Paradigmenwechsel Teil 2 – Wir „sollten“ uns stärker engagieren


Eine der am häufigsten gestellten Forderung ist der Ruf nach mehr Beteiligung und Einbeziehung der Community zu dem Thema HIV und Aids sowie das wehleidige beklagen von Aktionen wie sie in der Vergangenheit stattgefunden haben: „Damals, als es noch ACT Up gab wär sowas nicht passiert. Da hätten die Jungs spätestens am nächsten Tag vor der Matte von XYZ gestanden und dagegen protestiert“. Nun früher war gestern und gestern ist heute vorbei. Das Gestern liegt in der Vergangenheit – also lassen wir es da wo es hingehört – in der Vergangenheit.

In einem Kommentar zu einem Artikel von Ondamaris Nichts zu verbergen? Und was wäre wenn … ? sagte Koww in einem Kommentar:

„das es auch an  Uns den HIV Positiven selbst liege, den negativen „Ruf“ der Infektion /Krankheit in der Öffentlichkeit zu ändern. Da sollten wir die betroffenen Menschen unterstützen“.

Auch Dr. Dirk Sander, Referent für Kampagnen und Prävention in der Deutschen Aids-Hilfe e.V sagt in einem Interview zu dem Thema  Prävention, Aufklärung und Kampagnen in dem Artikel eingestellt auf dem Blog der DAHLaien beurteilen Schock-Kampagnen als wirksamer„:

„Ein weiteres Erfolgskriterium ist, dass man von Anfang an auch die Betroffenen selber in die Planung und wenn möglich Durchführung der Kampagnen mit einbezieht. Partizipation gilt als wichtiges Gütekriterium für Kampagnen im Gesundheitsbereich. Durch diesen Einbezug der Perspektive der Betroffenen selber kann man z.B. unbeabsichtigte Wirkungen von vermeintlich tollen Ideen vermeiden und somit letztlich eine Selbsttäuschung über den Effekt einer lediglich gut gemeinten Aktion verhindern.“

Es ist eine Forderung die erstmals im Jahr 1994 in Paris in “ The Paris Declaration – Seite 2, Punkt 4,1″ (pdf Datei)“ festgehalten wurde und die heute als „GIPA or the ‘Greater Involvement of People Living with HIV/AIDS’ verstanden wird.

Gipa is a principle that aims to realize the rights and responsibilities of people living with HIV, including their right to participation in decision-making processes that affect their lives. GIPA aims to enhance the quality and effectiveness of the AIDS response and is critical to progress and sustainability.

The idea that personal experiences should shape the AIDS response was first voiced by people living with HIV in Denver in 1983. The GIPA Principle was formalized at the 1994 Paris AIDS Summit when 42 countries agreed to “support a greater involvement of people living with HIV/AIDS at all levels and to stimulate the creation of supportive political, legal and social environments”.

GIPA seeks to ensure that people living with HIV are equal partners and breaks down simplistic and false assumptions that those living without HIV are “service providers” and as those living with HIV are “service receivers”.

Nur wer sich nicht versteckt wird sichtbar und wahrgenommen. Nur der wird gehört werden der sichtbar ist und der seine Bedürfnisse artikuliert.

So einfach sich diese Tatsache ließt so schwierig ist die Umsetzung für viele HIV Postitive unter uns. Um sich zu seiner Infektion zu bekennen, sie anzunehmen, sie nicht mehr zu verdrängen oder zu leugnen, schon das ist ein langer und schmerzhafter Weg für Viele. Darüberhinaus noch den Mut aufzubringen „Sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen“ wenn es erforderlich und notwendig ist, dazu bedarf es nochmals einer gehörigen Portion Bereitschaft, Mut und Überwindung.Und, auch das ist auch eine Realität die man akzeptieren muß, Viele wollen oder können diesen Weg nicht einschlagen.

Insofern ist es „gesünder“  von dem Credo „Wir könnten viel mehr erreichen wenn mehr von uns, den Betroffenen sich aktiv beteiligen würden“ loszulassen und alle vorhandenen Kräfte und Energien derjenigen die bereit sind etwas zu tun zu bündeln um sie dafür einzusetzen das das Bild von HIV in der Gesellschaft so wird wie wir es uns wünschen. Bis hierhin dürften mir die Meisten zustimmen.

Leider haben auch wir es noch nicht begriffen WELCHE Möglichkeiten das ominöse und mysteriöse WEB 2.0 bietet und bereithält.

Web 2.0 ist ein Schlagwort, das für eine Reihe interaktiver und kollaborativer Elemente des Internets, speziell des World Wide Webs verwendet wird. Der Begriff postuliert in Anlehnung an die Versionsnummern von Softwareprodukten eine neue Generation des Webs und grenzt diese von früheren Nutzungsarten ab.

Nicht jeder HIV Positive oder Mitglied der Community nimmt an Treffen im Waldschlößchen teil, besucht Veranstaltungen wie „Hiv im Dialog“, oder die Positiven Begegnungen (der Name hat sich in den letzten Jahren mehrere Male geändert. Bundespositivenversammlung, – Treffen etc.) oder die zu Treffen der diversen Netzwerke fahren die regelmäßig stattfinden. Sei es das die finanzielle Situation nicht weniger HIV Positiver trotz großzügiger Unterstützung durch die DAH es nicht zuläßt an solchen Treffen teilzunehmen oder das ihr gesundheitlicher Zustand es nicht zuläßt bzw ihnen eine Teilnahme erschweren würde, oder das sie schlicht und einfach nicht können – wollen.

Viele von uns sind bereit sich dafür einzusetzen das das Bild von HIV und von HIV Positiven das in der Gesellschaft herrscht ein Anderes „Besseres“ wird.  Wie HIV und HIV Positive in der Gesellschaft wahrgenommen werden, das zeigen die Reaktionen und insbesondere die Auswirkungen von unqualifizierten Kampagnen wie sie Regenbogen e.V., ein Verein der sich anmaßt für HIV und HIV Positive in Sachen Prävention und Aufklärung tätig zu sein losgetreten haben.

75 % der Haushalte in Deutschland verfügen über einen Internetanschluß. Fast jeder von Uns hat einen Computer zu hause. Ein sinnvoller und folgerichtiger Weg wäre die Einbeziehung im Sinne von GIPA von HIV Positiven die über einen Computer zu Hause verfügen und die bereit sind bei der Arbeit und Gestaltung zu den verschiedensten Themen um HIV mitzuwirken.

So arbeitet man in der IT Branche und anderen Branchen in vielen Firmen. Experten in der ganzen Welt sind vernetzt. Jeder von ihnen hat entsprechend einer Aufgabenverteilung die man über das Netz miteinander kommuniziert hat einen Bereich – eine Aufgabe der er sich annimmt.

Das Wort „Globalisierung“ (Unter Globalisierung versteht man den Prozess der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen) ist in aller Munde und jedem geläufig. Die „Globalisierung“, welche Chancen sich mit dieser Verflechtung – Vernetzung anbieten, die das WEB 2.0 beinhaltet, was das für uns bedeuted und wie wir sie für unsere Belange und Bedürfnisse einsetzen können, sie ist in unserem Denken noch lange nicht angekommen. Es wird Zeit das zu ändern.

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