. . . bei dieser Gelegenheit (akt)


bald ist es wieder so weit. alle jahre wieder kommt er , der WELTAIDSTAG. er erscheint mit einer regelmäßigkeit nach der man seine uhr stellen könnt. ja man könnt sogar den kalender danach neu ausrichten. entweder das mit dem WAT das jahr neu anfängt oder aufhört. je nachdem. aber da am 24. februar 1582 gregor der damalige chef der kath kirche für uns zu unserem besten, natürlich, urkundlich in der bulle inter gravissimas beschlossen hat, das der gregorianische kalender nun für alle gilt und in der folge das jahr mit dem 31. sylvester endet und mit dem 1. januar beginnt . . . . never change a winning team. außerdem, gewohnheiten zu ändern ist keine leichte aufgabe. ja man könnte sagen es ist eine der schwersten arbeiten überhaupt. wieso sollte man sich dann solcher mühen unterziehen ? und rein rational gefragt: was kommt denn für den einzelnen dabei unterm strich raus? nix. eben. also lassen wir den kalender so wie er ist.

doch zurück zum thema dem WAT am 1. dezember. eigentlich fängt er ja schon früher an. so wie es die vorweihnachtszeit gibt so gibt s auch eine VORWAT zeit. und da sind wir grad mitten drin. ab oktober fängt sie an die VORWAT zeit. in den div hiv foren z.b. häufen sich die anfragen von fotografen, werbeagenturen, unabhängigen journalisten und film produktionsfirmen. alle sind sie auf der suche nach hiv positiven menschen, erklären oftmals wie es ist mit hiv zu leben und schildern mit vollmundigen und in eindringlich bewegenden worten das sie der öffentlichkeit zeigen wollen, dass das schreckgespenst das sich mit „HIV POSITIV“verbindet, keine daseins berechtigung mehr in unserer gesellschaft hat. ihr beitrag soll dazu dienen um den vorhandenen vorurteilen und schubladenken in unserer gesellschaft ein Ende zu bereiten. es gehe ja schließlich um menschen die die bürde „HIV mit würde“ tragen und sich ihre zustehende lebensqualität einfordern und erkämpfen.

so oder mit ähnlichen worten geht es zu in der VORWAT zeit. läßt man sich darauf ein dann kommt – im fall einer homestory – ein kamerateam mit allem was dazugehört vorbei. es wird 1 oder 2 tage gedreht, gefragt, beleuchtet und dokumentiert wie der alltag eines hiv positiven so ist. die produktionskosten für solch ein projekt dürften sich da schon im 5 stelligen bereich bewegen. ob und wieviel von diesem betrag demjenigen der sich auf solch ein projekt einläßt zu gute kommt, damit seine lebensqualität zumindest für einen begrenzten zeitraum eine besserung erfährt, das wage ich zu bezweifeln. und irgendwann bis zum 1 dezember flimmert dann (s)ein markantes betroffenheitsfilmchen über das „leben mit HIV“ auf 2 – 3 minuten zusammengeschnitten auf irgendeinem privat sender in einem der üblichen tv magazine zwischen“ veganer entließen hühner in die freiheit“ und „super modell stolperte auf dem cat walk“ über den bildschirm.

eine langzeitdokumentation bzw ein längeres feature über das leben eines HIV POSITIVEN das in den öffentlich rechtlichen tv anstalten oder einem der privaten sender gezeigt wurde  ist mir nicht bekannt. soweit ich informiert bin wurden alle projekte/konzepte die auf einer längeren begleitung durch ein kamerateam basierten und den alltag eines hiv positiven dokumentierte von den sendern bis dato abgelehnt.

die spendenbereitschaft in deutschland ist trotz finanzkrise immer noch recht groß. besonders in der VORWATZEIT. ob es sich um cd´s handelt von deren erlös ein gewisser betrag bestimmten projekten zugeführt wird oder ob es sich um diverse charity veranstaltungen handelt. keine stadt die etwas auf sich hält ohne charity veranstaltung. keine gala ohne prominenz aus sport und politik, kein event ohne stars und sternchen aus film und fernsehen die sich für HIV und an AIDS erkrankte menschen einsetzen. jeder fühlt sich danach besser. diejenigen stars die auf ihre gagen verzichten (bis auf unterkunft und ggf flugkosten – alles andere wäre unangemessen um nicht zu sagen obszön, das forden wie auch das darauf einlassen) und diejenigen die sich die eintrittspreise leisten können. da sich der staat schon lange aus seiner sozialen verantwortung verabschiedet hat (bis auf den neujahrs appell zu „mehr engagement zum ehrenamt liebe büger), sind es gerade diese beträge die dann letzendlich im einzelfall dem einzelnen zugute kommen damit seine lebensqualität nicht völlig den bach runter geht.

am 1. weihnachtstag ist man dann froh das der ganze trubel endlich vorbei ist.  ja, aber was ist mit den übrigen 11 monaten? ich meine das jahr hat 365 tage  . . . . . . ach darüber reden wir dann das nächste jahr. spätestens zum WAT.  bis dahin, mach s gut . . . .

Nachtrag

nicht auf die wichtigkeit und bedeutung den der WAT für uns wie auch im gesellschaftspolitischen kontext hat explizit hinzuweisen ist doch nicht gleichbedeutend damit das ich ihn nicht wertschätze bzw mir seiner bedeutung nicht bewußt bin.

Update

Einer der seltene Highlights in der TV medialen Berichterstattung um das Thema „Alltag mit HIV“  wurde am 23.11.2009 auf WDR Servicezeit Gesundheit  – Diagnose: HIV Positiv gezeigt. Möglicherweise wird dieser Beitrag in der Mediathek des WDR demnächst aufrufbar sein. Es lohnt sich diesen Beitrag anzuschauen, ganz besonders für die Journaille und ähnliche dem Boulevard huldigenden Hörigen.

Wie sagte doch jemand so treffend über diesen Beitrag:

Diesen Beitrag sollten sich alle zu Herzen nehmen, die gerade an den üblichen Betroffenheitsfilmchen zum 1.12. arbeiten…


zu dem thema leben mit hiv:

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2 Antworten zu . . . bei dieser Gelegenheit (akt)

  1. Uwe Görke schreibt:

    Wie recht er doch hat mit dem Artikel! Ich gehöre auch zu den Menschen die ARD-RTL-SAT1-WDR immer ohne Gage Zurverfügung stand, damit HIV/AIDS im Gespräch bleibt und vielleicht einige besser Leben können in der Gesellschaft. Es wurde fast immer ein 2.30 Min Beitrag bei fast 4 Std. drehen Rest kam in die Tonne *heul Gib…t noch viel zutun! Schade das Sie die Daten nicht fürs Internet Video zusammen geschnitten haben. Guten WAT 2009 Nee, is klar!? Uwe

  2. alivenkickn schreibt:

    @Uwe

    Ich sehe das mittlerweile etwas differenzierter. Sich für eine Sache zur Verfügung zu stellen, für das einzutreten an was man glaubt weil es für einen selbst wie auch für Andere wichtig ist, ist auch für mich selbstverständlich. Das ist die eine Ebene.

    Wenn Journalisten, die Auftrags und gegen Entlohnung für eine Produktionsfirma, einen TV Sender, TV Magazin oder ein Print Mediun ein Interview machen wollen, dabei von Lebensqualität, Würde etc erzählen dann würde ein Obolus, ein gerinfgügiger Beitrag ein Zeichen dafür sein das sie nicht nur wissen wovon sie sprechen sondern auch zum Ausdruck bringen das sie verstehen, das sie um die entsprechende Situation des Betreffenden wissen.

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