Notizen aus deutschsprachigen HIV Foren


Die Aids-Hilfe ist für mich auch nichts wo ich mich wohlfühlen würde. Ich war zwar noch nicht da aber ich möchte das auch nicht.“

„Zu den AIDS-Hilfen : ich geh da auch nicht hin. Ich bin Mitglied in einer gewesen, aber persönliche Gespräche fanden 1. nicht statt, weil die 2 h Zugfahrt von mir entfernt waren und es waren nur Schwule und Frauen damals da, die kein Deutsch sprachen.“

„. . . . hier in D gibt es in jeder mittleren stadt eine aidshilfe und immer wieder hört man,dass die beratungen an der basis vorbei gehen.“

„Die aidshilfe bietet für mich keine wirkliche heimat. . . . . . ohne über andere urteilen zu wollen, findet sich in den ah’s allerdings überwiegend ein klientel, das mit meinen lebensumständen wenig gemeinsam hat. mit mir hat das nichts zu tun. ich habe diverse veranstaltungen über monate regelmässig besucht, um mir ein bild zu machen, leider mit obigen ergebnis. aus meiner sicht befindet sich die aidshilfe in der krise, da sich das bild von hiv und aids aufgrund des medizinfortschritts im wandel befindet . . . . . fazit für mich, wenn sich die ah inhaltlich und die zielgruppen betreffend nicht neu ausrichtet . . . . . .“

„. . . . . ich war einmal im Leben nach dem Studium beim Arbeitsamt, ich muss sagen, dass ich selbst dort besser behandelt wurde als bei der Aidshilfe. Und das ist nicht nur meine Meinung, kaum jemand von meinen Bekannten hat ihre Hilfe in Anspruch genommen. Das einzige, was sie gut hinkriegt, sind die Vorträge zu HIV, die von verschiedenen Ärzten gehalten werden. Das ist aber auch alles.“

„AIDShilfe in der Krise weil unflexibel, auf „Aussenseiterklientel“ wie Drogengebrauch und Homosexuelle spezialisiert und im Denken des grossen Massensterbens der 80er Jahre verharrend?“

„Das mit den Angeboten der AH’s stimmt auch. Die sind wirklich eher auf Homosexuelle und Drogensüchtige ausgelegt. Es gibt überall jemand als „Drogenbeauftragter bzw. Experte“ und eine „Schwulengruppe“ sowieso- nen Hetero-Experte hab ich noch nie gesehen“

„die ah´s habe in meinen augen den anschluß verpasst. es sollte doch möglich sein das die ah´s wieder näher an den markt ( uns )herankommen, jedoch ist das sicher nicht so einfach wenn die leute, wie wir zum beispiel, der meinung sind das die ah´s nutzlos geworden sind. da wir uns ausschließen wird sich wohl nur schlecht etwas ändern bzw. nur sehr langsam. im grunde genommen müssten wir uns aufraffen und aktiv mitarbeiten, nur leider fehlt vielen hier die zeit dafür weil wir im berufsleben stehen und vielleicht viele andere verpflichtungen haben.“

Damals . . . . . .

1986 im Januar bezog die AH Frankfurt neue Räume in der Eschersheimer Ldst. Da hörte ich zum ersten mal das es sowas wie ne AIDS Hilfe gab. Was die Aids Hilfen damals wußten war weniger als wenig, was ich mir damals erhoffte war, das die „irgendwas“ mit HIV und AIDS zu tun hatten und mehr über HIV wußten als ich. Das Wissen über HIV zu diesem Zeitpunkt tendierte gegen Null. Meines auch.

Peter Hauschild packte gerade die Umzugskisten aus als ich auftauchte. Für ihn war das Thema damals auch relativ neu. Was man wußte war das es immer mehr Menschen, in erster Linie Schwule, betraf die buchstäblich starben wie die Fliegen. Was man erkannte war die Not und das Leid von Betroffenen, Freunden und Angehörigen. Und man wußte wie wichtig es ist sich gegenseitig emotional zu unterstützen, sich Halt zu geben. „Komm doch heut abend mal vorbei“ sagte Peter zu mir. Wir sind gerade dabei eine Telelfon Hotline ins Leben zu rufen. Also ging ich hin.

Damals habe ich die Trauer über den Verlust von Freunden von denen viele gezeichnet waren nicht aushalten können. Die Angst die den Meisten in den Gesichtern stand hat mir buchstäblich den Atem genommen. Das war der Grund warum ich damals für mich entschieden hatte zu gehen. Einfach deshab weil ich zu diesem Zeitpinkt nicht mit meiner Angst klar gekommen bin.

Im Laufe der Jahre habe ich nach und nach immer wieder mal Rat und Hilfe bei der AH in Frankfurt gesucht und bekommen. Wenn man auf meine Fragen keine Anwtorten wußte, dann hat sich der Betreffende schlau gemacht und mir das Ergebnis n paar Tage später mitgeteilt.

. . . . . Heute

Das die Anforderungen und Aufgaben mit denen sich die AIDS Hilfen heute konfrontiert sehen andere geworden sind liegt auf der Hand. Das es Defizite bzgl der Angebote und hinsichtlich der Konzepte von AIDS Hilfen gibt entspricht zm Teil der Realität bzw. wird niemand in Frage stellen.
Wenn AIDS Hilfen nicht den Belangen und Bedürfnissen von Rat und Hilfesuchenden gerecht werden, wenn sich der Einzelne nicht vertreten fühlt, dann liegt das ausschließlich daran das wir die Betroffenen, die Menschen für deren Belange sich AIDS Hilfen einsetzen, den AIDS Hilfen unsere Bedürfnisse nicht kommunizieren. Sie können sich nur für das einsetzen und das umsetzen wenn sie wissen was wir wollen, was wir brauchen. Das setzt voraus das wir, die Betroffenen aktiv werden müssen, uns artikulieren müssen.

Selbsthilfe so wie man sie damals und heute versteht basiert auf dem naheliegenden Konzept, das Menschen – Betroffene mit HIV und AIDS an den Entscheidungen, die ihr eigenes Leben betreffen, beteiligt werden müssen.

Epilog

„Als Menschen mit AIDS und ARC saßen wir auf den Veranstaltungen der „Gay Men´s Health Crisis“ GMHC herum und hörten schweigend einer Reihe von Ärzten, Krankenschwestern, Rechtsanwälten und Versicherungsexperten zu, die uns wortreich beschrieben, wie es ist, wenn man AIDS hat. Es dämmerte mehreren zur gleichen Zeit, das mit diesem Bild irgendetwas nicht stimmte. Die „wirklichen Experten“, so stellten wir fest, waren nicht auf dem Podium.

Aus: „Act Up – Feuer unterm Arsch“ von Andreas Salmen, Die AIDS Aktionsgruppen in Deutschland und den USA

* * * * *

Nur wer sich nicht versteckt wird sichtbar und wahrgenommen. Nur der wird gehört werden der sichtbar ist und der seine Bedürfnisse
artikuliert.

wer sich nicht einbringt kann nicht erwarten eingebracht zu werden

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