Ärzte ohne Grenzen fordern – „Patente auf HIV/AIDS Medikamente in den Patentpool“ (akt 2)


Einen Tag vor dem Welt-Aids-Tag hat Ärzte ohne Grenzen mit einer Aktion auf dem Münchner Odeonsplatz die Pharmafirmen aufgefordert, ihre Patente auf HIV/Aids-Medikamente in einen Patenpool zu geben. Mitarbeiter der Organisation haben eine überdimensionale Pille über einen roten Teppich getragen und in einen Pool geworfen – symbolisch für die Patente der HIV/Aids-Medikamente, die die Pharmafirmen in den Patentpool geben sollen. In einem solchen Patentpool stellen Patentinhaber ihre Patentrechte anderen Herstellern für ärmere Länder zur Verfügung. Für Millionen HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen eines Patentpools enorm. „Mithilfe dieser Patente können lebensnotwendige Medikamente entwickelt und zu erschwinglichen Preisen als Generika produziert werden“, sagte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.

Nach aktuellen Angaben des HIV/Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) leben heute 33,4 Millionen Menschen mit dem Aidserreger HIV. Die Zahl der Todesfälle ist dank zunehmender Behandlung von HIV etwas zurückgegangen. Dieser Erfolg ist jedoch gefährdet. „Bei vielen unserer Patienten haben sich Resistenzen gebildet. Sie müssen nun zu neueren wirksameren Medikamenten wechseln. Im Moment sind diese aber für sie entweder nicht verfügbar oder nicht bezahlbar“, erklärte Moldenhauer.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt daher die Idee des Patentpools und wirbt seit einigen Wochen dafür mit der E-Mail-Kampagne „Geben Sie Ihre Patente in den Pool!“, denn am 14./15. Dezember wird entschieden, ob der Patentpool von der internationalen Organisation UNITAID eingerichtet wird. UNITAID ist eine von 35 Staaten getragene Institution, die sich für einen besseren Zugang zu Medikamenten für HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria einsetzt. „Die Pharmafirmen müssen jetzt erkennen, dass es an ihnen liegt, die Patentblockade aufzuheben, damit Millionen HIV/Aids-Infizierte den bezahlbaren Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten erhalten“, sagte Moldenhauer. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000 HIV/Aids-Patienten in rund 30 Ländern weltweit.

Gleichzeitig betonte die Organisation, wie wichtig die Finanzierung der Bekämpfung von HIV/Aids ist. „Hier ist die neue Bundesregierung gefragt. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel müssen jetzt zeigen, wie ernst sie die Zusagen der G8-Gipfel nehmen“, so Moldenhauer. Der deutsche Beitrag zur Finanzierung der Gesundheit in den ärmeren Ländern muss massiv erhöht werden, um die Zusagen der G8-Gipfel von 2007 und 2008 zu erfüllen.

Die Aktionen im Rahmen der Patentpool-Kampagne zeigen Wirkung. Zahlreiche Pharmafirmen haben mit UNITAID Gespräche über eine Teilnahme am Patentpool aufgenommen. Inzwischen haben sich rund 15.000 Menschen mit mehr als 140.000 E-Mails an der Kampagne beteiligt. Interessierte können auf http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/emailkampagne die Pharmafirmen auffordern, die Patente auf die wichtigsten HIV/Aids- Medikamente in den Pool zu geben.

Um diese Forderung zu einem Patentpool zu unterstützen kann man auf der Webseite von Ärzte ohne Grenzen einen entsprechenden vorbereiteten Brief an div Pharmahersteller unterzeichnen.

Quelle: Pressemitteilung Ärzte ohne Grenzen

Update 15. Dezember 2009

Wichtige Entscheidung: UNITAID schafft Patentpool für Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten

Genf/Berlin, 15. Dezember 2009. Der Verwaltungsrat von UNITAID hat gestern grünes Licht für die Schaffung eines Patentpools für HIV/Aids-Medikamente gegeben. „Das ist ein entscheidender Schritt zur Verbesserung des Zugangs zu Medikamenten in ärmeren Ländern“, sagt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Wir sehen darin auch einen Erfolg unserer E-Mail-Kampagne für den Patentpool.“ In einer von Ärzte ohne Grenzen initiierten Kampagne haben mehr als 28.000 Menschen rund 300.000 E-Mails an Pharmafirmen geschickt und sie aufgefordert, ihre Patente auf HIV/Aids-Medikamente in den Patentpool zu geben.

„Der Patentpool könnte das Instrument werden, mit dem systematisch Lizenzen an Generikafirmen vergeben werden, das die Preise reduziert und die Produktion sogenannter Kombinationspräparate mit Wirkstoffen verschiedener Hersteller erleichtert“, kommentiert Dr. Tido von Schoen-Angerer, internationaler Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

Der Verwaltungsrat von UNITAID entschied gestern, diese Lizenzagentur im Bereich HIV/Aids-Medikamente zu gründen und hat auch die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Nach der Einrichtung des Pools werden die Lizenz-Verhandlungen mit der Pharmaindustrie beginnen.

„Jetzt kommt es auf die Pharmafirmen an. Wir sind von den positiven Rückmeldungen zahlreicher Unternehmen ermutigt, die auf unsere Kampagne zur Unterstützung des Pools reagiert haben. Jetzt fordern wir die Firmen auf, statt genereller Wohlwollensbekundungen echte Lizenzzusagen zu machen“, so Moldenhauer.

„Besonders gefreut hat uns, dass der Pool für alle ärmeren Länder gelten soll. Wichtig ist für uns auch: Die betroffenen Länder können weiterhin alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, Zwangslizenzen vergeben und eine gesundheitsorientierte Patentgesetzgebung einführen, um den Menschen Zugang zu lebensrettenden Medikamenten zu ermöglichen“, so Michelle Childs, Leiterin der Politik-Abteilung der Medikamentenkampagne. Quelle: Ärzte ohne Grenzen

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Eine Antwort zu Ärzte ohne Grenzen fordern – „Patente auf HIV/AIDS Medikamente in den Patentpool“ (akt 2)

  1. Gregor schreibt:

    Die Aktionen, die mit dem Thema eng verbunden sind finde ich schon ok. Wenn es gute Wirkung hat, warum denn nicht…? das wichtigste aber bleibt- wenn wir uns nicht selber helfen, könnte das niemand anderen tun. Danke.

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