dass er mir Penicillin verschreiben will. Penicillin, dieses Wort begleitet mich seit einem halben Jahr. Seit dieser Zeit musste ich das immer wieder zu mir nehmen- ohne große längerfristige Wirkung. Wenn das Penicillin nicht anspringt, müssen ihre Mandeln leider raus. Wir testen das Penicillin zwei Wochen lang, dann kommst du wieder. Blitzschnell drückt er mir eine Liste von Krankenhäusern in die Hand und erzählt mir wie viel Prozent seiner Patienten auf welches Krankenhaus gingen.

Ich überlege nicht lange, das ganze geht mir zu schnell, ich beschließe ihm alles zu sagen. Plötzlich erhebt er sich vom Stuhl, seine freundlichen Mundwinkel sinken zusammen, er schaut mich ernst an und verlässt eilig das Behandlungszimmer, ruft eine Arzthelferin herbei und flucht: Wo steckt du? Komm her! Er hat HIV! Die Tür zum Wartezimmer ist offen. Mein Herz rast. Erlebe ich diesen Moment wirklich oder ist das nur ein böser Traum. Nein, es ist wahr, kein Traum! Er betritt das Untersuchungszimmer wieder. So eine Scheiße! brüllt er. Ich schmeiß dich heraus! Du hättest sagen müssen, dass du das hast. Ich schaue zur Tür, die noch immer geöffnet ist. Draußen sitzen die Patienten und werden ungewollt zeugen. Können Sie die Tür nicht schließen?, flehe ich. Nein, das werde ich nicht! Ich rufe die Polizei und du bekommst eine Anzeige. Du wirst so ein Ärger bekommen. Ich mach dich fertig! In dem Moment stehen meine Gedanken still. Er schließt endlich die Tür, desinfiziert schnell seine Hände. Meine Arzthelferinnen sind dazu da, um mich zu schützen. Ich hätte dich nie so einfach untersucht, wenn ich das gewusst hätte. Komm, vergiss die Anzeige und verschwinde, sagt er dann. Ich werde allen Ärzten erzählen, dass du HIV hast und dass sie sich vor dir in Acht nehmen müssen! Ich begriff die Welt nicht mehr, ich verlasse das Untersuchungszimmer, gehe in das Wartezimmer und ziehe meinen Mantel an, ohne auch nur ein Blick in die Gesichter der Arzthelferinnen oder der Patienten zu werfen. Am liebsten wäre ich davon gerannt, ich fasse all mein Stolz zusammen und tue so, als ob nichts gewesen wäre. Ich lasse mir Zeit beim Anziehen. Ich öffne die Praxistür und gehe hinaus, ohne mich umzudrehen und auf Wiedersehen zu sagen. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie ich mich in dem Moment gefühlt habe. Glücklicherweise habe ich hinten keine Augen, so blieb mir der Anblick der Reaktionen von den Patienten erspart. Schlimmer, als das, was sich in meinen Gedanken abspielte, konnte es nicht sein.

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Ich bin ja immer sehr ehrlich, was die Infektion angeht, da ich finde, wenn jemand davon weiß, kann er besser damit umgehen, besonders im medizinischen Bereich!
Ich sitz also so im Wartezimmer rum, werde aufgerufen, setz mich auf den Stuhl, der übrigens voll bequem ist und warte auf den Arzt. Als er kommt, erkläre ich ihm, dass ich seit einigen Monaten HIV-Positiv bin und ihm das aus dem Grund erzähle, dass er dann besonders auf die Hygienevorschriften achtet um sich selber und andere Patienten nicht zu gefährden.

Er fand das leider nicht besonders toll, reagierte sogar sehr aggressiv und schnauzte mich an, warum ich ihm das nicht vorher gesagt hätte und das er keine Lust habe sich solch einer Gefahr auszusetzen. Im Endeffekt habe ich dann die Praxis Wortlos verlassen, hatte keine Lust mit einem „Arzt“ zu diskutieren, der eientlich wissen müsste, dass bei Einhaltung der gängigen Vorschriften keine Gefahr besteht, andere anzustecken. Als ich den Behandlungsraum verlassen habe, ist auch direkt eine Arzthelferin hinein geeilt um alles zu desinfizieren!

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einen Patienten der mal wegen was nicht HIV assoziiertem aus der Grosstadt auf Besuch Besuch kam und wegen einer akuten Erkrankung stationär behandelt wurde, hatte man im Einzelzimmer isoliert da er HIV hatte (unter Behandlung mit Atripla, auch unter Nachweis). Warnung am Montag bei Dienstantritt: Vorsicht, der ist HIV-positiv….

Ich also rein in das Isolationszimmer, der erste nichtvermummte im KH den er sah!!!!! und ihm ohne Gummihandschuhe Blut abgenommen (die schützen eh nicht vor ner Stichverletzung, alles übertrieben!!!)…..
Was sagt er zu mir: Wissen sie nicht dass ich HIV habe, warum schützen sie sich nicht wie alle anderen, der war total perplex über mein tun….

In den meisten Praxen und Kliniken gibts noch das berühmte rote HIV-POSITIV vorne auf der Akte, wenn ich sowas wo sehe ist mein Patientendasein dort beendet

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. . . . . hat meine Karteikarte bei meinem Zahnarzt eine „rote Ecke“. Das ist durchaus woertlich gemeint, einige Karteikarten sind dort so gekennzeichnet. Die „Patienten rote Ecke“ (O-Ton) bekommen nur Termine direkt vor der Mittagspause, oder direkt vor Feierabend. „Weil ja der ganze Behandlungsraum gruendlich sterilisiert werden muss“ (woertlich auf meine Nachfrage)

Bei meinem Hausarzt ist es aehnlich – fernmuendlich vorbestellte Rezepte und Ueberweisungen werden mir nach draussen gebracht, damit ich dafuer nicht extra in die Praxis kommen muss (natuerlich nur zu meiner Bequemlichkeit)

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Aus kaufmaennischer Sicht kann ich diesen Arzt gut verstehen. Bei der weit verbreiteten Ansicht ueber HIV/ AIDS muesste der Mediziner wohl zurecht fuerchten Patienten zu verlieren wenn diese denn wuessten, dass sie neben einem AIDS Kranken im Wartezimmer des Arztes sitzen muessten. Schon solche Geruechte wuerden m.E. einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden fuer ihn verursachen. Also haelt er mich -im verantwortbaren Rahmen- von jedem Kontakt mit seinen anderen Patienten fern. Ich sehe mich ausser Stande, ihm das uebel zu nehmen – der Mann muss auch leben.

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Das letzte, was ich erlebt habe: In Krankenhaus habe ich auf meine Armmanschette einen roten Punkt geklebt bekommen. Um mich als HIV positiv zu identifizieren. Allergiker bekommen blau, HEP C grün usw. Nur haben sie mir das Teil auch noch auf das Bett geklebt und da hört es bei mir auf. Vorher ein Riesentheater um den Datenschutz machen und dann überall Punkte hinkleben. Also auf zur Beschwerdestelle.

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ein patient der nächste woche ins krankenhaus soll sagte das er sogar einzelzimmer bekommt.“ es sei wegen hiv und einer ausgeheilten hep a + b. die offizielle begründung des arztes sei: wegen der ansteckungsfgefahr“. bei solchen leuten weiss man ja nie. . . . .

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Nachdem ich nun endlich einen Termin hatte geriet ich an eine Ärztin die aus Weißrussland kam und die sich geweigert hat, mir Blut abzunehmen. Es kam zu einem riesigen Eklat und ich machte einen Aufstand, der seines gleichen sucht. Ich war so verzweifelt, genvert und fühlte mich ungerechtfertigt behandelt. Ich habe dort rumgeschrieen wie blöd und zu guter letzt hat man die Ärztin gezwungen mir Blut anbzunehmen, was sie wirklich unter Tränen der Verzweiflung dann auch getan hat.

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Mir hat es schon gereicht, als ich mit den angeblichen „Hämorriden“ zum Chirurgen ging und der zu mir sagte “ Herzlichen Glückwunsch. Dass was sie da haben sind keine Hämorriden sondern Condyloma Akumitata“ DAS BEKOMMEN NUR SCHWULE.

Schon da ist für mich eine Welt zusammen gebrochen!!

Und so wie ich das hier wo ich wohne sehe, ist die Kategorie Schwul/Homo/Lesbisch kein Mensch mehr!! So komme ich mir auf jeden Fall vor, wenn ich die Kommentare schon alleine von den Ärzten höre. Ich habe schon gar keine Lust mehr jetzt noch zu einem Arzt zu gehen der hier oder in der Umgebung ein „HIV Spezialist“ sein soll.

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Ich hatte eine Woche lang Fieber und habe dem Arzt gesagt (nachdem unzählige Untersuchungen zu keinem Ergebnis führten) dass ich auf eigenen Wunsch nach Hause möchte, da ich der Überzeugung bin, dass ich dort schneller gesund werde (was ich auch wirklich so sah und der Fall trat auch 2 Tage nach Entlassung ein).

Der Arzt meinte nur: „Mosern sie nicht über Fieber, sie sind selber Schuld das durchzumachen, habe ich ohne Kondom Sex gehabt, oder Sie“?

Wohlgemerkt: Er hatte mich NICHT vorher gefragt auf welchem Wege ich mich infiziert hatte, was ihn auch gar nichts angegangen wäre. Und gemosert habe ich auch nicht, lediglich angemerkt.

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Da kam einmal ein Arzt ins Krankenzimmer in das ich wegen eines Abzesses verlegt wurde. Der sehr unfreunliche Oberarzt kam ins Zimmer geschossen und fragte den völlig eingeschüchterten Pfleger, was „die , mit ihrem Dreck“ hier zu suchen hätte

Ich fühlte mich schlecht und schuldig, als ich auf den Flur geschoben wurde und dort einen ganzen Tag verbrigen musste…

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mein arzt hat auch in meiner überweisung dick fett drauf geschrieben HIV . das passte mir gar nicht. ich sprach ihn drauf an und er meinte nur “ er müsse seine kollegen doch warnen das sie sich schützen können, denn wenn ich es nicht sage kann ich in knast kommen“ ich sagte ihm das ich es selber in der hand habe es zu sagen oder nicht zu sagen, er meckerte mich darauf an und sagte das sei nicht wahr er muss es drauf schreiben .

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Ein Chirurg der bei einem HIV Positiven einen Eingriff vornahm, beschwerte sich während des Eingriffes darüber, dass er wegen Leuten wie ihm Sondervorkehrungen im OP treffen muss. Auf die Frage, ob er denn öfters HIV infizierte Menschen behandeln muss, antwortete er:

„Ja, es hat sich im Internet herumgesprochen dass wir auch Jehovas Zeugen und HIV Positive kathederisieren und nun kommen sie alle angekrochen.“

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Ein anderer HIV Positiver der im Vorfeld einer OP dem Chirurgen mitteilte das er vor dieser OP Angst habe antwortete der Chirurg das „er – der Chirurg – vor dieser OP mehr Angst habe müsse da er sein Leben aufs Spiel setzen würde weil er einen Patienten der HIV+ ist operieren müßte.“

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Nachdem ein Augenarzt auf meiner Akte einen gelben Zettel mit der fetten roten Aufschrift „HIV +“ gesetzt hat und ich meine Mappe bei der Sprechstundenhilfe liegen sah, wurde mir ganz anders. Bei der Behandlung hat er mich dann auf alle möglichen erhöhten Risiken hingewiesen, mit denen ich nun leben müsse.
Klar, dass ich da niemals wieder hingehe. Ich habe mir gedacht: Ok, ein Landarzt in der flachen Einöde, der hat eben keine Ahnung. Aber darf das wirklich als Entschuldigung für sein Handeln dienen? Ich denke ganz klar NEIN!

Trotzdem fehlt mir der Mut bzw die Kraft mich dagegen aktiv zur Wehr zu setzen. Wir alle wissen ja, auf welche Resonanz wir stoßen können, wenn wir mit den bösen drei Buchstaben HIV ankommen. Ich würde mir wünschen ich hätte den Mut mein zweites „Coming out“ hinzulegen, aber die Angst vor Ablehung und Ausgrenzung ist in mir zu stark. Das Bild, dass in der Öffentlichkeit von uns vorherrscht, schüchtert mich so sehr ein, dass ich klein beigebe.

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Als ich einmal in einer Uni-Klinik war, in einer Stadt die immerhin eine schwule Hochburg mit vielen HIV-Positiven ist, hat der behandelnde Arzt bei einem kleinen ambulanten Angriff zwei paar Gummihandschuhe angezogen und ist kurz vor dem Angriff geradezu blass geworden als er die drei Buchstaben in meiner Akte gesehen hat.

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Nicht nur in Hessen, auch in Schleswig-Holstein gibt es Zahnärzte, die Probleme mit HIV/HCV haben. Meine Anfrage, ob eine Behandlung möglich ist, wurde mit einem „lieber nicht“ beantwortet.

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Ich habe es selber vor drei Wochen noch bei einem Zahnarzt erlebt, er hat mich zwar behandelt, aber mit „Drei“ paar Handschuhen übereinander und nach meiner Behandlung wurde das Behandlungszimmer geschlossen für den Rest des Tages mit dem Hinweis aufr nötige spezielle Desinfektionsmaßnahmen.

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Als ich im Behandlungszimmer war, war oben an diesem Lichtteil ne Menge Blut. Ich kam auch immer als letzter dran, weil die ne Sonderreinigung machen müssen! Ist schon alles seltsam. Als ich den Zahnarzt auf das Blut vom Vorgänger aufmerksam gemacht habe, hieß es es wird doch gleich gründlich desinfiziert und er müße mich nicht behandeln, sondern es stände ihm frei! Geh da nicht mehr hin.

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Eine Kollegin zu mir in der Chirurgie, Implantologie: Man, wir haben gleich einen Patienten auf dem Stuhl, der is ja total verseucht…hat HB und Aids. Da ziehe ich mir ersteinmal 2 paar Handschuhe an und am liebsten wäre mir es diese Patienten würden als letzter in die Sprechstunde kommen, kannst ja nix mehr benutzen im Zimmer und muss alles doppelt desinfiziert werden.
Gut, dazu kommt, daß der Ton die Musik macht und sie den Unterschied zwischen HIV und Aids gar nicht kennt. Ich saß daneben und mußte erst einmal Schlucken….

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Als später das Ergebnis feststand hat es mir die Ärztin in einem extra Raum gesagt, einfach ganz schnell. Sie sagte auch, dass AIDS heutzutage herausgezögert werden kann, aber trotzdem irgendwann zum Tode führt. Das war alles. Das nächste war, dass sie mir sagte, dass ich schon am nächsten Tag in eine Spezial Klinik verlegt werde. Nach dem Gespräch wurde ich von allen Schwestern und Pflegern nicht mehr „normal“ behandelt, sondern wie jemand der durch Berührung anstecken könnte und das obwohl ich keine offenen Wunden hatte.

Die Eindrücke im Krankenhaus haben mich schon fertig gemacht. Ich musste Erleben wie ich nicht mal mehr ohne Handschuhe berührt wurde und die Schwestern und Pfleger mir aus dem Weg gingen. Beim Blutabnehmen wurde teilweise zwei Paar Handschuhe übereinander getragen. Als ich dann mit dem Feuerwehrtransport in die Spezial Klinik gebracht wurde, hat die Ärztin extra nochmal mitten im Krankenhausflur gesagt, der Patient ist HIV positiv. Auch auf den Papieren stand extra drauf „Achtung HIV“. Die Sanitäter hatten sich dann sogar die Handschuhe angezogen als sie meine Tasche getragen haben. In der Spezial Klinik lief alles sehr gut und ich wurde wieder wie ein Mensch behandelt.

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Bekomme demnächst eine Kiefer OP. Sagte dem Chirugen das ich hölliche Angst habe. Er meinte er müsse ja mehr Angst haben, er setze ja sein Leben aufs Spiel weil er mich Operiert obwohl ich HIV+ bin. 3 andere Chirugen haben mich auch abgelehnt.

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ich habe es mir abgewöhnt, bei Arztbesuchen etwas über meine HIV Infektion zu sagen, denn ich kann nur sehr schlecht mit der dann plötzlich auftretenden „Der hat Aids – mit dem wollen wir nix zu tun haben – hinterher steckt der uns noch an“ Nummer umgehen; ich finde, sowas muß ich mir nicht mehr als dringend notwendig antun – habe das aber leider schon mehrfach erlebt –

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Ich kenne viele Vorurteile innerhalb der Medizinerkreise und merke dass da noch einiges im Argen liegt…..aber eben positiv denken, sind nicht alle so….und als Patient kann mensch ja in gewissen Grenzen wählen von wem mensch wie behandelt werden möchte….
In „meinem“ Krankenhaus, also da wo ich als Doc arbeite möchte ich mit HIV jedenfalls nicht Patient sein. Bei den KollegInnen hab ich schon einiges an seltsamem Verhalten erlebt hier, mündlich und in Taten. Ein HIV-positiver hat mich mal gewarnt als ich ohne Schutzkleidung bei ihm auftauchte und ihm auch noch die unbehandschute Hand gab…..er war es so gewohnt, schön isoliert im Einzelzimmer, Besucher und Personal immer maskiert…. und dann kommt da einer und sagt dies ist alles Quatsch…..

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Mein Zahnarzt wurde mir von meiner HIV-Klinik empfohlen. Als ich zum ersten Mal bei ihm war, berichtete ich über meine Infektion. Er sagte darauf kurz und knapp: „Ja, danke für die Information, aber ihre Infektion ist für mich kein Problem. Ich kenne die nötigen hygienischen Maßnahmen“. Bei jedem meiner Besuche weise ich zu Anfang der Behandlung auf meinen Zustand hin. Jedes Mal sagt er darauf: Ja danke, aber das steht in ihrem Patientenblatt. Hernach macht er seine Arbeit und verabschiedet sich mit einem kurzen Grußwort und einem Händedruck.

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Ich habe diese Form der Berichterstattung bewußt gewählt mit der Absicht die einzelnen Beiträge/Aussagen für sich sprechen/wirken zu lassen. Obwohl es unnötig ist zu erwähnen das solche Vorfälle nicht die Regel sind – bin ich der Meinung das jeder Einzelne dieser Ereignisse ein Vorfall zu viel ist. Und solange dies der Fall werde ich, wie ich befürchte im Laufe der Zeit weitere ähnliche Beiträge hier ergänzend einfügen.

Hier sind nicht nur wir die HIV Positiven, die Aidshilfen und ggf Anwälte gefordert, hier sind auch die Ärzte gefordert um gegen schwarze Schafe in ihren eigenen Reihen aktiv zu werden. Sich für Toleranz und Akzeptanz für Menschen die aus welchen Gründen von der Gesellschaft abgelehnt werden einzusetzen kann niemals die Aufgabe derer sein die abgelehnt werden. Es ist dies die Aufgabe der Gesellschaft in der die Abgelehnten leben. Es ist Aufgabe eines jeden Einzelnen in der Gesellschaft.

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Guido Schlimbach, Pressesprecher der Aidshilfe NRW:

“Ein Kassenarzt hat nicht das Recht einen HIV-positiven Patienten abzulehnen. Das kann ihn seine Zulassung kosten. Jedem, dem so etwas passiert kann ich nur raten, sich bei der für den Arzt zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung zu beschweren.”

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Von der österreichischen Aidshilfe wurde im Vorjahr kritisiert, dass relativ viele Zahnärzte HIV-Positive Patienten nicht behandeln. In der Publikation PlusMinus, Ausgabe 4/2008, wird über die Diskriminierung (in Österreich) von Menschen mit HIV/Aids berichtet und auch das Problem mit den Zahnärzten angesprochen:

    „Im Rahmen einer Umfrage bei 81 ZahnärztInnen, die die AIDSHILFE OBERÖSTERREICH im Großraum Linz durchgeführt hat, erklären sich nur 21 ÄrztInnen bereit, HIV-positive Menschen zu behandeln. Eine Anfrage bezüglich dieses Ergebnisses bei der Ärztekammer für Oberösterreich wurde mit folgendem Zitat beantwortet: „… Entgegen Ihrer Ansicht, dass die zahnärztliche Versorgung in Oberösterreich der HIV-Patienten nicht ausreichend sei, möchten wir festhalten, dass 21 Ärzte im Linzer Raum (25% aller Ärzte) sich bereit erklärt haben HIV-Patienten zu behandeln, was für uns eine ausreichende Versorgung darstellt…“

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„Viele Ärzte behandeln HIV-Positive nicht“ Von Maria Kapeller, derStandart.at

Über Ausgrenzung von HIV-Patienten in der Medizin

In Österreich leben zwischen 12.000 und 15.000 HIV-positive Menschen, rund 1.247 leiden derzeit an  Aids. Diskriminierung und Stigmatisierung sind nach wie vor ein Thema. Sandra Schleicher,Beraterin von der Aidshilfe Wien berät und betreut Betroffene zu allen Themen der Lebensplanung. Mit Maria Kapeller, derStandard.at spricht sie über ihre Erfahrungen mit der Lebenswelt von HIV-Infizierten.

derStandard.at: Haben viele HIV-positive Menschen das Gefühl, ausgegrenzt oder diskriminiert zu werden?

Sandra Schleicher: Das nehme ich sehr wohl war. Es beginnt in der Familie und im Freundeskreis, wo Leute ihre Infektion oft verschweigen. Sie haben  Angst, dass niemand mehr mit ihnen schwimmen oder spazieren geht oder Einladungen zum Essen plötzlich wegfallen. Auch im Berufsleben tauchen viele Fragen auf: Sagt man es den Arbeitskollegen – oder gehen sie dann nicht mehr mit in die Kaffeeküche? Prinzipiell ist die reine HIV-Infektion ja nicht meldepflichtig. Aids-Erkrankungen sollte man dem Dienstgeber aber melden, weil man durch die Nebenwirkungen der Therapie mit mehr Ausfällen und Krankenständen rechnen muss.

derStandard.at: Es gibt immer wieder Klagen über Diskriminierung im medizinischen Bereich. Wie sieht diese aus?

Sandra Schleicher: Auf Ambulanzkarten steht zum Beispiel mit Rotstift „HIV-positiv“ geschrieben, wenn das auch noch mit einem Textmarker übermalt ist, dann sehen die anderen Patienten: „Aha, da ist irgendetwas ‚Dramatisches‘.“ Das berichten Leute immer wieder. Es gibt auch Ärzte, die Patienten nicht behandeln, sie werden weggeschickt und können – wenn überhaupt – erst nach der Ordinationszeit wieder kommen.

derStandard.at: Warum das?

Sandra Schleicher: Es wird damit gerechtfertigt, dass aufgrund der HIV-Infektion ein größerer Reinigungsbedarf bei den Instrumenten besteht. Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, weil die Instrumente prinzipiell immer so gereinigt werden müssen, dass keine Übertragung möglich ist – egal, welche Vorerkrankung der Patient hat.

derStandard.at: Wie gehen Ihre Klienten mit solchen Situationen um?

Sandra Schleicher: Sie sind sehr betroffen. Viele fragen uns, ob wir Ärzte kennen, zu denen sie ohne Probleme gehen können. Diese gibt es zum Glück, aber es ist immer wieder schwierig Mediziner zu finden, die das auch offen spielen. Aber wir geben die Adressen nicht massenhaft heraus, weil wir nicht wollen, dass diese Arztpraxen dann überfüllt sind. Unser Ziel wäre, dass HIV-Positive in jeder medizinischen Einrichtung ganz normal behandelt werden – so wie jeder andere Patient auch.

derStandard.at: Jene Ärzte, die mit der Behandlung von HIV-Patienten kein Problem haben, hängen das also nicht an die große Glocke. Aus Angst davor, sonst andere Patienten zu verlieren?

Sandra Schleicher: Ich vermute, dass das der Grund ist. Weiter geht es hier -> Quelle

Mit freundlicher Genehmigung von Sandra Schleicher, AH Wien und Magister Maria Kapeller, Autorin, derStandard.at, Wien

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Ondamaris: Wir operieren Sie selbstverständlich gerne … HIV-Positiver doch als Patient willkommen

“Wir operieren Sie selbstverständlich gerne.” Ein HIV-positiver Patient, dem nach einer Vorsorgeuntersuchung angekündigt worden war, man könne ihn wegen HIV nicht operieren, ist inzwischen doch auch als OP-Patient willkommen.

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ondamaris: “Duschen? Das geht für HIV-Positive bei uns aber nicht. Wir können nicht jedesmal alles desinfizieren.”

Als HIV-Positiver läuft man auch im Jahr 30 von Aids immer noch Gefahr, den bizarrsten Situationen, den unterschiedlichsten Formen von Stigmatisierung und Diskriminierung ausgesetzt zu sein.

Zahnärzte verweigern die Behandlung, Kliniken drohen Behandlungsverweigerungen an, oder Personal erweist sich als unvorbereitet und ungeeignet, mit der Situation adäquat umzugehen.

Ein beispielhafter Bericht eines Patienten, so erlebt im Januar 2011 (Patient und Ort der Behandlung sind ondamaris bekannt):

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Die folgenden Broschüren kann man sich  über den angegebenen Link bestellen:

Das Arzt-Patientenverhältnis im Bereich HIV – Die vorliegende Broschüre spricht die Rechtsstrukturen im Bereich HIV an und soll eine erste Orientierung für Arzt und Patient sein.

Soziale und rechtliche Aspekte bei HIV – Dieser Ratgeber soll eine erste Hilfe darstellen, nachdem man erfahren hat, dass man sich mit dem HI-Virus infiziert hat oder gar schon an AIDS erkrankt ist. Sicherlich stehen angesichts des Schreckens, den die HIV-Infektion für denjenigen, der frisch von seiner Infektion erfährt, immer noch hat, andere Probleme im Vordergrund als „soziale“ oder gar „rechtliche“. Dennoch soll diese Broschüre einen Überblick über die relevanten rechtlichen und sozialen Fragen und erste Antworten geben.

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2 Antworten zu HIV im Alltag – Teil 3 – Arztbesuche (akt 41)

  1. Jörg schreibt:

    Ich habe erfahren das ich positiv bin am 18.8.2013 und fange ich denke freitag die therapie an . Wenn ich das hier so lese werde ich immer lügen wenn ich zum arzt gehe

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Jörg

    Das Du HIV + bist und dies erst seit kurzem weißt tut mir leid. Das ist eine traurige Nachricht. Ich ahne wie es Dir jetzt geht. Deine Angst von Ärzten abgelehnt, diskriminiert zu werden – weil wie Du schreibst „Wenn ich das hier so lese werde ich immer lügen wenn ich zum Arzt gehe“ diese Angst ist nachvollziehbar. Nicht Wenigen von uns die HIV + sind ging bzw geht es ähnlich. Solche Ärzte jedoch sind in der Minderheit.

    Was Vielen und auch mir geholfen hat war der Austausch mit anderen HIV Positiven. Zu meiner Zeit als ich erfahren habe das ich HIV + bin gab es das Inernet noch nicht bzw die Möglichkeit der Kommunikation und des Austausches mit Anderen die HIV + sind. 1985 waren die meisten AIDS Hilfen gerade im Aufbau. Auf der rechten Seite findest Du ein Link zu dem Forum „Forumhiv.de“ wo sich HIV Positive austauschen. Ein weiteres Forum ist das „Lhiving.com“. Ich könnte mir vorstellen das Dir jetzt eine Mange Fragen durch den Kopf gehen. Fragen die Du in beiden Forum stellen kannst und die man Dir beantworten wird. Für Viele sind diese Foren eine gute Anlaufstelle besonders wenn man irgendwo auf dem Land lebt und die nächste AIDS Hilfe nicht gerade um die Ecke ist wie in einer Großstadt.

    Solltest Du Fragen haben so kannst Du sie jederzeit hier über meinen Blog stellen oder mich über meine Email im Impressum kontaktieren.

    LG alivenkickn

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