Richtiger Weg – Falscher Weg


So wenig Schulmedizin wie notwendig, soviel „unterstützende Methoden bzw alternative Medizin“ als möglich.

Nach dieser Maxime handle und lebe ich seitdem der Virus 1996 aktiv geworden ist. Konkret bedeutet das für mich, das ich seit 12 Jahren eine 3er HIV Kombi nehme (seit Okt 1998 – Epivir – Viread – Sustiva) und das ich mich 2003 auf eine PegInterferon Behandlung eingelassen habe die mit Erfolg beschieden war. In den letzten Jahren wurde ich u.a. an der Bandscheibe mit Erfolg operiert.

Eine Frage die sich für mich im Laufe der Jahre immer wieder stellte: „Welche anderen Methoden/Möglichkeiten gibt es bzw auf welche anderen Methoden/Mittel außer der Schulmedizin kann ich zurückgreifen um einem Krankheitsbild, einer Krankheit etwas anderes entgegenzusetzen. Können andere Methoden den Verlauf einer Krankheit lindern, verlangsamen, aufhalten oder gar heilen?“.  Auslöser dieser Frage waren die Nebenwirkungen meiner ersten HIV 3er Kombi bestehend aus AZT-Epvir-Crixivan. Monatelang hatte ich heftigste Durchfälle und Krämpfe im Magen/Darmbereich die meine Lebensqualität einschränkten und am Ende in eine Depression mündeten aus der ich nur mit Hilfe eines guten Psychotherapeuthen Teams der Habichtswald Klinik in Kassel wieder heraus fand. Im Nachhinein betrachtet war dieser schmerzhafte Prozess eine der wichtigsten und lehrreichsten Erfahrungen die ich machen durfte.

Während meines Aufenthaltes in der Klinik in Kassel wurde ich mit anderen Standpunkten und Sichtweisen von Therapeuthen wie auch anderen Patienten konfrontiert, die mir zeigten das es mehr gibt als das was ich bis dato kannte. Ob es sich um Entspannungsmethoden oder andere Praktiken/Techniken handelte die zur Linderung oder gar Besserung eines Zustandes führen können, es war Neuland für mich das ich hier betrat. Neuland insofern da ich zum ersten Mal Menschen begegnete die für sich einen Weg gefunden hatten,  der für sie stimmig war, ihnen Linderung verschaffte und sie mit ihrer Krankheit und sich selbst in Einklang brachten. Hier erfuhr ich zum ersten Mal das Besserung nicht nur als Ergebnis einer schulmedizinischen Behandlung zu erreichen war. Keiner der dort behandelnten Therapeuthen und Ärzte war einer dogmatischen, einseitigen Sichtweise verhaftet. Sie alle vertraten den Standpunkt das jede Methode seine Berechtigung hat und zur Linderung, Besserung oder Genesung führen kann. Als Voraussetzung braucht es die Bereitschaft sich auf Neues, auf Dinge die ausserhalb des eigenen Gesichtskreises liegen einzulassen sowie Toleranz den Menschen gegenüber die sich für welchen Weg auch immer entschieden haben.

Eine HIV Therapie ist, trotz verbessertem Nebenwirkungsmanagement auch heute noch kein Zuckerschlecken. Nebenwirkungen können immer auftreten. Meine Situation mit der ich mich auf Grund der damaligen Nebenwirkungen – Durchfall, Magen/Darm Krämpfe – konfrontiert sah: Greife ich auf die Schulmedizin zurück oder gibt es andere Möglichkeiten um die Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen. Mir war klar das die HIV Therapie, die Medikamente die ich jeden Abend nahm, alles andere als Pfefferminzbonbons sind. Dennoch habe ich auf die üblichen schulmedizinischen Produkte in der Hoffnung das sie mir helfen würden zurückgegriffen. Nach einiger Zeit jedoch mußte ich feststellen das sie für mich nicht funktionierten. Auf meiner Suche nach einer Lösung bin ich auf auf Heilkräuter gestoßen. Was mich erstaunte und mir zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt war, war die Tatsache das allen „Küchenkräutern“ auch ein Heilpotential innewohnt.

Was mir in dieser Zeit bewußt wurde ist, das eine dogmatische oder verbissene Herangehensweise auf der Suche nach Lösungen einer Lösung abträglich ist. Lösungen – Methoden oder andere Mittel als die herkömmliche Schulmedizin sie bereit hält, so hat es sich im Laufe der Zeit herausgestellt müssen (für mich) innerlich stimmig sein.

Andere von etwas überzeugen zu wollen war lange Zeit eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Weil, wenn etwas für mich funktioniert dann muß es auch für Andere – für Dich funktionieren: „He, schau her. Mir geht es gut. Es funktioniert für mich, also funktioniert es auch für Dich. Glaub mir. Ich weiß was gut (für dich) ist“. Doch ich mußte lernen das dies nicht stimmt und darüber hinaus Situationen entstanden die mehr Schmerz – Probleme auslösen als auflösen .

Ilona hatte im Laufe ihres Lebens eine Menge „skurriler Methoden“ ausprobiert. Viele von ihnen bewertete ich deshalb als „skurril“  weil sie zum einen in meinen Augen „Unsinnig“ und somit nicht zu einem Erfolg führen würden, zum anderen weil sie schlicht und einfach Beutelschneiderei waren. Das was für mich funktionierte bzw das von dem ich überzeugt war das es auch ihr helfen würde – konnte, lehnte sie aus den unterschiedlichsten Gründen ab. Einer der Gründe war der, das sie als sie erstmals mit einer HIV Therapie begann allergisch auf die Medikamente reagierte. Die Folge davon war eine Polyneuropathie in den Füßen und Beinen die sie leider nicht mehr verlassen hat. Jedesmal wenn die Sprache auf einen erneuten Versuch sich auf HIV Medikamente einzulassen aufkam, verhinderte die Angst vor anderen möglichen  Nebenwirkungen, das sie sich Jahrelang weigerte HIV Medikamente zu nehmen. In endlosen Diskussionen versuchte ich sie zu überzeugen das dies nicht so sein müsse. Jedoch ohne Erfolg.

Die Position die ich eingenommen hatte, war eine Position wo beide Partner sich nicht auf Augenhöhe begegneten bzw miteinander kommunizierten. Der Eine, für mich, für den sich Etwas als funktionierend herausgestellt hat, nimmt einen festen zweifelsfreien Standpunkt ein. Dabei übersieht man auf Grund dessen weil etwas funktioniert, oftmals die Tatsache das der Andere sich noch auf der Ebene des Suchens, des Abwägens, des Infrage stellens und des Zweifels befindet.

Mit Worten und ganz besonders wenn man von Etwas begeistert ist (wenn Etwas für einen selbst funtkioniert dann ist man begeistert,  möcht am liebsten die ganzen Welt darüber in Kenntnis setzen: „He schaut her, ich hab das und das gemacht. Schaut mich an – Es funktioniert – Es geht mir gut. Machts wie ich und euch wird s auch gut gehn“) sind immer Emotionen und Energien verbunden. Je mehr ich Ilona versuchte zu überzeugen umso schweigsamer wurde sie. Bildlich gesprochen habe ich sie mit meiner Sichtweise buchstäblich „erdrückt“, mich erhöht – über sie gestellt.

Das Ende vom Lied war das wir an einem Punkt in unserer Freundschaft anlangten wo unsere Freundschaft auf dem Spiel stand. Uns war beiden klar das es so kommen würde, wenn ich auf dieser Überzeugungsebene „Ich weiß was gut für dich ist (ich meins doch nur gut mit dir)“ weiterhin beharrte. Glücklicherweise waren wir in der Lage dies zu erkennen und offen darüber zu kommunizieren.

Wir stellten beide fest wie sehr wir uns mochten und das Freundschaft beinhaltet den anderen Menschen so anzunehmen wie er ist. Dabei spielt es keine Rolle ob oder wie ich zu der einen oder anderen Methode – Sichtweise stehe bzw wie ich sie bewerte. Hier geht es um etwas Essentielles, um die geistige und seelische Gesundheit eines Menschen. Dies bringt es u.U. mit sich das der körperlichen Zustand sich zusehens verschlechtert und man so das Leiden des Anderen wahrnimmt. Ilona hat ihr Leiden als etwas zu ihrem Dasein dazu gehörendes verstanden und akzeptiert. Und natürlich hat sie täglich Medikamente genommen um Ihr Leiden zu minimieren. Eine Situatuation zu akzeptieren ist nicht gleichbedeutend mit „Nichts tun“.  Das auszuhalten besonders dann wenn man jemand liebt, wenn der andere Mensch einem sehr nahe steht ist alles andere als einfach und leicht.

* * * * *

Es gibt eine Zeit in der man darüber kommuniziert was man tun könnte. Ich bezeichne dies als den Entscheidungsfindungsprozeß. In dieser Phase ist der Raum vorhanden um das für und wider einer jeden Methode oder Heilmittel das man in Erwägung zieht zu diskutieren. Ist eine Entscheidung jedoch gefallen, dann geht es, unabhängig davon ob ich die getroffene Entscheidung guteiße, wie ich sie bewerte oder ob ich etwas anderes getan hätte, tun würde, einzig und alleine nur noch darum den anderen Menschen in seiner getroffenen Entscheidung zu bestärken und seine Entscheidung und all den möglichen folgenden Konsequenzen mitzutragen.

Sollte der Andere nach einer Zeit zu der Erkenntnis kommen das seine Entscheidung, die von ihm gewählte Methode/Heilmittel nicht die Richtige war, dann beginnt ein neuer Entscheidungsfindungsprozess. Was ich gelernt habe ist es in solch einer Situation dem anderen, Ilona niemals Vorwürfe zu machen nach dem Motto: „Hab ich es dir nicht gesagt? Hättste nur auf mich gehört dann wär dir das erspart geblieben“. Das ist absolut destruktiv und schadet jeder Beziehung. Freundschaft heißt den Anderen Menschen, seine Entscheidungen und ganz besonders die Auswirkungen einer Entscheidung mit zu tragen.

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Es gibt nur Wege auf denen wir gehen.

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