Zwangsouting die Zweite (akt.2)


Normalerweise gehe ich nicht auf Themen in anderen Foren ein – aber das ist ein starkes Stück und – ungeachtet der möglichen gesundheitlichen Folgen die sich auf Grund einer Resistenzentwicklung da dieses Medikament nicht mehr greift, haben könnte, ist ein solches Verhalten ein absolutes No Go.

Die Vorgehensweise steht im Zusammenhang mit der Rückrufaktion vom GSK wegen Combivir. Siehe Blog von Ondamaris

“Gefälschte Combivir®-Packungen
Wir möchten Sie darüber informieren, dass GlaxoSmithKline (GSK) in Deutschland in Zusammenarbeit mit der zuständigen Landesbehörde die Charge R343741 (haltbar bis 01/2010) des HIV-Medikaments Combivir® 150/300 Filmtabletten (Wirkstoffe Lamivudin und Zidovudin) im pharmazeutischen Großhandel und bei Apotheken zurückruft. Der Chargenrückruf ist eine vorsorgliche Maßnahme aufgrund des Verdachts einer Arzneimittelfälschung.
Bei GSK Deutschland lag zunächst eine pharmazeutische Reklamation über eine einzelne Combivir-Packung® vor, die durch ausführliche Vergleichsuntersuchungen als Fälschung identifiziert wurde. Der Verdacht, dass weitere gefälschte Combivir®-Packungen in die deutsche Vertriebskette gelangt sind, hat sich nach weiteren Nachforschungen erhärtet.
Dabei handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Fälschungen der Umverpackung, der Gebrauchsinformation (Beipackzettel) sowie der Blisterpackung. Gefälschte Tabletten wurden bisher nicht gefunden. Analysen der aufgrund des Rückrufs zurückgesandten Ware werden weitere Aufschlüsse über das Ausmaß der Arzneimittelfälschung geben.
Die Sicherheit der Patienten steht für GSK an erster Stelle. Jeder Verdachtsfall einer Medikamentenfälschung wird daher sehr ernst genommen. Bei weiteren Fragen steht Ihnen unser MED INFO&SERVICE CENTER gebührenfrei unter Tel.: 0800-122 33 55 gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG”

Bei einem Mitglied eines HIV Forums klingelte die Kripo bei ihm zu Hause und wollte diese Tabletten von ihm haben. Im Raum Bremen sind wohl Placebos im Umlauf, die von einem Großhändler kommen. Die Adressen hatten Sie sich von seiner Apotheke besorgt. Die Kripobeamten zeigten auch Ausweis usw. Anhand des Rezeptes wußten Sie wer das Medikament bezieht.

In jedem Fall hätte sich die Apotheke mit dem betreffenden Patienten vorher in Verbindung – bzw bzgl des Sachverhaltes ihn in Kenntnis setzen müssen da die Schweigepflicht auch für Apotheken gegenüber Dritten gilt. So hätte er die Möglichkeit gehabt das Medikament zur Apotheke zu bringen oder es bei der Polizei abzugeben. Da dies nicht geschehen ist, ist dies einem Zwangsouting gleichzusetzen und ist ein Verstoß gegen bestehendes Gesetz.

Datenschutzrecht – Freie Berufe, Ärzte, Apotheker Seite 32 (pdf Datei)

Siehe auch hier StGB § 203 1,1 – Verletzung von Privatgeheimnissen

Das ist absolut inakzeptabel.

* * * * * * *

Update 1.10.2009

Betrifft wie es sich herausstellt auch Trizivr und Epivir. Aber auch hier: KEINE FÄLSCHUNGEN DER MEDIKAMENTE

Bei den sichergestellten Medikamenten handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um Fälschungen der Umverpackung, der Gebrauchsinformation (Beipackzettel) sowie der Blisterpackung (Combivir® und Trizivir®) bzw. des Flaschenlabels (Epivir®). Gefälschte Tabletten wurden in den bisher untersuchten gefälschten Packungen nicht gefunden – der Wirkstoffgehalt entspricht den Original-Tabletten von GSK. Analysen der aufgrund der Rückrufe zurückgesandten Ware werden weitere Aufschlüsse über das Ausmaß der Arzneimittelfälschungen geben.

http://www.hiv-info.de/index.jsp?nodeid=12&CID=615

Glaxo schweigt und wartet ab

Der Hersteller GSK wollte zu den Vorkommnissen keine Stellung nehmen. Man warte vorerst die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Auch besorgten Apothekern gegenüber legt das Unternehmen nach PZ-Informationen eine etwas undurchsichtige Informationspolitik an den Tag. Die Bremer Staatsanwaltschaft wird den Fall nun voraussichtlich an die jetzt zuständige Behörde in Flensburg abgeben. Gegen die Apotheker im Raum Bremen werde nicht ermittelt. Ihnen könne nicht nachgewiesen werden, dass sie von den Fälschungen gewusst hätten, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=30882

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3 Antworten zu Zwangsouting die Zweite (akt.2)

  1. ondamaris schreibt:

    wäre interessant zu wissen, wie aidshilfe bremen oder dah das sehen ;-))

  2. alivenkickn schreibt:

    Ja . . . . . das wär in der Tat interessant.

  3. alivenkickn schreibt:

    Lt. Auskunft von GSK handelte es sich um 1 – in Buchstaben – EINE – leere Packung. Bis dato sind keine weiteren Fälle bekannt geworden. Insofern stellen sich hier schon einige Fragen. Zum einen was die Glaubwürdigkeit der Information seitens der/des Betroffenen betrifft – zum anderen was die Transparenz seitens GSK betrifft da man sich „sehr reserviert“ hinsichtlich der Beantworung „ob denn noch mehrere Packungen aufgetaucht sind“ verhält.

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