Wie werde ich leben . . . when I`am 64 . . . .


Diese Frage stellt sich mir schon seit geraumer Zeit. Den nachfolgenden Text habe ich im April dieses Jahres in ein Forum online gestellt. Da die Blogger Scene eine etwas andere ist stelle ich diesen Text jetzt hier hinein. Im Grunde genommen ist dieser Text der meine – die Ausgangssituation beschreibt somit der Erste einer Reihe die sich mit dem Thema „HIV und Alter – alt werden“ beschäftigt bzw. auseinandersetzt.

Als ich 1985 von meinem Status „HIV positiv“ erfahren hab war ich 35. Damals war mir klar das ich nicht länger als 3 Jahre leben würde. Ich hatte innerlich mit meinem Leben abgeschlossen. In dieser Zeit wußte man noch nicht viel über HIV, außer AZT gabs nix und bis zu den ersten 3 er Kombis Mitte der 90ger starben die Leute wie die Fliegen. Nach 5 jahren wunderte ich mich das ich immer noch lebe: „Ui ich leb ja immer noch“ das war s dann auch schon.

Mittlerweile bin ich 58 und stelle mir seit langem die Frage „Wie will ich mal im Alter mit 65, 70 leben“. Die Wahrscheinlichkeit mit HIV Medikamente lange zu leben, alt zu werden, ist mittlerweile durchaus realistisch. Familie – nun die gibt es in meinem Fall nicht. Ich war nie verheiratet – habe keine Kinder – jedenfalls weiß ich von keinen und bin immer noch Singel. Gut der Zustand kann sich ändern – . . .

Mir vorzustellen in einem „Altenheim“ wie es sie zur Zeit gibt – den Rest meines Lebens zu verbringen ist unvorstellbar und kommt für mich nicht in Frage. Ich lebe offen mit dem Virus und verstecke mich nicht mehr wenn es darauf ankommt. Nicht das ich jedem auf die Nase binde das ich HIV + bin, aber mit Herr und Frau Jedermann – dem Spiegelbild der Gesellschaft wie sie sich heute darstellt – HIV Positive erfahren leider wieder die geiche Ablehnung wie vor 25 Jahren gerade auch von jungen Ärzten – in nem Altersheim zusammen sein zu müssen und mich noch mal mit Ablehnung und möglichen Vorurteilen auseinandersetzen zu müssen . . . ne Danke, das brauche ich wirklich nicht mehr.

Das ich Single bin das machts noch n Tick verschärfter. Und . . ich bin nicht der einzigste HIV Positive der Single ist behaupte ich mal. Auf Menschen zu zugehen – neue Menschen kennen zu lernen damit habe ich keine Probleme – aber mit Menschen im Alter – im gleichen Alter – die letzten Jahre des Lebens zusammen zu leben das is ne ganz andere Geschichte.

Die letzte Woche war im TV Themenwoche “ Mehr Zeit zum Leben“. Fand ich sehr interessant. Besonders die Sendung von dem ehemaligen ARD Korespondenten Sven Kuntze fand ich äußerst spannend.

“ Kuntze testete bei seiner Recherche-Reise verschiedene Lebensformen von der Vier-Generationen-Familie über die gemeinsamschaftlich verwaltete Wohnsiedlung bis hin zum klassischen Seniorenheim. „

Das einzigste Konzept das ich als eine Möglichkeit für mich sah war das in Weimar. „Gut aufgehoben fühlt er sich auch in einer Wohnsiedlung in Weimar: Jeder hat sein eigenes Haus, aber vieles wird gemeinsam genossen. Alt und Jung leben dort zusammen, und jeder übernimmt eine Aufgabe. Freiwillig, weil es Sinn macht.“

Solche eine Wohnform könnte ich mir sehr gut für mich vorstellen. Ein großes Anwesen oder großes Haus. Mit eigenem Wohnbereich – Wohnung – Gemeinschaftsraum . . . . Schwule – Heten – Normalos – HIV Positiven . . alles kein Thema. Menschen mit einer Krankheit die immer noch einen besonderen – einen Aussenseiter Stellenwert in den Köpfen der Gesellschaft hat bzw dem die Gesellschaft einen „besonderen Stellenwert“ zuordnet – dies ist leider immer noch Alltag hier in Deutschland. Ich sag immer mal “ Das ist nicht mein Problem“ aber so ganz stimmt das natürlich nicht. Im Alter wird – kann es, wie ich es heute sehe wieder zu einem Problem werden.

Und – da es bis heute eben noch keinen HIV Impfstoff gibt – sollte die Möglichkeit einer adäquaten ärztlichen Versorgung und Pflegerischer Betreuung gewährleistet bzw. möglich sein wenn es denn notwendig wird. Denn wir wissen heute nicht was an Langzeitfolgen durch die Einnahme von HIV Medikamente auf uns zukommen wird. Auf alle Fälle will ich im Alter keinen Stress mit Menschen haben nur weil sie n Problem mit HIV haben. Und den Erklärbär zu machen oder so ne art „Zooländer“ zu sein „Gugg ma das is der HIV Opa“. . . . Das kenn ich aus der Vergangenheit und brauch ich nicht noch mal wenn ich alt bin. Muß ich mir nicht geben und will ich auch nicht hören. Und nein – den Anspruch „HIV auf Teufel komm raus ein Gesicht geben zu müssen “ mit der Absicht das die Gesellschaft doch nu endlich bitte schön tolerant werden möge . . . nun die Gesellschaft bestehend aus dem Einzelnen darf ruhig mal von selbst in die Gänge kommen. Ich finde nämlich das es an der Zeit ist Initiative zu ergreifen, bei sich selbst anzufangen und sich der eigenen Schubladen – der eigenen Vorurteile bewußt zu werden. Das ist finde ich nicht zuviel verlangt. Ich für meinen Teil möchte einfach meine letzten Jahre mit gleichgesinnten Menschen – Menschen die sich gegenseitig respektieren vielleicht auch mögen, genießen. Soweit es eben die Gesundheit zuläßt.

Für mich pers ist HIV in meinem Leben kein Problem mehr. Hiv gehört zum (meinem) Leben so wie meine Nase, mein Bauch, meine Beine und Brille. Dies wird ja auch nicht 24/7 thematisiert. Das Alt werden – all das was das Alt werden mit sich bringt das ist das Thema . . . plus dem „Bonus“ HIV natürlich. Wieder so ne brisante explosive Mischung.

Kühn wie ich nun mal bin behaupte ich einfach mal das wir, die wir HIV + sind einen unschätzbaren Vorteil auf unserer Seite haben. Wir – viele von uns sind sich ihrer Sterblichkeit ausgelöst durch die Diagnose „Sie sind HIV +“ bewußt geworden. Das Tabu „Sterben und Tod“ das heute in der Gesellschaft nach wie vor sehr präsent ist und verdrängt wird wurde durch diese Diagnose zertrümmert. Wir wissen das wir sterblich sind, erfahren mitunter täglich das Krankheiten zum Leben dazu gehören. All diese Aspekte beinhaltet das Alt werden. Nicht umsonst lautet die erste edle Wahrheit im Buddhismus „Leben ist Leiden“. Es ist nicht nur eine philosophisch – intellektuelle Aussage sondern bewahrheitet sich täglich im Alltag der Menschen. Insofern behaupte ich jetzt mal hat der Schrecken den das Alt werden für die meisten Menschen beinhaltet für einige – viele von uns nicht mehr die Gewichtung – den Stellenwert wie für den Rest der Gesellschaft.

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5 Antworten zu Wie werde ich leben . . . when I`am 64 . . . .

  1. Pingback: Männer über 50 in der HIV Prävention? « koww’s - webblog

  2. gcce schreibt:

    „HIV Positive erfahren leider wieder die geiche Ablehnung wie vor 25 Jahren gerade auch von Jungspund Ärzten – in nem Altersheim zusammen sein zu müssen und mich noch mal mit Ablehnung und möglichen Vorurteilen auseinandersetzen zu müssen . . . ne Danke, das brauche ich wirklich nicht mehr.“

    solche menschen wirst du auch unabhängig von HIV erleben. vielleicht wir alle. die „jungen dinger“ im besserwissermodus, die keine achtung vor gelebtem leben und lebenserfahrung haben. vielleicht haben wir aber auch alle glück, und der umgang wandelt sich noch einmal ;o)

  3. alivenkickn schreibt:

    Es geht um „Leben im Alter – In Würde alt werden“. Viele Hiv Positive und besonders viele Schwule und Lesben leben ihr schwul-lesbisch sein aus Angst stigmatisiert und diskriminiert zu werden versteckt. Ihre Lebenskonzepte und Pläne sind anders als die von „Otto und Lieschen Nebenan“, die Bedürfnisse sind andere.

    Sich da auf das Glück zu verlassen das diesbezüglich ein Paradigmenwechsel in der Gesellschaftlich stattfindet . . . . . ich fürchte in diesem Leben wird das nix mehr. 😉

  4. Pingback: Klein aber fein « alivenkickn

  5. Pingback: Sie ist „HIV Positiv“ – Eine Geschichte aus einem Altenheim!? « alivenkickn

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