Erprobte Rezepte von Anna W.


N Blog ist ja dafür da das man was schreibt damit andere was zu lesen haben. Irgendwie fällt mir zu HIV im Moment nix ein obwohl´s ne Menge zu sagen gäb. Und über irgendwelche alltäglichen Banalitäten des Alltags oder gar der Tagespolitik was zu schreiben dafür gibt´s ja die Tageszeitungen. Außerdem will ich ja niemand langweilen.

Also schreib ich mal was über´s Essen. Weil erstens eß ich gern und das vor allem gut. Und zweitens weil wir ja alle essen müssen oder zumindest genug zum Essen haben sollten damit wir leben können.

In unserer Familie gab es eine Frau die wurde nur die Määnzer God genannt. God oder Goth ist Dialekt, altertümlich und war/ist eine unverheiratete Patin. Sie war die Schwester der Mutter meiner Mutter, meine Oma und wurde 1897 in Obernhausen im Fischbachtal im Odenwald geboren.

Anna so hieß sie mit Vornamen hat in jungen Jahren ihr Elternhaus verlassen und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Haushälterin und Köchin. Auf Grund ihrer ausgezeichneten Kochkenntnisse die sie sich im Laufe ihres Berufslebens in verschiedenen Gegenden – unter anderem in der Schweiz (daher einige ihrer Schweizer Rezepte) erwarb, kam sie nach Mainz wo sie die Stelle einer Haushälterin und Köchin in einer jüdischen Familie antrat . Daher auch ihr Name Määnzer God. Es muß wohl eine sehr wohlhabende Familie gewesen sein deren Haushalt sie führte und für die sie kochte. Das jedenfalls kommt aus den Zutaten der „erprobten Rezepte“ ihres handgeschriebenen Kochbuches zum Ausdruck.kochbuch1

Sie hatte sich nämlich alle Rezepte und allerlei für den Haushalt nützliches in einem Kochbuch aufgeschrieben. Irgendwann vor ungefähr 25 Jahren – das war die Zeit als ich mit dem Kochen anfing – ist mir, bei einem Besuch einer meiner Verwandten mütterlicherseits die im Odenwald lebt, das Kochbuch in die Hände gefallen. Ich war derart von den Rezepten begeistert das ich sie bat mir das Kochbuch auszuleihen um mir die Rezepte zu kopieren.

Das es sich bei der Familie deren Haushalt Anna in Mainz führte um eine sehr wohlhabende Familie handeln mußte geht aus den Zutaten hervor. Da wurden Trüffel und Gänseleber nicht nach Gramm verarbeitet, da gings gleich richtig zur Sache. 1/2 Pfund Trüffel, die Leber einer Mastgans, Kalbfleisch, Froschschenkel, Hecht, Seezungen – alles Zutaten die sich kein „normaler“ Haushalt in den 30ger Jahren des 20 Jahrhunderts leisten konnte.

sehrgutesgericht1

Ein schnelles, sehr gutes Gericht

2 Kalbsnieren, 500 gr Kalbsleber, 1 Kalbslendchen, 500 gr Kalbsmilcher.

Alles Fleisch schneidet man in kleine Stücke und bratet immer einen kleinen Teil in frischer Butter rasch und aufgedeckt in einer Pfanne durch, tut alles in einen Topf und stellt diesen warm. Mache von dem braunen Fleischsatz, etwas Fleischesextrakt, 1 Teelöffel Mehl und etwas Bouillon eine kurze Sauce, gieße über das warm gestellte Fleisch und gebe zu Tisch mit pom de fruit und grünem Salat.

Und auch mit Butter und Rahm wurde alles andere als gegeizt. Bei manchem Ernährungsberater von heute würde sich schon beim Lesen der Cholesterinspiegel erhöhen. Es waren üppige, gehaltvolle und vor allem gutschmeckende Gerichte die da bei dem Mainzer Professor auf den Tisch kamen. Das kann man immer wieder anhand einzelner Kommentare zu Rezepten – sehr fein – sehr gut – lecker – entnehmen.

blatterteig2

blatterteig11

Blätterteig – gefüllt

2 junge Hähnchen, 500 gr frische Champigons, 500 gr Kalbsmilcher, 250 gr Trüffel, 375 gr Blätterteig

Dämpfe die Hähnchen in Butter an, fülle mit Bouillon auf und lasse zugedeckt weich werden. Ebenso die Kalbsmilcher, die Trüffel (sofern sie frisch sind – koche in Rotwein eich 1/2 Std). Die Champignons dämpfe ebenso in Butter weich. Mache in Butter eine helle Mehlschwitze, fülle mit Bouillon auf, gebe etwas Fleischesextrakt bei, löse das Fleisch von den Hähnchen, zerkleinere die Kalbsmilcher, gebe Trüffel und Champignons dazu und zuletzt einen Schuß guten Wein, 3 Eigelb und 1 Stück frische Butter. Fülle in den warmen Blätterteigkranz und gebe ihn zu Tisch. – sehr fein –


Und vor allen Dingen Süßspeisen. Ca 1/3 des Kochbuches besteht aus Rezepten zu Nachspeisen. Cremes, Eis, Torten, Kuchen, Plätzchen . . . Kein Essen ohne Nachtisch. Und Leckermäuler waren sie. Soviel ist mal sicher. Allesamt.

paradiesspeise

Paradiesspeise

20 Löffelbiskuit mit feiner Marmelade bestreichen und zusammenklappen. 1 Ltr süßen Rahm unter ständigem schlagen mit Vanille kochen, 280 gr Zucker beifügen. Wenn abgekühlt noch 12 Eigelb beifügen. Die abgekühlte Ceme über die Biskuits geben. Alsdann 6 Eiweiß zu Schnee schlagen, 160 gr Zucker mit Vanillezucker beifügen und über die Creme streichen und gleich die Creme 20 Minuten in den heißen Backofen stellen und für den nächsten Tag kalt stellen.

Zu guter letzt . . . .

Schwarz, heißer Bohnenkaffee mit Citronensaft ohne Zucker hilft gegen Kopfweh.

Und wenn bei der Wäsche etwas verfärbt wird, so weiche man es in Magermilch ein, so wird es wieder klar.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Iß Dich zufrieden abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Erprobte Rezepte von Anna W.

  1. ondamaris schreibt:

    hmmm … ich bekomm hunger 😉
    nur – was ‚Kalbsmlchler‘ ist, hab ich noch nicht verstanden – aber das kommt bestimmt noch …

  2. alivenkickn schreibt:

    Hallo Ondamaris
    Kann ich gut verstehen – ich hab mich hungrig geschrieben stell ich grad fest. 🙂
    Kalbsmilcher ist Kalbsbries – die Thymusdrüse die es nur beim jungen Kalb gibt.

  3. koww schreibt:

    mehr…mehr….mehr!!!!!!!!

  4. alivenkickn schreibt:

    🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s