Wie tolerant sind Wir . . .


. . . Menschen  gegenüber der „Intoleranz“ bzw gegenüber „intoleranten Menschen“? Wieviel können – wollen wir „aushalten“? Ich spreche von den ganz alltäglichen erziehungsbedingten Mustern die in jedem von uns vorhanden sind. Es geht „allgemein“um dieses Thema, weil dies ja die innere Haltung wiederspiegelt die man lebt. Insofern geht es um das Leben, den persönlichen Alltag. Und es geht um innere Prozesse. Man kann sie eine zeitlang verdrängen und von sich wegschieben, man kann sie betäuben. Ob man sich ihnen völlig entziehen kann wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sollte man mich das fragen wenn ich auf dem Sterbebett liege. Und auch dann kann ich natürlich nur von mir sprechen.

Jedenfalls habe ich manchmal den Eindruck das, wenn Vorurteile und Intoleranz bei anderen erkannt und bemängelt werden, auf einmal mehr Heilige unterwegs sind als jemals von der kath Kirche heilig gesprochen wurden.

Ich denke an (meine) Kindheit – Jugend zurück, die Zeit also in der (meine) Eltern ihre Kinder erziehen. Erziehung heißt u.a. das in erster Linie Eltern Ihre Sichtweisen, Erfahrungen und Werte ihren Kindern vermitteln. Denn es sind ja diese „Werte“, Erfahrungen die sie an den Punkt in ihrem Leben gebracht haben an dem sie sich zu dieser Zeit befinden und der das bestätigt was sie in Ihrem Leben bis zu diesem Zeitpunkt ereicht haben.

Meine Eltern z.b. wurden in der Zeit von 1918 – 1927 geboren und sind in der Zeit von/ab 1933 heran und aufgewachsen. Es geht jetzt nicht um DIESE Zeit sondern es geht um JEDE Zeit in der Menschen aufwachsen. Jede Zeit ist durch bestimmte Werte, Kulturelle Geschehnisse geprägt wie z.b. die Hippiezeit um die 1970ger Jahre. Auch Eltern in dieser Zeit wurden also von ihrer Zeit geprägt was sich auf die Erziehung ihrer Kinder auswirkte bzw diese beeinflußte. Insofern sind das ganz normale Vorgänge.

Wenn meine Eltern z.b. Besuch hatten (Jeder sucht sich ja seinen Freundes/Bekanntenkreis aus der mit ihm auf der gleichen Wellenlänge ist) dann fielen einige Aussagen die ich hörte und die, wie ich immer mal wieder feststelle, sich tief auf meiner Festplatte eingebrannt haben. Ich nenne es mal „indirekte Erziehung“. Im Laufe meines Lebens und auch heute noch erfahre und erkenne ich immer wieder das einiges was ich auch auf diesem Weg an Erziehung mitbekommen habe Intoleranz, Vorurteile meiner Eltern wiederspiegelte. Gleiches gilt auch für die Erziehung – Prägung die man durch Schule, das soziale Umfelde auf seinen Lebensweg mitbekommen hat. Ob sie sich dessen bewußt waren – ist auch nicht das Thema. Insofern geht es auch nicht um „Bewerten“ sondern nur um Beobachtung, um meine Erkenntnis das das Vermitteln von Vorurteilen und Intoleranz auch ein Teil meiner Erziehung gewesen war bzw ein Teil des Lebens eines jeden Menschen ist – ausmacht.

Mit der Erkenntnis ist es nach meiner Erfahrung/Sichtweise aber so ne Sache. Das Erkennen eines „Problems bzw. einer Thematik“ beinhaltet noch lange keine Lösung da die Erkenntnis ja ein rein Intellektueller Prozeß ist der im Kopf über den Verstand stattfindet. Mit der Erziehung, der Vermittlung von Werten, Erfahrung etc sind so meine Meinung auch immer Emotionen und Gefühle verbunden. Und diese Gefühle haben sich um einiges tiefer auf meiner inneren Festplatte eingebrannt.

Wenn ich etwas als ein Vorurteil oder als Intoleranz erkenne dann ist dies noch lange nicht gleichbedeutend damit das es auch aus dem Emotions/Gefühlssektor meiner inneren Festplatte gelöscht ist. Und dieses Löschen oder Loslassen von Vorurteilen, Intoleranz was bzw. wem auch immer gegenüber . . . . nun das ist wie ich finde ein never ending prozess.

Dabei stelle ich fest das es einige „Vorurteile und Intoleranzien“ gibt die (man) ich länger mit mir herumtrage, die sich fester auf meiner inneren Festplatte eingebrannt haben, die loszulassen schwerer sind als andere.

Wenn Du denkst jetzt haste es gepackt . . dann schwupp schon taucht das nächste Thema in Dir auf und grinst Dich an.

* * * * *

Im Rahmen einer Diskussion zu diesem Thema in einem Forum sind mir zwei „Anekdoten“ wie ich es heute bezeichne in den Sinn gekommen, die deutlicher machen worauf ich hinaus will bzw um was es geht.

Es kommt ja nicht grad selten vor das man sagt: „Ne Danke. So (wie meine Eltern etc) will ich nie nicht werden“.

Mein alter Herr, der in seinem Berufsleben u.a. Berufsschullehrer und Ausbildungsleiter war, verfügte mir gegenüber wenn s darum ging mir die Geheimnisse der Mathematik nahezubringen ( was Mathematik betrifft war er ein Genie)  über einen sehr kurzen Geduldsfaden.

Nachdem er seinen erzieherischen Pflichten nachkam und mir erklärte wie das denn nun mit dem Dreisatz so geht, ich nach 3 maliger Erklärung seinerseits immer noch wie der Ochs vorm Berg stand, da war er mit seiner Geduld am Ende. Damals war ich im zarten Alter von 12 oder 13.

Später sagte ich mir, „Ne danke wenn Du mal mit Kids zu tun haben oder selbst Kinder haben solltest, so eine Ungeduld wie sie mein Vater mir gegenüber an den Tag gelegt hatte, die wirst Du niemals Kids gegenüber an den Tag legen“.

Ich war so um die Mitte 40 als ich Kiddis in einer Grundschule im Rahmen der Hausaufgabenbetreuung beaufsichtigte. Da war ein kleiner Junge so um die 9 oder 10 Jahre alt der mich eines Tages fragte wie denn das nun so geht mit dem kleinen 1X1. Ich erklärte es ihm 1 mal, 2 mal und nachdem er es nach dem 3. Mal immer noch nicht verstanden hatte . . . tja was soll ich sagen: Ich rastete ganz genau so aus wie mein Vater, damals ich seine Ausführungen wie ein 3 Satz funktionierte nach dem 3. Mal immer noch nicht kapiert hatte. Dem kleinen Jungen den ich betreute gings wie mir damals – er wie ich damals war völlig verängstigt.

Die Hausaufgabenbetreuung war zu Ende und ich war auf dem Nachhauseweg als es mich wie ein Blitzschlag traf. So wie sich mein Vater mir gegenüber als ich ein Kind war verhalten hatte, wie er mich anbrüllte, genau das gleiche hatte ich mit diesem kleinen Jungen heute getan. So wie ich mir geschworen hatte niemals zu werden, das was ich geschworen hatte niemals zu tun, genau das hatte ich heute getan. In diesem Moment drehte sich mir buchstäblich mein Magen um. Ich stand an der Strasse und kotzte mir die Seele aus dem Leib.

Soviel zu Erziehungsmuster die man auf den Weg mitbekommen hat, soviel zu dem Thema: “ So will ich nie werden“.

Ich hatte ne Zeit da war ich bestrebt vom ambitionierten HobbyKochwahn angetrieben, meinen Freunde wenn ich sie zu einem Essen eingeladen hatte, alle Gerichte auf den Punkt gegart zu servieren. Dies setzt natürlich voraus das meine Freunde, die ich für 12 Uhr eingeladen hatte, spätestens um 12.10 Uhr am Tisch zu sitzen hatten. Tja was soll ich sagen. Als der Letzte meiner Freunde um 12.25 eintrudelte war s natürlich vorbei mit dem „Auf dem Punkt“ servieren. Stattdessen war ich lange Zeit stinksauer. Für mich war dieses Beisammensein gelaufen. Grummelnd und innerlich fluchend wartete ich bis der Letzte endlich gegangen war.

Irgendwann hab ich mir gesagt: „Ne, das is es mir nicht wert. Ich will ja ne gute Zeit mit meinen Freunden haben. Ich will mich mit ihnen wohl fühlen. Uns soll es allen gut gehen. Sie wie sie sind. Wenn ich sie das nächste Mal einlade dann richte ich es so ein das, nachdem der Letzte gekommen ist,  noch ca 15 – 20 Minuten dauern wird bis das Essen auf den Tisch kommt. Seitdem hatten wir immer die angenehmsten Treffen.

Bei beiden Situationen mußte es „immer erst weh tun“ damit ich etwas änderte. Manche Erziehungsmuster erkennt man sofort – manche nicht da sie sehr subtil vorhanden sind. Manche kann man lernen sich abzutrainieren, manche muß man erst erspüren . . . erfahren . . etc pp.

So funktioniert idr Learning by doing. Insofern – vieles was wir an (Verhaltens – Erziehungs) Muster in uns tragen haben idr auch mit Emotionen/Gefühlen zu tun.

* * * * *

Gestern, am 17. Dezember, haben wir den 91. Geburtstag meines vor 8 Jahren verstorbenen Vaters mit dem alljährlichen Geburtstags Kaffeekränzchen mit Freunden meiner Mutter bei ihr zu Hause celebriert. Muttern saß am Ende des Tisches im Rollstuhl mit glänzenden Augen ob des köstlichen echten Bohnenkaffees, sonst gibts nur Muggefuck, und vor allen Dingen wegen der Schwarzwälder Kirschtorte auf ihrem Teller die sie genüßlich schnaubulierte. Die Freunde waren die üblichen Verdächtigen: ein Ehepaar aus Vaters Zeiten die als einzigste nach seinem Tod aus dem großen Bekanntenkreis übrigen geblieben sind und mittlerweile auch Freunde von Mutter und mir geworden sind, unsere Haushälterin die zur Familie gehört, Ulrike die Familienfreundin und eine völlig veblödete weil total erkältete Nachbarin – die eine gute Bekannte meiner Mutter ist. Auf meine Bemerkung: „Na sie hören sich aber total erkältet an“, krächzte sie mich lächelnd an: „Ja das bin ich auch“. „Vielen Dank“ sagte ich zu ihr.

Wenn jemand der derart erkältet war wie diese Frau es war sich in der Strassenbahn oder im Zug es gewagt hätte sich neben mich zu setzen, der hätte ich den Marsch geblasen das Radetzky seine Freude an mir gehabt hätte. Da ich die gute Stimmung in der die Gesellschaft war und weil es meiner Mutter sichtlich Spaß und Freude machte „Kaffee und Kuchen und ne volle Hütte“ habe ich nichts weiter gesagt sondern bin nach 1 Stunde mit der deutlichen Bemerkung zu dem befreundeten Ehepaar: „Es gibt eiserne Prinzipien von denen weiche ich nicht ab“ wieder gegangen.

Und nu sitz ich hier mit heißen Ohren und Kopfschmerzen, frier mir einen ab, merk wie sich ne Erkältung bei mir ausbreitet derweil die Heizung auf Hochtouren läuft. Und später muß ich raus weil der Kühlschrank leer ist. Bei soviel Dummheit hört sich bei mir alles auf. Da is es Ende Gelände mit der Toleranz und Akzeptanz.

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Spott ist Nährboden der Intoleranz

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