Unser täglich Brot . . .


Als Kind verbrachte ich den größten Teil der Ferien bei meinen Großeltern. Das Dorf in dem sie lebten bestand aus einer Hauptstrasse, einem Kindergarten, einer Dorfschule die bis zur 4. Klasse ging, einer Kirche nebst Friedhof, 2 Kneipen und einem Dorfladen. Eine Bäckerei gab es jedoch nicht. Wozu auch. Damals vor 40 Jahren war es normal das man besonders in der Dörfern seinen Kuchen selbst backte. Brötchen – Weck war ein Luxusartikel den man sich nur selten leistete. Weil sich eine Bäckerei in dem Dorf meiner Großeltern nicht rentierte wurde das tägliche Brot, das man verzehrte von einem Bäcker aus dem Nachbardorf geliefert. Das bedeutete das man sich mit dem Bedarf für eine Woche eindecken mußte. Einmal in der Woche kam der Bäcker mit seinem Kombi aus dem Nachbardorf und versorgte das Dorf in dem meine Großeltern lebten mit Brot.

Es waren längliche Brotlaibe von einem Gewicht von 2 Kilo. Meine Großmutter kaufte mindestens 5 Stück von ihnen da Brot nicht nur billig sondern damals wie heute ein Grundnahrungsmittel war bzw ist. Das Brot, war, wenn es gebracht wurde frisch, weich und hatte eine herrliche braune knusprige Kruste. Das Größte war dann jedesmal eine Scheibe von dem frischen Brot bestrichen mit selbstgemachtem Pflaumenmus – Latwerje. Die Krönung war jedesmal die süße rahmige Haut von frischer Milch die oben auf die Latwerje kam. Die Milch erhielt meine Großmutter von meiner Tante, einer ihrer Töchter die im gleichen Dorf lebte und in einen Bauernhof eingeheiratet hatte. Die Milch kam in eine Steingutschüssel und damit sie nicht sauer wurde legte man ein Stück glasiertes Porzellan in die Milch. Nach zwei Tagen hatte sich dann oben auf der Milch der süße Rahm abgesetzt der dann eine durchgängige Haut bildete. Diese rahmige Haut oben auf einem Zwetgschenbrot das war der größte der Genüsse . . .neben anderen die meine Großmutter immer für mich in Petto hatte wenn ich bei ihr war.

brot5Am besten schmeckte das Brot jedoch nach 5 bis 6 Tagen. Die Feuchtigkeit war völlig entwichen und das Brot hatte eine herrliche feste Konsistenz wie ich sie seitdem nie wieder erfahren habe. Selbst nach 8, 9 Tagen – die Brotlaibe wurden abgedeckt in einem dunklen, kühlen Raum aufbewahrt – setzten sie keinen Schimmel an. Blieb mal ein Kanten übrig und wurde hart, so wurde er an die Hasen verfüttert von denen einer im Dezember geschlachtet wurde und dann als Weihnachtsschmaus am 1. Weihnhachtsfeiertag auf dem Tisch landete.

Seit neuestem gibt es in Darmstadt auch ein „Best Worscht of Town“. Die Spezialität sind die Soßen die man zu den Bratwürsten serviert und die an Schärfe ihresgleichen suchen. Das Brot jedoch das man wahlweise anstelle von Pommes Frites bestellen kann, ist das beste Brot was mir seit Jahren zwischen die Zähne gekommen ist. Jeden Morgen wird es frisch geliefert. Dann ist es herrlich weich und knusprig und verströmt einen Duft der mich sofort an das Brot meiner Kindheit bei meiner Großmutter erinnerte. Der Geschmack ist einzigartig und nicht zu vergleichen mit dem Brot das in div Lebensmittelmärkten verkauft wird. Selbst Brot das von Bäckereien noch selbst gebacken wird, selbst wenn der Grundstoff nicht aus einer Fertigbackmischung besteht, sie kommen an dieses Brot nicht heran. Wenn nach einigen Tagen die Feuchtigkeit aus dem Brot entwichen ist, dann ist es von feiner, fester Konsistenz und schmeckt einfach nur köstlich. Mit jedem Bissen merkt man die Kraft die Brot innewohnt – erfährt man wie Brot schmecken muß – wird einem bewußt was Brot ist.

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