Alt werden . . . . . .


Ich bin mittlerweile 58 und lebe seit 1985 (bekannt) mit dem HIVirus. In den letzten Jahren hat sich meine Wahrnehmung und meine Sichtweise was „alt werden“ betrifft grundlegend verändert. 1985 als mir ein Arzt „Sie sind Hiv positiv“ ohne weitere Erklärung an den Kopf warf wußte ich erst mal gar nichts damit anzufangen. Erst als mir eine Ärztin 3 Wochen später erklärte was HIV positiv sein bedeutet gings mir ähnlich wie den Meisten. Ich durchlebte eine emotionale Achterbahnfahrt. Damals war mir klar das ich in spätestens 3 Jahren tot sein werde – was damals durchaus der Realität entsprach.

Tja und hier sitz ich nun vorm PeCe und lebe dank einer greifenden 3 er Kombi immer noch. Das ich mal 58 Jahre alt werden könnte – würde, das hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu träumen gewagt. Obwohl – auf das was man träumt hat man ja keinen Einfluß . . . . . 😉

58 Jahre ist kein Alter, so sagt man ja gemeinhin. Unter dem HIV Aspekt und dem Aspekt meiner Vergangenheit ist es allerdings ein kleines Wunder. Was mich aber wie ein kleines Kinde teilweise mit ungläubigem Blick staunen läßt, ist meine Wahrnehmung bzgl des alt werdens von Menschen die ich mag – die ich kenne. Da gibt es die ich aus meiner Jugend kenne. Doch die Meisten die ich meine kenne ich nicht persönlich, dennoch haben sie mich – den größten Teil meines Lebens auf eine besondere – ihre spezielle Art und Weise begleitet.

Keith Richards – mittlerweile 66 Jahre alt, der mehr als ein bewegtes Leben geführt hat und nur noch durch seine Falten zusammengehalten wird, macht immer noch ne tolle Musik zusammen mit den übrigen Stones. Joni Mitchell, die Lady aus dem Canyon, im gleichen Alter – ihre Stimme ist noch genauso jung wie zu der Zeit als sie den Song Woodstock aufnahm. Oder Anselm Grün , dessen Bücher mir im Laufe der Jahre durch manch schwierigen Lebensabschnitt halfen. Und so gibt es noch eine Menge von Musikern, Bands, Künstlern die mich, mein Leben begleiteten. Eines haben wir alle gemeinsam und verbindet uns. Wir sind zusammen alt geworden.

Vor 3 Wochen erzählte mir mein Nachbar das sein bester Freund plötzlich gestorben ist. Er ging, wie an jedem Samstag mit seinem Hund spazieren, setzte sich auf eine Bank – und hörte auf zu atmen. Er wurde 52 Jahre alt und war kern gesund.

Vorige Woche ist Walter Curkovic-Paul gestorben. Er starb an den Folgen eines Herzinfarktes. Auch sein Ableben kam „aus heiterem Himmel“. Ohne Vorankündigung – ohne das er von einer Krankheit gezeichnet war.

Natürlich bin ich mir bewußt das HIV ein ganz besonderes Schmankerl ist das jeder von uns der HIV positiv ist, mit sich herum trägt. Und nicht wenige haben mit erheblichen Nebenwirkungen, die von den Medikamenten herrühren zu kämpfen oder leiden an trotz der den HIVirus in Schach haltenden Medikamenten an HIV bezogenen Krankheiten. Alt zu werden wenn man mit dem HIVirus infiziert ist – ist trotz immer besser werdender (was das Nebenwirkungsmanagement betrifft) Medikamente nicht die Regel.

Es ist meine pers Sichtweise, meine Wahrnehmung von meinem Leben . . möglicherweise von Leben. Mit jedem Jahr das ich älter werder – erleben darf, relativiert sich dieser Virus. Er verliert – für mich – immer mehr von seinem anfänglichen Schrecken in den er mich versetzte als ich 1985 erfuhr das ich HIV positiv bin.

Das Leben wie ich es heute Lebe ist schlicht und einfach mein Leben – es ist für mich inkl HIV zur Normalität geworden. Es ist „Das Leben“ so wie ich es heute verstehe.

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Eine Antwort zu Alt werden . . . . . .

  1. termabox schreibt:

    Ja, da wundert man sich, wenn so ein Wunder geschieht – freut sich und ist ein wenig perplex. Mit seinen Jugendpopstars gemeinsam alt zu werden ist in der Tat mit einer so langen HIV-Lebenszeit eine berührende Erfahrung.

    Irgendwie ist HIV für uns zu einer Normalität geworden, weil wir kein anderes Leben kennen als das eigene. Dass es aber andererseits gar kein „normales“ Leben, sondern ein Leben mit besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen ist (siehe gesellschaftlicher Umgang mit HIV-Positiven), ist auch eine Seite dieser merh als zweiseitigen Ehrenmedaille.

    HIV hat ganz schon viel Mist in unserem Leben angerichtet. Diese Erfahrungen wirken doch stets mit, bei aller Lebensfreude und Optimismus.

    Akzeptanz dessen, was ist, ist mit Sicherheit der beste Weg, sein Leben gut zu leben.

    Viel Glück weiterhin – und gemeinsam ist man stärker :-))

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