Die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber Menschen mit HIV am Beispiel Wolfsburg


Unter dem Motto „Bewegen – Gestalten – Entscheiden“ finden vom 23. bis 26. August die „Positiven Begegnungen“ in Wolfsburg statt. Hört man Wolfsburg, denkt man unweigerlich an VW – mit 51.000 Angestellten größter Arbeitgeber der Stadt. Folgerichtig wird es am Freitag eine Veranstaltung mit dem Titel: „PoBe meets VW“ geben. Arbeitnehmer/innen von VW sind eingeladen, mit HIV-Positiven ins Gespräch zu kommen – um Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen.

Ein zentrales Thema ist – neben u.a. HIV im Erwerbsleben, Stigmatisierung und Kriminalisierung von Menschen mit HIV. Quelle: DAH Blog – Wissenswertes über Wolfsburg

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Im Vorfeld der PoBe veröffentlichte die Deutsche AIDS Hilfe erstmals Daten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV.

Anlässlich ihrer Konferenz „Positive Begegnungen“, die am Donnerstag in Wolfsburg beginnt, hat die Deutsche AIDS-Hilfe am Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg die Ergebnisse ihrer Studie „positive stimmen“ vorgestellt.

„positive stimmen“ ist die deutsche Umsetzung des internationalen Projekts „The People living with HIV Stigma Index“, das unter anderem von der HIV/Aids-Organisation der Vereinten Nationen, UNAIDS, und dem Globalen Netzwerk von Menschen mit HIV, GNP+, getragen wird. Das Prinzip: HIV-Positive befragen HIV-Positive. So werden in dieser Studie nicht nur Stigmatisierung und Diskriminierung (hauptsächlich der Gesellschaft gegenüber Menschen mit HIV) sichtbar, sondern gleichzeitig können sich alle Beteiligten mit ihrer Situation auseinandersetzen und Wege zum Umgang damit entwickeln. Forschung und Ermutigung, Hilfe zur Selbsthilfe gehen Hand in Hand. 

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Noch am Freitag vormittag hatte man der Hoffnung Ausdruck gegeben, das an dem Workshop

PoBe meets VW – Was ich immer schon mal fragen wollte, aber mich nie getraut habe…  Programm Seite 13

Mitarbeiter von VW teilnehmen würden. Unter anderem heißt es:

Was kann ich dafür tun, das der Umgang mit HIV im Unternehmen selbstverständlicher wird? Wie können die Ängste der Kolleg(inn)en abgebaut werden?

In diesem Workshop wollen wir Begegnungen zwischen erwerbstätigen Menschen mit und ohne HIV ermöglichen und einen offenen Dialog führen, Unser Ziel ist, Ängste und Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen.

Wir wollen es uns erlauben, endlich mal all die Fragen stellen können, die auftauchen, neugierig aufeinander sein dürfen, Vorurteile und Ängste abbauen.

Zu dem Workshop laden wir alle Mitarbeiter/innen von VW und alle Teilnehmer/innen der PoBe ganz herzlich ein.

Diese Einladung an die Mitarbeiter/innen (hier wird VW als Arbeitgeber von 51.000 MItarbeiter angesprochen! ) ist auch stellvertretend als eine Einladung an die Gesellschaft zu verstehen sich gemeinsam mit uns – Menschen mit HIV – an einen Tisch zu setzen und unabhängig von einem Ergebnis zu bestimmten Aspekten die das Thema HIV – Gesundheit – Prävention und Aufklärung und Themen die über HIV (zb Stigma, Diskriminierung) hinausgehen betreffen – das ja nicht nur ein Thema von Menschen mit HIV ist – in einen Dialog zu treten.

Leider haben sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Leider wurde diese Chance von der Gesellschaft wieder einmal nicht aufgegriffen – angenommen:

24.08.12 20:35 Uhr: PoBe meets VW – Was ich immer schon mal fragen wollte, aber mich nie getraut habe…

Für diesen Workshop musste kurzfristig ein Plan B aus dem Hut gezaubert werden, denn von den VW-Mitarbeiter/innen “1 von 51000!!!” ist niemand der Einladung gefolgt. Quelle: aidshilfe.de aktuelles

PoBe meets VW. So richtig neugierig scheinen die 51.000 VW-Mitarbeiter allerdings nicht zu sein, niemand erschien, die PoBe blieb unter sich. Spannend war der Workshop trotzdem, machte er doch deutlich, wie schwierig es ist, sich am Arbeitsplatz als positiv zu outen. Die zwei Referenten, einer von VW, einer von IBM, berichteten, dass sie am Arbeitsplatz offen leben und damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben, bestätigten aber auch, dass sie in ihren Firmen die einzigen offen lebenden HIV-Positiven sind. Das fand ich erschütternd. Quelle

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Ihr die 51.000 Arbeitnehmer von VW, die ihr einen Teil der Gesellschaft repräsentiert, und somit auch synonym für die Gesellschaft steht habt Euren Teil dazu beigetragen bzw seid dafür verantwortlich, das . . .

• . . . knapp 77% der Befragten i.e. Menschen mit HIV – im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt haben – von Tratsch über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen.

• . . . das rund 20% der Befragten i.e. Menschen mit HIV im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV eine medizinische Behandlung verweigert wurde (zum Beispiel beim Zahnarzt) habt.

• . . .  das mehr Leute – Menschen mit HIV – ihren Job aufgrund von Diskriminierung als aus gesundheitlichen Gründen verloren haben. Kündigungen hatten in 84% der Fälle mit Diskriminierung zu tun.

• . . . das sich 30% der Befragten – Menschen mit HIV – von ihrer Familie zurückgezogen haben. Bei denen, die  zuvor bereits Ausschlusserfahrungen in der Familie machen mussten, waren es sogar 66%.

• . . . das Menschen mit HIV Stigmatisierung und Diskriminierung verinnerlicht haben: 42% berichteten, sie hätten im Jahr vor der Befragung aufgrund von HIV ein niedriges Selbstwertgefühl gehabt.

Ihr die 51.000 Arbeitnehmer von VW, die ihr einen Teil der Gesellschaft repräsentiert, und somit synonym für die Gesellschaft steht habt durch Euer Verhalten, eure Gleichgültigkeit, Euer nicht Erscheinen, Eure nicht Teilnahme nicht nur die einmalige Chance etwas über den Alltag von Menschen mit HIV zu erfahren, die Gelegenheit Eure Wahrnehmung, Gedanken und Euer Verhalten nicht nur uns gegenüber sondern auch euch selbst gegenüber zu hinterfragen verpaßt.

Ihr die (Mehrzahl der) Gesellschaft stellvertretend durch die Mitarbeiter/Innen von VW 51.000 an der Zahl !!! habt durch Eure Gleichgültigkeit die ihr durch Euer Nichterscheinen an den Tag gelegt habt, kein Recht uns zu bewerten, uns zu be – und zu verurteilen.

Der Fairnißhalber gibt es auch positives zu berichten, jedoch ist dies nicht Euer Verdienst.

• Die gute Nachricht: 29% der Befragten gehen gegenüber ihrem Arbeitgeber offen mit ihrer Infektion um – mehr als meist vermutet. 61% tun dies allerdings nicht, viele davon aus Angst vor Benachteiligung. (Rest zu 100 Prozent: Mischformen).

• 74% der Arbeitgeber reagierten auf das Coming-out HIV-Positiver unterstützend oder neutral, 26% diskriminierend.

Quelle: Daten zu Diskriminierung von Menschen mit HIV

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