HIV im Alltag – Teil 2 (akt)


Wie sieht der Alltag eines HIV Positiven überhaupt aus? Wie lebt er/sie und von was lebt er/sie?

Grundsätzliches

Mit dem HIVirus infiziert zu sein bedeutet erst einmal das man Virenträger einer Krankheit (HIV) ist die bis heute nicht heilbar ist.

Ob man sich mit dem HIVirus infiziert hat oder nicht bedeutet nicht das man dies merkt. Kurz nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus vorübergehend sehr stark. Da die Virusmenge im Blut, im Sperma, in der Scheidenflüssigkeit und in Schleimhäuten der Genitalien und des Enddarms dann sehr hoch ist, ist in dieser Zeit auch die Ansteckungsgefahr für andere besonders groß.

In den ersten Wochen der Infektion können unspezifische Symtome – Krankheitszeichen, müssen aber nicht auftreten, die nach ein bis zwei Wochen wieder abklingen. Viele bemerken sie kaum oder halten sie für Zeichen eines “normalen” Infekts oder einer Reisekrankheit.

Deshalb gilt ganz pauschal gesagt: BEI SEX – BESTIMMTEN SEXUELLEN PRAKTIKEN IMMER DIE SAFER SEX REGEL EINHALTEN

Danach verläuft die HIV-Infektion zunächst unauffällig, d. h., es treten keine Symptome auf. Diese Phase kann einige Monate oder Jahre andauern. Das Virus vermehrt sich jedoch weiter und schädigt dadurch das Immunsystem.

In dieser Zeit kann man seinen alltäglichen Tätigkeiten wie Schule, Studium, Beruf, Sport weiterhin ganz normal nachgehen bzw ausüben.

Wenn man von seiner Infektion weiß dann sollte man sich regelmäßig von einem HIV Facharzt untersuchen lassen um ggf. entsprechend reagieren zu können. (HIV/AIDS – Heutiger Wissenstand – pdf Datei)

Dank mittlerweile 22 zugelassenen div HIV Medikamente die untereinander kombiniert werden können ist HIV heute zu einer chronisch behandelbaren Krankheit ähnlich wie Diabetes geworden. D.h. eine erfolgreiche Kombinationstherapie wirkt sich günstig auf Gesundheit und Lebenserwartung aus. Dank der medikamentösen Behandelbarkeit von HIV ist es heute sehr vielen Infizierten möglich für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen um somit wie jeder Mensch das eigene Leben nach ihren Wünschen und Plänen zu gestalten bzw zu führen.

Nichts destoweniger gibt es eine nicht unerhebliche Zahl von HIV Positiven die trotz einer HAART auf Grund ihres gesundheitlichen Zustandes, entweder ausgelöst durch den Verlauf der Krankheit HIV selbst oder den Nebenwirkungen der Medikamente, nicht in der Lage sind für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen.  Nur Wenige sind finanziell gut abgesichert bzw. verfügen über eine ausreichende Rente die ihnen ein Leben in Würde ermöglicht. Ein nicht unerheblicher Teil von HIV Positiven lebt von einer Rente in Höhe der Grundsicherung – Hartz IV oder ist auf Hilfe zum Lebensunterhalt – sprich Grundsicherung, ALG II oder Hartz IV durch die jeweiliegen Sozialämter angewiesen.

Hilfe zum Lebensunterhalt

Als HIV-Infizierter und Aids-Kranker hat man Anrecht auf ALG II, Grundsicherung oder Sozialhilfe. Solange man als erwerbsfähig gilt, hat man Anspruch auf ALG II. Wenn man durch die Behörde zwar als nicht erwerbsfähig eingestuft wurde, aber nicht dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, hat man Anspruch auf Sozialhilfe. Ist man voll erwerbsgemindert oder hat das Rentenalter erreicht, hat man Anspruch auf Grundsicherung. Bezieht man eine Rente von einem der gesetzlichen Versicherungsträger und liegt diese unter der Grundsicherung so wird die Differenz vom Sozialamt – Grundsicherung übernommen.

Da der Kostenträger für ALG II die Agentur für Arbeit ist, sehen sich arbeitsfähige HIV Infizierte und AIDS Kranke dank einer gut funktionierenden HAART bei einer möglichen Inanspruchnahme der gesundheitlichen Mehrbedarfszuschläge mit dem Dilemma eines „Zwangsoutings“ konfrontiert.  „

Mehrbedarf

in Höhe von 17 % des entsprechend geltenden Regelsatzes steht einem HIV Infizierten und AIDS Kranken dann zu, wenn man das Rentenalter noch nicht ereicht hat, erwerbsunfähig oder voll erwerbsgemindert ist bzw wenn man das Rentenalter erreicht hat und über einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „G“ oder „aG“ verfügt. Das gilt jetzt (Stand Okt 2008) auch bem ALG II aber nur für Bezieher von Sozialgeld.

Zum Thema Mehrbedarf:

Hygienezuschläge sind als Mehrbedarf gestrichen worden und “können” wenn überhaupt dann nur noch im Einzelfall auf Antrag des behandelnten HIV Facharztes gewährt werden.

Wer erhält einen Schwerbehindertenausweis?

Einen Schwerbehindertenausweis erhalten – wie der Name bereits sagt – nur schwerbehinderte Menschen. Als Schwerbehindert gilt man, wenn der Grad der Behinderung (GdB) nachgewiesenermaßen 50% oder mehr beträgt.

Hier begegnet man den ersten Schwierigkeiten. Neben der Scham die viele HIV Positive empfinden mögen wenn sie einen Antrag für einen Schwerbehindertenausweis ausfüllen ist es mittlerweile mit Mühen, bedingt durch mögliche Ablehnung und Einlegen eines Widerspruch verbunden einen Grad von 50 % zu erhalten. Leider hat sich in vielen Köpfen der Entscheidungsträger in den Versorgungsämtern ein berühmt gewordener und wie ich finde in der Wirkung allen HIV Infizierten und AIDS Kranken zum Nachteil gereichender fataler Werbeslogan „inhaltlich“ festgesetzt: „HIV? Da gibts doch was . . . . . „

Eine VL unter der Nachweisgrenze und CD4 Werte im Bereich von nicht mit dem HIVirus Infizierten ist eine Sache. Die Nebenwirkungen der Medikamente, einer HAART,  wie z.b. Polyneuropathie in den Füßen, Muskelschwund in den Beinen ist eine Andere, die bedingen das Laufen, Treppen steigen, das Einsteigen in Strassenbahn oder Zug, das herausklettern aus dem Becken im Schwimmbad u.ä. mit mehr oder weniger Schwierigkeiten verbunden sind.

Hat man all die kleineren und größeren Hürden überwunden so steht einem Antrag auf  Grundsicherung/Sozialhilfe nichts mehr im Wege. Der Regelsatz für einen Alleinstehenden und Alleinerziehenden beträgt ab dem 1. Juli 2009 monatlich 359 statt bisher 351 Euro.

Regelsatz Euro 359,00
17% Mehrbedarf wegen Erwerbsunfähigkeit/Rente Euro 61,03
Kostenaufwendige Ernährung ca Euro 50,00
Miete (warm) geschätzt Euro 350,00

Gesamt Euro 820,03

Hört sich doch ganz gut an . . . oder? Die Realität jedoch sieht anders aus.

* * * * *

Im Folgenden greife ich auf die Ziele und Aufgaben der Deutschen Aids Stiftung zum Thema „Lebensituation der Betroffenen in Deutschland“ zurück, das in beeindruckender Art und Weise die sozio-materielle und somit politisch gewollte Situation von HIV Positiven und an AIDS erkrankten Menschen aufzeigt.

HIV / AIDS und Armut

Bei HIV und AIDS ist die materielle Not der Betroffenen besonders ausgeprägt. Dies hat vor allem mit dem Alter – oder besser gesagt mit der Jugend – der Menschen zu tun, die an AIDS erkranken. Die Mehrzahl der HIV-positiven Menschen sind zum Zeitpunkt der AIDS-Diagnose jünger als 40 Jahre.

Die frühen Lebensjahre, in denen die Infektion erfolgt, verweisen auf ein sozialpolitisches Problem. Denn nur wer lange genug sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, kann in der Regel aus eigenen Anstrengungen heraus ausreichende materielle Sicherheit erreichen oder durch die Sozialversicherung abgesichert sein.

Es wundert daher nicht, dass 78,5 Prozent der bei der Stiftung Hilfesuchenden ihren Lebensunterhalt durch staatliche Hilfsleistungen (Sozialhilfe/Grundsicherung, Arbeitslosengeld II oder Wohngeld) bestreiten mussten. Jede dritte Person, die sich an die Stiftung wandte, bezog Arbeitslosengeld II, war also bedingt erwerbsfähig. Rund 24 Prozent aller Anfragenden erhielten Grundsicherung bzw. Sozialhilfe und waren somit nicht mehr erwerbsfähig.

Negative Auswirkungen der Sozialreformen für aidskranke Menschen

Die Gesundheitsreform, das Hartz IV-Gesetz und dessen Folgegesetze haben auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II und Grundsicherung negative Auswirkungen. Die Einschränkungen staatlicher Hilfsleistungen spürt die AIDS-Stiftung durch höhere Aufwendungen im Bereich der Einzelhilfe.

Seit dem 1. April 2004 gibt es bei gesetzlich Versicherten Sehhilfen über die Krankenkassen nur für Personen bis zum 18. Lebensjahr oder bei schweren Sehbehinderungen. Gleiches gilt für Hörgeräte. Bei der Mehrzahl der HIV-positiven Menschen liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nicht vor. Ihr niedriges Einkommen reicht jedoch nicht aus, die Kosten für Brillen und Hörgeräte zu tragen. Immer mehr Betroffene wenden sich mit der Bitte um Hilfe an die AIDS-Stiftung. Heute zahlt die Deutsche AIDS-Stiftung für Seh- und Hörhilfen dreimal soviel Hilfsgelder aus, wie vor vier Jahren.

Zum 1. Januar 2005 verabschiedete der Staat sich von der bedarfsorientierten Nothilfe. Bis dahin erhielten Grundsicherungs- und Sozialhilfe-Bezieher im Notfall eine einmalige Beihilfe. Zum Beispiel beim Ausfall eines Kühlschranks oder zum Ersatz von Kleidung. Nach der Anhebung der Regelsätze um 15 Prozent wurden die Berechtigten aufgefordert, für Notfälle Geld anzusparen. Dies ist aber bei den niedrigen Regelsätzen gerade für infizierte und aidskranke Menschen nach Erfahrung der Stiftung nicht möglich.

* * * * *

Von den oben aufgeführten Euro 820,03 Grundsicherung muß folgendes bezahlt werden.Gesamt Euro 820,03

Miete Euro 350,00
Tel/Computer Flat Euro 40,00
Strom Euro 35,00

Rücklagen umgelegt auf den Monat
Haftpflicht 5,00
Jahreskarte Bahn/Verkehrsverbund 5,00
Reparaturen, Haushalt 30,00
Kleidung, unvorhergesehens 50,00

Rest Euro 305,00

Ansparen statt Beihilfen beziehen:

ALGII/Sozialhilfe/GSiBezieherInnen sollen, um ihren Bedarf zu decken, Beiträge für die früheren einmaligen Beihilfen ansparen. Diese sollen jetzt in den Regelleistungen enthalten sein. Man soll also Beträge in unbekannter Höhe für noch nicht bekannte Bedarfe ansparen.

Ich muß ehrlich gestehen das meine fixen Ausgaben etwas höher liegen. Und selbst wenn es nicht der Fall wäre, ich wart und freu mich auf den Tag – Monat an dem ich mal wieder schwarze Zahlen sehen werde.

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Die Ernährung bei HIV-Infektion

Prinzipiell gibt es für asymptomatische HIV-positive Menschen keine andere Empfehlung zur Ernährung als für HIV-negative.

Die Ernährung bei einer HIV-Infektion orientiert sich, wie bei anderen Erkrankungen auch, an der individuellen Situation des Betroffenen (z.B. hohe Viruslast, akute Infektion, anhaltender Durchfall, Stoffwechselveränderungen, Appetitverlust). Entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ergibt sich daher ein unterschiedlicher Bedarf an Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe) und Makronährstoffen (Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett).

Bei erhöhter Viruslast oder einer akuten Infektion besteht ein erhöhter oxidativer Stress, so dass vermehrt antioxidative Substanzen dem Körper zugeführt werden müssen. Die Kampagne 5 am Tag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zeigt hier auf einfache Weise das richtige Vorgehen:

2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse oder Salat am Tag bieten genügend Antioxidantien. Eine Portion kann auch aus einem Glas Obst- oder Gemüsesaft bestehen. Dieser natürliche Weg ist allemal besser als ‚Mega-Dosen‘ von Vitaminen in Kapselform einzunehmen, deren Wirkung umstritten ist. Sie sind oft überteuert und der geschmackliche Genuss fehlt gänzlich.

*

Das Folgende ist zwar aus dem Jahr 2000 hat aber inhaltlich nach wie vor seine Richtigkeit. Unreifes mit der lebensmittelchemischen Keule erschlagenes Obst und Gemüse aus Almeria Spanien das auf dem Transport „Farbe bekommt“, reifen kann man es schlecht nennen, hat einen Nährwert von Null. Regionales saisonales Obst und Gemüse vom Wochenmarkt wäre – ist da die einzigste adäquate Lösung.

„Kann man sich mit ALDI gesund ernähren . . . .

Frankfurt/Main (sno). Der Arbeitskreis der AIDS-Fachkräfte Rhein-Main hat die Städte und Gemeinden aufgefordert, den Mehrbedarfszuschlag für Ernährung für HIV-infizierte Sozialhilfeempfänger zu erhöhen. Mit den aktuellen Sätzen ist es nicht möglich, „sich über den Aldi hinaus zu ernähren“, kritisiert Horst Herkommer, der Vorsitzende des Arbeitskreises.“

Fairerweise muß man sagen das es auch bei ALDI gesunde regionale saisonale Obst und Gemüse Produkte gibt. Trotzdem kann es nicht Sinn sein das Einkaufen auf Grund der geringen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in eine Jagd ausartet.

Was bleibt? Bislang war es so das die Deutsche AIDS Stiftung die Lage von HIV Positiven und AIDS Kranken gemäß ihren Aufgaben und Zielen unterstützte. Doch davon scheint sich die Deutsche Aids Stiftung immer mehr zu entfernen wie man ihrer Presseerklärung vom 22. Juni unzweifelhaft entnehmen kann:

Die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS) hat entschieden, aus Gründen der Effektivität die direkte finanzielle Hilfe für Menschen mit HIV und Aids drastisch einzuschränken, und stattdessen mehr Geld an professionelle Aids-Projekte zu verteilen.

Kommentare und eine Diskussion zu diesem Beitrag findet auf dem Blog von Ondamaris statt.

Nur soviel an deser Stelle. Die Argumentation mit der die Entscheidung der DAS begründet wird mutet nicht nur zynisch an sondern kann als “Strafe” oder eine Form von Stigmatsierung durchaus verstanden werden. Auch unter dem Aspekt der Zahlen im Geschäftsbericht von 2008, vorausgesetzt ich habe diese im Kommentar des DAH Blog nicht falsch gelesen bzw. interpretiert.

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Tips und Ratgeber:

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