HIV im Dialog – Einsichten – Ansichten und Aussichten


Interessant – ernüchternd – überwältigend – spannend . . . das ist mein 4 Worte Fazit auf einen Nenner gebracht.

Einen Teil der hier erwähnten Vorträge – Präsentationen der einzelnen Workshops sind auf der Webseite „HIV im Dialog“ unter „Vorträge 2008“ als PDF Datei abzurufen.

Freitag, 12.09.2008 12.35 – 14.00

Ausblick auf die Gesundheitsversorgung der Zukunft in Deutschland.

Bei vielen solcher und ähnlichen Veranstaltungen sind Minister oder hochrangige Ministerialdirigenten angekündigt die eine Begrüßungs – Willkommen Rede halten. Oft wird ihr Nichterscheinen jedoch mit dringenden Geschäften oder anderweitigen Verpflichtungen entschuldigt. Insofern hatte ich keine große Hoffnung das Ulla Schmidt – ihres Zeichens Bundesministerin für Gesundheit erscheinen würde. Doch ich sah mich getäuscht. Sie erschien – war da und hielt einen ca 10 minütigen Vortrag zu dem obigen Thema. Dafür das sie erschienen ist und den Mut fand zu dem Thema zu referieren, schon dafür gehört ihr mein Respekt. Andererseits hat sie einige Steilvorlagen geliefert die – um mich mal einer höflichen Wortwahl zu bedienen – „irgendwie und überhaupt etwas fern der Realität waren“. Ich hoffe dass das Vorbereitungskomitee von HIV im Dialog die Zeit finden wird in der Nachbearbeitung dieser Veranstaltung diesen ihren Vortrag online zu stellen.

Eine der Bedingungen für ihr Erscheinen war es das keine Fragen aus dem Publikum an sie gestellt werden durften. Jedoch gab es die Möglichkeit Fragen auf eine Karte schriftlich zu formulieren und dem Diskussionsleiter Dr. Keikawus Arasteh zukommen zu lassen. Die Fragen sollten dann vorgelesen und vom adressierten Podiumsteilnehmer beantwortet werden. Satz mit X – war wohl nix. Während der gut 1 stündigen Veranstaltung hatten sich ne Menge Karten auf dem Tisch der Podiumsteilnehmer angesammelt – aber von dem Verlesen geschweige denn dem Beantworten der Fragen war man so weit entfernt wie der Mond von der Erde.

Freitag 12.09.2008 14.15 – 15.45

Schöner Wohnen Adé?

Hartz IV mit HIV erleben – eine Bilanz zur materiellen Versorgung von mittellosen Menschen mit HIV/Aids

Das war für mich ein überaus informativer und interessanter Workshop. Obwohl ich recht gut informiert bin was möglich ist wenn man Hartz IV bezieht bzw einen Teil der Rente über die Grundsicherung abgedeckt werden muß da die Rente von der LfA oder BfA niedriger als die Grundsicherung ist, war ich doch erstaunt das insbesondere bei dem Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung ( Krankenkostzulage) dem Einzelnen mehr zusteht als gemeinhin gesagt wird. Nicht nur die HIV Infektion als solche berechtigt zu einem Mehrbedarf sondern auch eine Hep C, Hygienezuschlag und ggf Zuschläge wegen Neuropathien, Bluthochdruck. „Alle Mehrbedarfzuschläge werden NEBENEINANDER gewährt“. Hier muß ein entsprechendes Antragsformular vom zuständigen Sachbearbeiter – Sozialamt – angefordert werden, das vom behandelnden Arzt ausgefüllt wird. Er muss die Erkrankung nennen und die Notwendigkeit einer bestimmten Kost. Die Behörde muß den Sachverhalt von Amts wegen ermitteln. Sie darf uns – dem Antragsteller nicht die Beweislast aufbürden.

Was die Höhe von Hartz IV betrifft – es gibt bestimmte Richtlinien – Grundlagen auf Grund dessen die Höhe des Regelsatzes festgelegt wird. In der Ausführung zu diesem Thema sagte Elisabeth Strothmann von der BAH das der Regelsatz „eigentlich“ bei Euro 475 liegen sollte. Wie wir wissen ist dem ja nicht so. Er liegt bei Euro 351. Die Kürzungen – der Weg wie man auf diese ominöse Zahl von 351 gekommen ist, ist rein willkürlich von dem entsprechenden Ausschuß – deren Mitglieder festgelegt worden. Schlüssig erklären kann es keiner – wohl sind die Argumente warum so und nicht anders so blumig und abenteuerlich wie die Märchen aus 1001 Nacht.

Samstag 13.09.2008 11.15 – 12.45

HIV und Alter I

Vor 20 Jahren hatte niemand geglaubt das man mit HIV alt werden könne. Bekam man Mitte der 80 ger die Diagnose „ Du bist HIV+“ mitgeteilt dann bedeutete dies nach damaligem Wissen und Verständnis das man noch max 3 Jahre leben würde. Es gab bis auf AZT keine anderen Medikamente noch war man sich damals in dem Maß wie heute um die Zusammenhänge der auftretenden Krankheiten im Kontext zu HIV im klaren. Das änderte sich erst ab 1995. Zum eine wußte man mehr über HIV zum anderen wurden auf Grund der Möglichkeiten des kombinieren von verschiedenen Medikamenten die Dynamik des Virus wesentlich verlangsamt bzw eingeschränkt. Die Sterblichkeit unter AIDS Kranken ging erheblich zurück; vielen HIV Positiven eröffnete sich wieder eine Perspektive für ihr Leben – faßten wieder Mut ihr Leben zu gestalten. Mittlerweile schreibt man HIV den Stellenwert einer chronischen Krankheit zu. Menschen die seit über 20 Jahren HIV positiv sind – sind keine Seltenheit mehr. Die Zahl der 50, 60 jährigen und Älteren nimmt stetig zu. Das wirft völlig neue Fragen auf. Zum einen stellen sich Fragen nach dem „ Wie alt werden – leben mit HIV“ zum anderen „Welche Folgen haben die Medikamente und deren Nebenwirkungen auf den normalen Prozess des Alterns“.

Sehr schnell war man sich in diesem Workshop darüber im klaren das der „Alterungsprozeß dem jeder Mensch unterworfen ist“ eine Sache ist – die andere jedoch HIV im Kontext zum Alt werden bzw der mit dem älter werden einhergehenden möglichen Krankheiten.

Nach einer Einführung auf alters und HIV bedingte Auswirkungen des Körpers war man sehr schnell bei der Thematik der psychosozialen Perspektive angelangt. Hier möchte ich besonders den Vortrag von Michael Jähme – HIV und Alter – hervorheben den man als PDF File auf der Webseite „HIV im Dialog“ unter Vorträge 2008 abrufen kann.

Samstag 13.09.2008 13.45 – 15.15

HIV und Alter II

Zu diesem Thema habe ich ausführlich in dem Text „Alle unter einem Dach – In Würde alt werden“ Stellung bezogen

Fazit

Was mich erstaunt hat war die Anzahl von älteren HIV Positiven. Insofern hat es sich gezeigt dass das Thema „HIV und Alter“ mehr als notwendig war – wie die Faust aufs Auge paßte.

Was mich erschrocken – teilweise stumm gemacht hat war die Resignation, die Hilf – Rat und teilweise Mutlosigkeit die ich in den Fragen vieler glaubte wahrzunehmen. Ich denke besonders wir sind eine Minderheit die es allen Unbillen zum Trotz geschafft haben ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und für sich selbst zu sorgen. Für mich ist dies keine Frage von „Stärke oder Schwäche“ sondern einfach eine Tatsache. Es gibt Menschen – wie wir – die sind dazu in der Lage und es gibt viele Menschen die schaffen es einfach nicht. Egal aus welchen Gründen. Und diese Menschen müssen diejenigen an die Hand nehmen die Kraft, Mut und Hoffnung in sich tragen, die in der Lage sind zu sagen: He auch wenn mir manchmal der Himmel auf den Kopf fällt – das Leben ist schön – es lohnt sich zu leben.

Ein besonderes Highlight für mich war das Thema „HIV und Alter – Projekt – Regenbogenvilla“. Am Montag habe ich die Schwulenberatung e.V. in der Mommsenstr. in Berlin – Charlottenburg aufgesucht und an der dort stattfindenden Gruppe teilgenommen da ich von Marco Pulver mehr über das Konzept zur Regenbogenvilla wissen wollte. Auch hier hat mich die Anwesenheit von vielen alten Schwulen die zum Teil alleine leben sprachlos gemacht. Unsichtbar . . . und vergessen . . . . . das war der Eindruck den ich teilweise hatte.

Der Verein der Schwulenberatung wurde 1982 – vor 26 Jahren gegründet. Die ersten Aids Hilfen – die DAH – 1985 gegründet. Die Fragen die sich mir während der letzten Tage stellen ist „Was ist passiert das  diejenigen die z.b. den Verein Schwulenberatung gegründet haben und die Gründer der AIDS Hilfen nicht zusammen gekommen sind?

Warum ist es heute nicht möglich das die Schwulenbewegung und die Aidshilfen zusammen kommen können um an einem Strang gemeinsam zu ziehen? Denn das tun sie meines Wissens nicht. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Wobei – und das möchte ich klar und unmißverständlich zum Ausdruck bringen – wenn die örtlichen/regionalen Aidshilfen und die DAH solches Engagement wie der Verein Schwulenberatung e.V. an den Tag legen würde, dann würde man dem Anspruch „die Interessen der HIV Positiven Schwulen und Lesben zu vertreten“ die sich viele AH´s und die DAH auf die Fahne geschrieben haben, in der Tat gerecht werden. So jedoch ist diese Ausage nichts weiter als „Another brick in the Wall“ eine Wall der uns – HIV Positive, Schwule und Lesben – schon genug in unserer Lebensqualität behindert.

Natürlich hat man sich der Vernetzung verschrieben – doch Synergieffekte sind etwas anderes. Den Anforderungen – dem vorhandenen Handlungsbedarf der durch die Teilnahme vieler alt und älter werdenden Schwule, Lesben und HIV Positiven auf dem Kongress „HIV im Dialog“ unter Beweis gestellt wurde, JETZT gerecht zu werden – davon sind imo die Aidshilfen – bis auf wenige Ausnahmen – meilenweit entfernt.

2015 wird jeder zweite HIV-Positive in Deutschland älter als 50 sein

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3 Antworten zu HIV im Dialog – Einsichten – Ansichten und Aussichten

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