Krise


Krise21

Das chinesische Wort für Krise ist  危机 (Weiji) und besteht, wie die meisten chinesischen Hauptwörter, aus zwei Schriftzeichen:

  • 危: Wei trägt die Bedeutung „Gefahr, Bedrohung“
  • 机: Ji bedeutet hier „wichtiger Zeitpunkt“ bzw „Chance“

* * * *

Damals im Dezember 1985 als man mir an den Kopf knallte das ich HIVpositiv bin dachte ich SUPI, alles ok weil positiv = gut. Im Januar 1986 hat mir dann ne Ärztin gesagt was positiv in Zuammenhang mit HIV bedeuted. Da hab ich erst mal den „aus rastaman“ gemacht. Mir war klar das ich spätestens in 3 jahren tot sein werde = Panik. Damals 1986 war es so das die Leute die HIV positiv waren gestorben sind wie die Fliegen. Am 2. oder 3. Tag meiner Ausrast Experience wurde mir auf einmal bewußt das ich jederzeit sterben könnte. Ich könnt auf der Treppe ausrutschen und mir s Genick brechen, von nem Auto überfahren werden oder irgendjemand rammt mir n Messer ins Herz. Mit anderen Worten, der Tod kann mich immer, überall und zu jeder Zeit ereilen. Diese bewußte Erfahrung meiner Sterblichkeit war so essentiell das sich in diesem Moment die Angst die ich mit HIV verband „HIV = schneller Tod in naher Zukunft“ relativierte und auflöste.

Für mich eine der Erfahrungen, die mir im Kontext mit HIV große Freiheit schenkte. Ein Geschenk in der Krise das mir erst durch die Krise zuteil wurde. Großartig.

* * * * * * *

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8 Antworten zu Krise

  1. Dagmar schreibt:

    Das berührt mich sehr, und macht mich zugleich betroffen,..
    und dennoch,…….wie schön Deine Botschaft,…..letztlich ist es wichtig HEUTE und GANZ „HIER im Augenblick“ zu sein, GANZ BEWUSST den Augenblick zu leben….

    Danke für Deine Offenheit,….

    Alles Liebe
    dagmar

  2. Marcus schreibt:

    In jeder Krise existieren Chancen und Möglichkeiten, doch meistens sind sie gut versteckt und werden dadurch oft übersehen. Vielleicht will man sie manchmal auch gar nicht sehen. Ein sehr weiser Artikel, der wirklich berührt.

    Vor allem Deine Offenheit finde ich bemerkenswert, meinen Respekt dafür! Unser Leben ist nur ein Wimpernschlag in der Unendlichkeit, wir sollten es wirklich genießen.

    Ich wünsche Dir mehr Chancen als Bedrohungen,

    Liebe Grüße

    Marcus

  3. alivenkickn schreibt:

    Offenheit ist nichts besonderes. Jeder praktiziert es täglich. Wir sind uns dessen nur nicht bewußt. Du wenn Du über das Laufen schreibst, Herr Meier wenn er mit seiner Frau darüber redet ob sie sich n LCD oder Plasma TV kaufen sollen, zwei Freundinen welche Klamotten sie sich bei H&M kaufen, zwei Promis in Sylt darüber ob der neue Aston Martin Vantage oder der Ferrari California besser zu der Farbe seiner Augen paßt . . . .

    Anders ausgedrückt: Leben beinhaltet Freude und Leid. Menschen – Wir sind es die entscheiden worüber wir reden, oder warum nicht. Wir sind es die bewerten, einteilen, ausgrenzen.

    Im nächsten Beruf werd ich Schubladenschreiner. Ein Beruf mit Potential . . . .🙂

  4. Marcus schreibt:

    Ja, aus dem Blickwinkel betrachtet, kann ich Dir nur zustimmen. Da unterscheiden wir uns nicht viel. Nur ist Dein Thema bedrohlicher – für Dich – und die meisten Menschen haben, bzw. werden sich nie mit derlei Themen auseinandersetzen. Ich nehme mich da gar nicht aus (bisher). Das schätze ich am Internet, in der Blogwelt – man lernt immer wieder interessante Sichtweisen kennen. Und, man lernt dazu; wer bereit dazu ist.

    Schubladenschreiner.😉 Ja, der Beruf hat Zukunft. So sind wir Menschen, alles gleich in Schubladen einordnen. Ich bemühe mich nicht so sein und doch gelingt mir das nicht immer.

  5. alivenkickn schreibt:

    Nur ist Dein Thema bedrohlicher – für Dich.

    Nein – So sehe ich es nicht mehr. Leben ist Leiden. Wenn man Leben unter dem Blickwinkel – dem buddhistischen – Aspekt betrachtet der lebensnah und somit praktisch weil Alltag ist, dann kommt man nicht umhin festzustellen das zum Leben Krankheit dazu gehört.

    Insofern: Hat man ein Problem mit „Krankheit“ oder hat man ein Problem mit dem „Leben“ . . . . .

    Das jede Krankheit ihre eigene Dynamik hat und Jeder gerne davon – von Krankheit – verschont bleiben möchte, das ist verständlich und nachvollziehbar.

  6. Marcus schreibt:

    „Nicht mehr.“ – Also hat sich Deine Sichtweise dahingehend verändert. Diese Erkenntnis zu erlangen und die Krankheit anzunehmen, gelingt sicher nicht vielen. Aber Leiden gehört zum Leben dazu, ja. Ich maße mir nicht an, dies wirklich beurteilen zu können, aber dennoch vermute ich, daß jene Erkenntnis den Umgang mit der Krankheit „erträglicher“ macht.

    Seneca formulierte einst: „Wer den Tod ablehnt, lehnt das Leben ab. Denn es wurde uns nur mit der Auflage des Todes geschenkt. Es ist sozusagen der Weg dorthin.“ – Das schließt auch Krankheiten ein.

    Das Leben vollzieht immer wieder Wendungen, die wir nicht beeinflussen können. Doch manchmal vielleicht ein wenig biegen.

  7. alivenkickn schreibt:

    PS zu deinem 1. Kommentar.

    Bzgl. „meiner“ Offenheit mit der ich mit meiner Infektion umgehe . . .
    Wenn Du dir den einen oder anderen Link in der Linkliste anschaust so wirst du feststellen das ich nicht der Einzigste bin der solcherart mit der Krankheit umgeht.

    Leider, so scheint es, als würde zwischen HIV Positiven und dem Rest der Gesellschaft eine Kluft bestehen, sodaß wir von der Gesellschaft in einem bestimmten Kontext, mit einer oftmals negativen Konnotation wahrgenommen werden was 27 Jahre nach dem Auftreten von HIV in Deutschland schon erstaunlich ist.

  8. Marcus schreibt:

    Ja, diese Wahrnehmung wird sich auch nicht ändern. Zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Die meisten Menschen setzen sich mit diesen Themen nicht auseinander, sofern es sie nicht selbst oder ihre Familien betrifft. Ergo entsteht ein Halb-, bzw. Nichtwissen, wodurch Vorurteile die Oberhand gewinnen.

    Zum anderen ist unsere Spezies sowieso recht beschränkt in ihrem Denken. Andere auszugrenzen, ist ein primärer Teil unserer Natur. Ausnahmen gibt es glücklicherweise auch.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

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