Gewalt gegen Schwule – Von der Politik allein gelassen


Auf einem meiner Spaziergänge durch die verschiedenen Blogwelten blieb ich bei einem Satz eines Artikels wie festgewurzelt stehen, dessen Tragweite sich mir erst nach und nach erschloß.

„Aber ich wage das nicht. Und es macht mich wütend, dass (ich) diese Rücksicht nehme“.

In ihm geht es um die Auseinandersetzung mit dem Thema „Gewalt gegen Schwule“ auf Grund eines Artikels der in der Mopo im April 2007 erschienen ist. Im Verlauf der Diskussion die sich in div Kommentaren entwickelte, sagte Hans-Georg (Kommentar No 17): 

Aber diese Menschen sind hier zu Gast und haben uns zu tolerieren, egal ob schwul/lesbisch oder nicht.

When in Rome, do as the Romans do“

[St. Ambrose, quoted in St. Augustine Letters xxxvi. 32] (Migne), quando hic sum, non ieiuno sabbato; quando Romae sum, ieiuno sabbato, when I am here [i.e. Milan], I do not fast on Saturday; when I am in Rome, I fast on Saturday; [1660 quoted in verse form in Jeremy Taylor, Ductor Dubitantium (1851) I. i. 5. 5] cum fueris Romae, Romano vivito more, cum fueris alibi, vivito sicut ibi, when you’re in Rome, then live in Roman fashion; when you’re elsewhere, then live as there they live.

Sinngemäß bedeutet dieser Satz“ Wenn du einen fremden Ort oder eine fremde Kultur besuchst, dann halte dich an die Regeln und Gebräuche dieser Kultur – dieser Menschen die in diesem Land leben.

Nun wäre es töricht zu glauben das der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund ihre eigene Religionen ,Traditionen und kulturellen Gepflogenheiten ablegen müßten und dafür die kulturellen Regeln und Gepflogenheiten des Landes in dem man sich entschieden hat zu leben – in unserem Fall Deutschland – anzunehmen. Das würde schon gegen Artikel 4,1 der Grundrechte des Grundgesetz verstoßen.

Im Jahr 2005 führte das Statistische Bundesamt einen Mikrozensus durch, dessen Ergebnisse im Juni 2006 veröffentlicht wurden. Danach haben 15,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund (pdf-Dokument Seite 74 unten). Der Anteil bzgl der moslemischen Bevölkerung wurde in dem Mikrozensus nicht erfasst doch dürfte sich die Zahl zwischen 5 – 6 Mio bewegen.

Doch was man nicht nur erwarten darf sondern von jedem Menschen der in der Bundesrepublik lebt voraussetzen sollte, ist das gegenseitige Respektieren und Tolerieren der jeweiligen Kultur, Tradition und Religion unter der Voraussetzung das sie nicht gegen gültiges deutsches Recht verstößt. Dies gilt für Deutsche wie Deutsche mit Migrationshintergrund bzw für Ausländer gleichermaßen.

Am 6.11.2008 fand im Vatikan das erste „katholisch – islamische Forum“ mit dem Ziel statt, das bestehende Spannungen zwischen dem Islam und dem Westen abgebaut werden mögen. In einer gemeinsamen Abschlußerklärung der Teilnehmer sprach man sich für Gewissens und Religionsfreiheit und die Respektierung des „menschlichen Lebens in all seinen Stadien“ aus.

Interessant wird es wenn man sich die „Erste gemeinsame Erklärung des katholisch-muslimischen Forums“ durchließt.

Für beide – die Christen katholischen Glaubens  und Moslems ist Homosexualität im Kontext zu ihrer Religion unvereinbar und ist entsprechend zu verurteilen. Beide Religionen heißen Homosexualität nicht gut und ist demzufolge unvereinbar mit ihrer Lehre. Das ungeheuerliche jedoch ist das Schweigen der katholischen Kirche wenn z.b.  gegen Homosexuelle Gewalt ausgeübt wird. Der Aufruf von Gewalt Abstand zu nehmen ist als Friedensbotschaft selbstverständlich – doch im Kontext eines Treffens mit Vertretern anderer Religionen darf man schon das Kind beim Namen nennen. Wenn man Gewalt als ein Ausdruck der Ablehnung versteht da man gegen das „interpretierte – ausgelegte oder verstandene Worte des Propheten – den Koran verstoßen hat, dann kommt man in diesem Fall zu dem Schluß, das die kath Kirche die zunehmende Gewalt gegenüber Homosexuelle billigt. Da spielt es auch keine Rolle mehr das der Papst in seinen Friedensbotschaften betont „daß durch die Achtung der Person der Friede gefördert wird und daß der Friede zwischen den Einzelnen und den Völkern — die Fähigkeit, nebeneinander zu leben und Beziehungen der Gerechtigkeit und der Solidarität zu knüpfen — eine Verpflichtung darstellt, die keine Unterbrechung kennt.“

Insofern mutet es geradezu grotesk an wenn man auf der Seite von Milis Görüs erfährt, das menschliches Leben ein wertvolles Geschenk Gottes ist und man es in allen Phasen erhalten und ehren soll. Beide Religionen – Katholiken wie Muslime – sollten auf der ganzen Welt für Harmonie, gegen Unterdrückung und Gewalt eintreten bzw diese zurückweisen.

Der Alltag – die Realität sieht jedoch anders aus. Insofern war unter diesem Gesichtspunkt der 3. Integrationsgipfel der am 6.11. im Bundeskanzleramt stattfand eine Farce die von beispielloser Blindheit geprägt  war. Auch hier kein Wort – keine Stellungnahme – keine Klarstellung der politisch Verantwortlichen zu der Gewalt gegen Schwule wie schon zuvor beim Dialog zwischen Vertretern von islamischen, Migranten- und Homo-Gruppen der in  Berlin am 28.10. stattfand.

Wenn man deshalb schweigt weil man denkt das „Kritik am Verhalten bestimmter Gruppen gegenüber Schwulen“ als Ausländerfeindlichkeit ausgelegt werden kann dann bedeutet dies konsequent zu Ende gedacht nichts anderes als das man Gewalt gegen Schwule befürwortet und somit Gewalt für ein probates Mittel seinem „Unmut“ Ausdruck zu verleihen hält.

Insofern verwundert es auch nicht wenn Projekte wie Maneo nicht eingeladen oder erst auf Grund öffentlichen Protests kurz vor einer Veranstaltung zugelassen wird.

Gewalt gegen Schwule so könnte man meinen sei etwas Normales, Gewalt gegen Schwule scheint zum Alltag in Deutschland zu gehören.

Erstaunlich – ja geradezu tollkühn und abenteuerlich mutet in diesem Zusammenhang ein möglicherweise neues Verständnis – Konzept gegen „Diskriminierung und Stigmatisierung“ des Senats des Inneren von Berlin an, das die Pressesprecherin für Inneres Frau Nicola Rothermel mit den Worten warum die Polizei Berlins homophobe Übergiffe nicht registrieren würde vorstellte:

„Es ist politisch nicht gewollt, Minderheiten zu erfassen, Damit solle einer möglichen Stigmatisierung oder Diskriminierung der Opfer vorgebeugt werden.“

Ondamaris sagte in einem Kommentar (Nr.5) zu dem besagten Artikel von Hans-Georg, das das Bemühen um Integration immer beidseitig sein sollte und verwies auf einen Link in einem anderen Blog. Doch leider sind unter dem angegebenen Link keine Beiträge mehr vorhanden. Zwar gibt es unzählige Beiträge über Gewalt gegen Homosexuelle in anderen Ländern  . . . aber imo wenig über Gewalt gegen Schwule in unserem Land. Das viele Bloger verständlicherweise aus Angst vor Reaktionen keine Stellung beziehen ist naheliegend – und spiegelt eine gesellschaftliche Haltung wieder die einfach unerträglich und nicht hinnehmbar ist.

Es ist mein Recht hier wo ich lebe mich ohne Angst frei zu bewegen.
Es ist mein Recht hinzugehen wo immer ich hin will.
Es ist mein Recht meine Meinung frei zu äußern ohne Angst vor möglichen Repressalien haben zu müssen.

Wer das nicht aushalten kann – wer nicht in der Lage ist diese Werte – diese im GG verbrieften Rechte zu akzeptieren oder zu tolerieren für den ist Deutschland das falsche Land.

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2 Antworten zu Gewalt gegen Schwule – Von der Politik allein gelassen

  1. alivenkickn schreibt:

    Ich möchte hier nochmals explizit herausstellen worum es geht – der link – hagalil.com ist im Text schon gesetzt

    „Wir stellen nicht in Frage, das Deutschland ein Einwanderungsland ist. Wir stellen nicht Frage, dass wir alle – ob Migrant oder Nicht-Migrant – gleichberechtigt zusammen leben sollen. Aber über das wie und über Probleme, die es gibt, muß man reden dürfen und muß man reden.“ Treffend sagte ein Migrant gegenüber haGalil-online: „Es ist Rassismus, wenn man ein Problem leugnet, nur weil Personen mit einem Migrationshintergrund als Täter beteiligt sind. Es ist kein Rassismus, wenn man Migranten und Nicht-Migranten gleich behandelt – und dazu gehört, die Probleme die es gibt sachlich beim Namen zu nennen. Nur so kann man gemeinsam an Lösungen arbeiten.“

  2. Pingback: Gewalt gegen Schwule – die unendliche Geschichte geht weiter . . . « alivenkickn

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