Das Schweigen brechen . . . Teil 1


Es gibt eine Menge Gründe warum man schweigt, warum man sich nicht outen will. Egal ob Freunden oder der Familie gegenüber, egal ob dem Vorgesetzten im Job oder Ärzten gegenüber, vielen HIV Positiven fällt es heute immer noch schwer sich offen zu ihrem Status „Ich bin HIV Positiv“ zu bekennen. Die Ursache warum man verschweigt das man HIV Positiv ist, hat viele Gründe, Angst dürfte an erster Stelle stehen.

Angst das man abgelehnt und ausgegrenzt wird, Angst das sich der PartnerIn zurückzieht, Angst vor dem Verlust von Liebe, Angst das man den Job verliert, Angst vor den möglichen Folgen die idr auf Mythen und Unwissenheit über die Krankheit als auf Tatsachen beruhen. Schon früh hatte die Projekt Info in Müchnen erkannt „Das schlimmste an HIV ist es über HIV nichts zu wissen“. Dies sind nur einige Gründe – Nachteile die man befürchtet wenn man sich outet. Nicht wenige Menschen sehen sich mit der Information „Sie sind HIV positiv“ mit einem seelischen Konflikt konfrontiert der bedingt das sie sich zurückziehen. Sie tragen ihr „mit dem HIVirus Infiziert sein“ als ein Geheimnis mit sich herum an dem Viele schwer zu tragen haben. Und nicht wenige zerbrechen daran. Isolation und Vereinsamung ist nicht selten die Folge davon. Mitarbeiter der Aidshilfen können dies bestätigen. Aus den gleichen Gründen wollen viele Menschen nicht wissen ob sie HIV positiv sein könnten. Die buchstäbliche Spachlosigkeit von der Viele befallen werden wenn sie heute – 25 Jahre nach HIV erfahren das sie HIV positiv sind – belegt dies in erschreckender Weise. „Ich habe niemand mit dem ich darüber reden kann, ich habe Angst abgelehnt, verlassen, zu werden“ Diese und ähnliche Sätze hört – ließt man zigfach in vielen Foren die sich dem Thema HIV im Jahr 2009 angenommen haben.

Obwohl man seit 25 Jahren weiß das HIV mittlerweileals eine chronische Krankheit verstanden wird, obwohl man weiß wie man sich und andere schützen kann, obwohl man weiß das man mit den zur Verfügung stehenden HIV Medikamenten ein „fast“ normales Leben“ führen kann,  – Stigmatisierung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Kriminalisierung im Alltag ist in Deutschland nach wie vor an der Tagesordnung. Dies zeigt ganz besonders der Fall einer Sängerin, die wegen des Verdachts verhaftet wurde, einen Sex-Partner mit HIV infiziert zu haben. Die Art und Weise wie die Medien diesen Fall aufgegriffen haben und was sie daraus gemacht haben ist mehr als nur beschämend und bezeichnend.

In der Gay Freedom Parade am 25. Juni 1978 hat Harvey Milk trotz mehrerer Morddrohungen wenn er an diesem Tag eine Rede halten würde vor über 250000 Menschen in San Franzisko eine Rede gehalten deren Inhalt heute – leider – an Aktualität nichts verloren hat.

„Wie werden es nicht zulassen das man uns unsere Rechte vorenthält. Die Schwarzen haben ihre Rechte nicht dadurch bekommen das sie sich weiterhin stillschweigend in den hinteren Teil der Busse setzten. Sie sind aus diesem Kreislauf des Schweigens ausgestiegen wie Rosa Parks.

Ich bin das Schweigen leid, also werde ich darüber sprechen. Und ich will, das auch Ihr darüber sprecht. Schwule Brüder und Schwestern, was wollt ihr dagegen tun? Ihr müßt rauskommen. Euch bekennen . . . euren Eltern gegenüber. Ich weiß das es schwer ist und daß Ihr ihnen weh tun werdet, aber denkt daran, wie weh sie Euch in der Stimmkabine tun werden. Sagt es Ihnen, sagt es euren Verwandten. Sagt es euren Freunden, wenn sie wirklich eure Freunde sind. Sagt es euren Nachbarn, sagt es euren Arbeitskollegen. sagt es nur den Leuten die ihr kennt und die Euch kennen. Sonst niemand. Aber ein für allemal: Macht Schluß mit den Mythen, zerstört die Lügen und Verzerrungen“

aus
Randy Stilts „Im Namen der Hoffnung“ Goldmann Taschenbuch – Deutsche Ausgabe August 1983. Titel der amerikanischen Originalausgabe „The Major of Castro Street“ The Life and Time of Havey Milk, St. Martin´s Press New York

Für „Schwule Brüder und Lesben“ setzt einfach „HIV positive Brüder und Schwestern“ ein, der Inhalt der Aussage bleibt sich gleich.

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3 Antworten zu Das Schweigen brechen . . . Teil 1

  1. ondamaris schreibt:

    ich erinnere mich gut an die szene „you gotta give them hope!“
    genau – hoffnung – offen und mutig voran!
    danke🙂

  2. Pingback: HIV im Alltag « alivenkickn

  3. Pingback: Mit offenen Karten spielen – Teil 1 « alivenkickn

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