HIV Prävention und Therapie – Stellungnahme der DAH zu dem EKAF Papier


Am 30. Januar 2008 hat die Eidgenössische Kommission für Aids Fragen unter der Leitung von Prof. Pietro Vernazza , das mittlerweile in Fachkreisen und der HIV Community viel und heißdiskutierte EKAF (pdf) Papier herausgebracht. Weitere und ausführliche Informationen hier.

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Am 18. Dezember 2008 hat – beschlossen vom Vorstand – die DAH in der Debatte um die Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie und das Statement der EKAF folgende Position bezogen:

HIV-Therapie und Prävention

Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich erhöht und die Lebensqualität vieler Positiver wesentlich verbessert.  Sie hat darüber hinaus einen wichtigen präventiven Nebeneffekt: das Ansteckungsrisiko wird deutlich vermindert.

Eine Übertragung bei sexuellen Kontakten ohne Kondom ist unwahrscheinlich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

– die Viruslast des HIV-positiven Partners / der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze,
– die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen,
– bei den Sexualpartnern/partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte z.B. als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vor.

Das heißt: Das Risiko einer HIV-Übertragung ist unter den oben genannten Bedingungen so gering wie bei Sex unter Verwendung von Kondomen.

Unsere bisherigen Safer-Sex-Botschaften werden dadurch sinnvoll und wirksam ergänzt; in der Prävention eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.

Diese erste Stellungnahme werden wir weiter im Verband diskutieren und bis Ende März eine breit getragene Position der DAH veröffentlichen.

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Somit ist die Deutsche Aids Hilfe der erste und bis jetzt einzigste öffentliche Verband bzw. Organisation der nach sachlicher Evaluierung des Inhaltes des EKAF Papiers ein folgerichtiges und logisches weil in sich schlüssiges Statement abgegeben hat. Folgerichtig und logisch insbesondere auch deshalb weil diese Tatsachen schon seit Jahren innerhalb der HIV Commmunity und unter den Ärzten vieler HIV Schwerpunktpraxen bekannt waren. Was den einzigsten und allerdings bemerkenswertesten Unterschied ausmachte ist, das mit der Veröffentlichung des EKAF Papier erstmals das ausgeprochen wurde was schon seit Jahren bekannt war.

Neben den in der Stellungnahme angeführten Voraussetzungen eröffnet diese nicht nur eine Verbesserung der Lebensqualität vieler Positiver sondern das EKAF Papier muß sich auch im Strafrecht entsprechend auswirken. D.h. das der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung und auch des Versuchs unter den im EKAF Papier zutreffenden Bedingungen nicht mehr gegeben ist, da eben unter den Bedingungen des EKAF Papieres der ungeschützte Verkehr dem Verkehr mit einem Kondom gleichzustellen ist. “

„Ein HIV-Infizierter, der in Kenntnis seiner Ansteckung mit einem anderen ohne Schutzmittel Sexualverkehr ausübt, kann wegen gefährlicher Körperverletzung strafbar sein. Ist eine Übertragung des AIDS-Erregers nicht feststellbar, kommt Strafbarkeit wegen Versuchs in Betracht.“

Das AG Nürtingen jedoch hat erstmals in seinem Urteil vom 10.3.2008 (pdf) dem Inhalt des EKAF Papieres wegweisend Rechnung getragen.

  • BGH, Urt. v. 04.11.1988 – 1 StR 262/88; BGHSt 36, 1; NJW 1989, 781; StV 1989, 61; NStZ 1989, 114; MDR 1989, 273; JR 1989, 115; JZ 1989, 496; JA 1989, 321; MedR 1989, 73; BayVBl. 1989, 155; AIF0 1989, 82

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Das Argument das der Inhalt des EKAF nur für Verwirrung und Chaos sorgen würde, das viele Betroffene es „nicht oder mißverstehen“ würden – wie viele Organisationen wie z.b. die BzgA, das RKI und auch einige Aidshilfe gerne als Grund anführen um nicht zu dem EKAF Papier die folgerichtige Stellungnahme abgeben zu müssen, hat die DAH in beispielloser und eindrucksvoller Weise wiederlegt. Wie heißt es doch im Amerikanischen so schön: Keep it simple.

HIV Positive haben zwar den Virus – aber nichts am Kopf.

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Das Paste and Copy der Stellungnahme der DAH vom 18.12.2008 erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Ondamaris

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5 Antworten zu HIV Prävention und Therapie – Stellungnahme der DAH zu dem EKAF Papier

  1. termabox schreibt:

    Die jetzige Positionierung des Vorstandes der DAH wird von mir sehr begrüßt.
    Jetzt wird auch der zweite Teil der Wahrheit benannt. Der erste Teil war, dass sich für Otto-Normalverbraucher in Sachen Schutz vor HIv natürlich nichts ändert.
    Neu ist, dass die Position und die Situation von HIV-Positiven in der Gesellschaft durch die in der EKAF-Stellungnahme bestätigten Fakten auf eine neue Grundlage gestellt wird. In den Augen der Allgemeinbevölkerung sind HIV-Positive generell und sämlich hoch gefährlich. Dieses Denken ist der Motor für Angst mit Folge: Ausgrenzung, Distanzierung, Diskriminierung, Stigmatisierung.
    Dies völlig überzogene Dramatisierung hat in Vergangenheit und Gegenwart viel Leid und Ungerechtigkeit produziert.
    Auch bei anderen Krankheiten änderte sich der Umgang der Bevölkerung mit den Erkrankten schlagartig, sobald deren Infektiosität durch entwickelte Theapien behandelbar war. Gleiches ist nun auch im Umgang mit HIV/AIDS zu erwarten.
    Meine Einschätzung ist, dass diese Entwicklung aber nur in Gang kommen wird, wenn HIV-Positive weiter dahingehende Forderungen stellen.

  2. alivenkickn schreibt:

    In der Tat, Termabox. HIV ist in den Augen der Gesellschaft immer noch negativ besetzt – um es mal höflich auszudrücken. Bestes Beispiel ist – wieder mal ein Artikel im Kölner Express. HIV Monster etc pp

    Die DAH kann man mit ihrer Stellungnahme nur als ein Sprachrohr und als die Belange von HIV Positiven gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit unterstützend verstanden werden.

    Auch das Urteil das AG Nürtingen ist ein Schritt in diese Richtung. Diesem Weg wird aber nur dann Erfolg beschieden sein wenn die Positiven ihren Teil dazu beitragen damit HIV im Alltag Normalität wird wie jede andere Krankheit auch. Die PoBe in Stuttgart könnte das ihrige dazu beitragen.

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