Freiwilliger Zwangsurlaub


Ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich ? Weit gefehlt.

Die AIDS-Hilfe Frankfurt macht dicht!

Zwischen dem 11. bis 15. August haben die Geschäftsstelle, die Beratungs- und Fachstelle, die bASIS, die Schwulenberatung und die Kriseninterventionsstelle für Stricher geschlossen. In anderen Bereichen, wie etwa der ambulanten Pflege, sorgen variable Schließungszeiten dafür, dass die Klienten weiterhin gut betreut und versorgt sind. Grund für diese ungewöhnlichen, auch für Klienten der AIDS-Hilfe schmerzhaften Maßnahmen ist der finanzielle Engpass, in den die Organisation durch die Tariferhöhung im Öffentlichen Dienst geraten ist. In diesem Jahr fehlen der Frankfurter Institution bereits 95.000 Euro, im nächsten werden es 160.000 Euro sein. Die Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Frankfurt haben sie sich in einem „Bündnis für Arbeit“ dazu bereiterklärt, auf einen Teil ihrer Arbeitszeit zu verzichten, um Stellenstreichungen zu verhindern. Nur durch die einwöchige Schließung im August und das Entgegenkommen der Belegschaft, die dadurch netto keinen Cent mehr in der Tasche haben, konnte der drohende finanzielle Kollaps verhindert werden.

Leider eine Tatsache die – so ist zu befürchten – immer mehr zur Realität werden wird.

Mit Hilfe dieser Maßnahmen, die unweigerlich mit Leistungskürzungen für die betroffenen HIV-Infizierten und AIDS-Kranken verbunden sein werden, kann die AIDS-Hilfe Frankfurt ihre Politik verfolgen, auch in Zeiten knappster Kassen ihre bedarfsorientierte Arbeit fortzusetzen und keinen wesentlichen Tätigkeitsbereich zu schließen. Zugleich kann so der Verlust von ausgewiesenem Fachpersonal vermieden werden.

Die finanzielle Situation bei der AH Frankfurt ist nicht erst seit gestern äußerst angespannt. Im Jahr 2004 wurde der AHF 1/3 der finanziellen Zuwendung gestrichen das durch verstärkte Spenden und Arbeitszeitverkürzung versucht wurde aufzufangen. So mußte aus Kostengründen vor einigen Jahren bereits das Erscheinen der Zeitung der AHF „In Fact“ schon eingestellt werden.

Seitdem es verschiedene HIV Medikamente gibt die, was die Vermehrung des Virus betrifft dem Virus das Leben schwer macht, sodaß HIV heute für HIV Infizierte nicht mehr das Todesurteil ist das es bis Mitte der 90 Jahre noch war hat sich leider in vielen Teilen der Bevölkerug – insbesondere der Politiker das Bild breit gemacht „HIV? Ach da gibts ja was“ mit der fatalen Folge das seitdem die öffentlichen finanziellen Zuwendung im fast jährlichen Rhyhmus gekürzt wurden und weiterhin werden.

Schon im Jahr 2002 stand die Frankfurter Aidshilfe vor dem Aus da sie von einer 20% Haushaltskürzung bedroht war. Die Schließung konnte nur deshalb verhindert werden weil sich die Mitarbeiter der AHF bereit erklärten auf einen Teil ihres Gehaltes bei gleichbleibender Arbeitszeit zu verzichten.

Kürzungen im sozialen und gesundheitsbereich sind heutzutage Usus – ja man kann schon fast sagen eine Art Olympiade (Zeitraum zwischen zwei olympischen Spielen) geworden. Welche Kommune – welcher Verband spart/streicht am meisten. Alte und chronisch kranke Menschen – dank der Medikamente ist HIV mittlerweile behandelbar geworden und wird als chronische Krankheit eingestuft – bringen nach kaufmännischem Denken nur eines mit sich bringen: Ausgaben und Kosten aber keinen Gewinn.

Da stellt sich mir schon die Frage welches „Menschenbild“ in vielen Köpfen der Politiker sowie der Entscheidungsträger in div Ämtern, die letztendlich die Vorgaben der Politik vor Ort umsetzen bzw interpretieren, herrscht.

HIV im Jahre 25 ist nach wie vor eine nicht heilbare Krankheit. Die vorhandenen Medikamente haben vielen Infizierten wieder den Weg zurück ins Leben geschenkt und es ihnen ermöglicht ein erfülltes Leben führen zu können. Die andere Seite ist jedoch die – die Medikamente sind keine Smarties von denen man mal so en passent zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen im Büro oder zu Hause ne Handvoll einwirft. Viele HIV Infizierte haben immer wieder mit Nebenwirkungen der Medikamente zu kämpfen die alles andere als ein Zuckerschlecken sind. Und – was nach wie vor für die meisten ein großes Thema – Problem ist, ist das Stigma das viele mit sich herumtragen bzw das Bild das die Gesellschaft von HIV Positiven immer noch hat. Die dadurch vorhandene psychische Belastung – Streß ist nicht mit ein paar Pillen zu kompensieren. Hier sind die Aids Hilfen, deren Mitarbeiter nach wie vor notwendig, werden sie nach wie vor gebraucht.

Die Langzeitwirkung der Medikamente zeichnen sich erst jetzt ganz langsam ab. HIV im Alter – wie und vor allem wo werden HIV Positive ihren Lebensabend verbringen – besonders wenn sie wegen ihrer Krankheit keine adäquate Altersvorsorge treffen konten? So sind z.b. Lebensversicherungen für HIV Positive sind immer ein Traum für viele. Dies sind Fragen mit dem sich jeder Mensch auseinandersetzt. Auch HIV Positive!

Mit Ausnahme von Rita Süssmuth hat die Politik – die Politiker in den letzten 25 Jahre im Kontext zu HIV auf vielen Ebenen wenig bewirkt. Und es steht zu befürchten das dies in der Zukunft auch weiterhin so bleiben wird.

Durch Kürzungen und Streichungen sind diese Themen – ist diese Problematik mit Sicherheit nicht zu lösen. Und nur weil man eine Sonnenbrille aufsetzt ist die Sonne ja nicht verschwunden.

Dieser Beitrag wurde unter HIV/AIDS, Politik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s